Review: Momentum (Film)

Nachdem ich gestern ja nur wenig Grund zur Freude hatte, stand zu befürchten, dass mich auch der nun folgende Film enttäuschen würde, doch weit gefehlt, ist er nämlich mit der richtigen Erwartungshaltung regelrecht empfehlenswert, hat mir zumindest durchaus gut gefallen. Warum? Na das könnt ihr ja jetzt in aller Ausführlichkeit nachlesen:

Momentum

Momentum, ZA/USA 2015, 96 Min.

Momentum | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Stephen S. Campanelli
Autor:
Adam Marcus
Debra Sullivan

Main-Cast:
Olga Kurylenko (Alex Farraday)
James Purefoy (Mr. Washington)
in weiteren Rollen:
Lee-Anne Summers (Penny)
Hlomla Dandala (Mr. Madison)
Morgan Freeman (Senator)

Genre:
Action | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Momentum | © Universum Film
© Universum Film

Eigentlich hatte Alex Farraday damit abgeschlossen, mit Raubüberfällen ihr Auskommen zu sichern, doch lässt sie sich von ihrem früheren Partner zu einem letzten Coup überreden, bei dem es gleich um einen ganzen Beutel Diamanten geht. Doch nicht nur der Überfall geht dank der mangelnden Professionalität eines der vier Beteiligten gehörig schief, auch bei der Beute handelt es sich um weit mehr, als die Diebe ahnen, denn bei den Diamanten befindet sich zudem ein USB-Stick mit hochbrisanten Informationen über die Pläne eines amerikanischen Senators, die diesen in arge Bedrängnis bringen könnten, weshalb der nicht zögert, neben dem Auftragskiller Mr. Washington gleicheine ganze Schar zwielichtiger Gestalten auf die Wiederbeschaffung des Sticks anzusetzen.

Alex, deren Gesicht nach dem missglückten Überfall längst durch die Medien geistert, sieht sich nun nicht nur mit den Gesetzeshütern konfrontiert, sondern auch Mr. Washington und Konsorten machen unerbittlich Jagd auf sie und bedrohen schließlich die Familie ihres früheren Partners, die dadurch ebenfalls in die Schusslinie gerät. Schnell wird klar, dass Mr. Washington zum Erreichen seines Ziels gänzlich ohne Skrupel vorzugehen bereit ist, doch Alex ist weit mehr als eine attraktive Diebin und blickt auf eine umtriebige Vergangenheit zurück…

Rezension:

Im Grunde ist Steven S. Campanellis Regiedebüt Momentum ein in keiner Weise sonderlich außergewöhnlicher Film und man könnte ihn ob seines dünnen und nicht immer konsistenten Plots genüsslich zerpflücken, doch handelt es sich eben um einen Action-Film, der mitnichten einen Hehl daraus macht, dass die rudimentäre Handlung mehr als Mittel zum Zweck dient, Schusswechsel an Verfolgungsjagd an Zweikampf an Schusswechsel zu reihen und in dieser Disziplin funktioniert der Film ausgesprochen gut, zumal er spürbar von der langjährigen Erfahrung des Regisseurs Campanelli als Kameramann profitiert, dessen Gespür für gerade in Anbetracht des vergleichsweise geringen Budgets imposante Bilder nicht von der Hand zu weisen ist, zumal das Tempo des gerade einmal rund neunzigminütigen Streifens erfreulich schnell anzieht und man sich zu keinem Zeitpunkt mit mehr als vielleicht höchstens zwei Minuten Leerlauf begnügen muss.

Szenenbild aus Momentum | © Universum Film
© Universum Film

Die Bilder sind virtuos gefilmt, die Schauplätze – so klassisch sie auch sein mögen (Hotel, verlassene Lagerhalle etc.) – vermitteln gehörig Flair und die Action-Sequenzen und Kampf-Szenen sind temporeich inszeniert, ohne dabei hektisch oder gar unübersichtlich zu werden zu drohen, so dass man sagen kann, dass Momentum allein schon in optischer Hinsicht merklich Boden gut macht, wobei auch der Soundtrack hier sein Übriges tut, die wuchtigen Bilder zu unterstützen. Da stört es kaum noch, dass sich Campanelli selbst bei den actionreichen Passagen ausgiebig aus dem Fundus älterer wie neuerer Filme des Genres bedient hat und man meint, das alles schon einmal gesehen zu haben, schlichtweg weil es handwerklich gut gemacht ist, Spaß macht, keine Langeweile aufkommen lässt und – so sehr die Szenen manchmal bei genauerer Betrachtung hinsichtlich einer in sich stimmigen Logik demontiert werden könnten – zu kaum einem Zeitpunkt Zweifel darüber aufkommen lassen, was der Film darstellen will. Und so betrachtet reichten mir auch die zugegebenermaßen spärlichen Informationen, die man über die einzelnen Charaktere geliefert bekommt, weil sie letztlich trotz Auslassungen ein in sich stimmiges Bild kreieren, insbesondere die beiden Hauptfiguren von ihrer zunächst unbekannten Vita und der damit einhergehenden mysteriös-bedrohlichen Aura durchaus profitieren.

