Review: Kick-Ass 2 (Film)

Hui ist das spät geworden heute, aber passt ja, schließlich ist der heutige Film ja auch erst für Volljährige. Wobei, wenn wir danach gehen, hätte ich ja noch ne gute Dreiviertelstunde warten müssen, aber das seht ihr mir bestimmt nach.

Kick-Ass 2

Kick-Ass 2, USA/UK/JP 2013, 103 Min.

Kick-Ass 2 | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Jeff Wadlow
Autoren:
Jeff Wadlow (Drehbuch)
Mark Millar (Comic-Vorlage)
John Romita Jr. (Comic-Vorlage)

Main-Cast:
Aaron Taylor-Johnson (Dave Lizewski / Kick-Ass)
Christopher Mintz-Plasse (Chris D’Amico / The Motherfucker)
Chloë Grace Moretz (Mindy Macready / Hit Girl)
Jim Carrey (Colonel Stars and Stripes)
in weiteren Rollen:
Lindy Booth (Night Bitch)
Morris Chestnut (Detective Marcus Williams)
Claudia Lee (Brooke)
Clark Duke (Marty / Battle Guy)
Augustus Prew (Todd / Ass Kicker)
Donald Faison (Dr. Gravity)
John Leguizamo (Javier)
Olga Kurkulina (Mother Russia)

Genre:
Action | Komödie | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Kick-Ass 2 | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Seit Kick-Ass und Hit-Girl den Mafia-Boss Frank D’Amico zur Strecke gebracht, genauer gesagt mit einer Panzerfaust beschossen haben, ist einige Zeit ins Land gegangen und Dave Lizewski alias Kick-Ass hat beschlossen, bei Mindy alias Hit-Girl in die Lehre zu gehen, um gemeinsam mit ihr ein Helden-Duo zu bilden, doch als Mindys Ziehvater, Detective Marcus Williams – der nach dem Tod ihres Vaters für sie zu sorgen begonnen hat – von ihren Ausflügen ins Heldendasein Wind bekommt, verbietet er ihr diese strikt und Mindy leistet seiner Aufforderung zunächst Folge, was Kick-Ass wiederum dazu veranlasst, den Möchtegern-Helden von Justice Forever eine Chance zu geben, die allesamt durch Kick-Ass‘ Heldentaten inspiriert ebenfalls ein Kostüm übergeworfen und einen Schläger geschnappt haben, um allabendlich in den Straßen der Stadt für Recht und Ordnung zu sorgen.

Dave – also Kick-Ass – ist sofort angetan von der Gruppe um Colonel Stars and Stripes und insbesondere eine Heldin namens Night Bitch erregt seine Aufmerksamkeit, während Mindy die Probleme typischer Teenager kennenlernen muss, die sich als nicht minder gravierend und fordernd gestalten als der Kampf gegen ruchlose Finsterlinge. Apropos Finsterlinge gab es da ja auch noch den nicht gar so heldenhaften Red Mist, eigentlich Chris D’Amico, der bekanntermaßen durch Kick-Ass seinen Vater verloren hat und alsbald schon den Tod seiner Mutter betrauern muss, was ihn dazu verleitet, sein Heldendasein endgültig an den Nagel zu hängen und als ultrareicher und skrupelloser Superschurke Motherfucker ein Imperium des Schreckens zu errichten. Zwar stellen sich ihm die Mitglieder von Justice Forever alsbald tapfer entgegen, doch der Motherfucker beweist schnell, dass er mit deutlich härteren Bandagen zu kämpfen bereit ist, als es in der bisher doch eher spaßigen Superhelden-Szene üblicherweise der Fall gewesen ist…

Kick-Ass 2 | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Rezension:

Ich habe zugegebenermaßen meine Zeit gebraucht, mir Kick-Ass 2 zu Gemüte zu führen, doch ist mir der erste Teil tatsächlich noch in Erinnerung, weshalb es umso bedauerlicher ist, dass dessen Nachfolger zwar nicht dieselben Fehler wie der Vorgänger macht, dafür jedoch andere, die das Gesamtwerk zumindest bei Kenntnis der Comic-Vorlage, für die einmal mehr Kult-Autor Mark Millar verantwortlich gezeichnet hat, leider erneut unter anderen Gesichtspunkten etwas unausgegoren wirken lassen und das, obwohl der Umstand, dass man trotz dreijähriger Pause zwischen den Teilen den gesamten Cast für seine jeweiligen Rollen hat zurückholen können und hinsichtlich der Altersfreigabe anzudeuten imstande war, dass es diesmal noch härter und brachialer zur Sache gehen würde, eigentlich hätte vermuten lassen, dass die Macher ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Kick-Ass 2 | © Universal Pictures
© Universal Pictures

So wirkt Kick-Ass 2 in seiner Gänze zwar brutaler und kompromissloser – wobei ich ihm auch gerne verzeihe, dass die heftigsten Szenen des Comics es nicht in den Film geschafft haben, denn das hätte man nun wirklich nicht in diesem Medium erneut visualisieren müssen – , aber an den entscheidenden Stellen verkommt der Film dann doch bloß zu billiger Action-Klopperei, während weder die Bedeutung der neu hinzugekommenen Helden, die sich von Kick-Ass‘ Taten inspiriert gefühlt haben, wirklich ausgelotet wird, noch die hinlänglich bekannten Figuren eine merkliche Entwicklung durchmachen und teilweise beinahe out-of-character agieren, was damit zusammenhängen mag, dass diesmal der Regisseur Jeff Wadlow – wenn ich ihn seinerzeit für Cry_Wolf auch sehr gemocht habe – nun ebenfalls für das Drehbuch verantwortlich zeichnete und in erzählerischer Hinsicht leider nicht annähernd an einen Matthew Vaughn (X-Men: Erste Entscheidung) heranreicht und seine Befriedigung eher aus Einfällen wie beispielsweise Tasern, die unkontrolliertes Scheißen und Kotzen hervorrufen zieht, was doch den Film als solches oft auch unfreiwillig trashig wirken lässt, wo der erste Teil bei aller Härte noch zuweilen als diffizil gezeichnetes Coming-of-Age-Drama im Superhelden-Metier zu punkten wusste.

