Das Marvel Cinematic Universe

Marvel Cinematic Universe

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Eigentlich wollte ich euch heute ja von Ascension erzählen, aber Netflix hat mich mal wieder zum Binge-Watching verleitet und so aktuell war ich selten dran, weshalb es dann nun natürlich erst meine Kritik zur zweiten Staffel Daredevil gibt, die ich diesmal sogar ein wenig persönlich bebildert habe (siehe unten). Viel Spaß bei der Lektüre und einen schönen Abend!

Daredevil
Staffel 2

Daredevil, USA 2015-, ca. 52 Min. je Folge

Daredevil | © Netflix
© Netflix

Serienschöpfer:
Drew Goddard
Showrunner:
Doug Petrie
Marco Ramirez

Main-Cast:
Charlie Cox (Matt Murdock / Daredevil)
Deborah Ann Woll (Karen Page)
Elden Henson (Foggy Nelson)
Jon Bernthal (Frank Castle)
Elodie Yung (Elektra Natchios)
in weiteren Rollen:
Stephen Rider (Blake Tower)
Scott Glenn (Stick)
Rosario Dawson (Claire Temple)
Vincent D’Onofrio (Wilson Fisk)
Royce Johnson (Sgt. Brett Mahoney)
Michelle Hurd (Samantha Reyes)
Geoffrey Cantor (Mitchell Ellison)
Peter Shinkoda (Nobu)
McCaleb Burnett (Grotto)
Clancy Brown (Colonel Schoonover)
Matt Gerald (Melvin Potter)
Rob Morgan (Turk Barrett)
Wai Ching Ho (Madame Gao)
Peter McRobbie (Father Lantom)
Carrie-Anne Moss (Jeri Hogarth)

Genre:
Krimi | Drama | Action

Trailer:

 

Inhalt:

Wilson Fisks Inhaftierung hat ein regelrechtes Machtvakuum in den Straßen von Hell’s Kitchen hinterlassen und allerhand kriminelle Gruppierungen buhlen nun um territoriale Gebietsansprüche, bis zu dem Moment zumindest, als eine unbekannte Partei auf den Plan tritt und blutige Schneisen in die Organisationen schlägt, weshalb man schnell der Meinung ist, es mit einer paramilitärischen Gruppe zu tun zu haben, doch verantwortlich ist ein einziger Mann namens Frank Castle, der das Gesetz auf brutalste Art und Weise in die eigene Hand genommen hat. Derweil man sich Nelson & Murdock noch immer darauf versteht, insbesondere die hilf- und mittellosen Einwohner von Hell’s Kitchen zu vertreten, macht sich Matt Murdock als Daredevil auf, dem Mann namens Castle Einhalt zu gebieten, der bald in den Medien den Spitznamen Punisher erhält.

Szenenbild aus Daredevil Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

Dieser wiederum scheint dem Teufel von Hell’s Kitchen zunächst durchaus ebenbürtig und lässt sich nicht so leicht in seine Schranken weisen, zumal Castle der Meinung ist, im Grunde den Job von Daredevil zu erledigen – nur weitaus effektiver, indem er eben beispielsweise im Alleingang beinahe die gesamte irische Mafia auf einen Streich ausgelöscht hat. Einzig ein Mann namens Grotto hat überlebt und wendet sich natürlich prompt an die Kanzlei Nelson & Murdock, die schließlich in dem Ruf stehen, den Verzweifelten zu helfen, was sie nach einem kurzen Disput ob des kriminellen Hintergrundes ihres möglichen Klienten schlussendlich auch tun. Während Matt, Foggy und Karen also ihr Möglichstes tun, um Grotto vor Castle zu beschützen, werden für Matt die Dinge erst so richtig kompliziert, als seine College-Liebschaft Elektra ihm ihre Aufwartung macht und ihn um Hilfe bittet…

Rezension:

