Review: Hap and Leonard | Staffel 1 (Serie)

Ja ja, ich nenne es Super-Serien-Samstag und irgendwie ist es das auch, denn seit exakt sechs Tagen ist die erste Staffel von Hap and Leonard bei Amazon Prime zu bewundern und es ist mir erneut gelungen, richtig schön zeitnah die Folgen zu sichten und einen hoffentlich adäquaten Artikel zu verfassen, den ich euch dann heute voller Stolz präsentieren möchte, auch, weil mir die Serie seit ihrer ersten Ankündigung zum Herzensprojekt geworden ist, weil ich den Schriftsteller, auf dessen Büchern die Geschichte fußt, so sehr mag. Aber das könnt ihr ja jetzt alles nachlesen:

Hap and Leonard
Staffel 1

Hap and Leonard, USA 2016-, ca. 42 Min. je Folge

Hap and Leonard | © SundanceTV
© SundanceTV

Serienschöpfer:
Nick Damici
Jim Mickle
Ausführende Produzenten:
Nick Shumaker
Jeremy Platt

Main-Cast:
James Purefoy (Hap Collins)
Michael Kenneth Williams (Leonard Pine)
Jimmi Simpson (Soldier)
Bill Sage (Howard)
Christina Hendricks (Trudy Fawst)
in weiteren Rollen:
Pollyanna McIntosh (Angel)
Enrique Murciano (Raoul)
Neil Sandilands (Paco)
Jeff Pope (Chub)
Henry G. Sanders (Uncle Chester)
Ron Roggé (Bud)
Trace Masters (Little Hap)
Kaden Washington Lewis (Little Leonard)
John McConnell (Beau Otis)
Jay Potter (Prescott Jones)

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Die beiden Kumpels Hap Leonard haben schon bessere Zeiten gesehen, halten sich Ende der 80er mit Gelegenheitsjobs im ländlichen Texas über Wasser und fristen ein einfaches Dasein, doch als sie auch ihren aktuellen Job aufgrund günstigerer Arbeitskräfte verlieren , droht die Geldnot. Dieses Ansporns hätte es dennoch kaum bedurft, als plötzlich Haps Ex-Frau Trudy wieder in sein Leben tritt und ihm einen Job anbietet, der zu leicht klingt, um wahr zu sein, denn vor Jahren soll ein Fluchtfahrzeug in einen Fluss gestürzt sein, während sich die Beute noch im Wagen befunden hat und Hap soll ihr nun dabei helfen, diesen Schatz zu bergen, wofür er nicht unerheblich an dem Geld beteiligt werden soll. Hap holt selbstredend umgehend seinen Freund Leonard für die Aktion an Bord, doch der ist skeptisch und weiß genau, dass Trudy Hap stets in Schwierigkeiten gebracht hat, doch es lockt das liebe Geld und auch Hap lässt sich nicht davon überzeugen, seine Ex besser in die Wüste zu schicken.

Szenenbild aus Hap and Leonard | © SundanceTV
© SundanceTV

So willigen die beiden ein und lassen sich von Trudy dem Rest der Truppe vorstellen, zu der auch Trudys derzeitiger Lover Howard gehört, was natürlich prompt zu einigen Reibereien führt, doch Hap und Leonard bemühen sich um Professionalität, auch wenn sie den Haufen sich selbst als Weltverbesserer wahrnehmender Nachwuchs-Revoluzzer nicht wirklich ernst nehmen können. Doch der Job erweist sich bald als schwieriger als gedacht, zumal es gar nicht so leicht ist, überhaupt die richtige Stelle inmitten der Sümpfe und Wälder auszumachen und während man noch das Dickicht durchkämmt, nähert sich das psychopathische Killer-Pärchen Angel und Soldier dem verschlafenen Städtchen und beginnen prompt, eine blutige Schneise der Gewalt zu hinterlassen, indes sie ein klares Ziel vor Augen zu haben scheinen…

Rezension:

