Review: Doctor Who: Der elfte Doctor 1 – Nachleben (Graphic Novel)

Heute habe ich ausnahmsweise mal keine Buch-Kritik in petto, obwohl heute Freitag ist, denn ich hatte ja die Woche Urlaub und wenn ich Urlaub habe, komme ich einfach nicht zum Lesen. Was sich sicherlich konfus anhört für Außenstehende, ist aber leider die volle Wahrheit, doch ist so schlimm in diesem Fall ja auch nicht, schließlich ist in Leipzig gerade Messe und alle meine buchbegeisterten Leserinnen und Leser werden vermutlich dort sein und Besseres zu tun haben, weshalb ich dann ganz ohne schlechtes Gewissen heute alternativ eine Comic-Review posten werde. Und hier kommt sie auch schon:

Doctor Who
Der elfte Doctor 1
Nachleben

Doctor Who – The Eleventh Doctor #1-5, UK 2014, 132 Seiten

Doctor Who: Der elfte Doctor 1 - Nachleben | © Panini
© Panini

Autoren:
Al Ewing (Nachleben, Ein freundlicher Ort, Wer war’s?, Der Klang unserer Stimmen)
Rob Williams (Nachleben, Was er will…)
Zeichner:
Simon Fraser (Nachleben, Ein freundlicher Ort, Was er will…)
Boo Cook (Wer war’s?, Der Klang unserer Stimmen)

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98288-9

Genre:
Science-Fiction | Fantasy | Abenteuer | Mystery

 

Inhalt:

Es läuft nicht gut für Alice Obiefune: Nicht genug damit, dass sie jüngst erst ihre Mutter zu Grabe getragen hat, verliert sie kurz darauf ihren Job als Assistentin in der Bibliothek und droht selbst ihre Wohnung zu verlieren. Das Grau hat Einzug gehalten in ihrem Leben und Hoffnung auf Veränderung ist nicht in Sicht, bis zu dem Tag zumindest, als Alice dem Doctor begegnet, genauer gesagt die Bekanntschaft mit einem Regenbogenhund macht, der die Straßen von London unsicher macht und von dem Doctor verbissen gejagt wird.

Völlig perplex hilft sie dem Doctor, während der beeindruckt zu sein scheint von ihrer Art, derartig unvorstellbare Dinge beinahe gleichmütig hinzunehmen. Doch ihm fällt auch die tiefe Traurigkeit auf, die Alice Obiefune umgibt und lädt sie sozusagen zur Aufheiterung in die TARDIS ein. Dass es dabei nicht bleibt, versteht sich wohl von selbst, doch zunächst gilt es selbstredend noch den herumstreuenden Regenbogenhund wiedereinzufangen, der sich bald zur Fragestunde des Premierministers ins Unterhaus von London verirrt und dort reichlich Unruhe stiftet…

Rezension:

Nach dem ersten Band um den zehnten Doctor folgte nun also jüngst mit Doctor Who: Der elfte Doctor 1 die erste Geschichtensammlung um dessen Nachfolger, der in der Serie von Matt Smith verkörpert worden ist. Ähnlich wie schon beim zehnten Doctor setzt die Geschichte hier zu einem Zeitpunkt ein, an dem der Doctor keine Begleiterin mit sich führt, lässt sich also grob zwischen seiner Zeit mit Amy Pond und Clara Oswald verorten, um in diesem Fall den Weg freizumachen für Alice Obiefune, die eine interessante wie ungewöhnliche Wahl als Begleiterin darstellt, denn Alice betrauert den Tod ihrer Mutter, als der Doctor in ihr Leben tritt und ist auch etwas älter und damit abgeklärter als viele seiner anderen Begleiterinnen, weshalb sie ihm von Anfang an mehr auf Augenhöhe begegnet und sich nicht so leicht von ihm überrumpeln lässt, was wiederum Raum schafft für einige herrlich witzige Dialoge, bei denen man wahrhaftig meint, Matt Smiths Stimme zu hören, so gut ist der Ton meines Erachtens getroffen.

Auch geschichtlich geht der Band derweil einen etwas anderen Weg als sein indirekter Vorgänger, denn wo der lediglich zwei – dafür längere – Geschichten offeriert hat, sind es hier gleich fünf an der Zahl, wenngleich es sich bei der letzten Storyline um einen Zweiteiler handelt, doch durch die kurzen, in sich überwiegend geschlossenen Geschichten verstärkt der Comic einmal mehr das Flair der TV-Serie. So dient die erste Story Nachleben, nach der auch der Band betitelt worden ist, zunächst einmal der Einführung der Figur von Alice und von dort geht es in Ein freundlicher Ort zum fernen Planeten Rokhandi, wo eine Institution namens ServeYouINC ihr Unwesen treibt und in Was er will … ins Mississippi des Jahres 1931 sowie ins London des Jahres 1962, wo die Reisenden auf den damals noch unbekannten Musiker John Jones – eine klare und sehr großartige Reminiszenz auf David Bowie – stoßen. Besagte Firma ServeYouINC scheint dabei an mehr als nur einem Ort ihr Unwesen zu treiben und begegnet dem Doctor gleich mehrere Male, so auch in der aus zwei Teilen bestehenden Geschichte Wer war’s? nebst Der Klang unserer Stimmen, wodurch die Geschichten einerseits einem roten Faden zu folgen wissen und beispielsweise auch John Jones noch nach der Mississippi-Episode Teil des Teams bleibt, jede Story aber genauso für sich genossen werden kann.

