Review: Daredevil | Staffel 1 (Serie)

Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Und da wäre ich auch schon wieder mit einem neuen Artikel, der sich einmal mehr dem stetig wachsenden MCU widmet, um schnell noch ein paar Lücken zu schließen, bevor sich schließlich bald schon neue auftun werden, die es dann wiederum in Windeseile zu schließen gilt, denn immerhin steht die nächste Staffel dieser Serie ja quasi schon in den Startlöchern.

Daredevil
Staffel 1

Daredevil, USA 2015-, ca. 52 Min. je Folge

Daredevil | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Drew Goddard
Showrunner:
Steven S. DeKnight

Main-Cast:
Charlie Cox (Matt Murdock / Daredevil)
Deborah Ann Woll (Karen Page)
Elden Henson (Foggy Nelson)
Toby Leonard Moore (James Wesley)
Vondie Curtis-Hall (Ben Urich)
Bob Gunton (Leland Owlsley)
Ayelet Zurer (Vanessa Marianna)
Rosario Dawson (Claire Temple)
Vincent D’Onofrio (Wilson Fisk)
in weiteren Rollen:
Peter McRobbie (Father Lantom)
Wai Ching Ho (Madame Gao)
Peter Shinkoda (Nobu)
Nikolai Nikolaeff (Vladimir Ranskahov)
Daryl Edwards (Detective Hoffman)
Rob Morgan (Turk Barrett)
Royce Johnson (Sgt. Brett Mahoney)
Geoffrey Cantor (Ellison)

Genre:
Krimi | Drama | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Daredevil | © Netflix
© Netflix

Zusammen mit seinem Studien-Kollegen und Freund Foggy Nelson hat der in seiner Kindheit durch einen Unfall erblindete Matt Murdock jüngst eine Anwaltskanzlei in Hell’s Kitchen eröffnet, doch gleich bei ihrem ersten Fall, für den sie ein Mann namens James Wesley engagiert, scheint etwas nicht mit rechten Dingen zuzugehen, denn es scheint, dass man einer jungen Frau namens Karen Page einen Mord anzuhängen versucht. Als wäre der Fall nicht schon undurchsichtig genug, geht Matt Murdock, der über eine außergewöhnliche Wahrnehmung verfügt, des Nachts auf Streifzug durch die Straßen von Hell’s Kitchen, um Verbrecher jedweder Art unschädlich zu machen. Dabei wird er gewahr, dass die unterschiedlichen kriminellen Gruppierungen der Stadt anscheinend mit einem Mann kooperieren, dem auch James Wesley untersteht.

Sowohl in seiner Funktion als Anwalt wie auch als nächtlicher Held versucht Murdock dahinterzukommen, um wen es sich bei dieser Person handeln möge und auch Karen, die nach ihrem Freispruch von Nelson und Murdock als Sekretärin angehört wird, versucht gemeinsam mit Foggy und später auch dem engagierten Reporter Ben Urich, Licht ins Dunkel zu bringen. Und alle Spuren führen ein ums andere Mal zu einem Namen: Wilson Fisk. Der allerdings ist in den Augen der Öffentlichkeit quasi nicht existent und jeder Versuch, etwas über ihn auf den üblichen Wegen in Erfahrung zu bringen, scheint zum Scheitern verurteilt, doch gerade als Murdock meint, ihm nähergekommen zu sein, offenbart sich Fisk der Stadt als Wohltäter und Philanthrop, doch wissen die Mitarbeiter von Nelson und Murdock nur zu gut, dass Hell’s Kitchen unweigerlich im Chaos zu versinken droht, sollte Fisk seine Pläne für die Gentrifizierung des Stadtteils in die Tat umsetzen können…

Rezension:

