Review: Ripper Street | Staffel 1 (Serie)

Nachdem vergangenen Dienstag die dritte Staffel Ripper Street bei ZDFneo angelaufen ist, wurde es ja nun auch mal höchste Zeit, dass ich auch endlich dazu komme, über dieses Kleinod von Serie zu sprechen, wenngleich es bei mir nun heute natürlich zunächst einmal um die erste Staffel gehen soll.

Ripper Street
Staffel 1

Ripper Street, USA 2012- , ca. 44 Min. je Folge

Ripper Street | © polyband
© polyband

Serienschöpfer:
Richard Warlow
Showrunner:
Greg Brenman
Will Gould
Simon Vaughan
Andrew Lowe
Ed Guiney
Polly Hill

Main-Cast:
Matthew Macfadyen (Det. Insp. Edmund Reid)
Jerome Flynn (Det. Sgt. Bennet Drake)
Adam Rothenberg (Captain Homer Jackson)
in weiteren Rollen:
MyAnna Buring (Long Susan)
Charlene McKenna (Rose Erskine)
Amanda Hale (Emily Reid)
Jonathan Barnwell (P.C. Dick Hobbs)
Clive Russell (Chief Inspector Fred Abberline)
David Wilmot (Sgt. Donald Artherton)
David Dawson (Fred Best)
Iain Glen (Madoc Faulkner)

Genre:
Krimi | Mystery

Trailer:

 

Inhalt:

Es ist das Jahr 1889. Sechs Monate sind seit den letzten Morden von Jack the Ripper vergangen und in den Straßen von Whitechapel kehrt erst langsam wieder Ruhe ein, ebenso wie sich die hiesige Polizei unter der Leitung von Detective Inspector Edmund Reid nur langsam davon erholt, das gefürchtete Phantom nicht dingfest gemacht haben zu können. Dann allerdings ereignen sich weitere Morde, die die Handschrift des Rippers tragen und Reid sowie dessen Sergeant Bennet Drake setzen alles daran, dem Täter auf die Schliche zu kommen. Zu diesem Zweck kontaktiert Reid für forensische Untersuchungen auch den Amerikaner Captain Homer Jackson, seines Zeichens ehemaligen Armee-Chirurg und früherer Pinkterton-Agent, der mittlerweile im Bordell von Long Susan sein Dasein fristet.

Szenenbild aus Ripper Street | © polyband
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Gemeinsam agieren die drei als ausführendes Organ der H Division in Whitechapel, doch sind die neuerlichen Morde an Prostituierten längst nicht ihr einziges Problem, denn nicht nur haben sowohl Reid, Drake als auch Jackson eine durchaus als schillernd zu bezeichnende Vergangenheit und jeder für sich mit seinen eigenen, inneren Dämonen zu kämpfen, gibt es schließlich im Londoner East End noch weitaus mehr Verbrecher als bloß den gefürchteten Ripper und auch König Cholera scheint Whitechapel erneut seine Aufwartung machen zu wollen.

Rezension:

Nicht erst seit Sherlock stehen BBC-Serien bei mir durchaus hoch im Kurs und so war es – wie so oft –nur eine Frage der Zeit, bis ich auch bei Ripper Street einen Blick riskieren würde, zumal sie mit Matthew Macfadyen und Jerome Flynn (Bronn aus Game of Thrones) als durchaus prominent besetzt betrachtet werden darf, wohingegen mir Adam Rothenberg als dritter im Bunde bis dahin nichts gesagt hat, mich in seiner Rolle des rumtreiberischen Schwerenöters und Arztes Captain Homer Jackson schnell für sich einzunehmen wusste. Überhaupt lebt die Serie, das merkt man schnell, von dem ermittelnden Dreiergespann, wobei mir hier auch wieder positiv auffiel, dass man nicht etwa den Fehler begangen hätte, die Figuren bloß mit unterschiedlichen Attributen und Aufgabenbereichen auszustatten, wie es bei einschlägigen und oft auf lange Sicht nur mäßig interessanten Krimi-Serien der Fall ist, sondern ihnen wirklich Charakter und auch eine ausgefeilte Vorgeschichte zuteilwerden zu lassen, die allein schon in der ersten Staffel Aufhänger für verschiedene Plots liefern, so dass es zwar immer auch einen Fall der Woche zu lösen gilt, die sich in ihrer Art und Ausgestaltung aber deutlich voneinander unterscheiden und gleichsam eine übergeordnete Geschichte vorantreiben, aus der sich sicherlich auch in den noch folgenden Staffel gehörig Potential ziehen lässt.

