Review: The Saints – Sie kannten kein Gesetz (Film)

So, heute kommen wir dann auch mal wieder zu einem Film – ja, ich weiß, wer hätte das gedacht – und auf den bin ich mal wieder, ich muss es zugeben, hauptsächlich wegen der Hauptdarsteller gestoßen. Die waren auch überzeugend, während man aus dem Film an sich leider durchaus hätte mehr machen können. Aber hey, ich wollte ja nicht mehr vorgreifen und lasse also die Kritik für sich sprechen. Und hier kommt sie auch schon!

The Saints
Sie kannten kein Gesetz

Ain’t Them Bodies Saints, USA 2013, 96 Min.

The Saints - Sie kannten kein Gesetz | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
David Lowery
Autor:
David Lowery

Main-Cast:
Casey Affleck (Bob Muldoon)
Rooney Mara (Ruth Guthrie)
Ben Foster (Patrick Wheeler)
in weiteren Rollen:
Nate Parker (Sweetie)
Rami Malek (Will)
Keith Carradine (Skerritt)

Genre:
Krimi | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus The Saints - Sie kannten kein Gesetz | © Koch Media
© Koch Media

In den 70er Jahren, in den Südstaaten der USA, plant das Gangster-Pärchen Ruth und Bob bereits den nächsten Coup, doch dazu soll es nicht mehr kommen, denn die Polizei ist ihnen dicht auf den Fersen und stellt sie schlussendlich. Ruth, die kurz vor ihrer Verhaftung noch den engagierten Kleinstadtpolizisten Patrick Wheeler anschießt, kommt ungeschoren davon, da Bob die Schuld auf sich nimmt und für sie beide ins Gefängnis wandert. Jahre vergehen und einzig Brief verbinden die Liebenden noch, während Bob im Gefängnis seine Strafe absitzt und Ruth sich mit der gemeinsamen Tochter in einem kleinen Haus wohnlich eingerichtet hat, stets unter den wachsamen wie wohlwollenden Augen ihres Ziehvaters Skerritt, der mit Wohlwollen zur Kenntnis nimmt, inwieweit sich Ruth geändert zu haben scheint. Auch Patrick, der nichts davon weiß, dass Ruth es war, die auf ihn geschossen hat, kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Tochter, während er freilich eigentlich mehr ein Auge auf die Mutter geworfen zu haben scheint.

Nach vier Jahren dann allerdings gelingt Bob die Flucht aus dem Gefängnis und er ist nur noch von dem Gedanken beseelt, zu Ruth und seinem Kind zurückzukehren und mit ihnen gemeinsam das Weite zu suchen. Doch so eine Flucht will wohlgeplant sein und so nähert sich Bob erst zaghaft wieder seinem früheren Wohnort an, der noch dazu hunderte Kilometer von seinem Gefängnis entfernt liegt. Dass Ruth allerdings mittlerweile keine Ambitionen mehr haben könnte, sich gemeinsam mit ihm auf die Flucht zu begeben, damit hat der junge Familienvater freilich nicht gerechnet, ebenso wenig wie mit den anderen Parteien, die seine Flucht auf den Plan gerufen haben…

Rezension:

Bei The Saints – Sie kannten kein Gesetz ist alleine marketingtechnisch – und ich weiß, dass ich dieses Thema viel zu oft aufs Trapez bringe(n muss) – schon wieder gehörig viel schief gegangen, was dem Film in letzter Konsequenz mehr schadet denn nützt, denn nicht damit genug, den im Original Ain’t Them Bodies Saints betitelten Film nicht nur umzubenennen, sondern gleichsam mit einem reißerischen wie irreführenden deutschen Untertitel zu versehen, wird auch noch vollmundig damit geworben, es handele sich um einen Film von den Machern von Lawless –Die Gesetzlosen und Blue Valentine, denn während sich dieser Film von David Lowery mit erstgenanntem Film tatsächlich einen (von vielen) Produzenten – Robert Ogden Barnum – teilt, konnte ich die Verbindung zu zweitgenanntem Werk erst gar nicht ausmachen, aber das ist auch nicht weiter tragisch, handelt es sich schließlich um einen „Thriller, der unter die Haut geht“. Nicht. Vielmehr handelt es sich bei dem Film nämlich um ein ziemlich ruhig erzähltes Drama, das so etwas wie den Gegenentwurf zu einer blutig-romantischen Gangster-Ballade darstellt, wie sie hier von allen Seiten angepriesen wird, weshalb der eigentlich durchaus überzeugende und in sich stimmig erzählte Film folgerichtig schon aufgrund enttäuschter Erwartungen bei einem Großteil des Publikums durchfallen muss.

Szenenbild aus The Saints - Sie kannten kein Gesetz | © Koch Media
© Koch Media

Die Geschichte von The Saints setzt, anders als man es vermuten und erwarten würde, kurz vor Verhaftung des kriminellen Gangsterpärchens Ruth Guthrie und Bob Muldoon ein und während Bob insbesondere den Schuss auf den Polizisten Patrick Wheeler auf sich nimmt und inhaftiert wird, kommt Ruth mit einem blauen Auge davon. Der sich hieran anschließende, eigentliche Film von kaum über neunzig Minuten Laufzeit widmet sich fortan dem seelischen Innenleben seiner Figuren, Ruth, wie sie versucht, sich ohne ihren geliebten Bob ein Leben aufzubauen, Bob, wie er versucht, aus dem Knast zu entkommen und hiernach, seine Geliebte aus dem verstaubten Kaff zu retten, in dem er sie gefangen sieht und Patrick, der wiederum ein Auge auf Ruth geworfen zu haben scheint und logischerweise nicht darum weiß, dass sie es war, die ihn bei der Festnahme angeschossen hat. Das alles wird in ruhigen, elegischen Bildern erzählt und auch wenn damit einerseits erst die Spitze des Eisberges der zugrundeliegenden Prämisse des Films umrissen ist, handelt es sich andererseits um den Kern des Geschehens, um das sich alles dreht.

