Review: Mortdecai – Der Teilzeitgauner (Film)

Und da wäre ich also wieder mit einer erneut vergleichsweise aktuellen Film-Review, doch dass es mitnichten so ist, wie Barney Stinson behauptet hat, dass neu immer besser ist, stellt dieser Film leider eindrucksvoll unter Beweis, wie ihr nachfolgend erläutert bekommen werdet. Einen schönen Abend wünsche ich aber natürlich trotzdem.

Mortdecai
Der Teilzeitgauner

Mortdecai, USA 2015, 107 Min.

Mortdecai - Der Teilzeitgauner | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
David Koepp
Autoren:
Eric Aronson (Drehbuch)
Kyril Bonfiglioli (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Johnny Depp (Mortdecai)
Gwyneth Paltrow (Johanna)
Ewan McGregor (Martland)
in weiteren Rollen:
Olivia Munn (Georgina)
Jeff Goldblum (Krampf)
Paul Bettany (Jock)

Genre:
Krimi | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Mortdecai - Der Teilzeitgauner | © STUDIOCANAL
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Der in Saus und Braus lebende Charlie Mortdecai steht ob seines dekadenten Lebenswandels kurz vor der Privatinsolvenz und als wäre dem nicht genug, hat er sich jüngst dazu entschlossen, seiner aristokratischen Ader mit einem gepflegten Moustache Ausdruck zu verleihen, der allerdings bei seiner Ehefrau Johanna einen kaum zu unterdrückenden Brechreiz auslöst. Während es daheim ob der behaarten Oberlippenpartie mehr als nur ein wenig kriselt, sieht Mortdecai immerhin alsbald die Chance gekommen, dem privaten Ruin zu entfliehen, denn als eine Kunst-Restauratorin hinterrücks ermordet wird und sich heraus kristallisiert, dass dies mit einem verschollen geglaubten Gemälde von Goya zusammenhängt, scheint das Glück zu dem windigen Kunsthändler zurückzukehren.

Auf der Rückseite des Gemäldes nämlich, so geht die Legende, habe NS-Propagandaminister Goebbels dereinst die Nummer eines Geheimkontos notiert und so lässt Mortdecai sich nicht lange bitten, als der MI5 in Gestalt von Inspector Martland an seine Türe klopft, weil er schließlich als Koryphäe auf dem Gebiet halblegaler Kunstgeschäfte gilt und das selbst obwohl Martland bereits seit längerer Zeit ein Auge auf Mortdecai geliebte Johanna geworfen hat. Doch Mortdecai wäre nicht Mortdecai, wenn er nicht von einem Schlamassel in den nächsten stolpern würde und es ist ein Glück für ihn, dass sein Diener Jock ihm stets treu zur Seite steht und das, obwohl er von seinem Dienstherren schon des Öfteren gerne mal versehentlich an- beziehungsweise abgeschossen worden ist…

Rezension:

Ich halte mich skurrilen Geschichten und Figuren gegenüber ja durchaus für aufgeschlossen und dass Johnny Depp (Rum Diary) gerade in den letzten Jahren weitaus mehr mit affektierten Figuren kokettiert, als sich ernsteren Rollen zu widmen, ist ja nun wahrlich kein Geheimnis und so dachte ich, Mortdecai würde mir womöglich besser gefallen als den Kritikern im Allgemeinen, doch muss ich mich in diesem Fall leider dem allgemeinen Tenor anschließen, denn David Koepps Gauner-Komödie auf Basis der in den Siebzigern von Kyril Bonfiglioli verfassten und veröffentlichten Romantrilogie kommt zu keinem Zeitpunkt über nette Unterhaltung hinaus, zumal deren Witz sich aufgrund seiner repetitiven Art doch recht schnell abnutzt, der noch dazu in seiner Mischung aus Slapstick und handzahmen Schenkelklopfern doch überraschend brav geraten ist, während sich die spleenige Attitüde der Hauptfigur recht bald als pures Kalkül entpuppt.

Szenenbild aus Mortdecai - Der Teilzeitgauner | © STUDIOCANAL
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Keine Frage, man merkt durchaus, dass nicht nur Johnny Depp mit Freude bei der Sache ist und mit Hingabe den blasierten und vorlauten, zu gleichen Teilen von seinem Moustache und seinem Ego vereinnahmten Möchtegern-Halunken gibt, doch ist das alles tatsächlich einen kleinen Hauch zu sehr over-the-top inszeniert, als dass es noch zu begeistern wüsste und so ist es schon bezeichnend, dass ausgerechnet Paul Bettany (Priest) mit seinem bierernst verkörperten Jock, der, nie um viele Worte verlegen, Mortdecai ein ums andere Mal aus der Patsche hilft und mit stoischem Gleichmut jegliche Schmach, Schläge und nicht zuletzt die Wort-Kapriolen seines Arbeitgebers zu ertragen weiß, die unumwunden beste Figur in Mortdecai darstellt, weil in diesem speziellen Fall der Kontrast zu dem ansonsten so comic-mäßig wirkenden Treiben so überaus gelungen ist. Zwar kann man auch weder Ewan McGregor (Jane Got a Gun) noch Gwyneth Paltrow (Iron Man 1-3) einen Vorwurf machen und im Rahmen ihrer Möglichkeiten wissen ihre Figuren zu gefallen und das eine oder andere Mal lässt die Chemie des ungewöhnlichen Dreiecks-Gespanns aus Depp, McGregor und Paltrow auch erahnen, wie gut der Film in der Theorie hätte werde können, doch gehen solche Momente in dem gewollten und forcierten Tohuwabohu schlichtweg gnadenlos unter.