Mit Hap and Leonard haben mir die Verantwortlichen bei SundanceTV – und in letzter Konsequenz nun auch Amazon Prime – ja sozusagen ein regelrechtes Geschenk gemacht, denn obgleich ich bis dato lediglich einen Band der zugrundeliegenden Buch-Reihe von Joe R. Lansdale gelesen habe (Schlechtes Chili aus dem Dumont Verlag), bin ich doch zumindest ein großer Fan des Autors und habe zahllose seiner anderen Werke verschlungen. Diese zeichnen sich zuvorderst durch schwarzen Humor, lakonische Sprache und nicht zuletzt sich gerade gegen Ende Bahn brechende Gewalt aus und selbige Aspekte finden sich tatsächlich samt und sonders nun auch in der Serien-Produktion, deren größter Coup es gewesen sein mag, James Purefoy (Rom) als Hap Collins und Michael Kenneth Williams (Boardwalk Empire) als Leonard Pine besetzt zu haben, denn eine derartige Serie, die schon nach ihren Hauptfiguren benannt ist, steht und fällt natürlich mit der Glaubwürdigkeit und Chemie untereinander und sowohl Purefoy als auch Williams überzeugen hier auf voller Linie, was in dem Fall sozusagen schon die halbe Miete bedeutet.

Szenenbild aus Hap and Leonard | © SundanceTV
© SundanceTV

Halbe Miete auch dahingehend, dass man speziell bei Lansdale und so auch bei dieser Serie die Figuren mögen muss, um die Geschichte zu mögen, denn die gibt gerade anfänglich gar nicht einmal ganz so viel her, geht es schließlich schlicht und ergreifend darum, einen versunkenen Schatz zu bergen, so dass sich die erste Folge Savage Season (1.01) beispielsweise beinahe völlig auf die Exposition der Charaktere und des Settings versteift, ohne dass bereits großartig viel wirklich Aufregendes passieren würde, doch bieten Hap und Leonard – und insbesondere deren Dialoge – ausreichend Unterhaltungswert, sich auf die Chose einzulassen, so sie einem denn grundsätzlich liegt, denn diese mit reichlich Südstaaten-Flair, skurrilen Figuren und White-Trash-Attitüde aufgeladene Geschichte mag wahrlich nicht jedermanns Geschmack sein, zumal selbige sich merklich Zeit nimmt, in Gang zu kommen und die Ausgangslage zu etablieren, doch endet auch bereits die erste Folge dann noch mit einem Knall und führt ein an Bonnie und Clyde gemahnendes Gangster-Pärchen ein, das allerdings – ebenfalls typisch Lansdale – völlig over-the-top inszeniert einen regelrechten WTF-Moment (sonst ja nicht meine Ausdrucksweise, aber besser kann man es nicht beschreiben) generiert, der gleichsam die Marschrichtung vorgibt für die noch in der Ferne liegenden Ereignisse.

Hap and Leonard

Davon ausgehend steigert sich Hap and Leonard von Folge zu Folge und insbesondere eine bunt gemischte Truppe sich selbst als Revoluzzer bezeichnender Gestalten sorgt hier für reichlich Unterhaltung, denn es kommt zu nicht wenigen Reibereien zwischen den angeheuerten Hap und Leonard sowie den Alt-Hippies mit Weltverbesserungstraum, zumal deren Anführer Howard (Bill Sage) auch einmal mit der Ex-Frau von Hap angebändelt hat, die ebenfalls mit von der Partie ist und in geradezu großartiger Weise von Christina Hendricks (Mad Men) verkörpert wird, die gerade in der zweiten Staffelhälfte und auch einigen die gesamte Serie durchziehenden Rückblenden zeigen darf, was sie schauspielerisch drauf hat. Doch es würde sich um keine Lansdale-Adaption handeln – die sich wohl übrigens in weiten Teilen auch an dem ersten Band der Buch-Reihe mit dem Titel Wilder Winter (im Original Savage Seasons) orientiert – , wenn nicht irgendwann alles in wahnwitziges und oft brutales Chaos münden würde, was sich hier nun in der zweiten Staffelhälfte vollzieht und ebenfalls einige Zuschauer verprellen oder zumindest irritieren dürfte, denn was sich vorher als locker-leichte Südstaaten-Chose mit pointierten, nicht immer Sinn stiftenden Dialogen und einer soliden, aber kaum überraschenden Geschichte präsentiert hat, mündet mehr und mehr in eine Konfrontation, die sicher nichts für Zartbesaitete ist und die Grenzen dessen, was bei einer Altersfreigabe ab 16 Jahren möglich ist, doch weitestgehend auslotet, weshalb die fünfte Folge nicht von ungefähr schlicht und ergreifend mit War (1.05) betitelt worden ist. Ohne hier aber ins Detail gehen zu wollen, lässt sich in diesem Zusammenhang nur festhalten, dass Jimmi Simpson (Knights of Badassdom) als Soldier – großer Antagonist der Staffel und Teil des bereits erwähnten Gangster-Pärchens – eine ungemein eindringliche und vor allem erschreckende Performance abliefert, die meines Erachtens schon für einen gewissen Kult-Status langen würde, doch muss man das schlichtweg selbst erlebt haben.

