Review: Traumlieder II: Erzählungen | George R. R. Martin (Buch)

So, Freitagabend, erste Woche schon wieder rum. Bin zwar auf dem Sprung, aber einer der guten Vorsätze war ja stetiges Bloggen, deswegen gibt es jetzt noch meine neue Buch-Kritik. Kommt mir gut ins Wochenende!

Traumlieder II
Erzählungen

Dreamsongs Volume 2, USA 2013, 624 Seiten

Traumlieder II: Erzählungen von George R. R. Martin | © Heyne
© Heyne

Autor:
George R. R. Martin
ÜbersetzerInnen:
Diverse

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-31625-6

Genre:
Abenteuer | Fantasy | Horror | Science-Fiction

 

Inhalt:

Fangen wir am besten am Anfang an, denn es gibt einige eigenartige und weitverbreitete Irrtümer. Einerseits habe ich Leser, die vor »Das Lied von Eis und Feuer« noch nie von mir gehört haben und offenbar felsenfest davon überzeugt sind, dass ich nie etwas anderes geschrieben habe als Fantasy-Epen. Andererseits gibt es da die Leute, die all mein altes Zeug gelesen haben und darauf bestehen, ich sei ein Science-Fiction-Autor, der schändlicherweise zur Fantasy übergelaufen ist.

Der zweite Part der Traumlieder betitelten, auf drei Bände ausgelegten Anthologie rund um die Kurzgeschichten des durch sein Epos Das Lied von Eis und Feuer weltweit bekannt gewordenen Schriftstellers George R. R. Martin vereint weitere elf Kurzgeschichten aus unterschiedlichen Dekaden, die teils der Fantasy, teilweise der Science-Fiction zuzuordnen sind oder sich dem Horror-Genre zuordnen lassen, wobei speziell hier einige Hybride zu finden sind, die gleich mehrere Genres zu bedienen wissen, weshalb dies auch den Hauptteil des Bandes ausmacht.

Rezension:

Ähnlich wie schon der erste Band der Traumlieder wirkt auch Traumlieder II an sich sehr abwechslungsreich und stimmig, doch muss man hier auch leichte Abstriche in Kauf nehmen, die ihren Anfang darin nehmen, dass ich diesmal die einleitenden Worte zu den drei großen Abschnitten Die Erben der Schildkrötenburg, Hybride und Horror sowie Eine Kostprobe von Tuf, in die sich das Buch erneut teilt, als nicht ganz so lesenswert und unterhaltsam empfunden habe wie noch beim Vorgängerband, vor allem die Gewichtung nicht unbedingt durchweg gelungen ist, denn der Fantasy-Part, wenn man denn so möchte, umfasst kaum mehr als hundert Seiten, wohingegen Hybride und Horror – auch in Bezug auf die insgesamt sechs Geschichten, die sich unter diesem Label versammeln – den Hauptteil des Buches ausmachen und auch wenn es schön ist, im dritten Abschnitt von Tuf zu lesen, würde man meinen, diese Geschichten wären in der ebenfalls bei Heyne erschienenen Anthologie Planetenwanderer, die sich voll und ganz dem Protagonisten Tuf verschreibt, besser aufgehoben, womit man Recht behält, wenn man einen Blick in das dortige Inhaltsverzeichnis wirft, denn sowohl Eine Bestie für Norn als auch Wächter wurden dort bereits veröffentlicht, weshalb man den dritten Part getrost als ausgedehnte Leseprobe zu genanntem Band betrachten kann, was doch mitunter ein wenig ärgerlich sein mag, sowohl wenn man das Buch bereits sein Eigen nennt als auch wenn man es nun, neugierig geworden durch die enthaltenen Stories, zu erwerben gedenkt.

Sharra und Laren Dorr, Adara und ihr Eisdrache, Alys die Graue, Boyce, Blue Jerais … sie alle sind die Erben der Schildkrötenburg, die Vorfahren von Eis und Feuer. Dieses Buch wäre ohne sie nicht vollständig.

Davon abgesehen eröffnet Traumlieder II mit Die einsamen Lieder Laren Dorrs und Der Eisdrache doch vergleichsweise schwach, denn so richtig zu fesseln wussten mich beide Geschichten nicht, während mir erstere zu wenig zielführend war, fehlte mir bei zweiter ein wenig das Überraschungsmoment oder der große Aha-Effekt, doch immerhin mit Das verlassene Land bekommt man schlussendlich noch einmal richtig was geboten, denn diese Story wusste mich durchaus zu begeistern, auch wenn zum Ende hin der finale Twist recht schnell abzusehen war. Von da ausgehend geht es in Hybride und Horror dann auch direkt fulminant weiter und speziell Der Fleischhausmann wusste mich hier sofort zu packen, kündet die Geschichte in einer merkwürdigen Welt schließlich einmal mehr von der überbordenden Kreativität ihres Autors, während Erinnerungen an Melody wieder weitaus klassischer daherkommt und auch hier die Pointe schnell zu erahnen ist, doch fesselt auch diese Geschichte dank packender Schreibe und beklemmender Atmosphäre von den ersten Seiten an.

