Review: Stolz und Vorurteil und Zombies | Jane Austen | Seth Grahame-Smith (Buch)

Und hier käme dann nun auch das Buch, das ich euch theoretisch schon letzte Woche hätte präsentieren können, wenn ich denn mehr Zeit zum Schreiben gefunden hätte, aber das kann ich ja jetzt alles nachholen, so eine Buch-Kritik läuft einem ja schließlich zum Glück nicht weg. Und damit entlasse ich euch dann auch zunächst einmal ins Wochenende und wünsche eine erholsame Zeit, bis wir uns demnächst hier hoffentlich wieder lesen werden.

Stolz und Vorurteil und Zombies

Pride and Prejudice and Zombies, USA 2009, 480 Seiten

Stolz und Vorurteil und Zombies von Jane Austen und Seth Grahame-Smith | © Heyne Verlag
© Heyne Verlag

Autoren:
Jane Austen
Seth Grahame-Smith
Übersetzerin:
Carolin Müller

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-50400-4

Genre:
Parodie | Historie | Horror | Romantik

 

Inhalt:

Während sich in England die Toten aus ihren Gräbern erhoben haben und seither das Land terrorisieren, was Mr. Bennet dazu veranlasst hat, seine fünf Töchter im fernen Osten in den tödlichen Künsten unterrichten zu lassen, trachtet dessen Frau nach nichts weiter, als ihre Töchter in möglichst lohnenswerte Ehen zu führen. Ihre Ältesten, Jane und Elizabeth, können die alte Leier zwar kaum noch hören und insbesondere Lizzie sieht es nicht ein, sich von einem Mann davon abhalten zu lassen, ihren heiligen Dienst unter der englischen Krone im Kampf gegen die untoten Heerscharen zu tun. Sich davon nicht irritieren lassend, hofft Mrs. Bennet aber insbesondere, als sich der adlige Mr. Bingley in einem nahegelegenen Herrschaftssitz einzurichten beginnt, ihn mit einer ihrer Töchter verkuppeln zu können. Die herzensgute Jane ist auch tatsächlich prompt angetan von dem sympathischen Mann, während Elizabeth mit dessen Freund und Vertrauten Mr. Darcy aneinandergerät, der sich neben seiner noblen Herkunft vor allem über seinen offensiven Hochmut auszeichnet.

Es ist eine allseits anerkannte Wahrheit, dass es einen Untoten, der im Besitz von Gehirn ist, nur nach einem verlangt: mehr Gehirn. Nie war diese Tatsache augenscheinlicher als während der jüngsten Übergriffe auf Netherfield Park, bei denen ein achtzehn Personen umfassender Haushalt von einer Horde lebender Toter abgeschlachtet und Stück für Stück vertilgt worden war.

Elizabeth, die sich von Mr. Darcy in ihrem Stolz beleidigt fühlt, trachtet prompt nach Satisfaktion, doch in Zeiten der oft unerwartet auf einen einstürmenden untoten Horden kann selbst eine im fernen China ausgebildete junge Frau nicht immer ihren Gelüsten nach Mord und Totschlag nachgeben. Während Jane und Mr. Bingley sich näher kommen, lernt Lizzy den stattlichen Wickham kennen, der mit Darcy eine gemeinsame Vergangenheit teilt und Ungeheuerliches zu berichten weiß. Während Elizabeth ob dieser Ausführungen einen immer größeren Groll gegen Mr. Darcy hegt, beginnt dieser zu realisieren, wie falsch er sie bei ihrer ersten Begegnung eingeschätzt hat und wie groß seine Faszination für die forsche und spitzzüngige junge Frau mittlerweile ist, so dass ihnen beiden Stolz und Vorurteil im Wege stehen… und Zombies…

Rezension:

Ich wusste ja im Vorfeld ziemlich genau, was mich bei Seth Grahame-Smiths Stolz und Vorurteil und Zombies erwarten würde, nicht nur, weil ich bereits vor Jahren aus Neugierde die gleichnamige Graphic Novel gelesen hatte, sondern auch, weil ich, wenn ich schon nicht die originäre Vorlage seitens Jane Austen kenne, doch zumindest durch die 2005er Verfilmung von Stolz und Vorurteil mit Keira Knightley genügend darauf vorbereitet war, was mich geschichtlich erwarten würde, denn objektiv ist der Erfolg dieses als Parodie und Mash-Up behandelten Buches kaum nachzuvollziehen, bekommt man schließlich im Grunde exakt das geboten, was der Titel suggeriert: Austens Klassiker, dem Gefühl nach in weiten Passagen Wort für Wort übernommen, ergänzt um Zombies, die übrigens im Roman selbst nie als solche bezeichnet, sondern als Unsägliche gehandelt werden. Die Aufmachung selbst ist derweil überaus gelungen, was sich insbesondere auf mehrere im Buch verstreute Zeichnungen bezieht sowie ein erhellendes Nachwort, das zu erörtern versucht, weshalb es nur naheliegend ist, dass Jane Austen als Wegbereiterin des Zombie-Genres gelten muss.