Pünktlich vor dem seitens Netflix für den 18. März angekündigten Release der zweiten Staffel Daredevil habe ich es nun auch endlich geschafft, mir zumindest die erste Staffel dieser ersten von dem Streaming-Dienst produzierten Marvel-Serie zu Gemüte zu führen und um vorab schon einmal eine allgemeinen Tendenz abzugeben, hat auch diese mich – wie schon Jessica Jones zuvor (ich weiß, die Reihenfolge war chronologisch gesehen falsch) – begeistern können, wenngleich ich mich dem Tenor, dass der blinde Rächer besser als die alkoholkranke Ermittlerin sein solle, nicht anschließen kann, da ich doch so meine leichten Anlaufschwierigkeiten mit der Staffel hatte, die in meinen Augen gerade zu Beginn der Staffel zu viele Handlungsstränge auf einmal offeriert hat, um den nötigen Durchblick noch gewährleisten zu können, denn von Japanern über Chinesen sowie Russen geben sich hier allerhand Schurken die Klinke in die Hand, während der eigentliche Antagonist – Wilson Fisk – zunächst im Hintergrund bleibt und man ihn überhaupt erst in Hase im Schneesturm (1.03) zu Gesicht bekommt, was zwar hinsichtlich seines Status durchaus Sinn macht und seine Figur über die verbliebenen Folgen hinweg noch merklich entwickelt wird, doch wirkt das Geschehen eben trotz seiner Abwesenheit ein wenig überfrachtet, während man sich auch über Matt „Daredevil“ Murdock ein wenig wundern mag, präsentiert er sich schließlich auf den ersten Metern als überragender Kämpfer, nur um gegen Ende allein der ersten Folge bereits dem Tode nahe zu sein. Zum Glück legt sich das mit der mangelnden Kohärenz aber schnell und so bleibt eine in sich äußerst stimmige Staffel ohne merkliche qualitative Einbrüche, die von Beginn bis Ende zu fesseln weiß.

Szenenbild aus Daredevil | © Netflix
© Netflix

Aber von vorn: Die initiative Verletzung von Matt Murdock dient natürlich vorrangig dazu, die von Rosario Dawson (Trance) dargestellte Krankenschwester Claire Temple in das Geschehen zu integrieren, die zum derzeitigen Stand eines der wenigen Bindeglieder innerhalb des Netflix-Marvel-Serienkosmos darstellt und folglich auch in Jessica Jones zu sehen ist sowie in Luke Cage zu sehen sein wird. So weit, so gut, hätte ich erwartet, dass sie einen Großteil der Handlung mittragen würde, doch verkommt sie nach anfänglicher Involvierung recht bald eher zu einer Randfigur, wenngleich man allein aufgrund des Bekanntheitsgrades der Schauspielerin davon ausgehen kann, dass die Programmverantwortlichen sicherlich noch einiges mit ihr vor haben werden, zumal es sich um die Umsetzung der Figur Night Nurse aus den Marvel-Comics handelt. Doch widmen wir uns doch lieber zunächst Charlie Cox, der dem versierten Serienkenner zumindest oder gerade aus Boardwalk Empire ein Begriff sein dürfte und hier den in seiner Kindheit erblindeten Matt Murdock gibt und das mit einem Charme und einer Glaubwürdigkeit, die ihresgleichen suchen, ist Murdock schließlich einerseits blind, verfügt aber doch andererseits über extrem ausgeprägte Sinne und tut oft unbeholfener, als er es in Wahrheit ist – ein schmaler Grat, den Cox wirklich mit Bravour meistert, von den furiosen Kampfszenen einmal ganz zu schweigen, denn in der Hinsicht ist Daredevil wirklich großes Kino, wenn ich da allein an die bombastische Korridor-Plansequenz in Cutman (1.02) denke, die in nur einem Take mit einer einzigen Kamera gedreht worden ist und eine großartige Hommage an Oldboy und dessen gleichnamiges Remake darstellt, aber auch für sich genommen schon herausragende Serienunterhaltung darstellt.