Dabei bleibt The Saints sowohl was die konkreten Missetaten des an Bonnie & Clyde gemahnenden Pärchens als auch Bobs sich relativ früh vollziehender Ausbruch aus dem Gefängnis merkwürdig unscharf, doch macht Regisseur und Drehbuchautor David Lowery eben auch mehr als deutlich, dass es ihm um diese Aspekte des Geschehens überhaupt nicht geht. Dabei ist es allein und zuvorderst Rooney Mara (Side Effects) und Casey Affleck (Die Ermordung des Jesse James…) zu verdanken, dass die Chemie zwischen Ruth und Bob, obwohl sie bis beinahe zum Ende hin getrennt voneinander sind, dennoch stimmig und glaubhaft daherkommt, was viel über die Fähigkeiten nicht nur der Darsteller sondern auch des Regisseurs aussagt, denn räumlich getrennte Figuren ohne klar umrissene Vergangenheit und bei nur angedeuteter Zusammengehörigkeit so glaubhaft als Einheit erscheinen zu lassen, ist für sich genommen schon eine hohe Kunst. Damit aber nicht genug, überrascht selbst Ben Foster (Kill Your Darlings) mit einem ungewohnt emotionalen und vielschichtigen Spiel, während es Keith Carradine (Dexter) vorbehalten bleibt, mit seinem unbestreitbaren Charisma jede Szene beinahe spielend an sich zu reißen und das Geschehen innerhalb des kleinen Ortes noch einmal gehörig aufzuwerten, zumal ihm Lowery einige wirklich starke Szenen spendiert, obwohl er nicht zum originären Dreiecks-Beziehungsgeflecht gehört, auf dem die Erzählung fußt.

Szenenbild aus The Saints - Sie kannten kein Gesetz | © Koch Media
© Koch Media

Doch nicht nur dank und mit Hilfe der fähigen Schauspieler gelingt es Lowery gehörig Atmosphäre zu erzeugen und immer wieder an die Erzählung zu fesseln, so unaufgeregt und spannungsarm sie in weiten Teilen auch geschildert sein mag, um dann in einem beinahe schon überhastet wirkenden Finale zu kulminieren, das sicherlich vielen auch ein wenig zu offen und damit zu wenig aussagekräftig sein dürfte, allerdings hat The Saints während seiner gerade einmal anderthalbstündigen Laufzeit tatsächlich auch einige Längen aufzuweisen und selbst wenn man sich bewusst ist, hier ein weitestgehend ruhiges und unblutiges Drama geboten zu bekommen, wird man sich des Gefühls nicht erwehren können, dass da inszenatorisch wie erzählerisch noch einiges mehr drin gewesen wäre, denn so schön es manchmal auch sein mag, manche Dinge unausgesprochen zu lassen, gefällt sich dieser Film einmal zu oft in der Rolle der bewusst nur auf Andeutungen und Unterstellungen fußenden Erzählung, weshalb es ihm schlussendlich trotz seiner zweifelsohne vorhandenen Stärken gefühlsmäßig ein wenig an Substanz mangelt, um so überzeugen zu können, wie man es sich gewünscht hätte, ob man nun ein Drama oder einen packenden Thriller erwartet hat (welcher der Film im Übrigen allerhöchstens jeweils fünf Minuten zu Beginn und zum Ende hin ist).

Fazit & Wertung:

Mag David Lowerys The Saints – Sie kannten kein Gesetz eine Gangster-Geschichte voller Ambitionen gewesen sein, funktioniert er zwar als zuweilen beinahe tragisch anmutendes Drama in weiten Teilen durchaus, lässt aber doch ungeachtet der überzeugenden Schauspieler ein wenig Substanz vermissen, welche die atmosphärisch gefilmten Bilder zweifelsohne merklich aufzuwerten gewusst hätte. Am Ende bleibt eine zwar ungewöhnliche, aber eben leider nicht außergewöhnliche Interpretation des weithin bekannten Stereotyps vom kriminellen Liebespaar.

6,5 von 10 sehnsuchtsvollen Briefen

The Saints – Sie kannten kein Gesetz

  • Sehnsuchtsvolle Briefe - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Mag David Lowerys The Saints – Sie kannten kein Gesetz eine Gangster-Geschichte voller Ambitionen gewesen sein, funktioniert er zwar als zuweilen beinahe tragisch anmutendes Drama in weiten Teilen durchaus, lässt aber doch ungeachtet der überzeugenden Schauspieler ein wenig Substanz vermissen, welche die atmosphärisch gefilmten Bilder zweifelsohne merklich aufzuwerten gewusst hätte. Am Ende bleibt eine zwar ungewöhnliche, aber eben leider nicht außergewöhnliche Interpretation des weithin bekannten Stereotyps vom kriminellen Liebespaar.

6.5/10
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