Review: How I Live Now (Film)

Während die Woche langsam wieder an Fahrt aufnimmt, komme ich schon erwartungsgemäß mit einer neuen Film-Kritik ums Eck, zu einem Film, der mir mehr durch Zufall aufgefallen ist und von dem ich vorher quasi nichts gehört hatte, aber mittlerweile hat sich Saoirse Ronan für mich schon zu einem doch recht resoluten Kaufargument gemausert und auch hier sollte ich nicht falsch liegen. Warum, das lest ihr am besten selbst.

How I Live Now

How I Live Now, UK 2013, 101 Min.

How I Live Now | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Kevin Macdonald
Autoren:
Jeremy Brock (Drehbuch)
Penelope Skinner (Drehbuch)
Tony Grisoni (Drehbuch)
Meg Rosoff (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Saoirse Ronan (Daisy)
in weiteren Rollen:
George MacKay (Eddie)
Tom Holland (Isaac)
Harley Bird (Piper)
Anna Chancellor (Aunt Penn)

Genre:
Drama | Romantik | Endzeit | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus How I Live Now | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nicht gerade freiwillig wird die junge Elizabeth, die von allen nur Daisy genannt werden möchte, von ihrem Vater zu ihrer Verwandtschaft ins ländliche England geschickt. Dort scheinen ihre Cousins und Cousinen als eine Art Selbstversorger zu leben, denn deren Mutter Penn ist stetig auf Reisen und nur selten daheim. Die aus New York stammende Daisy tut sich zunächst merklich schwer mit der erschlagenden Landidylle, doch fällt ihr bald der schweigsame Eddie auf, in den sie sich mehr und mehr verguckt. Er ist aus, der Daisy dazu bringt, sich auf das Abenteuer einzulassen und nicht alles, was das Leben auf dem Hof betrifft, mit Argwohn und Arroganz zu beäugen.

Doch während Daisy noch dabei ist, sich zu akklimatisieren, bricht Krieg aus und eine ferne Atombombenexplosion lässt einen Ascheregen auf das ländliche Idyll niedergehen. Die Kinder verschanzen sich zunächst und führen ihr Leben beinahe wie gewohnt weiter, doch bald schon fällt auch das Militär dort ein und reißt die Gruppe auseinander, denn während die Jungen als Soldaten eingezogen werden, werden die Mädchen auf eine von der Regierung bewachte Farm verbracht, um dort tagein tagaus Lebensmittel zu sortieren, während sie bei einer Pflegefamilie untergebracht werden. Schnell beschließt Daisy zu fliehen, haben sie und Eddie sich schließlich versprochen, sich am Landhaus wiederzutreffen und gemeinsam den Krieg zu überstehen.

Rezension:

Schon von Beginn an wusste ich, dass How I Live Now das Potential hätte, die Geister zu scheiden, mutet die Genre-Mixtur aus Coming-of-Age-Teenie-Romanze und apokalyptisch angehauchtem Weltkriegs-Drama nicht nur auf den ersten Blick ungewöhnlich, regelrecht gewagt an. Doch was als Buch funktioniert hat – basiert der Film schließlich auf dem gleichnamigen (im Deutschen allerdings unter dem Titel So lebe ich jetzt vertriebenen) Jugendroman von Meg Rosoff –, kann als Film so schlecht nicht sein, dachte sich Regisseur Kevin Macdonald vielleicht und ohne die Vorlage zu kennen, also auch ohne Aussagen hinsichtlich Originaltreue treffen zu können, ist es ihm in meinen Augen mehr als gut gelungen, diese ungewöhnliche Geschichte auf Film zu bannen, wenngleich ich jeden verstehen kann, der mit dieser absurd märchenhaft wirkenden, wie aus zwei Teilen zu bestehen scheinenden Geschichte nichts anfangen kann. Gerade zu Beginn nämlich, als das von Saoirse Ronan (Violet & Daisy) verkörperte typische Manhattan-Girl auf die englische Landjugend trifft, schwante mir schon fürchterliches, denn mit Klischees wird hier wahrhaftig nicht gegeizt und man würde meinen, die Produktion habe es bei der Farbsättigung zuweilen etwas übertrieben, doch gewöhnt man sich tatsächlich auch an diese poppig bunten Einstellungen, die im späteren Kontrast zu der sich anschließenden Tristesse erst ihren wahren Zweck und ihre Schönheit offenbaren.

