Review: iZombie 1: Tote leben länger (Graphic Novel)

Und weil es so schön war, kommt hier – ebenfalls passend zur German Comic Con – eine weitere Comic-Review, die ich schließlich bereits viel zu lange an dieser Stelle vernachlässigt habe.

iZombie 1
Tote leben länger

House of Mystery Halloween Special #1, iZombie #1-5, USA 2010, 148 Seiten

iZombie 1: Tote leben länger | © Panini
© Panini

Autor:
Chris Roberson
Zeichner:
Michael Allred

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98559-0

Genre:
Mystery | Fantasy | Horror

 

Inhalt:

Wenn Gwen Dylan auch einen Job als Totengräberin hat, könnte sie doch eine ganz normale junge Frau sein, wenn, ja wenn da nicht die Kleinigkeit wäre, dass Gwen tot und ein Zombie ist, was mit sich bringt, dass sie wenigstens einmal im Monat ein menschliches Gehirn verspeisen muss, um nicht zu einem antriebslosen, instinktgesteuerten Monster zu werden. Klar, dass jemand in einer solchen Situation nicht unbedingt als normal zu bezeichnen ist und genauso wenig sind es Gwens Freunde wie zum Beispiel ihre Freundin Ellie, ein Geist übrigens, oder auch Scott, der zur Gattung der Werterrier gehört.

Ausschnitt aus iZombie 1: Tote leben länger | © Panini
© Panini

Und jedes Mal, wenn Gwen ein Gehirn verspeist, gehen auch die Erinnerungen eines ganzen Lebens auf sie über, was nicht halb so problematisch wäre, wenn ihre letzte Mahlzeit nicht ermordet worden wäre, was Gwen dazu veranlasst, der Sache auf den Grund zu gehen. Dumm nur, dass sie dabei gleich auf einen ganzen Haufen weiterer Geheimnisse stößt, die nicht nur sie selbst, sondern auch ihr Wesen als Zombie betreffen und ihr Leben für immer zu verändern drohen, zumal sich längst die einschlägigen Monsterjäger in ihre Stadt verirrt haben und es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis sie ihr auf die Schliche kommen…

Rezension:

Während die Veröffentlichung der im Original bei Vertigo erschienenen Comic-Serie iZombie bereits 2010 begann und zwei Jahre später mit der 28. Ausgabe längst ihr Ende gefunden hat, ist es kaum verwunderlich, dass der erste Band dieser bis dato hierzulande schmählich vernachlässigten Serie nun auch im deutschsprachigen Raum bei Panini sein Zuhause gefunden hat, basiert schließlich die gleichnamige, von Rob Thomas (Veronica Mars) wenn auch nur lose auf ebenjener Comic-Reihe und man dankbar sein, dass Gwen Dylan nun auch bei uns ihr Unwesen treiben darf. Zudem bin ich froh, nun zunächst mit dem originären Comic beginnen zu können, bevor ich mich sicherlich irgendwann einmal auch der daraus hervorgegangenen Serie widmen werde, ist schließlich der unbelastete, noch nicht von Adaptionen beeinflusste Blick der beste, um sich einer solch ungewöhnlichen Serie zu widmen.

Ausschnitt aus iZombie 1: Tote leben länger | © Panini
© Panini

So begrüßenswert es dabei ist, dass man sich seitens Panini entschieden hat, mit dem der Serie vorangestellten House of Mystery Halloween Special #1 zu beginnen, irritiert dies zunächst ein wenig, da man völlig unbedarft in die Handlung geworfen wird, doch währt diese Verwirrung läppische sieben Seiten, bevor man sich der eigentlichen Handlung des ersten Bandes von iZombie widmen kann, der dann zumindest rudimentär auf Gwens Weggefährten und die unumstößlichen Regeln ihres untoten Daseins eingeht, denn Gwen Dylan ist ein Zombie und als solcher regelmäßig darauf angewiesen, Hirn zu verspeisen, wenn sie nicht will, dass sie sich in ein hirnloses, vor sich hin faulendes Etwas verwandelt. Ihr Job als Totengräberin ist dabei so naheliegend wie ironisch, wenn man bedenkt, dass sie die tagsüber unter die Erde gebrachten Leichen abends wieder ausbuddelt, um sich an dem Inneren ihres Kopfes zu laben, was sie aber regelmäßig mit Ekel erfüllt, doch ist das nicht das einzige Manko, denn im Gehirn werden Erinnerungen gespeichert, die Gwen fortan plagen.

