Und da wäre ich auch schon wieder, reichlich gestresst zwar, weil wir am Wochenende Besuch erwarten und folglich jetzt schon damit begonnen wird, die Bude pro forma auf Vordermann zu bringen, aber ich bin ja clever und habe wie immer vorgearbeitet, weshalb ihr auch heute auf eine neue Film-Kritik nicht verzichten müsst. Wieder ein Film übrigens, der schon ewig bei mir in der Schublade gelegen hat und zu dem ich nun endlich gekommen bin, sehr schön.

Transsiberian

Transsiberian, ES/DE/UK/LT 2008, 111 Min.

Transsiberian | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Brad Anderson
Autoren:
Brad Anderson
Will Conroy

Main-Cast:

Woody Harrelson (Roy)
Emily Mortimer (Jessie)
Kate Mara (Abby)
Eduardo Noriega (Carlos Ximénez)
Thomas Kretschmann (Kolzak)
Ben Kingsley (Grinko)

Genre:
Thriller | Krimi | Drama | Mystery

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Transsiberian | © Universum Film
© Universum Film

Nachdem die Ehepartner Jessie und Roy im Auftrag ihrer Bibelgruppe in Peking an einem Projekt teilgenommen haben, beschließen sie nun, mit der transsibirischen Eisenbahn nach Moskau zu reisen und von dort in die Vereinigten Staaten zurückzukehren, ist Jessie schließlich auch passionierte Hobbyfotografin und erhofft sich einiges von den malerischen Landschaften auf ihrer Reise. Kaum unterwegs, lernen die beiden ein junges Pärchen, bestehend aus dem Spanier Carlos und dessen amerikanischer Freundin Abby, kennen und freunden sich mit ihnen an, wenn Carlos Jessie zuweilen auch nicht ganz geheuer scheint, doch der weltoffene Roy bemüht sich nach Kräften, ihre Zweifel zu zerstreuen und wirft sich mit Elan in die neu gefundene Freundschaft.

Bei einem Zwischenstopp allerdings kehrt Roy, nachdem er gemeinsam mit Carlos unterwegs war, nicht in seine und Jessies Kabine zurück. Die ist schnell außer sich vor Sorge und beschließt, an der nächsten Haltestelle auf ihren Mann zu warten, doch Carlos und Abby können sie überzeugen, dass es für eine unerfahrene, der Sprache kaum mächtige Frau viel zu gefährlich sei allein in den russischen Weiten und bieten an, ihr Gesellschaft zu leisten. Doch Carlos und Abby sind nicht das, was sie vorgeben zu sein…

Rezension:

Brad Andersons Transsiberian hatte ich schon seit langem auf meiner Agenda stehen, nachdem er mich bereits vor Jahren mit The Machinist, vor geraumer Zeit aber auch mit Stonehearst Asylum für sich einzunehmen wusste und wieder einmal muss ich sagen, dass es ein großes Glück war, dass ich mich im Vorfeld quasi in keiner Weise über den Film informiert hatte, mir nicht einmal den Trailer zu Gemüte geführt habe, folglich also nur wusste, dass es wohl ein Thriller werden würde, denn gerade mit dieser Unkenntnis funktioniert der Film, der in seiner Handlung zugegebenermaßen mehr als nur ein paar Kapriolen schlägt, wohl sicherlich am besten. Sicherlich verhält es sich auch hier so, dass man am besten ein solides Maß an Willing Suspension of Disbelief mitbringen sollte, damit der Film und seine immer neuen Wendungen funktionieren kann, doch macht ihn das eben in meinen Augen auch so ungewöhnlich und lohnenswert, speziell, wenn man nicht darauf gefasst ist, was einen erwartet.

Szenenbild aus Transsiberian | © Universum Film
© Universum Film

Beginnen tut Transsiberian nämlich ungemein ruhig und unaufgeregt und widmet sich auch ungewöhnlich lange seinen beiden Hauptfiguren und deren Exposition, weshalb man sich zunächst in einem Beziehungs-Drama wähnt, bevor die eigentliche Handlung überhaupt erst an Fahrt aufnimmt. Speziell Emily Mortimer (Harry Brown) kann man hier nämlich kaum genug loben, trägt sie den Film schließlich in weiten Teilen im Alleingang und verleiht ihrer Figur der Jessie gehörig Facetten und Kanten, während Woody Harrelson (True Detective) als ihr Ehemann Roy zwar auch gefällt, aber eine überraschenderweise nur solide Leistung abliefert, was aber mit der Figur an sich zusammenhängen mag. Interessant wird die Chose dann aber auch erst so richtig, als der charmante Carlos, dargestellt von Eduardo Noriega und dessen Begleiterin Abby – Kate Mara (happythankyoumoreplease) – auf der Bildfläche erscheinen, denn als Zuschauer meint man schnell zu wissen, wie fortan der Hase läuft und auch Jessie schöpft schnell Verdacht, während Roy den unwissenden wie gutmütigen Trottel gibt, der sich vorbehaltlos mit dem undurchsichtigen Pärchen anzufreunden bereit ist.

