Review: Star Wars: Tarkin | James Luceno (Buch)

Das Star Wars Universum

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Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen heißt es und so kämpfe ich mich weiter durch den Wust an Star Wars-Veröffentlichungen und präsentiere euch heute Tarkin, der mir dann endlich mal so richtig gut gefallen hat! Also so richtig gut! Aber kommt erst einmal gut im Wochenende an und macht es euch bequem!

Star Wars
Tarkin

Star Wars: Tarkin, USA 2015, 384 Seiten

Star Wars: Tarkin von James Luceno | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
James Luceno
Übersetzer:
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16061-5

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Fünf Jahre sind vergangen, seit die galaktische Republik ihr Ende gefunden und der frühere Kanzler Palpatine sich zum Imperator aufgeschwungen hat. Einer seiner treuesten und langjährigsten Anhänger, der mittlerweile zum Moff beförderte Wilhuff Tarkin wird auf Weisung des Imperators zur abgelegenen Sentinel-Basis entsandt, was in den Augen der Allgemeinheit einer Degradierung gleichkommt, doch ist Tarkin mit ungemein wichtigen Teilaufgaben zur Fertigung einer mobilen Kampfstation betraut, die das Bild der Galaxis für immer verändern könnte. Dementsprechend alarmiert ist der Moff auch, als ein Angriff fingiert wird und er just in dieser prekären Situation nach Coruscant beordert wird, doch fordert der Imperator selbst seine Anwesenheit und gedenkt ihn gemeinsam mit seiner rechten Hand, dem gefürchteten Lord Vader auf eine Mission zu entsenden.

Nach langer Überlegung bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass meine Jahre auf der Sentinel-Basis ebenso prägend waren wie die Jahre der Ausbildung auf Eriadus Aasplateau, und ebenso wichtig wie die Schlachten, in denen ich gedient oder das Kommando innegehabt habe.

Hinter dieser Mission steckt derweil mehr als sowohl Tarkin als auch Vader ahnen, doch liegt hinter Wilhuff Tarkin, der längst zum engsten Vertrautenkreis des Imperators zählt, eine Ausbildung auf den Hochplateaus von Eriadu, die ihn vieles über Taktik und Täuschung gelehrt haben und von der er noch immer zehrt, wenn es gilt, seinen Feinden entschlossen und erbarmungslos entgegenzutreten und Angst und Schrecken zu verbreiten, was dereinst den Begriff der Tarkin-Doktrin prägen wird…

Rezension:

Nachdem sich die Vertreter der Journey to Star Wars: Das Erwachen der Macht bislang ja doch sehr durchwachsen präsentiert haben (aber natürlich auch auf eine eher jugendliches Zielpublikum zielen) und der erste „richtige“ Vertreter des neuen Kanons – Der Erbe der Jedi-Ritter – zwar leichtfüßig und unterhaltsam daherkam, inhaltlich aber nicht allzu viel zu beiten wusste, war ich doch sehr gespannt James Lucenos Star Wars: Tarkin, zumal sich der Autor ja wohl bereits mit früheren Veröffentlichungen im Expanded Universe unter Fans einen Namen gemacht zu haben scheint. Nun gehöre ich zwar nicht zu denjenigen, die mit dem alten EU allzu vertraut sind und kann daher nicht wirklich beurteilen, inwieweit sich Luceno auf dort stattgefundene Ereignisse oder eingeführte Figuren beruft, doch soll das ja auch kein Hauptkriterium sein, handelt es sich schließlich um ein Buch des neuen Kanon, das neuen Lesern den Einstieg erleichtern soll (weshalb ich mich aufgrund dieses Umstandes ja auch dazu entschlossen habe, fortan ebenjene Veröffentlichungen ebenfalls alle sichten zu wollen) und von der Warte aus scheint mein unbedarfter Blick ja geradezu prädestiniert, den Roman für sich alleinstehend zu betrachten.

