Review: Westeros: Die Welt von Eis und Feuer | George R. R. Martin (Buch)

Heute mal wieder mit einer eher ungewöhnlichen Buch-Review im Gepäck, denn ausnahmsweise handelt es sich mal wieder nicht um einen Roman, wie sie hier sonst zur Genüge besprochen werden, sondern um ein Geschichtsbuch! Natürlich kein echtes, klar, aber immerhin. Ich wäre ja fast versucht gewesen, das unter Sachbuch laufen zu lassen. Konnte mich bremsen, trotz Wochenende und so.

Westeros
Die Welt von Eis und Feuer
Game of Thrones

The World of Ice & Fire: The Untold History of Westeros
and the Game of Thrones, USA 2014, 336 Seiten

Westeros: Die Welt von Eis und Feuer von George R. R. Martin | © Penhaligon
© Penhaligon

Autoren:
George R. R. Martin
Elio M. Garcia Jr.
Linda Antonsson
Übersetzer:
Andreas Helweg

Verlag (D):
Penhaligon
ISBN:
978-3-7645-3136-2

Genre:
Fantasy | Bildband

 

Inhalt:

Die Sieben Königreiche von Westeros – das bedeutet epische Schlachten, erbitterte Feindschaften und tödliche Intrigen. Diese Chronik enthält gesichertes Wissen, Spekulationen und überlieferte Sagen vom Zeitalter der Ersten Menschen über die Ankunft von Aegon dem Eroberer bis zu Robert Baratheons Rebellion gegen den wahnsinnigen König Aerys II. Targaryen. Und all diese Ereignisse führten zu George R. R. Martins Meisterwerk Das Lied von Eis und Feuer und der Fernsehserie Game of Thrones.

Rezension:

Der unter Mitarbeit von George R. R. Martin selbst entstandene Band Westeros: Die Welt von Eis und Feuer verhält sich zu seinem eigentlichen Epos Das Lied von Eis und Feuer in etwa so, wie es seinerzeit Das Silmarillion zu Der Herr der Ringe getan hat, denn es handelt sich hier mitnichten um einen Roman, der einer wie auch immer gearteten Dramaturgie folgt, sondern vielmehr um ein fiktives Geschichtsbuch, das die Hintergründe und Ursprünge der Welt von Esteros und auch Essos beleuchtet, eben so, wie sich Tolkien in seinem Hintergrundband der Entstehung von Mittelerde zugewandt hat. Ein direkter Vergleich mag sich hier zwar nur bedingt anbieten, kam mir jedoch mit als erstes in den Sinn, nachdem ich auf den ersten paar Seiten den Schilderungen des Maesters Yandel gelauscht habe, der mit der Geschichte des Altertums den Einstieg in die Welt von Eis und Feuer beginnt und dergestalt gehandhabt gefallen mir sowohl Intention als auch Schreibstil des Buches außerordentlich, denn die Schilderungen des Maesters sind alles andere als trocken geraten, während er selbst in vielen Belangen ebenfalls nur Mutmaßungen anstellen kann und von verschiedenen, sich wiedersprechenden Quellen zu berichten weiß, so dass es sich bei dem vorliegenden Werk auch weniger um ein als unumstößlich geltendes Manifest handelt als eben lediglich eine grobe Skizze, einen Abriss der Geschichte, wie sie sich so oder so ähnlich zugetragen haben könnte.

Ausschnitt aus Westeros: Die Welt von Eis und Feuer | © Penhaligon
© Penhaligon

Mit dieser Ausrichtung Westeros: Die Welt von Eis und Feuer dann auch nahtlos in das bestehende Werk von Martin, zumal sich eben auftretende Widersprüche leicht durch unzuverlässige Quellen erklären ließen, wobei ich auf solche jetzt nun nicht gestoßen bin, für so etwas vielleicht aber auch nicht akribisch genug suche und recherchiere. Auf alle Fälle ist das Buch ungemein unterhaltsam geraten, zumal die oft nicht gerade kurzen Texte auch immer wieder von großformatigen und durchweg gleichermaßen großartigen Zeichnungen aufgelockert werden, an denen man sich kaum sattsehen kann, zumal selbige überwiegend als vollfarbige Gemälde daherkommen und nicht etwa bloß als Bleistiftskizzen, wobei auch die durch Detailreichtum zu überzeugen wissen. Unterstreichen möchte ich aber auch, dass es sich eben mitnichten um einen mit kurzen Textabschnitten angereicherten Bildband handelt, sondern die weit über 300 Seiten wirklich ein regelrechtes Füllhorn an Informationen, Geschichten, Märchen und Zusammenhängen bereithalten und weit davon entfernt sind, bloße Alibifunktion zu besitzen.