Wer nun aber meint, seine Erwartungen hinsichtlich des Fortgangs der Handlung von Transsiberian würden erfüllt werden, sieht sich bald mit nur allzu überraschenden Ereignissen konfrontiert, die das Geschehen schnell in einem gänzlich anderen Licht erscheinen lassen, dem eine weitere Nuance hinzugefügt wird, als auch Ben Kingsleys (Shutter Island) Figur des Polizisten Grinko Teil der Handlung wird, den man nach einem kurzen Prolog zum Film, der zunächst in keinem Zusammenhang mit dessen Handlung zu stehen scheint, erst spät wieder zu Gesicht bekommt. Von hier ausgehend schaukelt sich Andersons Film in immer höhere Ebenen der Beklemmung hinauf und aus einer anfänglich subjektiv gefühlten, kaum greifbaren Bedrohung wird schnell bitterer Ernst und weitere unerwartete Zusammenhänge peitschen die Handlung voran, die zwar wie gesagt unter logischen Gesichtspunkten immer absurder wird und gehörig Zufälle attestiert, die hier in zahllosen unwahrscheinlichen Begegnungen kulminieren, doch ist dies in diesem Fall eben eine Stärke des Films, denn gerade wenn man zu wissen meint, worauf das Geschehen nun letztlich hinausläuft, wird man beinahe ohne Zweifel ein weiteres Mal überrascht werden.

Szenenbild aus Transsiberian | © Universum Film
© Universum Film

Dennoch muss man bei Transsiberian nicht nur Abstriche bei der Logik und Stringenz machen können, sondern auch damit leben, dass zugunsten der Spannung die eisigen Öden von Russland und mit ihnen auch das sonstige Klientel der transsibirischen Eisenbahn doch auffallend einseitig als bedrohlich skizziert wird und nicht eben Lust macht auf einen Abstecher in diese Gefilde, doch zugunsten der Atmosphäre und dem stets erst unterschwellig und später offensiv zur Schau getragenen Gefühl von Einsamkeit, Fatalismus, Bedrohung und Ausweglosigkeit geschuldet mag man Anderson auch diese Art der Darstellung verzeihen, bekommt man schließlich im Gegenzug einen von vorne bis hinten sorgsam durchkonzipierten Thriller mit haufenweise unerwarteten Twists geboten, die zwar manchmal eleganter, zuweilen glaubhafter hätten inszeniert werden können, dem in sich aber äußerst stimmigen Eindruck des Gesamtwerkes aber letztlich kaum einen Abbruch tun, zumal der Film ansonsten vorrangig von seinen Figuren lebt, die hier wie gesagt ausnehmend sorgsam charakterisiert worden sind.

Fazit & Wertung:

Brad Andersons Thriller Transsiberian wartet vielleicht mit der einen oder anderen unerwarteten Wendung zu viel auf und zeichnet ein doch überwiegend einseitig negatives Bild der verschneiten russischen Weiten, doch kommen diese Aspekte der ungemein packenden Handlung zugute, deren Verlauf man kaum wird erahnen können und die folglich in ihrer Gänze zu packen versteht, wenn man denn bereit ist, kleinere Ungereimtheiten und unwahrscheinliche Zufälle in Kauf zu nehmen. Im großen Ganzen bleibt aber ein atmosphärisch dichter und überzeugend besetzter Thriller, den man am besten ohne jegliche Kenntnis des Handlungsverlaufs genießt.

7 von 10 Stationen in den eisigen Weiten Russlands

Transsiberian

  • Stationen in den eisigen Weiten Russlands - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Brad Andersons Thriller Transsiberian wartet vielleicht mit der einen oder anderen unerwarteten Wendung zu viel auf und zeichnet ein doch überwiegend einseitig negatives Bild der verschneiten russischen Weiten, doch kommen diese Aspekte der ungemein packenden Handlung zugute, deren Verlauf man kaum wird erahnen können und die folglich in ihrer Gänze zu packen versteht, wenn man denn bereit ist, kleinere Ungereimtheiten und unwahrscheinliche Zufälle in Kauf zu nehmen. Im großen Ganzen bleibt aber ein atmosphärisch dichter und überzeugend besetzter Thriller, den man am besten ohne jegliche Kenntnis des Handlungsverlaufs genießt.

7.0/10
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Transsiberian ist am 21.08.09 auf DVD und am 09.10.09 auf Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray: