Review: Mr. Nice (Film)

Und wieder ist es soweit, dass ich euch mit einem neuen Artikel (hoffentlich) erfreuen kann. Viel Spaß bei der Lektüre und einen schönen Abend euch! Und nur weil ich es gerade zufällig sehe, möchte ich schon mit ein wenig Stolz darauf hinweisen, dass dies hier nun mein 1700. Artikel ist.

Mr. Nice

Mr. Nice, UK/ES 2010, 121 Min.

Mr. Nice | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Bernard Rose
Autoren:
Bernard Rose (Drehbuch)
Howard Marks (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Rhys Ifans (Howard Marks)
Chloë Sevigny (Judy Marks)
David Thewlis (Jim McCann)
in weiteren Rollen:
Luis Tosar (Craig Lovato)
Crispin Glover (Ernie Combs)

Genre:
Biografie | Komödie | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Mr. Nice | © Koch Media
© Koch Media

Gleichermaßen unfreiwillig wie unbedarft stolpert Howard Marks als Student in die Kreise der Drogenkonsumenten und findet schnell Gefallen am Marihuana, das er recht bald ob einer Verkettung von Zufällen selbst zu verkaufen beginnt. Nachdem er für einen Freund einen Haschisch-Transport übernimmt und an dem schnellen Geld Gefallen zu finden beginnt, weitet er seinen Handel aus und wendet sich gar an die IRA, um mittels derer Hilfe Kontakte nach Afghanistan zu knüpfen. Das Geschäft floriert und Marks ist vollends auf der Höhe, wenngleich seine Frau Judy es nicht gerade gerne sieht, ihn in kriminellen Kreisen verkehren zu wissen, wenngleich Howard selbst ein ums andere Mal unterstreicht, schließlich nur mit weichen Drogen zu handeln und niemandem zu schaden, doch sieht das Gesetz dies freilich anders und immer häufiger taucht der Name Howard Marks auf den Fahndungslisten auf, während selbst sein Kontakt bei der IRA, der soziopathische Jim McCann zum Problem zu werden droht…

Rezension:

Von der verfilmten Biografie Mr. Nice habe ich mir ja im Vorfeld wie ich zugeben muss einiges versprochen, nicht nur, weil mich solche Biopics eigentlich schon sehr interessieren und es eine andere Atmosphäre während des Films erzeugt, zu wissen, dass sich das, was dort gezeigt wird, zumindest in Grundzügen so oder so ähnlich zugetragen hat, sondern auch, weil ich enorm große Stücke auf Rhys Ifans (The Amazing Spider-Man) halte, der mich eigentlich bisher noch nie enttäuscht hat und in speziell diesem Fall zudem eine nicht von der Hand zu weisende Ähnlichkeit mit dem echten Howard Marks hat, doch was vielversprechend beginnt, versandet leider zunehmend in einer Aneinanderreihung bald nur noch schwer zu durchschauender Episoden, deren Zusammenhänge sich nicht immer erschließen und die für sich genommen oft zwar durchaus gelungen sind, in der Summe aber kein annähernd kohärentes, geschweige denn konsistentes Bild zu zeichnen wissen und an einigen inszenatorischen Fallstricken kranken, bei denen es Regisseur und Autor Bernard Rose sicherlich gut gemeint haben mag, doch begünstigen sie den inkonsistenten Gesamteindruck leider noch zusätzlich.

Szenenbild aus Mr. Nice | © Koch Media
© Koch Media

So bedient sich Mr. Nice an Farbfiltern, künstlicher Körnung, Archivmaterial, Szenenmontagen und allerlei Schnickschnack mehr, um die 60er und 70er Jahre zum Leben zu erwecken, doch bei dem des Öfteren in Szenen hineinkopierten Rhys Ifans sieht das Ergebnis leider zu oft wie gewollt und nicht gekonnt aus, auch wenn man dies wohl für ein probates Stilmittel zu halten schien. Auch ein Wechsel des Bildformats scheint lediglich dem reinen Selbstzweck zu genügen, ebenso wie die in Schwarz-Weiß gehaltenen ersten Minuten des Films, in denen Howards Kindheit umrissen wird, wofür man sich übrigens ab einem recht frühen Stadium Ifans in seiner Rolle bedient hat, was ebenfalls zu reichlich Irritation und Unverständnis führt bei der Frage danach, was die Macher dazu bewogen haben mag, einen Schüler und später Studenten von einem zum Zeitpunkt des Drehs knapp über Vierzigjährigen spielen zu lassen. Hatte man Angst, man würde die Figur nicht wieder erkennen, wenn vom Kind zum Mann der Schauspieler gewechselt würde? Sollte dies den Umstand unterstreichen, dass die Vorgeschichte von der Person selbst in einer Rückblende erzählt wird und er sich deshalb dort wie sein älteres Alter Ego sieht? Ich weiß es nicht, aber funktionieren tut es leider kaum.

Aber auch wenn die eigentliche Geschichte in Fahrt kommt, wird recht schnell klar, dass Rose nicht recht gewusst haben mag, was er und in welcher Ausführlichkeit zu adaptieren imstande sein würde, denn während einzelne Szenen ungewöhnlich viel Raum einnehmen, springt die Geschichte andernorts über Wochen und Monate, teils gar Jahre in die Zukunft, werden Figuren eingeführt und fallengelassen, tauchen eventuell zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf oder auch nicht. Das alles hat nicht wirklich Hand und Fuß und so charismatisch und glaubhaft Rhys Ifans auch seine Rolle verkörpert und tatsächlich einen regelrechter Lichtblick in einem ansonsten merkwürdig kruden und fragmentarischen Film darstellt, gelingt es ihm doch in keiner Weise, dieses Stückwerk zu einem großen Ganzen zu verbinden, was aber eben nicht an seinem Unvermögen, sondern schlicht und ergreifend an einem oft unausgereift wirkenden Drehbuch liegt. Kürzungen und Straffungen sind sicherlich immer nötig und notwendig bei einer Buch-Adaption, speziell aber auch bei der Verfilmung einer Autobiografie, doch meint man, dass hier Vorwissen vorausgesetzt wird, das man bei Unkenntnis der Vorlage jedoch nicht haben kann, zumal es nicht Aufgabe des Zuschauers sein dürfte, sich im Vorfeld zu einem Film dessen Vorlage zu Gemüte zu führen (auch wenn ich persönlich tatsächlich mal mit dem Gedanken gespielt hatte).

Szenenbild aus Mr. Nice | © Koch Media
© Koch Media

Natürlich, speziell auf Seiten der Darsteller gibt es noch mehr Lichtblicke, einerseits Chloë Sevigny (American Horror Story) als Judy, Howards Frau, und andererseits David Thewlis (Stonehearst Asylum) als IRA-Anführer Jim McCann, doch gute Schauspieler allein machen eben bei allem Engagement noch lange keinen guten Film und der künstlerische Anspruch in der Inszenierung rutscht leider des Öfteren ins Prätentiöse, während sich ansonsten die Stationen im Leben von Howard Marks schon beinahe obligatorisch anfühlen und selten sinnstiftend miteinander verknüpft werden, zumal Mr. Nice auffallend leichtfüßig daherkommt und selbst die zunehmenden Gebrechen von Howard im gestiegenen Alter kaum eine Randbemerkung wert zu sein scheinen und es im Mittelteil wiederum lange Zeit so wirkt, als habe wirklich nichts auch nur annähernd ernste Konsequenzen. Das Marks zugesprochene Imperium bleibt derweil ebenso wenig greifbar, was zu verzeihen gewesen wäre, wenn einem zumindest dessen Wesen und Charakter nahegebracht würden, doch selbst hier gelingt dem Film leider kaum mehr, als Plattitüden und Versatzstücke aneinanderzureihen. Was bleibt ist ein rundherum überraschend durchschnittlich wirkendes Biopic, dessen künstlerischer Anspruch in der Inszenierung ihm weitaus häufiger schadet als nützt. Zwei Stunden Laufzeit scheinen dem Stoff zwar angemessen, doch hat Roses Film dennoch so seine Längen, während man sich des Öfteren fragen mag, ob nicht womöglich die falschen Szenen herausgekürzt worden sind.

Fazit & Wertung:

Bernhard Roses Mr. Nice, Verfilmung der Autobiografie von Howard Marks, kommt trotz eines unbestritten talentierten und auch großartig aufspielenden Rhys Ifans kaum über Mittelmaß hinaus und findet über die gesamte Laufzeit weder das richtige Tempo noch den richtigen Ton, um sich in irgendeiner Form von einschlägigen Biopics ähnlicher Machart abzuheben, zumal die oft überstilisierten und auf Dokumentation getrimmten Aufnahmen dem Flair des Films oft mehr schaden als nützen.

5,5 von 10 Drogen-Deals

Mr. Nice

  • Drogen-Deals - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Bernhard Roses Mr. Nice, Verfilmung der Autobiografie von Howard Marks, kommt trotz eines unbestritten talentierten und auch großartig aufspielenden Rhys Ifans kaum über Mittelmaß hinaus und findet über die gesamte Laufzeit weder das richtige Tempo noch den richtigen Ton, um sich in irgendeiner Form von einschlägigen Biopics ähnlicher Machart abzuheben, zumal die oft überstilisierten und auf Dokumentation getrimmten Aufnahmen dem Flair des Films oft mehr schaden als nützen.

5.5/10
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Mr. Nice ist am 25.11.11 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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  • Glückwunsch zu den 1700 Artikeln :)

    • Danke, dabei war das schon der von gestern, habe mich natürlich verguckt… 😀

  • Franzi

    Ahaha, ich kann deine Wertung absolut verstehen. Das Drehbuch ist mehr als holprig und der Film zieht sich dermaßen, aber in meinem Herzen hat er doch kleinen Platz. Hatte den in der Nacht vor einer Reise geschaut, weil ich nicht schlafen konnte. Dachte ich arbeite noch einen Film mit David Thewlis ab, war auch die perfekte leichte Unterhaltung die ich brauchte. Die Szene mit dem Schweineporno war aber zu viel für mein übermüdetes Hirn, so dass ich einen so lauten Lauchkrampf hatte, dass mein Reiskumpane davon wach wurde. Wie gesagt, der IRA-typ ist einfach 1000 Mal spannender als Howard Marks.

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