Review: Der große Crash – Margin Call (Film)

Unerwartet habe ich heute sturmfrei, weshalb ich mich kurz fasse, weil sich mir jetzt eben unverhofft die Möglichkeit bietet, gleich direkt mit einem neuen Film starten zu können :-)

Der große Crash
Margin Call

Margin Call, USA 2011, 105 Min.

Der große Crash - Margin Call | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
J.C. Chandor
Autor:
J.C. Chandor

Main-Cast:

Kevin Spacey (Sam Rogers)
Paul Bettany (Will Emerson)
Jeremy Irons (John Tuld)
Zachary Quinto (Peter Sullivan)
Penn Badgley (Seth Bregman)
Simon Baker (Jared Cohen)
Mary McDonnell (Mary Rogers)
Demi Moore (Sarah Robertson)
Stanley Tucci (Eric Dale)

Genre:
Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Der große Crash - Margin Call | © Koch Media
© Koch Media

Als wären die rigoros durchgeführten Entlassungen von rund 80 Prozent der Belegschaft einer New Yorker Investmentfirma 2008 im Rahmen der sich bereits ankündigenden Finanzkrise nicht einschneidend genug, fällt ihnen unter anderem der Abteilungsleiter Eric Dale zum Opfer, der in den vorangegangenen Wochen an hochbrisanten Auswertungen gearbeitet hat, die er vor dem Verweis des Hauses seinem ehemaligen Schützling Peter Sullivan zuspielt. Der begibt sich sogleich an die Analyse und ruft seinen Kollegen Seth Bregman hinzu, denn was Dale gefunden zu haben scheint, stellt die Existenz der gesamten Firma in Frage. Schnell wird der gemeinsame Vorgesetzte Will Emerson informiert, der wiederum Sam Rogers hinzuzieht.

In einer abrupten Nacht- und Nebel-Aktion wird auch dessen Vorgesetzter Jared Cohen eingeweiht, der wiederum den CEO John Tuld informiert, der sich in Windeseile zu den Geschäftsräumen auf der New Yorker Wall Street begibt. Ob der schockierenden Erkenntnisse versucht jedermann, Eric Dale zu erreichen, doch der scheint wie vom Erdboden verschluckt. Und der Investmentfirma bleiben nur wenige Stunden, die nächsten Schritte und die weitere Vorgehensweise zu planen, denn bald schon öffnet die Wall Street erneut ihre Pforten und wenn stimmt, was Dale gefunden zu haben scheint, wird die Firma bald kaum noch einen Cent wert sein, wenn, ja wenn man keine Möglichkeit findet, die hochspekulativen und tendenziell geschäftsschädigenden Anleihen baldmöglichst abzustoßen…

Rezension:

Nicht nur wenn man berücksichtigt, dass J.C. Chandors Film-Erstling mit einem Budget von gerade einmal 3,5 Millionen US-Dollar und binnen 17 Tagen Drehzeit aus dem Boden gestampft worden ist, ist ihm letztlich mit Der große Crash – Margin Call – im Original erwartungsgemäß einfach Margin Call – ein unglaublich guter, in sich stimmiger und noch immer relevanter Wall-Street-Thriller gelungen, denn auch wenn die Finanzkrise von 2008 längst der Vergangenheit angehört, ist es ja nicht so, als hätte sich das Finanzwesen von Grund auf runderneuert und heutzutage kein Interesse mehr daran, spekulativen Geschäften nachzugehen. Was aber besonders beeindruckt – neben der beachtlich namhaften Darstellerriege, der ich mich später noch im Detail widmen möchte – ist die Art und Weise, in der es Chandor gelingt, den Fachjargon der Hochfinanz in einen massentauglichen Film zu transferieren, ohne dass man das Gefühl hätte, entweder für blöd gehalten zu werden oder einer extrem simplifizierten Version des Geschehens beizuwohnen und sei es nur durch den Kniff, dass beispielsweise der von Jeremy Irons dargestellte CEO John Tuld fordert, man möge ihm mit einfachsten Worten erklären, was gerade vor sich geht.