Hinzu kommt in diesem Zusammenhang, dass der Band mit seinen Maßen knapp über der Größe des bei uns üblichen DIN A4 Formates wirklich opulent daherkommt, wertig gebunden ist, über ein heutzutage eher seltenes Lesebändchen verfügt und natürlich im edlen Hardcover präsentiert wird, während jede einzelne Seite eine feine Marmorierung aufweist und gewollt vergilbt wirkt, was den Eindruck, ein „echtes“ Geschichtsbuch in den Händen zu halten, natürlich noch verstärkt, während sich das Design ansonsten stark an den Büchern der Reihe orientiert. Das wäre dann noch einer der erwähnenswerten Punkte, der zwar eigentlich klar auf der Hand liegen sollte, doch der guten Ordnung halber sei unterstrichen, dass es sich hier natürlich um ergänzendes Material zu der originären Buchreihe handelt und ausnahmsweise einmal nicht um ein auf der Basis der HBO-Erfolgsserie Game of Thrones entstandenes Werk, so dass sich diejenigen, die sich bislang allein auf den Konsum der Serie beschränkt haben, den Kauf durchaus zweimal überlegen sollten, denn auch wenn sich die Geschichten in ähnlichen Bahnen bewegen beziehungsweise bewegt haben, kann es hier natürlich durch die Verknappung und Zusammenlegung sowie Umbenennung von Figuren beispielsweise viel eher zu verwirrenden Widersprüchen kommen, als dass der Fall wäre, bezöge man sich lediglich auf Das Lied von Eis und Feuer, wie hier geschehen.

Ausschnitt aus Westeros: Die Welt von Eis und Feuer | © Penhaligon
© Penhaligon

Nach der Geschichte des Altertums schließt sich derweil im Buch die Ära der Herrschaft der Drachen an und widmet sich ausgiebig den zahllosen Königen aus dem Hause Targaryen bis hin zu deren Ende, welches mit dem Sturz von Aerys II. besiegelt worden ist. Das zweite Drittel des Buches nun widmet sich ausführlich den sieben Königslanden von Westeros und skizziert ausgehend vom Norden über die Flusslande, die Eiseninseln, die Westlande, die Weite, die Sturmlande und nicht zuletzt Dorne ein recht umfassendes Bild des Kontinents, bevor sich der letzte große Teil von Westeros: Die Welt von Eis und Feuer völlig konträr zu seinem Namen in Richtung Essos wendet, von den freien Städten berichtet und von dort tiefer in den weitestgehend unbekannten Kontinent vordringt, was sich auch daran bemerkbar macht, dass die Kapitel hier kürzer und die Informationen dürftiger werden, doch hätte es dem Buch auch nicht gut zu Gesicht gestanden, hier weitreichende Geheimnisse um beispielsweise den sagenumwobenen Freistaat von Valyria preiszugeben. Beschlossen wird der Band mit einem Nachwort sowie den großformatig abgedruckten Stammbäumen der Häuser Targaryen, Stark und Lennister und auch wenn an diesem Punkt noch einige Häuser mehr hätten Erwähnung finden dürfen, trübt das doch den ansonsten absolut wertigen und für den geneigten Fan regelrecht umwerfenden Gesamteindruck kaum, den das Werk in seiner Gänze hinterlässt.

Fazit & Wertung:

Nicht nur im Hinblick auf das gewählte Format ist Westeros: Die Welt von Eis und Feuer ein regelrechtes Mammutwerk geworden, das nicht nur eine Fülle an Informationen und Geschichten sowie zahlreiche beeindruckende Gemälde und Skizzen beinhaltet, sondern dank des Kniffs, die Geschichte von Westeros aus der Sicht des Maesters Yandel zu erzählen, auch noch eine Menge Kurzweil verspricht und weit mehr ist als ein fiktives Geschichtsbuch. Für die Fans und Anhänger von Martins Buch-Epos sicherlich Pflichtlektüre und ein echtes Prachtstück im heimischen Bücherregal!

10 von 10 unerzählten Geschichten

Westeros: Die Welt von Eis und Feuer

  • Unerzählte Geschichten - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Nicht nur im Hinblick auf das gewählte Format ist Westeros: Die Welt von Eis und Feuer ein regelrechtes Mammutwerk geworden, das nicht nur eine Fülle an Informationen und Geschichten sowie zahlreiche beeindruckende Gemälde und Skizzen beinhaltet, sondern dank des Kniffs, die Geschichte von Westeros aus der Sicht des Maesters Yandel zu erzählen, auch noch eine Menge Kurzweil verspricht und weit mehr ist als ein fiktives Geschichtsbuch. Für die Fans und Anhänger von Martins Buch-Epos sicherlich Pflichtlektüre und ein echtes Prachtstück im heimischen Bücherregal!

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Weitere Details zum Buch und den Autoren findet ihr auf der Seite von Penhaligon. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Westeros: Die Welt von Eis und Feuer ist am 16.03.15 bei Penhaligon erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Das Buch ist sooooo toll <3

    • Stimmt, das hätte ich auch einfach schreiben und mir damit den Rest des Artikels sparen können – zu spät dran gedacht 😉

  • Klingt famos! Das Buch wollte ich mir im englischen Original auch schon lange mal zulegen. Nun habe ich noch mehr Lust darauf bekommen… :)

    • Ist es auch wirklich und ein ganz tolles Schmökerwerk für Fans der Reihe. Ob Original oder deutsche Fassung ist dabei fast egal – hinsichtlich Wertigkeit geben die sich beide nichts soweit ich habe ermitteln können. Einzig die Texte sind natürlich im Deutschen teils wohl ein wenig gestaucht, weil man das Layout halt nicht einfach über den Haufen werfen konnte.

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