Szenenbild aus Hap and Leonard | © SundanceTV
© SundanceTV

Obschon der Konflikt aber bereits früh eskaliert, ist er mit Beginn der finalen Folge Eskimos (1.06) noch nicht geklärt, doch dennoch präsentiert sich das Staffelfinale in seiner Gänze schon beinahe antiklimatisch, widmet sich zwar noch einigen losen Fäden in der Dramaturgie und legt auch bereits den Grundstein für eine mögliche zweite Staffel, von der ich aber noch nichts habe verlauten lassen hören, ist aber in Anbetracht der vorangegangenen Ereignisse nicht ganz so packend und wirkt in der zweiten Hälfte wie ein längerer Epilog, doch trübt dies das Serien-Erlebnis nur marginal, derweil ich schwer hoffe, dass eine zweite – und gerne auch längere – Staffel nicht bloß ein frommer Wunsch bleiben wird, denn verdient hätten es Hap and Leonard auf alle Fälle, wenn ich auch wie gesagt einräumen muss, dass sich nicht jeder für diese zuweilen krude Mischung aus Südstaaten-Drama, Gewaltexzess und schwarzhumoriger Buddy-Story wird erwärmen können, doch meinen Geschmack haben sie damit vollends getroffen und wer sich für Joe R. Lansdales Geschichten oder die von artverwandten Autoren begeistern kann, der sollte auch hier unbedingt einen Blick riskieren.

Fazit & Wertung:

Die von SundanceTV produzierte erste Staffel Hap and Leonard nach den Büchern von Joe R. Lansdale punktet mit zwei liebevoll charakterisierten und von James Purefoy und Michael Kenneth Williams großartig verkörperten Freunden, die ungewollt in eine Geschichte hineingezogen werden, deren bald eskalierender Wahnwitz sich noch in den ersten Folgen kaum abzuzeichnen wagt, insbesondere aber die zweite Staffelhälfte zu einem unerwartet blutigen Erlebnis macht, das sich hinter den Büchern des Kult-Autors kaum zu verstecken braucht, zumal selbst in der übelsten Situation auch hier der Humor nie zu kurz kommt.

8,5 von 10 scheinbar ausweglosen Situationen

Hap and Leonard | Staffel 1

  • Scheinbar ausweglose Situationen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die von SundanceTV produzierte erste Staffel Hap and Leonard nach den Büchern von Joe R. Lansdale punktet mit zwei liebevoll charakterisierten und von James Purefoy und Michael Kenneth Williams großartig verkörperten Freunden, die ungewollt in eine Geschichte hineingezogen werden, deren bald eskalierender Wahnwitz sich noch in den ersten Folgen kaum abzuzeichnen wagt, insbesondere aber die zweite Staffelhälfte zu einem unerwartet blutigen Erlebnis macht, das sich hinter den Büchern des Kult-Autors kaum zu verstecken braucht, zumal selbst in der übelsten Situation auch hier der Humor nie zu kurz kommt.

8.5/10
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Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Savage Season (8/10)
02. The Bottoms (8/10)
03. The Dive (8,5/10)
04. Trudy (8,5/10)
05. War (9/10)
06. Eskimos (8,5/10)

 
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Hap and Leonard | Staffel 1 ist seit dem 23.05.16 exklusiv bei Amazon Prime Instant Video verfügbar.

  • Ist mir neulich bei Amazon Prime über den Weg gelaufen und findet jetzt wohl den Weg auf die Watchlist. Danke für den Tipp! :)

    • Und das Beste für Leute mit tendenziell eher weniger Zeit: es sind nur sechs Folgen!

      Bin sehr auf deine Meinung gespannt und ob wir da auch so konform gehen wie es sonst fast immer der Fall ist.

  • Stepnwolf

    Klingt nach einer Serie für meiner einer… :)

  • Uhh, klingt gut! James Purefoy ist ehh zumeist sehenswert!

    • Denke ich mir auch jedes Mal, Purefoy geht eigentlich immer und meine Freude, als ich gehört habe, dass er in einer Lansdale-Verfilmung die Hauptrolle spielen würde, kannst du dir wohl denken :)

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