Szenenbild aus Der große Crash - Margin Call | © Koch Media
© Koch Media

Beinahe ebenso bravourös meistert Chandor, der selbst über mehrere Jahrzehnte einschlägige Branchenerfahrung verfügt, es aber auch, einen auf den ersten Blick möglicherweise weltfremden Finanz-Thriller so packend zu inszenieren, dass man als Zuschauer trotz des Umstandes mitzufiebern versteht, dass die Akteure der Hochfinanz mit ihren schwindelerregenden Gehältern und den teils extrem fragwürdigen Moralvorstellungen dennoch als Identifikationsfiguren taugen und immer auch eine menschliche Seite an sich haben, die die jeweiligen Figuren greifbar und reell machen. Das ist natürlich nicht allein Chandors Verdienst, denn in diesem Punkt der teilweise durchaus zu Unrecht vergebenen Sympathiepunkte (wenn man einmal berücksichtigt, was besagte Finanzjongleure in Margin Call zu tun gedenken), gebührt das Lob natürlich zuvorderst der ausnehmend hochkarätigen Darstellerriege, angeführt von Schauspielgröße Kevin Spacey und dem charismatischen Paul Bettany, die hervorragend mit den tendenziell eher aus dem Fernsehen bekannten Zachary Quinto (Star Trek) und Penn Badgley (Einfach zu haben) harmonieren. Einzig die Frauenquote ist mit Demi Moore als einzig nennenswerter Figur – wenngleich auch Mary McDonnell als Frau von Spaceys Charakter im Main-Cast geführt wird – doch überaus gering, allerdings spiegelt das eben auch die Realität an der Wall Street anno 2008 wider, weshalb man das dem Film kaum übel nehmen kann, ebenso wie es natürlich ausgerechnet Moores Figur der Sarah Robertson sein soll, die als Bauernopfer verantwortlich für das drohende Fiasko gemacht werden soll.

Der am ehesten aus und als The Mentalist bekannte Simon Baker gibt last but not least als Jared Cohen einen aalglatten wie abgebrühten Vorgesetzten, während es quasi einzig Stanley Tucci (In meinem Himmel) in einer zwar vergleichsweise kleinen, dafür aber umso prägenderen wie gewichtigen Rolle als Chef-Analyst Eric Dale obliegt, sozusagen die moralische Instanz der Chose zu bilden, denn alle anderen Figuren sind längst – mehr oder minder ausgeprägt – Opfer ihrer eigenen Gier, gleichwohl man auch hier nicht den Fehler begehen sollte, keine Charakterentwicklung mehr zu erwarten, denn natürlich wird es auch Personen in diesem Reigen geben, die sich gegen die höchst unmoralischen Schritte, die man zu tun gedenkt, aufzulehnen beginnen.

Szenenbild aus Der große Crash - Margin Call | © Koch Media
© Koch Media

Nein, Margin Call ist sicherlich kein Film für Jedermann und man sollte schon ein gesundes Interesse an dem Thema mitbringen, um sich nicht gelangweilt abzuwenden, denn so stilsicher Chandor den Jargon der Hochfinanz einzusetzen, aber auch zu übersetzen versteht, so pointiert seine Dialoge auch sein mögen, vermag dies doch alles nicht zu helfen, wenn man sich eben schlichtweg für einen Wall-Street-Thriller nicht zu erwärmen vermag, denn das Thema ist schon speziell und die sich überwiegend in den Geschäftsräumen der namenlos bleibenden New Yorker Investmentfirma abspielenden Ereignisse wirken wie eine gänzlich eigensinnige Form eines Kammerspiels, was sicherlich auf den einen oder anderen auch abschreckend oder ermüdend wirken mag, doch möchte ich damit mehr für eine richtige Einstellung zum Thema des Films plädieren, als vor ihm zu warnen, denn auch wenn ich mir teilweise noch tiefere Einblicke in die New Yorker Finanzwelt gewünscht hätte und der Film, damit er auch von Außenstehenden in seiner Gänze erforscht und durchdrungen werden kann, sicherlich auch noch die eine oder andere Minute mehr verkraftet hätte, muss ich doch zuvorderst festhalten, dass sich die über gerade einmal 24 Stunden erstreckende Geschichte dermaßen dicht und atmosphärisch inszeniert präsentiert, dass es mir eine Freude war, Chandors filmischer Version des Vorabends der Finanzkrise beizuwohnen.

Fazit & Wertung:

Wenngleich J.C. Chandors Der große Crash – Margin Call sicherlich ein gewisses Interesse am Thema voraussetzen mag, vermag es der Film tatsächlich dessen ungeachtet, als packender Finanz-Thriller zu funktionieren, was einerseits der Regie und dem Drehbuch nebst vieler stimmiger Dialoge geschuldet ist, andererseits sicherlich auch dem charismatischen wie vielgesichtigen Staraufgebot, das sich bereitwillig an diesem vergleichsweise kleinen Projekt beteiligt hat.

7,5 von 10 hochbrisanten Datensätzen, die ein gesamtes Imperium bedrohen

Der große Crash - Margin Call

  • Hochbrisante Datensätze, die ein gesamtes Imperium bedrohen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Wenngleich J.C. Chandors Der große Crash – Margin Call sicherlich ein gewisses Interesse am Thema voraussetzen mag, vermag es der Film tatsächlich dessen ungeachtet, als packender Finanz-Thriller zu funktionieren, was einerseits der Regie und dem Drehbuch nebst vieler stimmiger Dialoge geschuldet ist, andererseits sicherlich auch dem charismatischen wie vielgesichtigen Staraufgebot, das sich bereitwillig an diesem vergleichsweise kleinen Projekt beteiligt hat.

7.5/10
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