Review: Gefühlt Mitte Zwanzig (Film)

Fast schon ist das Jahr vorbei, doch eben noch nicht ganz und so komme ich auch nicht umhin, weiter unermüdlich meinen Blog-Turnus durchzuziehen, um Ende des Jahres eine umso schönere Statistik zu haben. Eigentlich ist der Grund aber viel eher der, dass speziell diese Film-Kritik hier schon wieder viel zu lange auf sich hat warten lassen. Aber egal, denn hier ist sie ja nun.

Gefühlt Mitte Zwanzig

While We’re Young, USA 2014, 97 Min.

Gefühlt Mitte Zwanzig | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Noah Baumbach
Autor:
Noah Baumbach

Main-Cast:

Ben Stiller (Josh)
Naomi Watts (Cornelia)
Adam Driver (Jamie)
Amanda Seyfried (Darby)
Charles Grodin (Leslie Breitbart)
Adam Horovitz (Fletcher)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Gefühlt Mitte Zwanzig | © Universum Film
© Universum Film

Bereits seit acht Jahren werkelt Josh an seinem zweiten Dokumentarfilm und verdingt sich notgedrungen als Dozent, während seine Frau Cornelia Tochter eines ungleich berühmteren Dokumentarfilmers ist und sich als Filmproduzentin durchs Leben schlägt. Während einer seiner Vorlesungen lernt der mittlerweile in seinen Vierzigern befindliche Josh die Twentysomethings Jamie und Darby kennen, von denen er vom ersten Moment an begeistert ist mit ihrem jugendlichen Elan und der Begeisterungsfähigkeit, zumal Jamie ihn für seinen Jahre zurückliegenden Dokumentarfilm zu vergöttern scheint. Während Cornelia zunächst skeptisch bleibt, freunden sich die beiden ungleichen Pärchen mehr und mehr an und da auch Jamie sich als Filmemacher versuchen will, findet sich Josh bald in der Rolle seines Mentors wieder.

Von ihren früheren Freunden werden Josh und Cornelia mittlerweile gemieden, nicht nur, weil es ihnen seltsam erschient, dass die beiden sich mit einem so ungleich jüngeren Paar herumtreiben, sondern vor allem auch, weil die Generation der Mittvierziger fest in dem Glauben verankert ist, ein Baby zu bekommen bedeute die Lösung für alles und Josh und Cornelia haben eben nun einmal keine Kinder, können keine Kinder bekommen, weshalb man sich zunehmend entfremdet, doch stört das die beiden kaum, haben sie schließlich in Jamie und Darby zwei Personen gefunden, die neue Lebensfreude in ihnen zu wecken wussten, doch je weiter Jamies Filmprojekt voranschreitet, umso mehr geht Josh ein Licht auf, dass der vielleicht weitaus unkonventioneller arbeitet, als er das ursprünglich gedacht hatte…

Rezension:

Nachdem mir im vergangenen halben Jahr ein ums andere Mal bei diversen Blu-rays der Trailer zu Gefühlt Mitte Zwanzig um die Ohren gehauen wurde, habe ich mich doch sehr auf Noah Baumbachs neuesten Film gefreut, der eine warmherzige und unterhaltsame, augenzwinkernd-hipstermäßig angehauchte Komödie um den Generationenkonflikt der Fourtysomethings nebst Twentysomethings zu werden versprach. Dieser Erwartungshaltung wurde der Film zunächst auch voll und ganz gerecht, beginnt mit erhofft viel Charme und Esprit, sprüht stellenweise geradezu vor leisem Humor und versteht es gekonnt, teilweise in parallel ablaufenden Handlungen die Unterschiede der beiden ungleichen Pärchen aufzuzeigen, wobei Baumbach hier noch nicht einmal den geradlinigen Weg geht, die jüngeren Jamie und Darby als internetaffine Social-Media-Menschen zu inszenieren, sondern ihnen eine stringent auf Retro-Charme gerichtete Attitüde anzudichten, sodass es vielmehr die nicht mehr ganz so jungen Eheleute Josh und Cornelia sind, die sich abends durch Netflix zappen, während Jamie und Darby sogar tatsächlich noch VHS-Kassetten besitzen. So weit so gut, würde man meinen, insbesondere das stimmige Ensemble spräche für einen tollen Film, behält man damit leider nur solange recht, bis die zugrundeliegende Prämisse nicht mehr auszureichen scheint und Baumbach etwa ab der Mitte des Films mehr und mehr den Fokus aus den Augen zu verlieren beginnt.

Szenenbild aus Gefühlt Mitte Zwanzig | © Universum Film
© Universum Film

Während nämlich die erste Hälfte des Films wirklich Freude bereitet und es versteht, zum Schmunzeln zu verführen, würde man annehmen, dass Josh und Cornelia irgendwann einsehen müssen, nun einmal keine zwanzig mehr zu sein, während sie sich verzweifelt darum bemühen, ihren ungleich jüngeren Freunden nachzueifern, die natürlich voller Tatendrang und Lebenslust zu allerlei Events aufbrechen, ihre Projekte verfolgen, ihre Träume zu verwirklichen suchen, lässt Baumbach diesen Ansatz spätestens fallen, als Josh und Cornelia Jamie und Darby zu einer spirituellen – und mit halluzinogenen Substanzen geförderten – Reinigung folgen, denn im Bestreben um eine dramatische Komponente wird hier nicht nur ein für das Konzept des Films fragwürdiger Kuss inszeniert, sondern allgemein der leichtfüßige Humor des Films recht bald zu Grabe getragen. Plötzlich ist nämlich nicht mehr alles Friede, Freude, Heiterkeit, als Josh einen Betrug, ja beinahe eine Verschwörung wittert und sich von seinem neuen Freunde hintergangen fühlt, denn irgendwie will das alles nicht so recht funktionieren, zumal Baumbach hierüber die augenzwinkernd-charmante Schiene gänzlich ad acta lagt.

