Review: Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung (Graphic Novel)

Und nachdem wir eben einen DC-Vertreter hatten, kommt jetzt natürlich standesgemäß auch noch Marvel zum Zuge, wie sich das quasi so gehört. Und jetzt kommt mir nicht damit, dass es ja auch noch Image etc. gibt – weiß ich selber, die sind dann beim nächsten Mal wieder mit von der Partie 😉

Angela
Im Auftrag der Götter:
Die Entführung

Angela: Asgard’s Assassin #1-6, USA 2015, 140 Seiten

Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung | © Panini
© Panini

Autoren:
Kieron Gillen
Marguerite Bennett
Zeichner:
Phil Jimenez
Stephanie Hans

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98396-1

Genre:
Action | Fantasy | Science-Fiction

 

Inhalt:

Ausschnitt aus Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung | © Panini
© Panini

Angela, Tochter von Allvater Odin und dessen Frau Freya, wuchs in dem Glauben auf, ein Engel von Heven zu sein, weshalb sie lange Jahre die Asen hasste, hatte schließlich der Herrscher von Asgard Heven in eine andere Dimension verbannt. Doch Heven kehrte in die Sphäre der übrigen neun Welten zurück und mit ihr auch Angela, die sich nun zur Heimat der Asen aufgemacht und den Erben Asgards, Odins jüngst geborene Tochter, geraubt hat. Das allsehende Auge von Heimdall allerdings erspäht Angela in Unstadt im Limbo und Odinsohn Thor ist ihr mit seinem Gefolge bereits dicht auf den Fersen, während Angela von ihrer treuen Gefährtin Sera begleitet wird, die einst tot war und nun nicht mehr, wenn sie sich dies auch selbst nicht erklären kann.

Doch so kampfeslustig Angela auch sein mag, verfolgt sie durchaus hehre Ziele, die allerdings niemand zu ergründen bereit ist und so setzt sie ihre Flucht vor den wütenden Asen fort, um das Kind seiner Bestimmung zuzuführen und ihre Schuld als Engel zu begleichen, koste es was da wolle…

Rezension:

Hatte ich mich bei Black Widow noch bemüht, zu vermitteln, dass ich überwiegend einen großen Bogen um die vielen Marvel Now! Veröffentlichungen zu machen gedenke, ist mir nun mit Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung gleich der nächste Band aus dieser Sparte jüngst ins Haus getrudelt, doch immerhin wurde die Figur seinerzeit von Todd McFarlane und vor allem Neil Gaiman ersonnen und ist mir jüngst schließlich erst kurz in Avengers: Age of Ultron begegnet, weshalb ich auch hier wieder nicht an mich halten konnte, einen Blick zu riskieren, zumal der Band als in sich geschlossene Miniserie konzipiert war, wenngleich der Cliffhanger und die noch offenen Fragen zum Ende hin darauf deuten, dass hier sicherlich noch mehr Material in Zukunft folgen wird, aber das konnte ich ja schließlich nicht vorher ahnen.

Ausschnitt aus Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung | © Panini
© Panini

Die Geschichte selbst, die sich auf insgesamt sechs Hefte und damit Kapitel erstreckt, nimmt dankbarerweise auch – zusammen mit dem wie immer lesenswerten Vorwort von Christian Endres – den in Sachen Marvel-Mythologie eher unbedarften Leser (wie mich) gekonnt an die Hand und so hatte ich keine Schwierigkeiten, mich nach wenigen Seiten in eine Geschichte voller Rückblenden, Andeutungen, Vorwürfen, Racheschwüren, unerledigten Aufgaben und nicht getilgten Schulden zu finden, denn während man zwar recht schnell erfährt, was Angela jüngst getan hat, bleiben ihre Beweggründe hierfür doch lange im Verborgenen, während sich ihr ein wütender Thor an die Fersen heftet, dem man nur allzu schnell abzunehmen bereit ist, dass er derzeit unwürdig ist, den magischen Hammer Mjölnir zu führen, denn so jähzornig und regelrecht böse habe ich den Odinsohn eigentlich noch nie erlebt. Gemessen an der Macht von Angela war es aber auch unabdingbar, ihr einen mindestens ebenso starken Kontrahenten entgegenzusetzen und das ist den Autoren Kieron Gillen und Marguerite Bennett hier durchaus gelungen, zumal Thor mitnichten das einzige Problem der flüchtigen Angela darstellt, die aber gewohnt stoisch jedweder aufkommenden Gefahr zu trotzen bereit ist.

