Review: Mozart in the Jungle | Staffel 1 (Serie)

Sooo, heute sei dann mal wieder die Serien-Rubrik berücksichtigt, denn schließlich startet bald schon die zweite Staffel dieser hochgelobten Serie und bevor mein Artikel dazu hier zu versauern droht, haue ich ihn doch lieber jetzt direkt raus und wünsche euch viel Freude bei der Lektüre!

Mozart in the Jungle
Staffel 1

Mozart in the Jungle, USA 2014- , ca. 26 Min. je Folge

Mozart in the Jungle | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Serienschöpfer:
Roman Coppola
Jason Schwartzman
Alex Timbers
Showrunner:
Roman Coppola
Jason Schwartzman
Alex Timbers
Paul Weitz

Main-Cast:
Gael García Bernal (Rodrigo)
Lola Kirke (Hailey)
Saffron Burrows (Cynthia)
Hannah Dunne (Lizzie)
Peter Vack (Alex)
Malcolm McDowell (Thomas)
Bernadette Peters (Gloria)
in weiteren Rollen:
Debra Monk (Betty)
Mark Blum (Union Bob)
Jennifer Kim (Sharon)
Joel Bernstein (Warren)
Nora Arnezeder (Anna Maria)
John Miller (Dee Dee)
Jason Schwartzman (Bradford Sharpe)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Szenenbild aus Mozart in the Jungle | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Inhalt:

Die junge wie talentierte Oboistin Hailey träumt seit langem davon, einmal Teil der renommierten New Yorker Philharmonie zu werden und als der altgediente Dirigent Thomas Pembridge halb gezwungenermaßen das Feld räumt zugunsten des deutlich jüngeren, innovativeren und vor allem exzentrischeren Rodrigo de Souza, scheint ihre Chance gekommen zu sein, denn der neue Dirigent wirbelt gehörig Staub auf und setzt prompt Proben für neue Musiker in spe an. Pembridge allerdings ist nicht bereit, sein Erbe mit Füßen treten zu lassen und kämpft verzweifelt um seinen nunmehr informell gewordenen Posten als Berater des Orchesters, während die Affäre zu Orchestermitglied Cynthia allein kaum noch als Jungbrunnen genügt.

Szenenbild aus Mozart in the Jungle | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Rodrigo derweil lehnt sich bewusst gegen so ziemlich jede feststehende Norm auf und zieht damit auch den Unmut weiterer Parteien der New Yorker Philharmonie auf sich, engagiert schließlich auch Hailey, obwohl diese nach allgemeinem Konsens zu jung und unerfahren für den Posten sei. Nichtsdestotrotz rückt die Premiere von Rodrigo als Dirigent näher und näher und die Philharmoniker müssen sich notgedrungen zusammenraufen, wenn die Vorstellung nicht zu einem Fiasko geraten soll, ungeachtet dessen, wie kritisch sowohl Rodrigo als auch dessen frischgebackene Assistentin Hailey von den anderen beäugt werden…

 

 

Rezension:

Nachdem bereits seit dem 30.12. vergangenen Jahres die zweite Staffel Mozart in the Jungle bei Amazon Prime verfügbar ist und bereits am 12. Februar auch in der deutschsprachigen Fassung Premiere feiern wird, wird es nun doch allerhöchste Zeit, auch einmal meine Eindrücke zur ersten Staffel niederzuschreiben, denn die mit Gael García Bernal in der Hauptrolle des Maestro Rodrigo prominent wie hochkarätig besetzte Dramedy war für mich eine echte Entdeckung, denn einerseits hatte ich mir – völlig zu Unrecht – aufgrund der Tagline Sex, Drugs, and Classical Music einen müden Abklatsch einer auf den Pfaden von Serien wie Californication wandelnden Serie erwartet, andererseits konnte ich mir wirklich nicht vorstellen, mich für die omnipräsente klassische Musik begeistern zu können, zumal mich auch das irreführende wie poppig-bunte Cover nicht unbedingt mit Neugierde erfüllt hat. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt und so konnte mich diese so ungewöhnliche Serie schnell in ihren Bann schlagen und darf meines Erachtens mit Fug und Recht die jüngst eingeheimsten zwei Golden Globes als Beste Serie Comedy/Musical und für den Besten Hauptdarsteller Comedy/Musical für sich verbuchen.