So schlägt die Geschichte Kapriole um Kapriole und holpert und stolpert von einem Handlungsort zum nächsten, doch wirklich packen vermag davon nichts, zumal es eher dazu anregt, verwirrt zu sein, als sich gut unterhalten zu fühlen, zumal sich eben viele Elemente, aus denen der Film Witz zu generieren versucht, schlichtweg wiederholen und spätestens beim dritten Anlauf nun wirklich nicht mehr zu überraschen, geschweige denn zu belustigen wissen. Es lässt sich im Grunde gar nicht so recht greifen, weshalb die Mischung nicht aufgehen möchte, doch mag das bei Betrachtung aus einiger Entfernung schlicht und ergreifend daran liegen, dass bei Mortdecai der Wahnsinn viel zu sehr Methode zu sein scheint, die Skurrilität aufgesetzt und überzogen wirkt, die Figuren entweder übersteuert oder vernachlässigt wirken und die aberwitzigen Wendungen einzig dazu zu dienen scheinen, noch ein paar bewusst auf künstliches Aussehen getrimmte und folglich an Kulissen gemahnende Handlungsorte zu verlegen, während man als Zuschauer regelrecht dazu ermutigt wird, an der Zurechnungsfähigkeit von Mortdecai zu zweifeln, wobei sich dieser Gedankengang alsbald wie von selbst auf Regisseur und Film-Team auszuweiten beginnt, während am Ende wie gesagt einzig Paul Bettanys Figur dafür sorgt, dass der Film nicht gänzlich die Bodenhaftung verliert.

Szenenbild aus Mortdecai - Der Teilzeitgauner | © STUDIOCANAL
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Man kann sich Mortdecai ansehen, ganz ohne Frage, nur sollte man das nicht mit der Intention tun, einen wirklich guten oder witzigen Film zu sehen, denn so gewollt auf seicht getrimmte Unterhaltung ist mir lange nicht mehr untergekommen. Immerhin wird es ob der vielen Schlenker und dem Abwechslungsreichtum nie so langweilig, dass man wirklich versucht wäre, den Film abzubrechen, doch will auch bis zuletzt der Funke nicht überspringen, der bei so eigensinnigen Werken im Grunde zwingend vonnöten ist und sei es nur, damit man sagen kann, der Film sei so schlecht, dass er schon wieder gut wäre und folglich ein Guilty Pleasure, doch selbst diese Ehre bleibt Mortdecai in meinen Augen verwehrt, denn so schlecht – ich hoffe ihr wisst jetzt, wie ich das meine – ist er nicht, was wiederum die Enttäuschung noch vergrößert.

Fazit & Wertung:

An David Koepps Mortdecai kann man sehr schön beobachten, was passiert, wenn man einen Film mit der Intention macht, diesen und dessen Hauptfigur möglichst affektiert und skurril wirken zu lassen, denn während auf dem Papier alle Zutaten für unterhaltsame 100 Minuten vorhanden zu sein scheinen, will sich zu keinem Zeitpunkt das beabsichtigte Flair einstellen und trotz gut aufgelegter Darsteller wirkt das Gesamtergebnis bei all seiner Spleenigkeit merkwürdig unpersönlich und über die Maßen konstruiert.

5 von 10 Moustaches

Mortdecai - Der Teilzeitgauner

  • Moustaches - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

An David Koepps Mortdecai kann man sehr schön beobachten, was passiert, wenn man einen Film mit der Intention macht, diesen und dessen Hauptfigur möglichst affektiert und skurril wirken zu lassen, denn während auf dem Papier alle Zutaten für unterhaltsame 100 Minuten vorhanden zu sein scheinen, will sich zu keinem Zeitpunkt das beabsichtigte Flair einstellen und trotz gut aufgelegter Darsteller wirkt das Gesamtergebnis bei all seiner Spleenigkeit merkwürdig unpersönlich und über die Maßen konstruiert.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 4/10 Punkte

Mortdecai – Der Teilzeitgauner ist am 28.05.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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