Review: Gotham Central 2: Doppeltes Spiel (Graphic Novel)

Es wird mal wieder allerhöchste Zeit für eine gepflegte Dosis der neunten Kunst wie ich finde, weshalb es nun auch wieder gleich zwei Reviews zum Thema geben wird, aber das Spiel kennt ihr natürlich alle schon. Den Anfang macht ein extrem empfehlenswerter Band aus dem DC-Universum:

Gotham Central 2:
Doppeltes Spiel

The Batman Chronicles 16, Detective Comics 747,
Gotham Central #6-10, USA 2004, 168 Seiten

Gotham Central 2: Doppeltes Spiel | © Panini
© Panini

Autor:
Greg Rucka
Zeichner:
Michael Lark (Doppeltes Spiel)
Jason Pearson (Beide Augen zu)
William Rosado (Doppelte Glückwünsche)

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98483-8

Genre:
Krimi | Thriller

 

Inhalt:

Es läuft nicht gut für GCPD-Detective Renee Montoya, das ahnt sie bereits, als ihr am frühen Morgen eine Vorladung zugestellt wird, denn Marty Lipari verklagt sie auf Schmerzensgeld, nachdem er im Fall der Easley-Vergewaltigung davongekommen ist und nun die Meinung vertritt, Detective Montoya habe ihn zu hart angefasst. Aber es ist sicher nicht der erste Fall, in dem ein Detective von einem mutmaßlichen Täter verklagt wird und so denkt sich Renee zunächst nicht allzu viel dabei, doch bald schon machen ihr Inspektor Esperanza und dessen Partner Matt Conway von der Inneren ihre Aufwartung und berichten von dem Mord an einem Privatschnüffler namens Brian Selker, der anscheinend von Lipari auf Montoya angesetzt worden ist.

Ausschnitt aus Gotham Central 2: Doppeltes Spiel | © Panini
© Panini

Doch spätestens als ein Foto von ihr und ihrer Freundin, das anscheinend von Selker vor seinem eigenen Tod gemacht worden ist, noch am selben Tag im Gotham City Police Departement am schwarzen Brett erscheint, wird auch Montoya klar, dass sie die Angelegenheit nicht länger auf die leichte Schulter nehmen kann, zumal ihr unfreiwilliges Outing die Häme ihrer Kollegen mit sich bringt. Während sich die Lage weiter zuspitzt und auch Lipari immer zudringlicher wird, hat Montoya ihre liebe Mühe, nicht die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu verlieren, wobei ihr immer klarer wird, dass hinter der Sache noch jemand anderes, gewiefteres stecken muss als Lipari selbst…

Rezension:

Hatte ich mich seinerzeit bei der Besprechung des ersten Bandes Gotham Central 1: In Erfüllung der Pflicht noch darüber mokiert, dass abgesehen von Protagonist Adam Driver und seiner Partnerin niemand vom Gotham City Police Departement (GCPD) nähergehend beleuchtet worden ist, muss ich diesen Eindruck nun mit Vorliegen von Gotham Central 2: Doppeltes Spiel prompt revidieren, denn wie beinahe zu erwarten gewesen ist, rückt diesmal eine andere, nicht gerade unbekannte Mitarbeiterin des GCPD in den Vordergrund, so dass davon auszugehen ist, dass mit fortschreitenden Veröffentlichungen immer andere Charaktere ihre Geschichten erleben dürfen. In diesem hier vorliegenden Fall handelt es sich nun um Renee Montoya, die auch den Zuschauern der FOX-Serie Gotham nicht unbekannt sein dürfte, für die diese von Ed Brubaker und Greg Rucka geschaffene Comic-Reihe aus den Jahren 2002-2006 nicht zu Unrecht als Vorbild gilt, wenngleich die direkten Anknüpfungspunkte auch hier marginal bleiben und man eher von einer Inspiration denn von einer regelrechten Vorlage sprechen darf.

Ausschnitt aus Gotham Central 2: Doppeltes Spiel | © Panini
© Panini

Das soll aber die Qualität von Gotham Central 2: Doppeltes Spiel in keiner Weise schmälern und sei nur der Vollständigkeit halber am Rande erwähnt, denn die völlig zu Recht mit dem Eisner, dem Harvey sowie dem Gaylactic Spectrum Award ausgezeichnete Story, die in den hier enthaltenen Gotham Central Heften #6-10 den Kern des Bandes bildet, ist tatsächlich Comic-Kunst in bester Form, da es dem hier als alleiniger Autor fungierenden Greg Rucka gelingt, einerseits erneut das aus dem ersten Band bekannte Noir-Feeling aufzugreifen und eine durchweg spannende wie wendungsreiche Geschichte zu erzählen, die zwar auch um Stereotypen nicht verlegen ist, teils diese Klischees jedoch ebenso gekonnt aufbricht und andererseits darüber nicht das persönliche Schicksal von Detective Montoya, die im Rahmen der sich um sie immer enger schließenden Schlinge unfreiwillig sowohl vor ihren Kollegen als auch – für sie weitaus schlimmer – vor ihren Eltern als homosexuell geoutet wird, zu vernachlässigen. So kann man sich zwar daran stoßen, dass der in Misskredit geratene Polizist, der plötzlich von allen Seiten geschnitten wird und dem ein Verbrechen angehängt werden soll, natürlich ein weithin bekanntes und schon oft gesehenes Motiv ist, doch ist die Atmosphäre und Erzählweise so dermaßen konsequent wie überzeugend, dass das eigentlich kein wirklicher Makel ist, zumal Rucka dem Geschehen merklich seinen eigenen Stempel aufdrückt und sich wie gesagt immer wieder von den bekannten Klischees emanzipiert.

