Review: Outcast 1: Im Reich der Finsternis (Graphic Novel)

Nachdem ich mir gestern schon wieder außerplanmäßig eine kleine Auszeit gegönnt habe, will ich euch heute nicht schon wieder auf dem Trockenen sitzen lassen, doch da sich meine nächste Brettspiel-Review noch in der Mache befindet, fahren wir einfach im üblichen Turnus fort und widmen uns heute wieder zwei Graphic Novels, deren erste ihr nun hier präsentiert bekommt und deren Schöpfer und Autor den meisten nicht gerade unbekannt sein dürfte 😉

Outcast 1
Im Reich der Finsternis

Outcast #1-6, USA 2014, 160 Seiten

Outcast 1: Im Reich der Finsternis | © Cross Cult
© Cross Cult

Autor:
Robert Kirkman
Zeichner:
Paul Azaceta

Verlag (D):
Cross Cult
ISBN:
978-3-86425-667-1

Genre:
Mystery | Horror | Drama

 

Inhalt:

Kyle Barnes hat sein Leben alles andere als im Griff, was zuvorderst daran liegt, dass er schon seit jeher im Kontakt mit finsteren Mächten des Zwischenreiches steht, die nicht nur von seiner Frau, sondern auch schon seiner Mutter Besitz ergriffen haben und ihn nun in trostloser Einsamkeit vor sich hinvegetieren lassen. Das ändert sich erst, als Reverend Anderson ihn um Hilfe ersucht, um einen Exorzismus durchzuführen, denn die dämonischen Wesenheiten scheinen Barnes zu kennen, ja, ihn zu fürchten, nennen ihn Outcast, auch wenn Kyle keine Ahnung hat, was das bedeuten könnte.

Ausschnitt aus Outcast 1: Im Reich der Finsternis | © Cross Cult
© Cross Cult

Doch Kyle will endlich Antworten, seine Angst überwinden und Reverend Anderson scheint ihm dabei helfen zu können, wenn auch dieser bald erkennen muss, dass es sich mit dem Kampf Gut gegen Böse längst nicht so simpel verhält, wie es ihm in seinem Glauben vorkam, denn gegen so manche Besessenheit scheint kein Kraut gewachsen und die himmlische Unterstützung, um die er ersucht, ist längst nicht so zuverlässig und allmächtig, wie es sich der Mann Gottes früher einzureden versucht hat. Gemeinsam versuchen die zwei ungleichen Gefährten zu ergründen, was wirklich in der Finsternis lauert…

Rezension:

Wenn meine Leseausflüge hinsichtlich The Walking Dead doch immer wieder stagnieren, bin ich doch spätestens seit der ersten von mir regelrecht verschlungenen Ausgabe seinerzeit ein ausgewiesener Fan von Robert Kirkman und so horchte ich auch direkt auf, als seine neue Comic-Serie von sich reden zu machen begann, wenn diese nun mittlerweile auch schon wieder ein gutes halbes Jahr bereits in deutscher Fassung seitens Cross Cult vorliegt. Und erneut bleibt sich Kirkman seinem Faible für auf den ersten Blick klassische Stoffe treu, denen er allerdings eine gehörige Frischzellenkur verpasst, wobei er sich dennoch einschlägig bekannter Medienerzeugnisse bedient und seine Geschichten mit zahlreichen Reminiszenzen spickt. Waren es nun aber bei The Walking Dead die wandelnden Toten, die ja sowieso schon seit längerer Zeit ein regelrechtes Revival feiern, widmet er sich nun in Outcast dem Thema Exorzismus und Besessenheit, wobei auch Zeichner Paul Azaceta freimütig einräumt, sich von zahllosen Filmen inspiriert haben zu lassen, was ja aber auch in keiner Weise verurteilenswert ist, zumal ihm teils wirklich beeindruckende Bildkompositionen gelingen und das, obwohl ich grundsätzlich mit einem derart reduzierten Stil, der sich auch in der Farbgebung seitens Elizabeth Breitweiser widerspiegelt, gar nicht einmal so viel anfangen kann, doch hier funktioniert die Verquickung der einzelnen Komponenten wirklich formidabel.

