Review: Another Earth (Film)

Ich war ja sowas von überzeugt, diesen Film mögen zu werden, zumindest bis ich ihn mir dann angesehen hatte. Klarer Fall von zu hohen oder falschen Erwartungen fürchte ich. Trotzdem viel Spaß bei der Lektüre.

Another Earth

Another Earth, USA 2011, 92 Min.

Another Earth | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Mike Cahill
Autoren:
Mike Cahill
Brit Marling

Main-Cast:
William Mapother (John Burroughs)
Brit Marling (Rhoda Williams)

Genre:
Drama | Romantik | Science-Fiction

Trailer:

 

Inhalt:

Der jungen Rhoda Williams scheinen alle Türen offen zu stehen und jüngst erst wurde sie am MIT aufgenommen und schickt sich an, Astrophysikerin zu werden. Doch eine verhängnisvolle Nacht soll ihr Leben für immer verändern, denn nach einer Party setzt sie sich wider besseres Wissen ans Steuer ihres Autos und in dem Moment, als der Radiomoderator aufgeregt verkündet, am Himmel sei ein der Erde aufs Haar gleichender Planet erschienen, lehnt sich Rhoda aus dem Fenster und rast frontal in ein ihr entgegenkommendes Auto. Der Fahrer – John Burroughs – überlebt, während seine Frau und sein Kind noch im Fahrzeug sterben.

Szenenbild aus Another Earth | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Vier Jahre vergehen und die wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Rhoda zieht wieder bei ihren Eltern ein. Während sie sich ohne Zukunft oder Perspektive auf einen Platz in dem ersten Raumschiff, dass zur Erde zwei fliegen soll, bewirbt, macht sie derweil den Wohnort des früheren Musik-Professors ausfindig, um sich bei ihm für ihre Tat zu entschuldigen. Doch kaum trifft sie auf den in einem desolaten Zustand befindlichen Mann, traut sie sich nicht mehr, gibt sich stattdessen als Putzkraft aus und es dauert nicht lang, bis John sie unter Vertrag nimmt, ohne zu ahnen, wer sie eigentlich ist. Während die Zeit vergeht und John sich zu fangen beginnt, kommen die beiden sich langsam näher…

Rezension:

Ich bin wirklich lange Zeit um das Indie-Drama mit Science-Fiction-Einschlag herumgeschlichen, das da den vielversprechenden Titel Another Earth trägt und mit einem beachtlichen Mini-Budget realisiert worden ist, weshalb mir durchaus auch im Vorfeld klar gewesen ist, dass sich der Film hinsichtlich Spezialeffekten und dergleichen auf ein Minimum beschränken würde, doch ist dies eben ja auch nicht ausschlaggebendes Kriterium für einen gelungenen Film und so fühlte ich mich eines Tages in genau der richtigen Stimmung für diese von vielen gepriesene Perle, wähnte mich beinahe sicher, im Nachhinein restlos begeistert und fasziniert zu sein, doch manchmal trügt die eigene Wahrnehmung doch gehörig, wie sich zeigen sollte, denn so gelungen und vielversprechend das Setting und die Thematik auch waren, so lange wartete ich vergeblich, dass der Funke überspringen würde und musste letztlich erkennen, dass dies auch auf den letzten Metern mit einem gewollt offenen Ende nicht mehr passieren würde.

Szenenbild aus Another Earth | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Wie gesagt, Another Earth beginnt vielversprechend und man kann Hauptdarstellerin Brit Marling, die auch das Drehbuch zum Film mitverfasst hat, sicherlich keinen Vorwurf machen hinsichtlich der Darstellung der von Schuld zerfressenen Rhoda, die wenn auch unabsichtlich das Leben zweier Menschen auf dem Gewissen hat und das sich hieraus entspinnende Gedankenspiel nach Schuld und Sühne in Kombination mit der zweiten Erde und der Frage, ob dort womöglich die zu Tode gekommenen Personen noch am Leben sein könnten, das Schicksal einen anderen Verlauf genommen haben mag, lädt zum Denken und Spekulieren ein, doch blieb mir der Film in dieser Hinsicht zu lange Zeit zu oberflächlich, stellte zwar immer wieder auf seine Grundthematik ab, erging sich dann aber in weiten Teilen in recht belanglosen Geschehnissen, schuf durchaus eine gewisse Intensität und Atmosphäre im Haushalt des überlebenden Ehemannes John Burroughs – ebenfalls großartig dargestellt von William Mapother (Ethan Rom aus Lost) – , der ohne sein Wissen das Mädchen angestellt hat, das für den Tod seiner Frau und seines Kindes verantwortlich ist, doch eine mögliche Entwicklung zieht sich hier so dermaßen in die Länge, dass der dramatische Aspekt der Grundkonstellation mir hier deutlich zu sehr ausgereizt wurde, um über die gesamte Zeitspanne wirklich überzeugen zu können.

