Review: Drinking Buddies – Erwachsen werden ist schwer (Film)

So, heute nicht nur unerwartet spät, sondern auch mit unerwartet wenigen (Vor-)Worten kommt meine neueste Film-Review daher. Viel Spaß!

Drinking Buddies
Erwachsen werden ist schwer

Drinking Buddies, USA 2013, 90 Min.

Drinking Buddies - Erwachsen werden ist schwer | © Magnolia Pictures
© Magnolia Pictures

Regisseur:
Joe Swanberg
Autor:
Joe Swanberg

Main-Cast:
Olivia Wilde (Kate)
Jake Johnson (Luke)
Anna Kendrick (Jill)
Ron Livingston (Chris)
in weiteren Rollen:
Ti West (Dave)
Jason Sudeikis (Gene Dentler)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Kate und Luke arbeiten seit langer Zeit gemeinsam in einer Bier-Brauerei in Chicago, flachsen und albern den lieben langen Tag und trinken natürlich Unmengen an Bier, sind unzweifelhaft beste Freunde, doch wer die beiden so miteinander flirten sieht, würde meinen, es könne mehr zwischen den beiden sein. Wäre es vielleicht auch, wenn nicht Luke bereits seit sechs Jahren mit seiner Freundin Jill zusammen wäre, die immer öfter versucht, das Thema Hochzeit aufs Trapez zu bringen, während Kate mit dem eher in sich gekehrten Musikproduzenten Chris eine Beziehung führt.

Szenenbild aus Drinking Buddies - Erwachsen werden ist schwer | © Magnolia Pictures
© Magnolia Pictures

Bei einem gemeinsamen Wochenende in einer Waldhütte allerdings verschieben sich die Fronten, denn während Luke und Kate die meiste Zeit gemeinsam abhängen und – richtig – Bier trinken, gehen Jill und Chris gemeinsam auf Wanderschaft. Zurück in der Stadt ist eigentlich alles unverändert und doch beinahe unmerklich anders, denn ausgerechnet Chris beginnt an der Zukunftstauglichkeit seiner Beziehung zu Kate zu zweifeln…

Rezension:

Mehr durch Zufall bin ich vor nicht allzu langer Zeit über Drinking Buddies gestolpert und nicht zuletzt wegen Olivia Wilde musste ich einen Blick riskieren bei diesem als Komödie vermarkteten Film, was aber dem Kern der Sache leider mal wieder überhaupt nicht gerecht wird, ähnlich wie der selten dämliche, aber anscheinend dringend benötigte deutsche Untertitel Erwachsen werden ist schwer, denn es handelt sich hier weder um eine romantische Komödie noch Buddy-Movie, sondern vielmehr um einen in großen Teilen improvisierten Ausschnitt aus dem Leben einiger Freunde, weithin unter dem Label Slice-of-Life zu verbuchen, was natürlich zur Folge hat, dass viele Gesetzmäßigkeiten der einschlägigen Genres bewusst oder auch unbewusst außer Kraft gesetzt werden, so dass der Film zwar ohne merkliche Höhepunkte und übertrieben überzogene Wendungen und Twists auskommt, dafür aber auch ungemein authentischer und sympathischer daherkommt als die oft überproduzierten Vertreter seiner Gattung.

Szenenbild aus Drinking Buddies - Erwachsen werden ist schwer | © Magnolia Pictures
© Magnolia Pictures

Freilich mag man sich allein von der Besetzung in die Irre führen lassen, denn Olivia Wilde hat ja nun schon in einigen großen Produktionen und Blockbustern wie etwa Rush mitgewirkt und auch Anna Kendrick (The Voices) ist kein unbekanntes Gesicht, während man Jake Johnson vorrangig aus der Sitcom New Girl kennen dürfte, die ja ebenfalls eine gewisse Popularität genießt, während selbst Ron Livingston (Die Frau des Zeitreisenden) eine umtriebige Karriere hinter sich hat, so dass man als unbedarfter Zuschauer kaum damit rechnen kann, hier einen extrem mainstreamig anmutenden Vertreter des Indie-Untergenres Mumblecore präsentiert zu bekommen, was wiederum einigen Unmut erzeugen dürfte bei denen, deren Erwartungshaltung sich nicht mit Drinking Buddies vereinbaren lässt.