Was Gefühlt Mitte Zwanzig dann immerhin vor einem Fiasko bewahrt sind die durch die Bank weg fähigen Darstellerinnen und Darsteller, so dass sowohl Ben Stiller und Naomi Watts wie auch Adam Driver nebst Amanda Seyfried als Pärchen ungemein stimmig wirken und glaubhaft miteinander harmonieren und interagieren. Selbstredend ist zwar Ben Stiller als erfolgloser, manchmal hibbeliger, oft spleeniger Typ von nebenan auf eine seiner Paraderollen abonniert, kommt damit aber auch wieder ungemein sympathisch daher, während Naomi Watts (Tödliche Versprechen) sowieso über jeden Zweifel erhaben sein dürfte. Adam Driver, der jüngst als Kylo Ren in Star Wars: Episode VII Erfolge feiert, begeistert hier wiederum als begeisterungsfähiger wie egomanischer Hipster und könnte dem Film nachträglich sicherlich noch einige Verkäufe bescheren, zumal er gleichauf mit Stiller einen Großteil des Films dominiert, wohingegen Amanda Seyfried, die bereits in Filmen wie Lovelace ihr Können unter Beweis stellen durfte, hier herzlich wenig zu tun bekommt, so dass ihr Rolle letztlich verschenkt wirkt, weil es Baumbach nicht gelingen wollte, ihr eine ebenso detailreich ausstaffierte Rolle angedeihen zu lassen, wie er es bei Drivers Jamie getan hat.

Szenenbild aus Gefühlt Mitte Zwanzig | © Universum Film
© Universum Film

So wenig Regisseur und Drehbuchautor Baumbach mit seinen Figuren allerdings in der zweiten Hälfte des Films zu arbeiten wusste, so sehr ist es allerdings das Ende, das zwar sicherlich pointiert und augenzwinkernd gemeint gewesen sein mag, in meinen Augen allerdings überhaupt nicht zu funktionieren wusste, weil es im Grunde alles zuvor Gesehene über den Haufen wirft und sich doch sehr nach auf die Schnelle zusammengeschustertem Happy-End anfühlt, inklusive eben besagtem nicht zündenden Gag, der einen schalen Beigeschmack zurücklässt, was nicht einmal so sehr stören würde, wenn eben nicht die erste Hälfte von Gefühlt Mitte Zwanzig so großartig, witzig und warmherzig gewesen wäre, denn dadurch wird der qualitative Abfall des Skripts nur umso deutlicher. Schade, denn nach einem vielversprechenden Start verschenkt der Film durch seinen meines Erachtens grenzwertig unnötigen Plot-Twist doch eine Menge Möglichkeiten.

Fazit & Wertung:

Noah Baumbachs Gefühlt Mitte Zwanzig hätte eine spritzig-witzige Komödie über zwei ungleiche Pärchen werden können, ist ungemein stimmig besetzt und macht auch anfänglich alles richtig, doch kaum beginnt der Zauber sich zu entfalten, wechselt unvermittelt der Tenor des Films nicht nur völlig sondern versandet mit zunehmender Laufzeit in einer gewissen Belanglosigkeit, der das halbgare Ende des Streifens dann das Häubchen aufsetzt.

6 von 10 schlecht zusammengeschnittenen Interview-Fragmenten

Gefühlt Mitte Zwanzig

  • Schlecht zusammengeschnittene Interview-Fragmente - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Noah Baumbachs Gefühlt Mitte Zwanzig hätte eine spritzig-witzige Komödie über zwei ungleiche Pärchen werden können, ist ungemein stimmig besetzt und macht auch anfänglich alles richtig, doch kaum beginnt der Zauber sich zu entfalten, wechselt unvermittelt der Tenor des Films nicht nur völlig sondern versandet mit zunehmender Laufzeit in einer gewissen Belanglosigkeit, der das halbgare Ende des Streifens dann das Häubchen aufsetzt.

6.0/10
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Gefühlt Mitte Zwanzig ist am 04.12.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Singende Lehrerin

    Bei mir schnitt der Film ja noch schlecht ab (5 von 10); ich fand ihn sowas von triefend von Klischees (auch wenn sie z. Tl. quasi umgedreht wurden) – und dann auch noch das grauenhafte Ende! Du bleibst hier ja spoilerfrei, deswegen werde ich es jetzt auch nicht aussprechen. Aber ich finde es immer wieder ätzend, wenn DIE Lösung am Ende des Filmes als das einzig glücklich – und erwachsen – Machende dargestellt wird.

    • Ja, das Ende mit seiner einzig möglichen Lösung für quasi alle Probleme war wirklich selten dämlich, das habe ich ganz genauso empfunden. 6 Punkte gab es auch wirklich nur deshalb, weil mir die erste Dreiviertelstunde trotz vieler Klischees echt gut gefallen hat, aber danach ging es leider rapide bergab. Hätte eigentlich ein richtig schönes Feel-Good-Movie werden können, aber gut, soll wohl manchmal nicht sein.

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