Überhaupt wurde mir die Thematik der zweiten Erde und des Doppelgängerkonzeptes entschieden zu wenig genutzt und zuweilen kam das Gefühl auf, der Film hätte auch ohne besagte andere Erde ähnlich gut funktioniert, was hinsichtlich der Erwartungshaltung an den Film natürlich nicht gerade für ihn spricht, denn auch wenn ich mir wie gesagt keine bahnbrechenden Effekte oder groß angelegte Raumfahrten erhofft hatte, so ging ich dennoch davon aus, dass es mit Another Earth doch mehr Bewandtnis haben würde, als nur als bloßer Aufhänger für ein paar selten ausformulierte Gedankenspiele zu dienen. Hinzu kommt, dass der Film sich allzu oft zu bemühen scheint, poetisch sein zu wollen und dabei immer öfter ins Prätentiöse abdriftet (für meinen Geschmack wohlgemerkt), denn Brit Marling mit wehender Mähne am Strand stehen und auf die andere Erde blicken zu sehen, hat mich jetzt dramaturgisch im Film in keiner Weise weitergebracht, ebenso wie ich ihren Nacktspaziergang im Schnee als reichlich überzogen empfunden habe. Andere Szenen wiederum, wie etwa, wenn William langsam zur Musik zurückfindet und Rhoda diese näherbringen möchte, funktionieren wiederum ausnehmend gut, ebenso wie die fragile, auf Lügen gebaute Chemie zwischen den beiden nicht von der Hand zu weisen ist und auch oft zu packen versteht.

Szenenbild aus Another Earth | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Another Earth ist auch letztlich sicherlich kein schlechter Film und ich neide es jedem, der voller Faszination auf dieses sperrige und ungewöhnliche Indie-Projekt zu blicken imstande ist, doch so überzeugend eben einzelne Ideen und Szenen gewesen sein mögen, ertappte ich mich doch immer wieder bei gepflegter Langeweile, hatte womöglich auch eine völlig falsche oder eventuell auch überzogene Erwartungshaltung, aber abgesehen von zwei zugegebenermaßen extrem überzeugenden Darstellern in einem oftmals intensiven Kammerspiel nebst einer interessanten Grundprämisse, aus der man fernab von Budget-Restriktionen meiner Meinung nach hätte mehr machen können, kann ich dem sicherlich ambitionierten Film leider nicht viel abgewinnen und würde wohl eher ein zweites Mal zu Moon greifen, der ebenfalls, aber auf einer gänzlich anderen Schiene, die Aspekte Doppelgänger und Science-Fiction in sich zu vereinen weiß.

Fazit & Wertung:

Mike Cahills Another Earth ist ein intensiv gespieltes Drama mit kammerspielartiger Atmosphäre, doch wird die namensgebende Prämisse einer zweiten, alternativen Erde lediglich als Aufhänger für eine Handvoll philosophischer wie psychologischer Gedankenspiele genutzt, wodurch gehörig Potential ungenutzt bleibt und der Film zu einer in weiten Teilen recht konventionellen Schuld und Sühne-Story verkommt.

6 von 10 sehnsüchtigen Blicken gen Erde zwei

Another Earth

  • Sehnsüchtige blicke gen Erde zwei - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Mike Cahills Another Earth ist ein intensiv gespieltes Drama mit kammerspielartiger Atmosphäre, doch wird die namensgebende Prämisse einer zweiten, alternativen Erde lediglich als Aufhänger für eine Handvoll philosophischer wie psychologischer Gedankenspiele genutzt, wodurch gehörig Potential ungenutzt bleibt und der Film zu einer in weiten Teilen recht konventionellen Schuld und Sühne-Story verkommt.

6.0/10
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Another Earth ist am 04.05.12 auf DVD und am 03.05.13 auf Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • mwj

    Auch wenn du, Wulf, den Film jetzt weniger gut bewertet hast, steht er trotzdem noch auf meiner To-Watch-Liste, genauso wie Regisseur Mike Cahills nächster Film „I, Origins“.

    • Verstehe ich gut, das wäre auch kein Film gewesen, den ich jemandem hätte ausreden wollen, denn dafür ist er dann doch zu ungewöhnlich und auf seine Art sicherlich auch lohnenswert. Ich bin immer noch völlig perplex, wie wenig der mich zu packen wusste, das hätte eigentlich anders laufen sollen. Und bezüglich „I, Origins“ werde ich mich jetzt erst einmal kundig machen müssen 😉

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