Nach einer in sich äußerst stimmigen und hochkarätigen ersten Staffel Daredevil, die einerseits den Startschuss für den Netflix-Ableger des Marvel-Franchise bilden sollte, andererseits weitaus düsterer, erwachsener und ernsthafter herüberkam, als man es vielleicht bislang von den einschlägigen Vertretern des MCU gewöhnt gewesen war und die von einer nicht minder überzeugenden, ebenfalls im Mikrokosmos Hell’s Kitchen spielenden ersten Staffel Jessica Jones beerbt worden ist, waren die Erwartungen an die zweite Staffel Daredevil entsprechend hoch, spätestens als man begann, mit der Einführung der Kult-Charaktere Punisher und Elektra zu werben. Diese Erwartungen – so viel kann ich schon vorwegnehmen – bedient und erfüllt die zweite Staffel auf alle Fälle, zumal die Einführung des Punishers aka Frank Castle direkt in der ersten Folge Peng (2.01) erfolgt und das Tempo und die Spannung damit vom ersten Moment an gehörig anziehen. So hält man Castle zunächst fälschlicherweise für einen paramilitärischen Einsatztrupp, weil es einem beim besten Willen nicht in den Sinn kommen mag, dass dieses Ausmaß an verheerender Zerstörung, dieser Grad an Brutalität und gleichzeitiger Effektivität von nur einem Mann herrühren mag.

Szenenbild aus Daredevil Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

In der Hinsicht wird auch schnell deutlich, dass Daredevil nun eine andere Marschrichtung einschlägt, denn diese Staffel ist doch weitaus brutaler und actionlastiger geraten als ihr Vorgänger, was aber auch mit den Antagonisten zusammenhängt, die hier eben doch deutlich schlagkräftiger und rigoroser zu Werke gehen als der vergleichsweise kultivierte Wilson Fisk. Wer jetzt aber befürchtet, die Serie würde zu einer reinen Action-Chose verkommen, der sei direkt beruhigt, denn selbstredend stehen dennoch weiterhin die Figuren und ihre Handlungen im Vordergrund. So beeindruckt insbesondere Jon Bernthal (The Walking Dead) in seiner Darstellung des Punisher aka Frank Castle mit regelrecht energetischem Schauspiel, denn während man in den ersten Folgen noch meinen mag, er gäbe hier lediglich die stoische Ein-Mann-Armee, belehrt einen spätestens sein immens emotionaler wie überzeugender Monolog in Penny and Dime (2.04) von der behutsam austarierten Ambivalenz seiner Figur, die auch in späteren Folgen noch des Öfteren zum Tragen kommen wird. So legt man merklich Wert darauf, Punisher und Daredevil als zwei Seiten einer Medaille zu inszenieren und tut gut daran, sich nicht nur auf heroische und epische Kämpfe zu konzentrieren, sondern die unterschiedlichen Beweggründe und Ansichten der beiden Figuren auszuloten und das Wesen der Vigilanten auch im Dialog eingehend zu beleuchten.

Szenenbild aus Daredevil Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

Nimmt das Treiben des Punishers gerade in den ersten vier Folgen gehörig Raum ein, bleibt die Kanzlei Nelson & Murdock zunächst beinahe im Hintergrund, doch speziell im zweiten Drittel überzeugen großangelegte Gerichts-Szenen und Wortgefechte mit der Staatsanwältin Reyes, die an Eloquenz kaum zu überbieten wären und endlich einmal das eigentliche Geschäft der Anwälte näher beleuchten, die mir nämlich noch in der ersten Staffel viel zu sehr mit privaten Fehden und inoffiziellen Ermittlungen beschäftigt waren, als wirklich einmal einen „echten“ Fall zu übernehmen (wenngleich ich wiederum froh bin, dass man nicht der Versuchung erlegen ist daraus einen obligatorischen Fall der Woche zu generieren). Derweil tritt Karen im Verlauf der Staffel mehr und mehr das Erbe von Ben Urich an und versucht sich als investigative Reporterin, was auch zu einem Widersehen mit Mitchell Ellison – Urichs Chef – führt, der mir allerdings hier weitaus sympathischer vorkam als noch in der Staffel zuvor. Nichtsdestotrotz sind das spannende neue Wege, die beschritten werden, zumal es – je weiter die Handlung voranschreitet – um die Kanzlei Nelson & Murdock nicht gerade gut bestellt zu sein scheint, doch sind mir derartige Entwicklungen, selbst wenn sie den Zuschauer tatsächlich an der einen oder anderen Stelle regelrecht schmerzen, allemal lieber als Stillstand und Stagnation, die hier bewusst und gekonnt vermieden werden.