Szenenbild aus Mozart in the Jungle | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Zugegeben, die Serie brauchte einige Folgen, um wirklich in Gang zu kommen und speziell die mit neuen Gesichtern vollgepackte Pilotfolge wie auch die sich hieran anschließenden Episoden wussten mich zu unterhalten, aber auch nicht wahnsinnig zu begeistern, doch bedarf es eben auch einiger Zeit, sich mit all den teils skurrilen, fast immer exzentrischen Gestalten des New Yorker Symphonie-Orchesters vertraut zu machen, denn Mozart in the Jungle fokussiert mitnichten nur auf den neuen Maestro, der sozusagen als Fremdkörper den eingeschworenen und alteingesessenen Haufen gehörig durcheinanderwirbelt, sondern stellt vor allem die Figur der jungen Oboe-Spielerin Hailey in den Vordergrund, die mir dank der herzerfrischenden Interpretation durch Lola Kirke prompt ans Herz gewachsen ist, doch finden auch die anderen Ensemble-Mitglieder Berücksichtigung und bekommen im Laufe der zehn Folgen umfassenden Staffel bereits gehörig Profil verliehen, ob es sich um die nach außen hin zunächst so distanziert wirkende Cynthia (Saffron Burrows) handelt, die arrogante Betty (Debra Monk), den ungemein witzig und spleenig angelegten Gewerkschafts-Bob (Mark Blum) sowie nicht zuletzt Gloria (Bernadette Peters), die als Präsidentin der Symphonie einerseits den von Malcolm McDowell gespielten, altgedienten Maestro Thomas in den Ruhestand geschickt hat, um ihn durch den exaltierteren und moderneren Rodrigo zu ersetzen, von dem sie sich ursprünglich frischen Wind und neues Prestige für die Symphonie erhofft hat, der sie in seiner exzentrischen wie widerspenstigen Art bald zur Weißglut zu treiben droht.

Szenenbild aus Mozart in the Jungle | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Damit aber wäre noch nicht einmal das ganze Figurenkonsortium umrissen, weshalb klar sein dürfte, weshalb es ein wenig dauert, bis man sich mit all diesen Gestalten vertraut gemacht hat, doch lohnt sich dieses Durchhaltevermögen ungemein, zumal die ersten drei Episoden mitnichten langweilig oder schlecht wären, doch folgt spätestens mit Im Gesetz des Dschungels (1.04) eine erste Highlight-Folge, die mich mehr denn je zu verzaubern wusste und ja, die klassische Musik übt hier tatsächlich eine ungeahnte Faszination aus und bildet durchaus einen integralen Bestandteil der Serie, statt nur Mittel zum Zweck zu sein, weshalb Mozart in the Jungle sich mir schlussendlich mit Ouvertüre 1812 (1.06) ins Herz gespielt hat, denn Rodrigo schmeißt hier sämtliche Konventionen über Bord und veranstaltet eine großartig inszeniertes, formidabel gespieltes, ein Lächeln auf die Lippen zauberndes Open-Air-Konzert in den Straßen New Yorks und unterstreicht damit gekonnt das Alleinstellungsmerkmal wie auch den Charme der Serie.

Wenn dann in Gestalt von Nora Arnezeder (Alexandre Ajas Maniac) auch noch Rodrigos Exfrau Anna Maria in der zweiten Staffelhälfte die Bühne betritt und sich als unberechenbare Furie von Frau entpuppt, ist die Marschrichtung, in die Mozart in the Jungle zu gehen bereit ist, bereits klar ausformuliert und kulminiert in Die Teufelsgeigerin (1.10) in einem ungemein unterhaltsamen wie überraschungsreichen Finale, bei dem auch der Gastauftritt von Produzent und Schauspieler Jason Schwartzman (Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt) als Podcaster Bradford Sharpe nicht unerwähnt bleiben sollte, der bereits Stille Symphonie (1.03) zu einem Erlebnis gemacht hat und wohl auch in der zweiten Staffel noch mehrfach in dieser Rolle zu sehen sein wird.