Das ist dann auch genau der Ansatz, um iZombie einen Krimi-Touch zu verpassen, denn nicht selten ist das Ableben des früheren Gehirn-Besitzers nicht so ganz natürlichen Ursprungs gewesen und Gwen sieht es als ihre Pflicht, dem auf den Grund zu geben, vor allem auch, um die Stimmen zum Schweigen zu bringen. Dabei zur Seite steht ihr der Geist von Ellie, die nicht von ungefähr bereits vor rund 40 Jahren verstorben ist, denn nicht nur hinsichtlich Ellies Garderobe und ihres Verhaltens wirkt der Comic mit seiner im besten Sinne altmodischen Inszenierung an eine Hommage früherer Horror- und Gruselgeschichten, was vor allem Zeichner Michael Allred zu verdanken ist, der einen wirklich großartigen Job gemacht hat, die enthaltenen fünf Hefte stimmungsvoll zu visualisieren. Doch noch mehr und vor allem muss man Chris Roberson loben, den Autor und Schöpfer der Reihe, dem es im Fahrwasser einschlägiger Fantasy-Veröffentlichungen und bei dem momentanen Zombie-Hype dennoch gelungen ist, eine originäre Geschichte mit einfallsreichen Figuren und Gesetzmäßigkeiten zu kreieren, die teilweise ganz wunderbar die nicht minder einschlägigen Klischees aufs Korn nimmt und zu konterkarieren weiß.

Ausschnitt aus iZombie 1: Tote leben länger | © Panini
© Panini

Anders als in der TV-Serie (so habe ich zumindest gelesen), steht hier aber weit weniger der Krimi-Aspekt der Handlung im Vordergrund als vielmehr Gwens Bemühungen, mit ihrem neuen untoten Dasein zurecht zu kommen, zumal sie – so lange sie wohlgenährt ist und ihre regelmäßige Ration Hirn nicht vergisst – durchaus in der Lage ist, sich unter den Lebenden zu bewegen. Was ihr hingegen weit weniger klar ist, ist, dass ihre sparsam rationierten Gehirn-Portionen nicht ausreichen, sie langfristig vor dem Verfall zu bewahren, doch tritt bald ein Wesen in ihr Leben, dass ihr einiges über die Geheimnisse des Zombie-Seins erzählen kann, aber auch die Gefahren, die beispielsweise von der Cooperation genannten Organisation ausgehen, die sich die Monsterjagd auf die Fahnen geschrieben haben und von einem umtriebigen Vampirnest auch in Gwens Nähe gelockt werden. Ja, iZombie steckt voller Ideen und insbesondere aufgrund des relativ offenen Endes bin ich jetzt schon sehr gespannt auf den Ende Februar 2016 erscheinenden zweiten Band Blutsauger. Abgerundet wird der in sich ungemein stimmige Band derweil mit Allreds geheimer Bildergruft, in der der Zeichner der Reihe eine Vielzahl Konzeptzeichnungen und Coverentwürfen bereithält und kommentiert.

Fazit & Wertung:

Chris Roberson ist mit iZombie 1: Tote leben länger eine extrem stimmungsvolle und einfallsreiche Geschichte gelungen, die das Zombie-Genre einmal von einer ganz anderen, gänzlich unbekannten Warte beleuchtet und auch dramaturgisch zu überzeugen weiß, weshalb es kaum verwunderlich ist, dass man sich jüngst angeschickt hat, die Serie fürs Fernsehen zu adaptieren. Die herrlich altmodisch wirkenden Zeichnungen von Michael Allreed tun hierbei ihr Übriges und verstärken den stimmigen und überzeugenden Gesamteindruck noch einmal zusätzlich.

8,5 von 10 verspeisten Gehirnen

iZombie 1: Tote leben länger

  • Verspeiste Gehirne - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Chris Roberson ist mit iZombie 1: Tote leben länger eine extrem stimmungsvolle und einfallsreiche Geschichte gelungen, die das Zombie-Genre einmal von einer ganz anderen, gänzlich unbekannten Warte beleuchtet und auch dramaturgisch zu überzeugen weiß, weshalb es kaum verwunderlich ist, dass man sich jüngst angeschickt hat, die Serie fürs Fernsehen zu adaptieren. Die herrlich altmodisch wirkenden Zeichnungen von Michael Allreed tun hierbei ihr Übriges und verstärken den stimmigen und überzeugenden Gesamteindruck noch einmal zusätzlich.

8.5/10
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iZombie 1: Tote leben länger ist am 12.10.2015 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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