Ausschnitt aus Outcast 1: Im Reich der Finsternis | © Cross Cult
© Cross Cult

Die Tristesse des Kleinstadtlebens wird dabei ebenso transportiert wie das heruntergekommene Lebensumfeld von Kyle Barnes, dem Outcast, wobei man sich in diesem Band nicht wirklich erwarten darf, zu erfahren, um was genau es sich dabei handelt, denn Kirkman hält sich ganz bewusst mit Informationen zurück, reißt zwar eine Vielzahl Themen an, beleuchtet immer wieder schlaglichtartig Kyles Vergangenheit und lässt den für Exorzisten-Story-Verhältnisse ungewohnt ambivalent charakterisierten Reverend in privaten Pokerrunden zu Wort kommen. Gerade der unweigerlich bei diesem Thema vorhandene religiöse Unterbau wird hier übrigens ausnehmend frisch präsentiert und hat wenig mit den einschlägigen Gutmenschen zu tun, was eben wie gesagt zu großen Teilen an den teils eigenwilligen Einstellungen und Ansichten des Reverends liegt. Dennoch ist Kyle Barnes unbestritten Hauptprotagonist (und ja auch Namensgeber) der Chose, wobei ich hier gespannt bin, inwieweit seine Vergangenheit künftig noch beleuchtet werden wird, denn auch wenn man nach Band 1 ein gewisses Verständnis für die Figur entwickelt hat, liegen doch noch weite Teile im Dunkeln und sein Background bleibt überwiegend fragmentarisch, was aber auch sehr dem Mystery-Charakter der Geschichte zupass kommt.

Das einzige, was man Outcast derweil nach momentanem Stand ankreiden könnte, ist, dass Kirkman und Azaceta eine Vielzahl Handlungsorte aufmachen und weit mehr Figuren vorstellen, als lediglich Barnes und den Reverend, was zuweilen in Kombination mit Rückblenden und Erinnerungen zunächst verwirrend sein kann, wenn man noch nicht so recht zu verorten weiß, wo und bei wem man sich befindet. Immerhin hält diese Verwirrung meist nur kurz an und fällt nicht nachhaltig störend ins Gewicht, zumal auch hier die Farbgebung die Geschichte vortrefflich zu unterstützen weiß, da Breitweiser es versteht, einzelne Szenen und insbesondere eben Rückblenden farblich voneinander abzugrenzen. Atmosphärisch agiert der Band daher auch von der ersten Einstellung an auf einem hohen Niveau und hält dieses spielend, so dass man sich schnell in der Geschichte verlieren kann, die noch nicht einmal auf billige Schockeffekte zurückgreifen muss und sich mancherorts – nicht immer! – unerwartet zurückhält, trotz oder gerade deswegen aber zuweilen wirklich beklemmend und bedrohlich wirkt, was ich von den wenigsten Graphic Novels behaupten könnte.

Ausschnitt aus Outcast 1: Im Reich der Finsternis | © Cross Cult
© Cross Cult

Kirkman ist also mit Outcast 1: Im Reich der Finsternis ein überzeugender Einstand gelungen, zumal er hinsichtlich der grafischen Umsetzung genau das richtige Händchen beweist, so dass es kaum verwundert – selbstverständlich gerade in Anbetracht des anhaltenden Erfolges von The Walking Dead und neuerdings Fear The Walking Dead – , dass seitens Cinemax bereits eine TV-Adaption in Angriff genommen worden ist, die 2016 das Licht der Welt erblicken wird. Bis es soweit ist, kann man sich aber nicht nur mit dem vortrefflich gestalteten und gewohnt wertig daherkommenden Band vergnügen, dem zudem noch ein lohnenswertes Interview mit Azaceta spendiert worden ist, sondern auch jetzt schon gespannt sein auf den für Dezember angekündigten zweiten Teil Unermesslicher und endloser Zerfall, der dann hoffentlich das Wesen und die Hintergründe um die Outcasts weiter beleuchten wird, denn so großartig Kirkmans kryptische Andeutungen sind, brennen mir nun nach dem Auftaktband zahlreiche Fragen unter den Nägeln, die hoffentlich demnächst beantwortet werden.

Fazit & Wertung:

Gemessen an dem rundherum überzeugenden Auftaktband Outcast 1: Im Reich der Finsternis könnte es sich hierbei um den nächsten großen Wurf von Horrorspezialist Robert Kirkman handeln, zumal die düstere Story auch dank Zeichner Azaceta ungemein atmosphärisch daherkommt. Dennoch darf man auf den Folgeband gespannt sein, denn so spannend und packend der Band auch geraten sein mag, bekennt er noch nicht so recht Farbe, was genau es mit dem oder den Outcasts auf sich hat.

9 von 10 dämonisch Besessenen

Outcast 1: Im Reich der Finsternis

  • Dämonisch Besessene - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Gemessen an dem rundherum überzeugenden Auftaktband Outcast 1: Im Reich der Finsternis könnte es sich hierbei um den nächsten großen Wurf von Horrorspezialist Robert Kirkman handeln, zumal die düstere Story auch dank Zeichner Azaceta ungemein atmosphärisch daherkommt. Dennoch darf man auf den Folgeband gespannt sein, denn so spannend und packend der Band auch geraten sein mag, bekennt er noch nicht so recht Farbe, was genau es mit dem oder den Outcasts auf sich hat.

9.0/10
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Weitere Details zum Band findet ihr auf der Seite von Cross Cult. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Outcast 1: Im Reich der Finsternis ist am 23.03.15 bei Cross Cult erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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