Review: Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen (Film)

Schon nimmt die neue Woche an Fahrt auf und endlich komme ich dazu, euch von diesem Film erzählen zu können, der mich doch insbesondere aufgrund seiner Darstellerriege und der formidablen Regiearbeit beinahe vollends zu überzeugen wusste. Auch auf die Gefahr hin, also mal wieder zu euphorisch geurteilt zu haben, kommt hier nun meine Kritik zu:

Side Effects
Tödliche Nebenwirkungen

Side Effects, USA 2013, 106 Min.

Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Regisseur:
Steven Soderbergh
Autor:
Scott Z. Burns

Main-Cast:

Jude Law (Dr. Jonathan Banks)
Rooney Mara (Emily Taylor)
Catherine Zeta-Jones (Dr. Victoria Siebert)
Channing Tatum (Martin Taylor)

Genre:
Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Emily Taylor leidet an Depressionen und es fällt ihr schwer, sich im Alltag zurechtzufinden, sich in ihrem Leben einzurichten, doch alles verspricht besser zu werden, als ihr Mann, der ehemalige Banker Martin endlich nach vier Jahren aus der Haft entlassen wird. Der strebt sofort an, wieder ganz nach oben zu kommen und seine früheren Geschäfte wiederaufzunehmen, um Emily das Glück und den Wohlstand bieten zu können, den sie seiner Meinung nach verdient. Als allerdings Emily im Parkhaus mit ihrem Auto ungebremst auf eine Mauer zurast, wird der Psychologe Dr. Jonathan Banks auf die junge Frau aufmerksam und geht von einem Selbstmordversuch aus. Auf gutes Zureden seiner Patientin hin entlässt er Emily in die Obhut ihres Mannes, doch besteht er auf regelmäßigen Therapiesitzungen.

Szenenbild aus Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

In dem Bestreben, den Zustand von Emily zu stabilisieren, kontaktiert Banks deren frühere Therapeutin Dr. Victoria Siebert, die ihm von einem neu entwickelten Medikament berichtet, das möglicherweise Linderung für die vom Schicksal gebeutelte Frau verspricht. Kurz entschlossen verschreibt er ihr das kaum getestete Medikament, nachdem ihm Dr. Siebert zu beichten wusste, dass keines der gängigen Mittel Emily habe Linderung verschaffen können, doch beginnt diese bald nach der Eingabe unter Somnambulie zu leiden. Als sich während einer ihrer schlafwandlerischen Episoden eine Tragödie ereignet, scheint nicht nur Emilys Leben, sondern auch die Existenz von Dr. Banks von einem Moment auf den anderen verwirkt zu sein. Banks allerdings will sich nicht so leicht geschlagen geben und beginnt, weitere Nachforschungen anzustellen…

Rezension:

Nach Der Informant! und Contagion markiert Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen die mittlerweile dritte Kollaboration zwischen Regisseur Steven Soderbergh und Drehbuchautor Scott Z. Burns, während Soderbergh gleichzeitig verlauten ließ, es würde sich um seinen vorerst letzten Kinofilm handeln, was in Anbetracht der Vielseitigkeit des Regisseurs eine Schande wäre, doch immerhin hat er ja noch diesen Psychothriller produziert, der mir wieder einmal ausnehmend gut gefallen hat, was daran liegen mag, dass ich mich, wie ich schon des Öfteren bemerkt habe, einfach sehr gut mit Soderberghs unbedingtem Stilwillen und seiner Art der Inszenierung anfreunden kann, derweil es ihm auch hier gelingt, eine zunächst subtile Spannung aufzubauen und eine auf den ersten Blick recht überschaubare Geschichte zu erzählen, die allerdings nach der ersten Dreiviertelstunde Haken zu schlagen beginnt und mit einer Vielzahl Twists begeistert, die zwar nicht alle rundherum zu überraschen wissen, ebenso wie sich das Ende schon recht früh am Horizont abzuzeichnen beginnt, doch den Unterhaltungswert und das Tempo dieses ausgeklügelten Streifens mehr und mehr nach oben schrauben, was man dem zugrundeliegenden Skript von Burns nicht hoch genug anrechnen kann.

Szenenbild aus Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

War es beispielsweise bei Contagion noch eine global angelegte Story mit ausuferndem Figurenkonsortium, konzentrieren sich Soderbergh und Burns diesmal auf gerade einmal vier Figuren, wobei selbst Channing Tatums Rolle mehr Mittel zum Zweck und Plot-Device als wirklich notwendige, geschweige denn ausgiebig charakterisierte Figur ist, während Catherine Zeta-Jones‘ Rolle auch erst im weiteren Verlauf an Bedeutung gewinnt und vergleichsweise spät auf der Bildfläche erscheint. Bleiben noch Jude Law und Rooney Mara, die allerdings, je weiter die Handlung des Films voranschreitet, beide nicht so recht als Identifikationsfigur und Sympathieträger herhalten wollen, doch darstellerisch wächst vor allem Mara, die mich ja schon in Verblendung zu begeistern wusste, geradezu über sich hinaus und ihr facettenreiches und eindringliches Spiel ist es zu großen Teilen, das Side Effects für mich so lohnenswert gemacht haben, während Law zwar ähnlich einnehmend spielt, seine weitaus konservativer angelegte Figur aber nicht annähernd die Bandbreite zulässt, die Rooney Mara hier in emotionaler Hinsicht zur Schau zu stellen weiß.