Die sich hieran anschließende Story Sandkönige wiederum wusste mich nicht recht zu packen, was ein weiteres Indiz für das stetige Auf und Ab in diesem Band ist, denn mit Nachtgleiter folgt eine Science-Fiction-Story, die mit ihren 140 Seiten schon beinahe als kurzer Roman durchgehen könnte, vor allem aber wahnsinnig packend und einfallsreich geschrieben wurde, folglich das Highlight der Traumlieder II in meinen Augen darstellt, denn was Martin sich hier hat einfallen lassen für eine Crew, die den Volcryn, der wohl ältesten und sagenumwobensten Rasse des Universums hinterherreisen, kann sich wirklich sehen lassen. Bei Die Affenkur wie auch Der birnenförmige Mann handelt es sich dann um zwei thematisch ähnlich gelagerte Horror-Stories, die, auch wenn sie längst nicht an den Einfallsreichtum manch anderer Geschichte heranreichen, ebenfalls zu überzeugen wissen.

Ich glaube, wir lesen Fantasy, um die Farben wiederzufinden. Um intensive Gewürze zu schmecken und dem Gesang der Sirenen zu lauschen. In der Fantasy liegt etwas Ursprüngliches, Wahrhaftiges, das uns tief in unserem Innern anspricht und das Kind in uns erreicht, das davon träumte, dereinst im Nachtwald auf die Jagd zu gehen, zu Füßen der Hollow Hills ein Festgelage abzuhalten und irgendwo zwischen dem südlichen Oz und dem nördlichen Shangri-La die Liebe zu finden, die ein Leben überdauert.
Ihren Himmel können sie behalten. Wenn ich sterbe, gehe ich lieber nach Mittelerde.

Beschlossen wird Traumlieder II wie eingangs schon erwähnt mit den beiden Stories Eine Bestie für Norn und Wächter, in denen Haviland Tuf, ein ökologischer Ingenieur die Hauptrolle spielt. Auch diese beiden Stories sind recht ähnlich gelagert, machen aber jede für sich durchaus eine Menge Freude, zumal Tuf durchaus recht spitzzüngig daherkommt. Ohne also die Geschichten an sich kritisieren zu wollen, ist es eben einfach nicht gerade toll, die hier schlichtweg zweitverwertet zu haben, wobei da der Heyne Verlag zugegebenermaßen auch nichts für kann, orientiert man sich schließlich an der amerikanischen Ausgabe Dreamsongs und klar, wäre der Aufschrei groß gewesen, hätte man die beiden Stories mit Querverweis auf ein anderes Buch unter den Tisch fallen lassen. In der Summe befinden sich also auch in dem zweiten Band durchaus einige lohnenswerte Geschichten und ebenso klar ist, dass nicht jede Geschichte jedermanns Geschmack treffen kann, doch der dürftige Einstieg und das doppelte Ende trüben den Gesamteindruck hier leider ein wenig.

Fazit & Wertung:

Auch Traumlieder II mit weiteren, gesammelten Erzählungen aus der Feder von George R. R. Martin kann ich ohne schlechtes Gewissen empfehlen, doch sollte man einerseits ein Faible für Horror-Stories mitbringen – die diesen Band klar dominieren – und sich andererseits darüber im Klaren sein, dass zwei der Geschichten bereits in Planetenwanderer enthalten sind. Ansonsten aber eine durchaus würdige Fortsetzung der Reihe.

7,5 von 10 mal hundert Welten

Traumlieder II: Erzählungen

  • Hunderte Welten - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Auch Traumlieder II mit weiteren, gesammelten Erzählungen aus der Feder von George R. R. Martin kann ich ohne schlechtes Gewissen empfehlen, doch sollte man einerseits ein Faible für Horror-Stories mitbringen – die diesen Band klar dominieren – und sich andererseits darüber im Klaren sein, dass zwei der Geschichten bereits in Planetenwanderer enthalten sind. Ansonsten aber eine durchaus würdige Fortsetzung der Reihe.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und den Autoren findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Traumlieder II: Erzählungen ist am 09.02.15 als Taschenbuch bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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Kommentare (2)

  1. Der Kinogänger 8. Januar 2016

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