Das mag natürlich wiederum mit den fähigen Leuten zusammenhängen, die hinter Daredevil stehen. Nachdem nämlich für die erste Staffel Steven S. DeKnight (u.a. Schöpfer der Serie Spartacus) den Showrunner gab, übernimmt nun in der zweiten Staffel neben Marco Ramirez der ebenfalls nachhaltig von Joss Whedons Kult-Serien Buffy und Angel geprägte Doug Petrie diesen Posten und was ich euch in meiner Funktion als Fanboy damit sagen möchte, sollte offensichtlich sein, nämlich, dass man sich auf verdammt gutes und überzeugendes Storytelling freuen darf, während der von seinem Gewissen geplagte Matt sowie dessen loyale Freunde Foggy und Karen in ihrer heruntergekommenen Kanzlei nicht von ungefähr an die frühen Angel-Folgen erinnern.

Szenenbild aus Daredevil Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

Hinsichtlich Storytelling empfand ich einzig die Einführung Elektras ein wenig holprig, denn kaum – bitte verzeiht den milden Spoiler – kommen sich Matt und Karen näher, was ja nun wirklich abzusehen war, dachte ich so bei mir „Und jetzt müsste Elektra auftauchen“ und siehe da, wartete sie folgerichtig bereits in Matts Appartement auf ihn. Für diesen kleinen Ausrutscher entschädigt dann aber prompt die Folge Kinbaku (2.05), die in allerlei Rückblenden stimmungsvoll die Vorgeschichte von Elektra und Matt schildert und damit beginnt, der Figur Profil zu verleihen. Hinsichtlich der Besetzung war ich hier ja auch durchaus skeptisch, beziehungsweise wie viele vorgeschädigt durch Jennifer Garners Verkörperung in dem 2003er-Film gleichen Namens, doch Elodie Yung entpuppt sich schnell als regelrechter Besetzungs-Coup und vermag die unterschiedlichsten Facetten von Elektra glaubhaft rüberzubringen, während auch die Chemie zwischen ihr und Charlie Cox nicht von der Hand zu weisen ist, wenn die Hassliebe ihrer beider Figuren nach Elektras unerwarteter Rückkehr langsam wieder aufflammt.

Szenenbild aus Daredevil Staffel 2 | © Netflix
© Netflix

Ab diesem Moment ergibt sich auch eine unbestreitbar interessante Konstellation hinsichtlich Matt Murdocks Doppelleben als Anwalt und nächtlicher Held, denn durch Elektras Beschlagnahme vernachlässigt er einerseits Foggy und Karen, andererseits den gemeinsamen Fall in zunehmendem Maße, was sich noch steigert, als sein alter Lehrmeister und Ziehvater Stick in Schuldig wie die Sünde (2.08) mit ungeklärten Absichten ebenfalls wieder auf der Bildfläche erscheint. Damit längst nicht genug, darf man sich aber über noch weitere Widersehen mit alten Bekannten freuen, doch möchte ich da gar nicht so sehr ins Detail gehen, um nicht unnötig zu spoilern und konzentriere mich darauf, zu erwähnen, dass Rosario Dawson als Claire Temple auch hier wieder in mancher Folge mitmischt und wohl auch künftig als Bindeglied zwischen den Marvel-Netflix-Serien wird fungieren dürfen, während ich persönlich mich sehr gefreut habe, dass Vincent D’Onofrio erneut in die Rolle von Wilson Fisk schlüpfen durfte und hier nun auch in Sieben Minuten im Paradies (2.09) – ich habe die gesamte erste Staffel darauf gewartet – das erste Mal als Kingpin bezeichnet wird, während mir die gemeinsame Szene mit Murdock in Bis aufs Blut (2.10) aufgrund ihrer schieren Intensität wohl noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Szenenbild aus Daredevil Staffel 2 | © Wulf Bengsch