Szenenbild aus How I Live Now | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Da ist es schon ein regelrechter inszenatorischer Clou, dass Macdonald sich dazu entschlossen hat, rund die erste – heimelig anmutende – Hälfte des Films mit Handkamera zu drehen und damit noch das paradiesisch verträumte Flair zu untermauern, in der zweiten – deutlich düstereren – Hälfte derweil immer öfter auf Stative zurückgreift und dem Geschehen dadurch eine gänzlich andere Atmosphäre beschert, während auch die Farben nach dem Atomschlag verblasst zu sein scheinen. Vor allem überrascht, dass er hier wirklich beklemmende Bilder und Einstellungen generiert, die wirklich nichts mehr mit der Schönheit des ländlichen Englands gemein haben und sicherlich auch die Altersfreigabe rechtfertigen. Die Handlung selbst betreffend bewahrt sich der Film derweil zu jedem Zeitpunkt den Blickwinkel der Adoleszenz und so kann man vergeblich hoffen, etwas über die Hintergründe und Zusammenhänge des ausbrechenden Krieges zu erfahren, was mir als Kniff aber ausnehmend gut gefallen hat, denn das Geschehen wirkt so weitaus bedrohlicher und weniger greifbar, als wenn man schlicht eine Nation oder dergleichen als Übeltäter und zu bekämpfender Feind eingesetzt hätte.

Das verstärkt dann auch wiederum den Eindruck, einem zugegebenermaßen fatalistischen Märchen beizuwohnen, weil gerade die das Militär inkludierenden Szenen doch merklich irreal wirken, aber hieraus schlägt How I Live Now in meinen Augen wie gesagt merklich Kapital, zumal Saoirse Ronans Figur der von allen nur Daisy genannten Schülerin im Laufe der Handlung eine spürbare Entwicklung durchmacht und es den Fähigkeiten der Darstellerin hoch anzurechnen ist, solch eine Thematik alleine schultern zu können, denn auch wenn die anderen DarstellerInnen ihre Sache sicherlich nicht schlecht machen, bekleiden sie doch nur vergleichsweise kleine Rollen, während der Fokus zu jedem Zeitpunkt ganz klar auf Ronan liegt, was dann in letzter Konsequenz auf den letzten Metern auch den zunächst irritierenden Filmtitel erklärt. Sicherlich mag die in der ersten Hälfte etablierte Liebesgeschichte, die fortan als Antrieb für Ronans Daisy herhalten muss, für manchen nicht genügen, doch möge man sich diesbezüglich das Alter der Figuren vor Augen führen und da kann es schon mal sein, das sman sich binnen kürzester Zeit unsterblich ineinander zu verlieben meint, so dass auch dieses Plot Device für mich durchaus nachvollziehbar und annehmbar schien, während es wie gesagt bei dem einen oder anderen Zuschauer ebenfalls Stein des Anstoßes sein mag, weil das Ganze doch durchaus schon recht generisch präsentiert wird.

Szenenbild aus How I Live Now | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Nichtsdestotrotz, auch wenn man dem How I Live Now eine zuweilen holprige Dramaturgie und eine nicht immer schlüssige oder teils sprunghafte Figurenentwicklung vorwerfen mag, funktioniert die Zweiteilung des Films meines Erachtens ausnehmend gut und schafft vor allem ein durchweg ungewöhnliches Werk, was sich mit kaum einem anderen Film vergleichen lassen könnte und gerade dadurch natürlich besonders, um nicht zu sagen einzigartig wirkt. Vor allem vermittelt die zweite Hälfte regelrechte Beklemmung und drückt schier in den Sessel, während Macdonald derweilen beinahe gänzlich auf Action jedweder Art verzichtet und also allein aus der trostlosen und verheerten Umgebung schöpft, um eine merkwürdig poetisch anmutende Geschichte zu erzählen, die in weiten Teilen von ihren Bilderwelten und einem in sich stimmigen und überzeugenden Soundtrack lebt, ohne je in Erklärungsnot oder dergleichen zu kommen droht. Wer sich allerdings zu dem Zuschauerkreis zählt, die auf alles und jedes eine Antwort fordern, die mit nur angedeuteten und nicht ausformulierten Zusammenhängen und Ereignissen nichts anzufangen wissen, der sollte am besten einen weiten Bogen um diesen außergewöhnlichen Film machen.

Fazit & Wertung:

Regisseur Kevin Macdonald gelingt mit How I Live Now eine ungewöhnlich poetische Verquickung aus Coming-of-Age-Story und Survival-Thriller in einem beinahe apokalyptischen Setting, dass von seinen stimmigen wie beklemmenden Bildern und zuvorderst seiner Hauptdarstellerin Saoirse Ronan profitiert, derweil aber jegliche Erklärungsversuche ausspart, was dem einen oder anderen sicherlich übel aufstoßen könnte.

7,5 von 10 traumatischen Kriegserlebnissen

How I Live Now

  • Traumatische Kriegserlebnisse - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Regisseur Kevin Macdonald gelingt mit How I Live Now eine ungewöhnlich poetische Verquickung aus Coming-of-Age-Story und Survival-Thriller in einem beinahe apokalyptischen Setting, dass von seinen stimmigen wie beklemmenden Bildern und zuvorderst seiner Hauptdarstellerin Saoirse Ronan profitiert, derweil aber jegliche Erklärungsversuche ausspart, was dem einen oder anderen sicherlich übel aufstoßen könnte.

7.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 5/10 Punkte

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