Szenenbild aus Mozart in the Jungle | © Amazon Studios
© Amazon Studios

Auch wenn sich bei Mozart in the Jungle vieles an Konfliktpotential einzig aus dem aufmüpfigen und oft unüberlegten Handeln von Rodrigo generiert, bleibt er als Figur stets konsistent, weshalb man Gael García Bernal für dessen Darstellung wirklich nicht genug loben kann, selbst wenn er als Dirigent genauso unnatürlich und gespielt wirkt wie das eigentlich seit jeher der Fall ist, doch soll das wirklich eines der wenigen Mankos bleiben, die man der Serie ankreiden könnte, die wie gesagt von einem äußerst smarten Charme und geballten Ideenreichtum spielend getragen wird und es darüber hinaus auch nicht versäumt, auch mal ernstere Untertöne anzuschlagen und gleichsam als Drama zu überzeugen wie als komödiantisch gefärbtes Portrait einer doch in sich ziemlich elitären Kaste von Musikern, wobei die Serie übrigens zumindest lose auf den Memoiren Mozart in the Jungle: Sex, Drugs, and Classical Music der Oboistin Blair Tindall basiert, weshalb Lola Kirke als Hailey nicht umsonst die eigentliche Hauptfigur der Serie zu sein scheint, fungiert sie schließlich als Alter Ego von Tindall und bildet den emotionalen Kern der Story, denn so überzeugend Bernal als Maestro auch sein mag, taugt der exzentrische Musiker dann doch eher weniger als echte Identifikationsfigur. Ich für meinen Teil bin auf alle Fälle sehr gespannt auf die zweite Staffel, die ich mir natürlich alsbald möglich ebenfalls zu Gemüte führen werde.

Fazit & Wertung:

Auch wenn man einige Folgen benötigt, sich vollends in den Mikrokosmos der New Yorker Philharmoniker zu finden, ist Mozart in the Jungle in seinem ersten Jahr eine beinahe durchweg überzeugende Dramedy voller absurder Situationen und Wendungen, doch auch mit viel Herz und vor allem Liebe für die klassische Musik inszeniert, so dass sich in beinahe jeder folge ein musikalisches Highlight findet, dass zum Staunen verleitet. Ungewöhnliche und extrem charmante Serienunterhaltung mit einem bestens aufgelegten Cast.

8,5 von 10 ungewöhnlich interpretierten klassischen Werken

Mozart in the Jungle | Staffel 1

  • Ungewöhnlich interpretierte klassische Werke - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Auch wenn man einige Folgen benötigt, sich vollends in den Mikrokosmos der New Yorker Philharmoniker zu finden, ist Mozart in the Jungle in seinem ersten Jahr eine beinahe durchweg überzeugende Dramedy voller absurder Situationen und Wendungen, doch auch mit viel Herz und vor allem Liebe für die klassische Musik inszeniert, so dass sich in beinahe jeder folge ein musikalisches Highlight findet, dass zum Staunen verleitet. Ungewöhnliche und extrem charmante Serienunterhaltung mit einem bestens aufgelegten Cast.

8.5/10
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Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Pilot (8/10)
02. Oboe Nummer 5 (8/10)
03. Stille Symphonie (8/10)
04. Im Gesetz des Dschungels (8,5/10)
05. Ich gehöre zum Maestro (8/10)
06. Ouvertüre 1812 (9/10)
07. Entdecke dich selbst (8,5/10)
08. Marlons Stunde (8/10)
09. Fortissimo (8/10)
10. Die Teufelsgeigerin (9/10)

 

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Mozart in the Jungle | Staffel 1 ist exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

  • Die Serie werde ich demnächst auch einmal angehen. Musikserien gibt es eh viel zu wenige. Ich mochte ja bereits „Smash“, die natürlich eher auf das Musical gesetzt hat, doch auch hier erwarte ich mir viel von dem Setting.

    • Franzi

      Ich muss gestehen bis auf den kleinen Einblick in diese elitäre Musikwelt, ist jetzt Monate nach dem Schauen der ersten Staffel nichts großartig hängen geblieben. Schau lieber erst den Zweiteiler zu INXS^^

    • @bullion: Mh, ‚Smash‘ sagt mir nicht einmal was, ich setz es mal auf die Liste :)

      @Franzi: Echt nicht? Wie unterschiedlich die Wahrnehmung doch manchmal ist, ich kann mich an so viele großartige Szenen erinnern, ob es die Trinkspiele in der Künstler-WG sind, der ins Exil gegangene Ex-Maestro, die Auftritte der „Teufelsgeigerin“, Rodrigos Tagträume/Wahnvorstellungen, die „Hear the Hair“-Kampagne…

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