Hinzu kommt in diesem Zusammenhang natürlich eine gehörige Portion Einfalls- und Abwechslungsreichtum und während noch die erste Geschichte durchaus etwas behäbig startet, steigert sich das Tempo doch recht fix und lässt einen Doctor Who: Der elfte Doctor 1 in einem Rutsch verschlingen, was wiederum auch mit den Fähigkeiten Al Ewings zusammenhängen mag, der hier neben Rob Williams für weite Teile des Plots beinahe sämtlicher Geschichten verantwortlich zeichnet und mich hier weitaus mehr zu überzeugen wusste als beispielsweise bei Avengers: Ultron Forever. Es gibt aber leider auch einige Wermutstropfen an dem Band, denn so überzeugend und kurzweilig die Geschichten geraten sein mögen, hat mir der Zeichenstil Simon Frasers leider überhaupt nicht zu imponieren gewusst und seine Interpretation speziell des Doctors erinnerte mich doch oft mehr an eine Karikatur denn als eine ernstzunehmende Version der Figur, während er zuweilen auch gehörig Detailreichtum vermissen lässt, weshalb es einige Zeit gebraucht hat, mich für die Lektüre zu erwärmen.

Dieser Eindruck verflüchtigt sich dann zumindest in den finalen zwei Kapiteln, da hier Boo Cook das Zeichenzepter übernimmt, mich mit seinem Stil zwar jetzt auch nicht vom Hocker gehauen hat, aber doch eine merkliche Verbesserung gegenüber Fraser darstellt, wie ich finde. Wenn man aber auch auf optischer Seite Abstriche machen muss, ist Doctor Who: Der elfte Doctor 1 durchaus als gelungen zu bezeichnen und steht dem ersten Band um den vorangegangenen Doctor in kaum etwas nach, mutet sogar inszenatorisch und konzeptionell ein wenig ausgefeilter und schlüssiger an als die lose aneinandergereihten Mehrteiler beim zehnten Doctor. Hier wie da bin ich auf alle Fälle sehr gespannt wie es weitergeht und ob sich die Reihe ihre Qualitäten wird bewahren und im besten Falle weiter ausbauen können, doch auch wenn zum Beispiel Fraser auch in den noch kommenden Heften des Öfteren vertreten sein wird, dürfte mich das kaum davon abhalten, auch dort einen Blick zu riskieren, zumal sein Stil sicherlich noch verbesserungs- wie ausbaufähig ist. Bis dahin wird es aber erst einmal höchste Zeit, mich auch den Comic-Abenteuern des zwölften Doctors zu widmen und derweil meine Wiederholungssichtung der TV-Serie weiterzuführen.

Fazit & Wertung:

Die mit diesem Band startende Reihe Doctor Who: Der elfte Doctor legt einen rundherum überzeugenden Auftakt hin und kommt sogar ein wenig mitreißender daher als die Comic-Abenteuer des zehnten Doctors es getan haben, doch weiß dafür der Zeichenstil von Simon Fraser in den ersten drei Stories nicht unbedingt zu überzeugen und ist sicherlich noch ausbaufähig, doch wenn man darüber hinwegsehen kann, erwarten einen eine gute Handvoll packender Abenteuer mit dem elften Doctor und dessen neuer Begleiterin Alice Obiefune.

8 von 10 Reisen quer durch das All und die Zeit

Doctor Who: Der elfte Doctor 1 - Nachleben

  • Reisen quer durch das All und die Zeit - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Die mit diesem Band startende Reihe Doctor Who: Der elfte Doctor legt einen rundherum überzeugenden Auftakt hin und kommt sogar ein wenig mitreißender daher als die Comic-Abenteuer des zehnten Doctors es getan haben, doch weiß dafür der Zeichenstil von Simon Fraser in den ersten drei Stories nicht unbedingt zu überzeugen und ist sicherlich noch ausbaufähig, doch wenn man darüber hinwegsehen kann, erwarten einen eine gute Handvoll packender Abenteuer mit dem elften Doctor und dessen neuer Begleiterin Alice Obiefune.

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Doctor Who: Der elfte Doctor 1 – Nachleben ist am 15.11.15 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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