Szenenbild aus Daredevil | © Netflix
© Netflix

Richtig interessant wird es aber wie gesagt erst gegen Ende der dritten Folge, wenn Wilson Fisk – hier von einem wirklich großartig aufspielenden Vincent D’Onofrio (Fire with Fire; bekannt für seine Rolle in Criminal Intent) verkörpert – persönlich in Erscheinung tritt, denn hätte ich nicht mittlerweile auch schon David Tennant als Kilgrave in Jessica Jones erlebt, würde ich spontan attestieren, dass es so schnell keinen ambivalenteren, durchdachteren und überzeugenderen Bösewicht geben könne, was umso bemerkenswerter ist, als dass zumindest die Filme des Marvel Cinematic Universe oftmals mit eher schwach ausgearbeiteten Antagonisten zu kämpfen haben, doch Netflix scheint hier den Bogen wahrhaft raus zu haben. So verwundert es auch kaum, dass mit Schatten im Glas (1.08) sich beinahe eine ganze Folge Fisks Vergangenheit widmet und den bis dahin ohnehin schon vielschichtigen Charakter um weitere Facetten bereichert, während wiederum die dem vorhergehende Folge Stick (1.07) sich einmal mehr der Kindheit Matt Murdocks widmet, im direkten Vergleich aber nicht annähernd so zu überzeugen weiß, denn so stimmig die Rückblenden geraten sein mögen, fühlte ich mich doch einerseits durch die Figur von Stick – Ausbilder von Matt in dessen Kindheit – unweigerlich an Hundred Eyes aus Marco Polo erinnert, empfand aber vor allem den Aufhänger für Sticks Erscheinen als extrem fadenscheinig, so dass dies eine der Folgen ist, die mich noch mit am wenigsten zu überzeugen wusste.

Szenenbild aus Daredevil | © Netflix
© Netflix

Doch auch von Cox und D’Onofrio einmal abgesehen, wartet Daredevil mit einem superben Cast auf und auch wenn Matts Studienkollege und Kanzlei-Partner Foggy Nelson (Elden Henson) zunächst wie der unweigerliche Sidekick erscheinen mag, der lediglich für Sympathiepunkte und Lacher in das Geschehen integriert worden ist, gewinnt auch seine Figur im Laufe der gerade einmal dreizehn Folgen umfassenden Staffel merklich an Substanz, so dass Henson gerade zum Finale hin, vorrangig natürlich in Nelson und Murdock (1.10) zeigen darf, was in ihm – respektive seiner Figur –steckt. Doch was wären zwei Anwälte ohne eine fähige wie blitzgescheite Sekretärin, mag man sich fragen, und so komplettiert die wunderbare Deborah Ann Woll – nach sieben Staffeln True Blood wieder frei für neue Rollen – das Trio der wackeren Streiter für Recht und Ordnung, die gerade Fisk das Handwerk zu legen versuchen, wobei Murdock da natürlich mit gänzlich anderen Mitteln zu Werke geht als seine Freunde, die natürlich nichts von dessen Superhelden-Alter Ego ahnen, wie sich das eben so gehört.

Szenenbild aus Daredevil | © Netflix
© Netflix

Ich könnte mich jetzt wohl ohne Zweifel auch noch lang und breit darüber auslassen, wie sehr mir Vondie Curtis-Hall als investigativer Reporter Ben Urich oder Toby Leonard Moore als Fisks Rechte Hand James Wesley gefallen haben – für den ich gar trotz seiner perfiden und zweifelsohne bösartigen Art gar eine gewisse Sympathie entwickelt habe – doch würde das im Kontext der Besprechung von Daredevil schon beinahe zu weit führen, weshalb diese kurze Erwähnung genügen muss, damit noch Raum bleibt zu erwähnen, wie stimmig die Serie in sich konzipiert worden ist, denn der ungemein düstere Look und das gekonnte Spiel mit Licht und Farben wussten jederzeit zu überzeugen, während auch der Ansatz, dass Matt zunächst in einer Art Ninja-Kampfanzug auf nächtliche Streife geht, nur zu begrüßen ist, da dem Ganzen dadurch etwas merklich Bodenständigeres anhaftet, als hätte man ihn von Beginn an in strahlender Superhelden-Kluft inszeniert, auf die es ja aber nun einmal quasi unweigerlich hinausläuft, die mir aber leider, wie ich gestehen muss, nicht wirklich hundertprozentig zusagen wollte, so sehr man sich auch bemüht hat, stimmig und nachvollziehbar dorthin zu führen, aber nachträgliche Änderungen am Design sind ja schließlich nicht gänzlich ausgeschlossen, zumal das nur ein kleiner Wermutstropfen innerhalb der letzten drei Folgen ist, die sich stringent Richtung unweigerliches Finale bewegen und dabei auch schon vor dem Schlussakt sowohl in Der rechte Pfad (1.11) als auch Blut ist dicker (1.12) Opfer fordern, von denen ich mir gewünscht hätte, sie würden dem Zuschauer erhalten bleiben, doch unterstreicht das auch wiederum die Konsequenz, mit der man hier bereit ist, auch liebgewonnene und vielversprechende Figuren abzusägen, wenn es die Dramaturgie der Story erfordert. Halten wir also fest, dass es sich bei Daredevil um allerfeinste Serienunterhaltung für Freunde erwachsener Superheldengeschichten handelt, die mich zwar im direkten Vergleich zu Jessica Jones emotional einen Tacken weniger zu packen gewusst hat, bei der ich mich aber dennoch wie verrückt auf die baldig folgende zweite Staffel freue, zumal hier dann auch Elektra und vor allem Frank Castle in Erscheinung treten werden.