Erschwerend hinzu kommt, dass Aaron Taylor-Johnson (Godzilla) drei Jahre später als schmächtiger Teenager schon längst nicht mehr zu überzeugen weiß und die beeindruckend schockierende Wirkung von Hit-Girls Auftritten ebenfalls spürbar geschmälert wird durch den Umstand, dass Chloë Grace Moretz (Grow Up!?) sich in den wenigen Jahren eben auch vom Kind zur heranwachsenden Frau gewandelt hat. Immerhin Christopher Mintz-Plasse (Superbad) hat merklich Spaß an der Neuausrichtung seiner Rolle und spielt sich als absurd überzogener Superschurke im Sado-Maso-Outfit – das er im Schrank seiner Mutter gefunden hat – die Seele aus dem Leib und bei entsprechender Veranlagung in punkto Humor hält Kick-Ass 2 auch wirklich einige derbe Späße bereit, doch wirken dadurch eben die seltenen dramatischen Einschübe nur umso deplatzierter, von denen es aber allemal zu wenige gibt, um wirklich mit den Figuren mitfühlen zu können, weil selbst solche Szenen jäh unterbrochen werden von der nächsten Schlägerei, Verfolgungsjagd oder was auch immer.

Kick-Ass 2 | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Kick-Ass 2 ist mitnichten enttäuschend und Auftritte wie der von Mother Russia (Schauspiel-Debüt von Olga Kurkulina) machen eine Menge Freude, ebenso wie man sich an den wenigen Szenen mit Jim Carrey (Der unglaubliche Burt Wonderstone) ergötzen kann, der aber wiederum eine nicht annähernd so große Rolle im Film innehat, wie das Marketing im Vorfeld zu suggerieren versucht hat, während auch die vielen oft bewusst lächerlich skizzierten Pseudo-Helden und Schurken ihren Teil zum Unterhaltungswert beitragen, doch bleiben insbesondere selbige Figuren inklusive des von Donald Faison verkörperten Dr. Gravity ausnehmend blass, während Lindy Booth als Night Bitch und späteres Love-Interest von Dave „Kick-Ass“ Lizewski die einzige ruhmreiche Ausnahme bildet. So muss man sich darauf einstellen, dass die Chose mit allerhand gesichtslos bleibenden neuen Helden aufzuwerten versucht wurde, während dadurch auch das Finale dem des vorangegangenen Films trotz weitaus epischerer Ausmaße kaum das Wasser reichen kann, doch wenn man seine Erwartungshaltung eben dahingehend drosselt und akzeptiert, dass hier Action und Gewalt sowie (tiefschwarzer) Humor mehr im Vordergrund stehen als die Figuren und ihre Motivation, dann wird man sicherlich auch mit dem zweiten Teil seine Freude haben, auch wenn man zumindest bei Kenntnis der originären Comic-Story dem verschenkten Potential dennoch hinterhertrauern wird.

Fazit & Wertung:

Jeff Wadlows Kick-Ass 2 ist ohne Zweifel ein unterhaltsames und spaßiges Vergnügen für Freunde brutaler und schwarzhumoriger Streifen, doch täuscht der trashige Charme der Superhelden-Chose eben auch nicht darüber hinweg, dass noch der Vorgänger weit mehr war als nur eine blutiger Spaß, während hier die eingestreute Dramatik nur selten zu zünden weiß und die Charakterisierung der Figuren mehr als einmal auf der Strecke bleibt oder zugunsten eines unflätigen Witzes unterminiert wird, womit das Sequel wieder einmal beweist, dass mehr Blut, Gewalt und Exzess noch lange nicht den besseren Film ergeben.

6,5 von 10 Möchtegernsuperhelden im Strampelanzug

Kick-Ass 2

  • Möchtegernsuperhelden im Strampelanzug - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Jeff Wadlows Kick-Ass 2 ist ohne Zweifel ein unterhaltsames und spaßiges Vergnügen für Freunde brutaler und schwarzhumoriger Streifen, doch täuscht der trashige Charme der Superhelden-Chose eben auch nicht darüber hinweg, dass noch der Vorgänger weit mehr war als nur eine blutiger Spaß, während hier die eingestreute Dramatik nur selten zu zünden weiß und die Charakterisierung der Figuren mehr als einmal auf der Strecke bleibt oder zugunsten eines unflätigen Witzes unterminiert wird, womit das Sequel wieder einmal beweist, dass mehr Blut, Gewalt und Exzess noch lange nicht den besseren Film ergeben.

6.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Schlombies Filmbesprechungen: Sehenswert

Kick-Ass 2 ist am 19.12.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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