Szenenbild aus Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Schlecht beraten ist hier allerdings, wer einen Pharmazie-Thriller erwartet oder allgemein gesprochen schon im Vorfeld zu wissen meint, was ihn erwartet, denn dank der sich überschlagenden Ereignisse ist lange Zeit nicht klar, in welche Richtung Side Effects sich entwickeln mag, was mir persönlich immer sehr imponiert, gerade wenn ich wie hier ohne großartiges Vorwissen an einen Film herangehe, doch mag das dem einen oder anderen auch sauer aufstoßen, wenn er sich aufgrund Inhaltsangabe und/oder Trailer eine spezifische Art Film erwartet hat, die er unter aller Voraussicht nach aber so sicher nicht geliefert bekommt. Überhaupt fällt es schwer, über den Film zu schreiben, ohne wichtige Plot-Details und Wendungen vorwegzunehmen, doch zumindest lässt sich festhalten, dass Burns die Themen Depression und Pharmazie nicht als bloße Aufhänger für die sich ab dem zweiten Drittel entfaltende Thrillerhandlung voller Lügen und Intrigen nutzt, sondern sich durchaus in der Lage sieht, seine zentralen Themen in den globalen Kontext einer über die Stränge schlagenden Leistungsgesellschaft zu setzen, die schon längst nichts mehr daran findet, sich mit allerlei Mittelchen zu dopen, während sich dieser unbedingte Erfolgswille, der Glaube des Anrechts auf Wohlstand und Ansehen sich auch in jeder der agierenden Figuren wiederfindet, völlig gleich, auf welche Art und Weise sie dieses Ziel zu erreichen versuchen.

Szenenbild aus Side Effects - Tödliche Nebenwirkungen | © Senator Home Entertainment
© Senator Home Entertainment

Lediglich und erst kurz vor Schluss scheint dem Reigen allerdings ein bisschen die Puste auszugehen und wo vorher noch jeder Zug, jedes Ereignis neu und überraschend war, treten Auflösung und Finale immer deutlicher zutage und wissen bei ihrem Eintreffen kaum noch zu überraschen, zumal hier ein Klischee aufgegriffen wird, wie es ausgelutschter kaum sein könnte und in seiner Profanität der vorher so sorgsam inszenierten Ereigniskette kaum gerecht wird, doch ist das nur ein kleiner Wermutstropfen, denn Side Effects spielt dennoch in der obersten Liga und ist einer der überzeugendsten Genre-Beiträge der letzten Zeit geworden, was er einerseits zu großen Teilen Soderberghs inszenatorischer Versiertheit, andererseits zu ebenso großen Teilen der darstellerischen Fähigkeiten Rooney Maras zu verdanken hat, der auch Jude Law nicht ganz das Wasser zu reichen vermag, obwohl er doch über ungleich mehr Erfahrung verfügt. Nichtsdestotrotz überzeugt auch er als Getriebener und Wahrheitssuchender, während sich die Schlinge enger zu ziehen und die Ereignisse sich zu überschlagen beginnen.

Fazit & Wertung:

Mit Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen ist Steven Soderbergh ein gewohnt stilsicherer Genre-Beitrag gelungen, der in punkto Raffinesse seinesgleichen sucht, auch wenn der Plot natürlich zuweilen durchaus konstruiert wirkt und das Ende in seiner Klischeehaftigkeit nicht vollends zu überzeugen weiß. Bis dahin allerdings nimmt er den Zuschauer mit auf eine regelrechte Achterbahnfahrt voller Lügen, Verrat, Intrigen, Geheimnissen und Täuschungen, die durch die formidable Darbietung der beiden Hauptdarsteller Rooney Mara und Jude Law regelrecht herausragend wird.

8,5 von 10 Medikamenten zweifelhafter Wirksamkeit

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

  • Medikamente zweifelhafter Wirksamkeit - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen ist Steven Soderbergh ein gewohnt stilsicherer Genre-Beitrag gelungen, der in punkto Raffinesse seinesgleichen sucht, auch wenn der Plot natürlich zuweilen durchaus konstruiert wirkt und das Ende in seiner Klischeehaftigkeit nicht vollends zu überzeugen weiß. Bis dahin allerdings nimmt er den Zuschauer mit auf eine regelrechte Achterbahnfahrt voller Lügen, Verrat, Intrigen, Geheimnissen und Täuschungen, die durch die formidable Darbietung der beiden Hauptdarsteller Rooney Mara und Jude Law regelrecht herausragend wird.

8.5/10
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Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen ist am 11.10.13 auf DVD und Blu-ray bei Senator im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Na, endlich rezensierst du mal wieder einen Film deutlich positiver als ich (6,5 Punkte, war noch nicht bei der ODFb eingetragen). In letzter Zeit hatte ich schon befürchtet, ich würde dir den Rang als Chef-Optimist ablaufen. 😉
    Kurz zum Film: Ich liebe es ebenfalls, wenn mich Filme noch überraschen können (wie vermutlich jeder fleißige Filmkritiker oder -blogger), aber das hier war mir in der zweiten Hälfte deutlich zu konstruiert und auch überfrachtet. Das hat Brian De Palma zu seinen besten Zeiten besser hinbekommen, finde ich. In diesem Fall hätte ich auf die abrupte Genre-Wendung gerne verzichtet und dafür lieber die starke erste Hälfte ausgebaut gesehen …

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