Wilhuff war ein Mann, der schlichtes Schwarz und Weiß, klare Linien, präzise Architektur und Funktionalität schätzte und Unordnung verabscheute. Das große Aussichtsfenster an der Wand gab den Blick auf ein hell erleuchtetes Landefeld und einen gewaltigen Schildgenerator frei, dahinter waren außerdem die nackten Hügel zu sehen, die die Sentinel-Basis umschmiegten. Zwei von Wind und Sand abgeschliffene Shuttles standen auf dem Landefeld, ebenso wie Tarkins persönliches Schiff, die ›Aasdorn‹.

Angesiedelt ist Tarkin – wie auch die Einleitung verrät – rund fünf Jahre, nachdem sich Darth Sidious zum galaktischen Imperator erklärt hat und auch wenn bis zu ihrer Vollendung noch einige Jahre ins Land streichen werden, ist der Bau der gefürchtetsten Kampfstation der Galaxis, die hier derweil noch nicht beim Namen genannt wird, bereits in vollem Gange und der seinerzeit noch als Moff agierende Tarkin ist auf der abgelegenen Sentinel-Basis stationiert worden und trägt in dem dezentral aufgezogenen Bauvorhaben seinen Teil dazu bei, zumindest bis er vom Imperator selbst nach Coruscant beordert wird und die eigentliche Geschichte ihren Lauf nimmt. Die ist aber noch nicht einmal Kern und Herzstück dieses Romans, denn auch wenn die sich entspinnende Story um eine Schar Widerständler, die das Imperium und mit ihm den Imperator, Vader und Tarkin ein ums andere Mal hinters Licht führen, durchaus spannend gerät, sind es insbesondere die Rückblenden, Tarkins Erinnerung an seine Ausbildung auf den Hochplateaus seines Heimatplaneten Eriadu, sein erstes Aufeinandertreffen mit dem späteren Imperator Palpatine, seine Unterredungen mit Count Dooku und sein Aufstieg in der imperialen Hierarchie, die dem Roman seine rechte Würze verleihen.

Für meinen Geschmack – und wie gesagt in Unkenntnis des EU und seiner Auftritte in Clone Wars – war der letztlich als Großmoff Tarkin bekannte Wilhuff stets eine zwar ungemein interessante, aber doch selten beleuchtete und nur grob umrissene Figur, von der ich gerne mehr erfahren hätte, was zu nicht unbedeutenden Teilen an der charismatischen Darstellung von Peter Cushing in Episode IV gelegen haben mag und eben dieses Mankos nimmt sich Luceno nun in seinem Roman an und versieht die Figur mit einer spannenden, lesenswerten, teils überraschenden Biografie, der es auch tatsächlich gelingt, den Werdegang wie Tarkins späteres rigoroses Vorgehen glaubhaft und verständlich u machen, ohne dabei in den Ton einer trockenen Geschichtsstunde zu verfallen, zumal die zahllosen, sich durchaus an einem roten Faden orientierenden Rückblenden eben auch oft bloße Einsprengsel zwischen der eigentlichen Geschichte darstellen, was Tarkin eine ungemeine Dynamik verleiht, hat man es schließlich sowohl mit einem allwissenden Erzähler als auch mit Tarkin selbst als Sprachrohr zu tun, während im weiteren Verlauf auch noch Darth Sidious‘ Sichtweise und last but not least die der Verschwörer, quasi einer Vorstufe der Rebellenallianz zu tun, wobei diese Parts durchaus zu den schwächeren gezählt werden dürfen und nur dazu dienen, den sich anschließenden Handlungsverlauf zu verdeutlichen, so dass diese Figuren auch vergleichsweise blass bleiben, was mir aber kaum negativ aufgestoßen ist. So blass nämlich die Antagonisten bleiben, so glaubhaft und stimmig ist Luceno die Charakterisierung und Schilderung nicht nur von Tarkin selbst gelungen, sondern auch des Imperators und Darth Vader, die ebenfalls nicht gerade unbedeutende rollen in der Romanhandlung innehaben, so dass sich das Bild eines teuflischen Triumvirats zeichnet, ein Umstand, der in dem Auftaktfilm der alten Trilogie so explizit nie verdeutlicht worden ist, insbesondere die dort stattgefundenen Zwiegespräche zwischen Vader und Tarkin allerdings im Nachgang in einem gänzlich anderen Licht erscheinen lassen.