In der Beziehung hat mich Hauptdarstellerin Olga Kurylenko auch richtiggehend überrascht, denn wenn sie auch schon in einigen Actionfilmen mitgewirkt hat, spielte sie dort doch stets nur die zweite Geige, konnte dafür aber schon in dem Historien-Actioner Centurion überzeugen, doch ließ sich daraus in keiner Weise ableiten, dass sie in der Lage wäre, einen gesamten Film im Alleingang zu schultern, was ihr jedoch zweifelsohne gelingt, gleichsam aber James Purefoy (Ironclad, Rom) zu verdanken sein mag, der einmal mehr in seiner Paraderolle als charismatischer Antagonist zu glänzen versteht und glaubhaft vermittelt, dass seine Figur des Mr. Washington Kurylenkos Alex Farraday weitestgehend ebenbürtig ist, was man beileibe nicht in vielen Action-Streifen erlebt. Der Rest der ebenfalls nach amerikanischen Präsidenten benannten Schurkenbande gerät da zwar zuweilen zu bloßer Makulatur, doch hat jeder der Charaktere im Kontext der Story seine Daseinsberechtigung, bleibt jedoch in punkto Figurenzeichnung ausnehmend blass. Ebenso verhält es sich mit Morgan Freeman als skrupelloser Senator, dessen Rolle von so ziemlich jedem hätte gespielt werden können und kaum mehr als vielleicht drei Minuten Screentime zugestanden bekommt, was den Vorwurf des Namedropping nahelegen würde, doch wird Freeman im offiziellen Cast des Films nicht einmal erwähnt und seine Beteiligung ist vielmehr darauf zurückzuführen, dass er Campanelli seine Dienste aufgrund früherer Zusammenarbeit unter Clint Eastwood selbst angeboten hat.

Szenenbild aus Momentum | © Universum Film
© Universum Film

Sicherlich verfügt Momentum über kaum nennenswerte Tiefe, doch genügen die kleinen Andeutungen in Richtung korrupter Politiker, Kriegstreiberei und Edward Snowden vollauf, um das klassische Katz-und-Maus-Spiel, das sich hier zwischen Kurylenko und Purefoy entspinnt, zu rechtfertigen, wenn man denn eben nicht mit dem Anspruch an den Film herangeht, hier einen wahnsinnig tiefgründigen Thriller serviert zu bekommen, denn das ist er wahrlich nicht, dafür erfreulich tempo- wie actionreich, stylish und vor allem kurzweilig, wenn man auch über das relativ offene ende die Nase rümpfen kann, was daraus resultiert, dass die Drehbuchautoren Adam Marcus und Debra Sullivan den Streifen als Auftakt einer Filmreihe konzipiert haben, zu der es jedoch vermutlich nicht kommen wird, doch dafür würde dem Stoff dann aber auch wirklich das Fleisch auf den Rippen fehlen.

Fazit & Wertung:

Wenngleich der versierte Kameramann Steven S. Campanelli in seinem Regiedebüt Momentum munter zahllose Genre-Zutaten zusammenwürfelt und einen nicht gerade tiefschürfenden Action-Thriller generiert, gelingen ihm doch spektakuläre Bilder und Sequenzen, die dank seiner zwei charismatischen Hauptdarsteller Olga Kurylenko und James Purefoy für eine Menge Kurzweil und Unterhaltung sorgen.

7 von 10 zerbrochenen Glasscheiben

Momentum

  • Zerbrochene Glasscheiben - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Wenngleich der versierte Kameramann Steven S. Campanelli in seinem Regiedebüt Momentum munter zahllose Genre-Zutaten zusammenwürfelt und einen nicht gerade tiefschürfenden Action-Thriller generiert, gelingen ihm doch spektakuläre Bilder und Sequenzen, die dank seiner zwei charismatischen Hauptdarsteller Olga Kurylenko und James Purefoy für eine Menge Kurzweil und Unterhaltung sorgen.

7.0/10
Leser-Wertung 5.5/10 (2 Stimmen)
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