Umso erstaunlicher nach diesen reißerischen Worten war aber auch, dass Angela mit einer unerwartet vielschichtigen und wendungsreichen Story aufwartet und sich mitnichten nur aufs Kämpfen und Abschlachten verlegt, womit bei weniger fähigen Autoren zu rechnen gewesen wäre, doch hier wird wirklich ihre Heimatlosigkeit, die innere Zerrissenheit deutlich, die die Figur auszeichnet und gleichzeitig ihr Antrieb ist, während es dem reinen Unterhaltungswert merklich zugutekommt, dass Angela hier von Welt zu Welt reißt, sich immer neuer Gefahren erwehren muss auf ihrer Reise in ihre frühere Heimat, um eine alte Schuld zu begleichen, sowohl den Engeln als auch den Asen gegenüber, doch will ich da gar nicht vorgreifen und unterstreiche stattdessen die Freude, die mir Angelas Zusammentreffen mit den Guardians of the Galaxy bereitet hat, zumal es als Nur-Film-Kenner und Nicht-Comic-Leser ja oft der Fall ist, dass man mit einem gänzlich anders gearteten Helden-Konsortium konfrontiert wird, doch hier waren alle meine Lieblinge vertreten und die Mannschaft deckungsgleich zu den filmischen Guardians of the Galaxy, was mir doch sehr zupass kam, zumal auch der Humor sich in ähnlichen Bahnen bewegt hat und die bis dahin epische Erzählung angenehm aufgelockert hat, zumal der Band sonst auf lange Sicht durchaus Gefahr gelaufen wäre, im Pathos zu versinken. Dem ist aber erfreulicherweise nicht so, weshalb der Band zwar auf jeder Seite und in jedem Panel das Flair einer epischen Fantasy-Story atmet, aber nicht darin unterzugehen droht.

Ausschnitt aus Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung | © Panini
© Panini

Hier kämen dann Phil Jimenez und Stephanie Hans ins Spiel, die für die Zeichnungen in Angela verantwortlich waren und sich diesen Job wirklich kongenial teilen, denn während Jimenez die eigentliche Geschichte bebildert hat, oblag es Hans, einerseits die Cover (die sich samt und sonders abgedruckt im Band finden) sowie andererseits die oft Seiten währenden und nicht gerade seltenen Rückblenden zu bebildern, wobei tatsächlich das seltene Kunststück gelingt, dass sich die Zeichnungen trotz oder gerade wegen ihrer unterschiedlichen Stilrichtungen wunderbar ergänzen und ein mehr als stimmiges Ganzes bilden, das von der ersten bis zur letzten Seite in seinen Bann zu schlagen versteht. So begrüßenswert es also manchmal sein mag, eine in sich geschlossene Geschichte präsentiert zu bekommen und nicht gleich wieder das Lesen und Sammeln einer ganzen Serie mit einplanen zu müssen, so hoffe ich doch sehr, dass diese Geschichte noch nicht ihr Ende gefunden hat und fortgeführt werden wird, bestenfalls mit dem selben Kreativ-Team aus Autoren und Zeichnern, denn das hier die Chemie stimmt, haben sie eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Fazit & Wertung:

Die von Kieron Gillen und Marguerite Bennett erdachte Story von Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung punktet mit einer Vielzahl überraschender Wendungen und packender Kämpfe, erzählt dabei eine regelrecht epische Fantasy-Geschichte, doch verliert sich dabei zum Glück nicht in schwülstigem Pathos und holt dank erklärender Rückblenden und Dialoge auch thematisch nicht so versierte Leser mit Leichtigkeit ab. Optisch zuletzt ist der Band dank vereinter Kräfte von Phil Jimenez und Stephanie Hans ein regelrechter Augenschmaus und folglich eine klare Empfehlung meinerseits.

9 von 10 göttlichen Fehden

Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung

  • Göttliche Fehden - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Die von Kieron Gillen und Marguerite Bennett erdachte Story von Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung punktet mit einer Vielzahl überraschender Wendungen und packender Kämpfe, erzählt dabei eine regelrecht epische Fantasy-Geschichte, doch verliert sich dabei zum Glück nicht in schwülstigem Pathos und holt dank erklärender Rückblenden und Dialoge auch thematisch nicht so versierte Leser mit Leichtigkeit ab. Optisch zuletzt ist der Band dank vereinter Kräfte von Phil Jimenez und Stephanie Hans ein regelrechter Augenschmaus und folglich eine klare Empfehlung meinerseits.

9.0/10
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Angela: Im Auftrag der Götter: Die Entführung ist am 22.12.15 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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