Skeptisch legte Tarkin die Stirn in Falten. »Ein Überraschungsangriff? Unmöglich.«
»Die Wächter-Station meldet, dass das Angriffsschiff beim Eintritt in das System einen gültigen HoloNetz-Code übermittelt hat«, erklärte Cassel. »Wächter-Station, können Sie den Kommverkehr dieser Sternjäger abhören?«
»Negativ, Sentinel«, lautete die Antwort, die nach einer kurzen Pause den Raum erfüllte. »Sie blockieren unser Signalnetz.«
Cassel blickte über die Schulter zu Tarkin und machte Anstalten, seine Position am Holo-Tisch zu räumen, aber der Moff bedeutete ihm mit einer Geste, an seinem Platz zu bleiben. »Können wir das Bild stabilisieren?«, fragte er den Techniker, der an den Kontrollen des Projektors saß.

Sprachlich wie inszenatorisch bewegt sich Tarkin dabei auf ungemein hohem Niveau und auch wenn ich mir manchmal gewünscht hätte, Luceno würde sowohl die auftauchenden Schiffsklassen als auch außerirdischen Rassen zuweilen eingehender beleuchten – hatte ich nämlich mehrfach das Gefühl, er setze vieles als bekannt voraus, was bei mir als Quasi-Neuling eben nun leider nicht der Fall war – hat das die reine Lesefreude doch zu keinem Moment getrübt und auch wenn ich nichts zu Güte und Stichhaltigkeit der zweifelsohne vorhandenen Querverweise sagen kann, erschafft der Autor doch eine in sich äußerst stimmige und packende Welt, die nicht nur diese Zeit des Umbruchs innerhalb der Galaxis glaubhaft und spannend in Szene setzt und dabei wie nebenbei selbst auf die Veränderungen im Stadtbild von Coruscant eingeht und die Hierarchie innerhalb des galaktischen Imperiums zumindest grob umreißt, sondern auch unter dramaturgischen Gesichtspunkten zu überzeugen versteht und nicht zuletzt Wilhuff Tarkin bei all seiner Rigorosität, seiner unbedingten Loyalität gegenüber dem Imperator und seiner Bereitschaft, Kollateralschäden in Kauf zu nehmen, doch beinahe als Sympathiefigur zu inszenieren versteht, was beinahe schon erschreckend ist, doch kommt man eben nicht umhin, eine merkwürdige Art der Bewunderung für diesen Mann zu empfinden, der es von seiner Jugend auf einer Randwelt bis in die höchsten Ränge des Imperiums gebracht hat und wenn ein Roman solche Überlegungen schürt, dann kann er eigentlich nur verdammt viel richtig gemacht haben.

Fazit & Wertung:

James Luceno gelingt mit Tarkin in Kombination mit der ungewöhnlichen Perspektive, den ungemein stimmig und glaubhaft gezeichneten Figuren und einer gleichermaßen abwechslungsreichen wie kurzweiligen Geschichte einer der bis dato überzeugendsten Vertreter des neuen Star Wars-Kanon und kann getrost – so man denn nur irgendetwas mit der Figur des berühmten Großmoff anfangen kann – zur Pflichtlektüre gezählt werden.

9 von 10 deduktiven Schlussfolgerungen seitens Moff Tarkin

Star Wars: Tarkin

  • Deduktive Schlussfolgerungen seitens Moff Tarkin - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

James Luceno gelingt mit Tarkin in Kombination mit der ungewöhnlichen Perspektive, den ungemein stimmig und glaubhaft gezeichneten Figuren und einer gleichermaßen abwechslungsreichen wie kurzweiligen Geschichte einer der bis dato überzeugendsten Vertreter des neuen Star Wars-Kanon und kann getrost – so man denn nur irgendetwas mit der Figur des berühmten Großmoff anfangen kann – zur Pflichtlektüre gezählt werden.

9.0/10
Leser-Wertung 3.5/10 (2 Stimmen)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars: Tarkin ist am 15.02.16 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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