Damit aber nicht genug, hat man sich seitens Panini dazu entschlossen, diesem Band auch noch die beiden One-Shots Beide Augen zu sowie Doppelte Glückwünsche zu bescheren, die beide ebenfalls aus der Feder von Greg Rucka stammen und einerseits Montoya vorstellen, vor allem aber ihre Bekanntschaft zu Two-Face etablieren, der auch im Hauptplot von Gotham Central 2: Doppeltes Spiel eine tragende Rolle spielen wird, wie ja allein schon das Cover verrät. Zwar muss ich sagen, dass mir speziell Jason Pearsons Zeichnungen in der ersten, zu Zeiten des Mega-Events Niemandsland spielenden Geschichte absolut nicht zusagen wollten, doch gelingt dafür William Rosado in der darauffolgenden Story – vor allem dank der sparsamen Farbgebung seitens Wildstorm FX ein ungemein atmosphärischer Comic, wenngleich Michael Larks reduzierte wie düstere Zeichnungen, die er auch hier wieder für sämtliche Gotham Central Hefte anfertigen durfte auch Rosado die Show stehlen, denn an der Aussage, dass hier „Plot und Panels wahrhaftig eine Einheit“ bilden, hat sich auch im zweiten Band der Reihe nichts geändert.

Ausschnitt aus Gotham Central 2: Doppeltes Spiel | © Panini
© Panini

Gothams Dunkler Ritter Batman übrigens fristet auch hier wieder ein Schattendasein am Rande der Wahrnehmung, was ich noch immer als überaus erfrischend empfinde, während dafür einige Figuren des GCPD zumindest ansatzweise an Profil gewinnen und sich mit dieser weiteren Storyline aus deren Welt das Bild des Departements langsam zu verdichten beginnt, wobei allerdings wiederum Montoyas Partner Crispus Allen hier die meiste Zeit gehörig ins Hintertreffen gerät, was man auch anders hätte lösen können, hält er schließlich die ganze Zeit zu ihr und versucht, ihre Unschuld zu beweisen und ihr gegen die Anfeindungen ihrer Kollegen beizustehen, nachdem diese von Renees Homosexualität erfahren haben. Dennoch ist Crispus‘ vergleichsweise kleine Rolle in Gotham Central 2: Doppeltes Spiel mal wieder Jammern auf hohem Niveau und auch er wird sicherlich noch seine Glanzmomente haben, zumal es derzeit danach aussieht, als käme nun auch der geneigte deutsche Leser in den Genuss der gesamten Reihe, ist schließlich Band 3 bereits für März diesen Jahres angekündigt worden.

Fazit & Wertung:

Mehr noch als der Vorgängerband versteht es Gotham Central 2: Doppeltes Spiel dem Batman-Kosmos neue Seiten abzuringen und etabliert sich, während es den bekanntesten Helden Gothams konsequent in den Hintergrund drängt, als ungemein stimmige und anspruchsvolle Noir-Serie mit ausgefeilten Charakteren, Geschichten sowie einer erneut insbesondere dank Michael Lark ungemein packenden Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Einzig die ebenfalls enthaltenen One-Shots wissen das Niveau der eigentlichen Gotham Central Story nicht ganz zu halten, wenngleich sie für ein stimmiges Gesamtbild beinahe unabdingbar sind und es mehr als nur begrüßenswert ist, dass sie ebenfalls ihren Weg in diesen Band gefunden haben.

9,5 von 10 Detectives des GCPD bei der Arbeit

Gotham Central 2: Doppeltes Spiel

  • Detectives des GCPD bei der Arbeit - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Mehr noch als der Vorgängerband versteht es Gotham Central 2: Doppeltes Spiel dem Batman-Kosmos neue Seiten abzuringen und etabliert sich, während es den bekanntesten Helden Gothams konsequent in den Hintergrund drängt, als ungemein stimmige und anspruchsvolle Noir-Serie mit ausgefeilten Charakteren, Geschichten sowie einer erneut insbesondere dank Michael Lark ungemein packenden Atmosphäre, die ihresgleichen sucht. Einzig die ebenfalls enthaltenen One-Shots wissen das Niveau der eigentlichen Gotham Central Story nicht ganz zu halten, wenngleich sie für ein stimmiges Gesamtbild beinahe unabdingbar sind und es mehr als nur begrüßenswert ist, dass sie ebenfalls ihren Weg in diesen Band gefunden haben.

9.5/10
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Gotham Central 2: Doppeltes Spiel ist am 22.12.15 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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