Denn natürlich sitzt nicht jede Pointe, wirken die Gespräche teils wahnsinnig trivial und mehr als nur ein einzelner Handlungsstrang läuft ins Leere, während die Geschichte nur einem sehr losen roten Faden folgt, doch da kommen eben die sympathischen Darsteller und deren Improvisationstalent ins Spiel, dass es trotz fehlender durchkonzipierter Handlung kaum langweilig werden dürfte bei der Sichtung von Drinking Buddies, wenn man auch entsprechende Biervorräte kalt stellen sollte, denn hier wird beinahe in jeder Szene wahlweise Pappbecher, Humpen oder Flasche vor sich hergeschwenkt, was auf eine skurrile Art bewundernswert ist, wenn man weiß, dass es sich dabei stets um echtes Bier gehandelt hat und auch manche sich anbahnende Trunkenheit nicht etwa gut gespielt, sondern schlichtweg abgefilmt worden ist, während es sich auch bei einem der Hauptschauplätze des Films um eine echte Brauerei handelt.

Szenenbild aus Drinking Buddies - Erwachsen werden ist schwer | © Magnolia Pictures
© Magnolia Pictures

Zugegeben, auch ich war an mancher Stelle irritiert, beispielsweise was die angedeutete und sich dann doch nicht vollziehende Entwicklung von Jason Sudeikis‘ Figur Gene Dentler anbelangt oder auch das zwar im Nachhinein passende, aber doch unerwartet plötzliche Ende, doch grundsätzlich scheine ich Mumblecore (wozu übrigens wohl auch Jeff, der noch zu Hause lebt zählt, wie ich jetzt erst gelernt habe) langsam für mich zu entdecken, denn ich empfand es als erfrischende Abwechslung, dass man hier nicht sklavisch den Regeln des Films folgend die einzelnen Etappen einer Liebesgeschichte abfrühstückt, um mit einem schnulzigen wie obligatorischen Schlussakkord zu enden, sondern sich stattdessen ganz damit begnügt, einen Blick auf das Leben dieser nur allzu normal wirkenden Gestalten zu werfen, was zwar mit objektiven Maßstäben für Spannung betrachtet keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken dürfte, für mich aber doch im Verlauf der gerade einmal neunzig Minuten Spielzeit auf charmant bestechende Art und Weise funktioniert hat, zumal der Film mehr als nur ein paar wirklich intime und schöne Momente hat, die das Leben kaum besser schreiben könnte.

Fazit & Wertung:

An Joe Swanbergs Drinking Buddies werden sich ohne Frage die Geister scheiden, denn objektiv betrachtet passiert nicht viel und die von Olivia Wilde und Konsorten verkörperten Figuren sind nicht gerade außergewöhnlich, geschweige denn dass es ihr Leben wäre, doch als ein in weiten Teilen improvisierter Vertreter des Mumblecore-Genres besticht dieser Film mit einem ungewohnten Ausmaß an Authentizität und Charme, was ihm dank seiner Darsteller und deren Spielfreude gehörig Sympathiepunkte einbringt.

7 von 10 durchzechten Arbeitstagen

Drinking Buddies - Erwachsen werden ist schwer

  • Durchzechte Arbeitstage - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

An Joe Swanbergs Drinking Buddies werden sich ohne Frage die Geister scheiden, denn objektiv betrachtet passiert nicht viel und die von Olivia Wilde und Konsorten verkörperten Figuren sind nicht gerade außergewöhnlich, geschweige denn dass es ihr Leben wäre, doch als ein in weiten Teilen improvisierter Vertreter des Mumblecore-Genres besticht dieser Film mit einem ungewohnten Ausmaß an Authentizität und Charme, was ihm dank seiner Darsteller und deren Spielfreude gehörig Sympathiepunkte einbringt.

7.0/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Drinking Buddies – Erwachsen werden ist schwer ist am 24.04.14 auf DVD erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

  • Der Titel sagt mir jetzt so gar nix, aber der Cast gefaellt mir sehr gut, wird mal vorgemerkt, danke! :)

    • Ist doch super! Ich freu mich auch immer, wenn ich einen Film fernab der einschlägig bekannten Streifen finde, von dem ich dann mal wirklich noch nirgends was gelesen habe und der mir dann durch Zufall unterkommt. :)

  • Gnislew

    Der lacht mich ja immer wieder bei Netflix an. Nach deiner Besprechung sollte ich mir den Film vielleicht doch mal ansehen.

    • Ach, bei Netflix ist er mir noch nie aufgefallen, ist ja witzig. Tja, zumindest weißt du dann ja auch jetzt grob was dich erwartet – Stichwort Mumblecore – , das dämpft dann auch schon einmal etwaige falsche Erwartungshaltungen, die dem Film meines Erachtens einige nicht wirklich gerechtfertigte negative Kritiken eingebracht haben. Muss man aber halt auch mögen – doch kostet dich ja auch nichts außer 90 Minuten Lebenszeit 😉

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