Review: George R. R. Martin: Im Haus des Wurms (Graphic Novel)

Und weil man auf einem Bein ja bekanntermaßen nicht so gut steht, widmet sich auch die zweite Review heute a) einer Graphic Novel von einem b) nicht gerade unbekannten Autor. Viel Spaß damit und ein weiterhin schönes Wochenende!

George R. R. Martin
Im Haus des Wurms

In the House of the Worm #1-4, USA 2014, 108 Seiten

George R. R. Martin: Im Haus des Wurms | © Panini
© Panini

Autoren:
George R. R. Martin (Buch-Vorlage)
John Jos Miller (Adaption)
Zeichner:
Ivan Rodriguez

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98518-7

Genre:
Fantasy | Science-Fiction | Abenteuer

 

Inhalt:

Ausschnitt aus George R. R. Martin: Im Haus des Wurms | © Panini
© Panini

Unter dem Antlitz einer sterbenden Sonne hat sich auf einem fernen, fremden Planeten eine dekadente Untergrundgesellschaft gebildet, die dem Weißen Wurm huldigt, doch in noch tieferen Höhlen des Planeten leben die Grouns, missgestaltete Wesen, die das Tageslicht fürchten und von den vermeintlichen Herrschern des Planeten gejagt und verspeist werden. Annelyn, eines der Mitglieder der dekadenten Gesellschaft, gerät mit Fleischbringer, einem Wanderer zwischen diesen beiden Welten aneinander, als dieser ihm seine Eroberung Caralee, die attraktive Tochter eines Pilzbauern bei der Sonn-Masque – dem größten Fest des Jahres – abspenstig macht.

Um Rache an Fleischbringer nehmen zu können, verfolgt Annelyn Fleischbringer in die unteren Höhlen, in das Gebiet der Grouns, doch wird der Jäger nicht nur schnell zum Gejagten, sondern muss auch erkennen, welch schreckliches Geheimnis unterhalb der prunkvollen Hallen lauert…

Rezension:

Den Hype, der um George R. R. Martin – der ja schon vor seinem Epos Das Lied von Eis und Feuer ein renommierter Schriftsteller war – dank des Megaerfolges der HBO-Serienadaption Game of Thrones entstanden ist, brauche ich ja sicherlich nicht noch einmal gesondert zu erklären und da ist es kaum verwunderlich, dass nach Fevre Dream und Skin Trade (steht noch aus, lese ich aber auch noch!) nun mit Im Haus des Wurms bereits die dritte Comic-Adaption einer seiner Novellen ihren Weg in den Panini Verlag gefunden hat. Man würde meinen, dass sich Novellen oder Kurzgeschichten ja nun einmal auch vortrefflich eignen, um sie ins Comic-Format zu adaptieren und das dem durchaus so sein kann, wurde auch schon mehrfach unter Beweis gestellt, doch ließ mich der vorliegende Band dann doch leider mit durchaus gemischten Gefühlen zurück.

Ausschnitt aus George R. R. Martin: Im Haus des Wurms | © Panini
© Panini

Möglicherweise dem Umstand geschuldet, dass hier die gesamte Geschichte in gerade einmal vier Hefte gepresst worden ist, die sich in Im Haus des Wurms versammelt finden, kam mir die Story nämlich zuweilen recht sprunghaft und abgehackt erzählt vor, so dass ich mir deutlich mehr Hintergrundinformationen zu dieser grundsätzlich so spannenden Gesellschaft unter einer sterbenden Sonne gewünscht hätte, doch leider bleiben Erklärungen sparsam und zugunsten eines zügig in Gang kommenden Plots wird vieles vernachlässigt, was die Geschichte nicht nur spannender, sondern auch tiefgründiger gemacht hätte. Ohne Frage beweist Martin auch hier wieder überbordende Kreativität, doch kratzt der Band eben oft nur an der Oberfläche dessen, was möglich gewesen wäre und die schockierenden Erkenntnisse, die sich dem Protagonisten Annelyn im Laufe der Zeit erschließen, werden nur rudimentär erläutert, während die Geschichte schließlich ärgerlich abrupt ihr Ende findet.

Bis dahin ist es eine durchaus abenteuerliche Jagd durch die Höhlen unterhalb des dekadenten Sternenvolks und auch der Kontrast zwischen den anmutigen Anbetern des Weißen Wurms und den im Verborgenen lebenden Grouns wird schön herausgearbeitet, wobei dem Antagonisten und Reisenden zwischen den Welten, dem sogenannten Fleischjäger eine besondere Bedeutung zukommt, doch gelingt es eben nie ganz, diese schillernde Welt in all ihren Facetten vollends zur Entfaltung zu bringen, was noch dazu durch ein extrem gehetzt wirkendes letztes Drittel untermauert wird, bei dem ich mehr als einmal das Gefühl hatte, die Macher müssten sich redlich bemühen, die Geschichte nun schnell noch innerhalb einiger weniger Seiten zu Ende zu erzählen.

Ausschnitt aus George R. R. Martin: Im Haus des Wurms | © Panini
© Panini

Hinzu kommt dann hierbei leider auch die nur semiüberzeugende grafische Umsetzung seitens Ivan Rodriguez, von dem auch das um Aufmerksamkeit heischende Cover stammt, das mit der Story von Im Haus des Wurms schlussendlich herzlich wenig zu tun hat, denn während er auf den ersten Seiten seine Stärken voll ausspielen kann und gemeinsam mit der bewusst schillernden Farbgebung der Digikore Studios zu überzeugen weiß, gelingen ihm Figuren und Gesichtszüge nicht annähernd so überzeugend und spätestens wenn es für Annelyn in die tiefsten Tiefen unterhalb der Gesellschaft geht und in den Tunneln tiefste Schwärze der vorherrschende Farbton ist, geht ein Großteil der anfänglichen Faszination für das exotische Setting verloren, wobei man ihm zumindest zugutehalten muss, dass die allerorts anzutreffenden Würmer herrlich eklig in Szene gesetzt worden sind und das eine oder andere Mal regelrecht zum Schütteln verleitet haben, was ich nun auch bisher selten von einem Comic habe behaupten können, doch macht das allein eben noch keine überzeugende Geschichte und ich glaube, ich werde mir wohl eher beizeiten noch einmal die literarische Vorlage vornehmen in der Hoffnung, mehr über diese so absonderlich anmutende Gesellschaft zu erfahren, die George R. R. Martin da vor vielen Jahren ersonnen hat.

Fazit & Wertung:

Während sich die eigentliche Idee der literarischen Vorlage von George R. R. Martin zu Im Haus des Wurms sicherlich nicht zu verstecken braucht, weiß die Adaption leider nicht in allen Belangen zu überzeugen, denn zu oberflächlich bleibt die Geschichte und zu sprunghaft wirkt die Erzählung, der – außerirdisch-exotisches Setting hin oder her – eine düsterere Optik weitaus besser zu Gesicht gestanden hätte, zumal speziell Gestik und Mimik der von Zeichner Ivan Rodriguez geschaffenen Figuren nicht immer zu überzeugen wissen.

6 von 10 monströsen Würmern

George R. R. Martin: Im Haus des Wurms

  • Monströse Würmer - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Während sich die eigentliche Idee der literarischen Vorlage von George R. R. Martin zu Im Haus des Wurms sicherlich nicht zu verstecken braucht, weiß die Adaption leider nicht in allen Belangen zu überzeugen, denn zu oberflächlich bleibt die Geschichte und zu sprunghaft wirkt die Erzählung, der – außerirdisch-exotisches Setting hin oder her – eine düsterere Optik weitaus besser zu Gesicht gestanden hätte, zumal speziell Gestik und Mimik der von Zeichner Ivan Rodriguez geschaffenen Figuren nicht immer zu überzeugen wissen.

6.0/10
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Im Haus des Wurms ist am 22.09.15 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • mwj

    Wie so oft in Comics sehen die Figuren hier völlig nichtssagend aus.

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