Um aber noch einmal auf die Wiederkehr von Stick zurückzukommen, beginnt Daredevil von diesem Moment an tiefer und tiefer in seine zugrundeliegende Mythologie zu tauchen und was vormals einfach bloß Yakuza gewesen sein sollen, die da die Stadt unsicher machen, sind jetzt Mitglieder der geheimen Organisation namens die Hand, der sich wiederum die Mitglieder von Chaste entgegenstellen, zu denen auch Stick gehört. Gerade in den finalen folgen wird es daher auch zunehmend mystisch oder magisch, je nach Lesart des Ganzen, was nicht jedem gefallen mag, aber auch als Vorbereitung zu Iron Fist dienen dürfte und während ja auch schon Doctor Strange beinahe in den Startlöchern steht, ist es nicht so verkehrt, der Welt der Magie und Mythen ein wenig mehr Platz im Marvel-Kosmos einzuräumen. Dennoch wird man von den Informationen und Offenbarungen teils beinahe überrollt und sieht sich nach Sichtung der finalen Folge Ein kalter Tag in Hell’s Kitchen (2.13) mit weitaus mehr offenen denn beantworteten Fragen konfrontiert, während sich die letzten Minuten bereits auf die Skizzierung des Settings für die dritte Staffel – eine offizielle Verlängerung der Serie mag kaum mehr als Formsache sein – konzentrieren und die Staffel mit gleich zwei großen Cliffhangern ihr Ende findet.

Fazit & Wertung:

In der zweiten Staffel Daredevil werden nicht nur die Figuren und das Setting konsequent weiterentwickelt und ausgebaut, es gelingt den Autoren gar, gleich zwei neue zentrale Figuren in den Serienkosmos einzuführen, wobei sowohl Bernthal als Frank Castle wie auch Elodie Yung als Elektra Natchios eine überzeugende Performance abliefern. Während sich die Handlung zunächst auf Frank, dann auf Elektra konzentriert, wirkt das letzte Drittel um die Organisation der Hand zwar ein wenig gehetzt und überfrachtet, doch nicht so sehr, als dass es dem durchweg großartigen Gesamteindruck einen Abbruch tun würde.

9 von 10 getönten Sonnenbrillen

Daredevil | Staffel 2

  • Getönte Sonnenbrillen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

In der zweiten Staffel Daredevil werden nicht nur die Figuren und das Setting konsequent weiterentwickelt und ausgebaut, es gelingt den Autoren gar, gleich zwei neue zentrale Figuren in den Serienkosmos einzuführen, wobei sowohl Bernthal als Frank Castle wie auch Elodie Yung als Elektra Natchios eine überzeugende Performance abliefern. Während sich die Handlung zunächst auf Frank, dann auf Elektra konzentriert, wirkt das letzte Drittel um die Organisation der Hand zwar ein wenig gehetzt und überfrachtet, doch nicht so sehr, als dass es dem durchweg großartigen Gesamteindruck einen Abbruch tun würde.

9.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Mind Palace: 5/5 Punkte

Episodenübersicht: Staffel 2

01. Peng (8,5/10)
02. Hunde zu einer Schießerei (8,5/10)
03. Dein Freund und Helfer (8,5/10)
04. Penny and Dime (9/10)
05. Kinbaku (8,5/10)
06. Reue (8,5/10)
07. Semper Fidelis (9/10)
08. Schuldig wie die Sünde (9,5/10)
09. Sieben Minuten im Paradies (9/10)
10. Bis aufs Blut (10/10)
11. .380 (9,5/10)
12. Das Dunkle am Ende des Tunnels (9,5/10)
13. Ein kalter Tag in Hell’s Kitchen (10/10)

 
 
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Daredevil | Staffel 2 ist seit dem 18.03.16 exklusiv bei Netflix verfügbar.