Fazit & Wertung:

Die den Netflix-Ableger des Marvel-Franchise begründende erste Staffel Daredevil erweist sich als komplex-wendungsreiche, düster-ernsthafte Serienunterhaltung mit einem großartigen Darsteller-Ensemble, die nicht nur durch ihre ausgefeilten Kampfchoreografien und dramaturgische Finesse, sondern auch mit gehörig Flair und greifbaren Figuren für sich einzunehmen weiß. Ein fulminanter Auftakt für einen hoffentlich langlebigen Serienkosmos im Reich der Marvel-Superhelden.

8,5 von 10 getönten Sonnenbrillen

Daredevil | Staffel 1

  • Getönte Sonnenbrillen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die den Netflix-Ableger des Marvel-Franchise begründende erste Staffel Daredevil erweist sich als komplex-wendungsreiche, düster-ernsthafte Serienunterhaltung mit einem großartigen Darsteller-Ensemble, die nicht nur durch ihre ausgefeilten Kampfchoreografien und dramaturgische Finesse, sondern auch mit gehörig Flair und greifbaren Figuren für sich einzunehmen weiß. Ein fulminanter Auftakt für einen hoffentlich langlebigen Serienkosmos im Reich der Marvel-Superhelden.

8.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Infernal Cinematic Affairs: 5/10 Punkte
Mind Palace: 5/5 Punkte

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Im Ring (8/10)
02. Cutman (8,5/10)
03. Hase im Schneesturm (8,5/10)
04. Im Blut (9/10)
05. Eine Welt in Flammen (9/10)
06. Reingelegt (9/10)
07. Stick (8/10)
08. Schatten im Glas (9/10)
09. Wenn man vom Teufel spricht (9/10)
10. Nelson und Murdock (8,5/10)
11. Der rechte Pfad (9/10)
12. Blut ist dicker (9/10)
13. Daredevil (9/10)

 
 
– – –

Daredevil | Staffel 1 ist seit dem 10.04.15 exklusiv bei Netflix verfügbar.

  • Singende Lehrerin

    Schöne Kritik, der ich mich ziemlich genau so anschließen kann! Ich bin auch so begeistert, mit welch vielschichtigen Bösewichten Netflix in „Daredevil“ und auch „Jessica Jones“ aufwartet – und die „Helden“ sind auch nicht ohne Ecken und Kanten. Finde ich super!

    Aber einmal hast du „Brian Cox“ statt „Charlie Cox“ geschrieben – da war ich kurz irritiert, wen der gespielt haben soll… 😉

    • Muha, und dann auch noch den Namen verwechselt kurz vor der Verlinkung zu „Boardwalk Empire“, ja herrlich.

      Sehe ich genauso mit der Vielschichtigkeit der Bösewichte (und Helden), was sich bisher auch bei der zweiten Staffel „Daredevil“ bestätigt, wobei ich da mal gespannt bin, wie sich die Staffel insgesamt präsentieren wird (sind jetzt bei Folge 5, meine ich), weil mir das anfängliche Auftauchen des Punishers, dicht gefolgt von Elektra, bisher doch noch etwas unrund erscheint…

  • Schlopsi

    Mir fällt gerade auf, weil ich vergessen habe es bei mir drüben zu erwähnen: Bob Gunton. Bob Gunton dieser quirlige Lümmel, der einfach nicht die Klappe halten konnte. Innerhalb von Minuten wurde er zum unerträglichsten Seriencharakter, der mir spontan einfällt. Seine ständigen Sticheleien und die Pietätlosigkeit… Heieiei, der hat’s mir nicht leicht gemacht. Auch wenn das Ende in der Hinsicht nochmal was gerissen hat. (War zwar leider absehbar, aber okay).

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