Szenenbild aus Ripper Street | © polyband
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Nichtsdestotrotz muss man aber auch sagen, dass Ripper Street speziell in den ersten beiden Folgen seine Nische noch nicht gefunden zu haben scheint und sich gerade in Ich brauche Licht (1.01) noch anfühlt wie ein nur geringfügig variierter Sherlock Holmes-Verschnitt (gemeint ist natürlich die Guy Ritchie-Interpretation des kultigen Ermittlers), trotz bekannter Versatzstücke aber auch zu diesem Zeitpunkt schon glänzend unterhält, was aber eben zu großen Teilen auf das bestens aufgelegte Hauptdarsteller-Trio und deren stimmige Chemie untereinander zurückzuführen ist. Umso erfreulicher ist es da, wenn die Serie etwa ab der dritten Folge auf eigenen Pfaden zu wandeln und gleichsam die Vorgeschichten und persönlichen Dramen der Ermittler zu thematisieren beginnt. Persönliches Highlight für mich war in dem Zusammenhang sicherlich der Gastauftritt von Iain Glen (ebenfalls Game of Thrones, Jack Taylor) in Das Totengericht (1.05), wobei die Staffel zum Finale hin, gerade in Einer meiner Männer (1.07) und Wozu die Mühe? (1.08) zu ungeahnter Höchstform aufläuft und damit nach einem eher durchschnittlichen Start eine beinahe ungebrochene Aufwärtskurve beschreibt, was die Qualität und Spannung der einzelnen Folgen betrifft.

Was Ripper Street aber für sich genommen schon sehenswert macht, ist die Art und Weise, wie man hier in ein von stimmigen Kulissen und glaubhaft dreckig-bedrohlicher Atmosphäre zum Leben erwecktes viktorianisches London entführt wird, wo sich die drei Ermittler der H Division in den Niederungen des Molochs von Whitechapel, auch als Londoner East End bekannt, zu behaupten versuchen, wobei man hier natürlich trotz historischem Setting nicht auf modernste Hilfsmittel verzichtet, die manchmal anachronistisch wirken mögen und dem Setting einen gewissen Touch von Steampunk verleihen, ohne je zu sehr in diese Richtung zu driften. Und wo der Intellekt versagt, sprechen gern auch mal rohe Fäuste, was hier mit gebotener Härte inszeniert wird, weder geschönt noch verharmlost, aber auch nicht effekthascherisch überzogen, sondern schlicht, roh, derb und wild.

Szenenbild aus Ripper Street | © polyband
© polyband

Im Grunde ist Ripper Street eine ihrem Tenor nach ernste Geschichte, die aber auch gehörig Spaß machen kann, zuweilen zu schockieren weiß, oft dramatisch oder auch tragisch daherkommt und sich nicht scheut, die Engstirnigkeit der Bevölkerung der damaligen Zeit aufzuzeigen und hier insbesondere unsere drei Ermittler als modern und aufgeschlossen denkende Individuen zu charakterisieren, die dadurch einmal mehr wie ihrer Zeit voraus wirken, gleichwohl aber genau durch diesen Umstand die Gunst des geneigten Zuschauers erringen, speziell wenn sie zuweilen bereit sind, die Grenzen des Gesetzes zu biegen, wenn schon nicht zu brechen. Speziell aus diesen Gründen handelt es sich auch bei dieser BBC-Produktion um ein regelrechtes Kleinod, denn was woanders eine Krimi-Serie in historischem Gewand geworden wäre, entpuppt sich hier als handfestes Charakterdrama voller Ecken und Kanten, ironischer Spitzen und brutaler Auseinandersetzungen, vor allem aber – auch wenn es einige Folgen Zeit zur Selbstfindung in Anspruch genommen hat – als durch und durch unkonventionelle, dafür umso liebevoller ausgearbeitete Serienkost.

Fazit & Wertung:

Dank der starken Charaktere und einem sorgsam gewählten Cast ist Ripper Street weit mehr als nur eine Krimi-Serie von vielen, deren einziges Alleinstellungsmerkmal das historische Setting ist, denn trotz Fall der Woche und eingehender Ermittlungsarbeit handelt es sich gleichsam um ein facettenreiches und abwechslungsreiches Drama, das die stinkenden Straßen des Londoner East End zu Zeiten der viktorianischen Ära wieder lebendig werden lässt.

8,5 von 10 schockierenden Morden in Whitechapel

Ripper Street | Staffel 1

  • Schockierende Morde in Whitechapel - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Dank der starken Charaktere und einem sorgsam gewählten Cast ist Ripper Street weit mehr als nur eine Krimi-Serie von vielen, deren einziges Alleinstellungsmerkmal das historische Setting ist, denn trotz Fall der Woche und eingehender Ermittlungsarbeit handelt es sich gleichsam um ein facettenreiches und abwechslungsreiches Drama, das die stinkenden Straßen des Londoner East End zu Zeiten der viktorianischen Ära wieder lebendig werden lässt.

8.5/10
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Episodenübersicht: Staffel 1

01. Ich brauche Licht (7,5/10)
02. Der schweigende Junge (7/10)
03. König Cholera (8/10)
04. Die Edlen der Stadt (8,5/10)
05. Das Totengericht (8,5/10)
06. Die Schatten (8,5/10)
07. Einer meiner Männer (9/10)
08. Wozu die Mühe? (9/10)

 

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Ripper Street | Staffel 1 ist am 28.02.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von polyband erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Yep, eine richtig gute Serie mit starker Darstellerriege (neben dem zentralen Trio auch MyAnna Buring aus „The Descent“). Schön, daß Amazon UK sie nach der zweiten Staffel „gerettet“ hat, sonst wäre sie ja den politisch verordneten Sparbemühungen der BBC zum Opfer gefallen …

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