Mr. Bingley und Darcy verband eine enge Freundschaft, obgleich sie sich charakterlich so sehr unterschieden. Bingley war ein rundum angenehmer Mensch, wobei sein Freund ihm den scharfen Verstand voraushatte. Gleichzeitig war Darcy aber auch hochmütig, reserviert, verbissen, und seine Umgangsformen waren, obschon geschliffen, so doch nicht gerade gewinnend. In dieser Hinsicht war ihm sein Freund weit überlegen. Bingley wurde von allen gemocht, ganz gleich in welcher Gesellschaft er sich bewegte, Darcy hingegen erregte überall Anstoß.

Tatsächlich macht die Chose auch über weite Strecken durchaus Spaß, wenn man denn bereit und willens ist, sich der ungewohnt schwülstigen Sprache hinzugeben und damit leben zu können, dass in der Geschichte im Grunde herzlich wenig passiert, andererseits ein Faible für das Zombie-Sub-Genre hat oder auszubilden plant und dann macht der Roman vieles richtig, was den Unterhaltungswert betrifft, wenngleich auch das konstruierte Nachwort von Grahame-Smith nicht darüber hinwegzutäuschen vermag, dass man es schon durchaus mit trivialster Literatur zu tun hat. So gewinnt Stolz und Vorurteil und Zombies tatsächlich am meisten durch die Stärken des Originals und bewahrt sich genügend Einzigartigkeit und Charme, um eben auch in der Mash-Up-Variante gefallen zu können, während das Thema Zombies doch in den meisten Fällen recht lieblos in die Geschichte geworfen wird, die sich dadurch in ihrer grundsätzlichen Struktur auch kaum verändert, sondern nur hie und da um eine Begegnung mit den Unsäglichen ergänzt wird, während die Bennet-Schwestern eine Kampfausbildung im fernen China erhalten haben und man als Monsterschlächter selbstredend über ein Dojo verfügt und sich von Ninjas bewachen lässt.

Die meiste Zeit allerdings tangieren die untoten Horden die handelnden Figuren in kaum einer Weise und lapidar wird am Rande erwähnt, dass womöglich soeben wieder ein Stadttor gefallen ist, eine Schar von Bediensteten verspeist wurde oder ein Landstrich überrannt wurde, was hier dann auch die Regimentsbewegungen erklärt, die beispielsweise eben Wickham als schicksalsträchtige Figur in die Geschichte einführen. So musste ich zwar mancherorts wirklich schmunzeln, doch sind die Veränderungen zum Original nicht ausgeprägt genug wie mir scheint, um eine Lektüre gleich beider Werke zu rechtfertigen, während Grahame-Smith in vielen Momenten die Chance, die Geschichte in neue, unerwartete Bahnen zu lenken, ungenutzt verstreichen lässt. Vor allem aber, lässt man Elizabeth Bennet einmal außen vor, funktioniert die Verquickung der hier im Kampf ausgebildeten, stoischen wie tödlichen Schwestern, mit deren ursprünglichen Pendants in den seltensten Fällen wirklich, so dass man sich kaum vorstellen kann, wie die herzensgute Jane mit aller Härte gegen die Unsäglichen loszuschlagen bereit ist, während es die jüngeren und Schwestern ganz wie im Original an Besonnenheit, Ernsthaftigkeit und Reife mangeln lassen, derweil aber angeblich in den tödlichen Künsten unterwiesen worden sind. Zumindest ein wenig scheint dies auch dem Autor klar gewesen zu sein, denn der schlägt im Nachwort vor, sich als etwaige Abitur-Frage (eine der großartigsten Ideen des ganzen Buches!) mit Elizabeths zwei Persönlichkeiten auseinanderzusetzen und auszudeuten, was uns die Autorin – stammt Stolz und Vorurteil und Zombies schließlich seinen augenzwinkernden Ausführungen nach samt und sonders von Jane Austen selbst – damit sagen wollte.

Plötzlich hörte sie hinter sich ein schreckliches Quieken, das an ein Mastschwein bei der Schlachtung erinnerte. Elizabeth wusste sofort, was es damit auf sich hatte, und griff blitzschnell nach ihrem Dolch. Mit gezückter Klinge fuhr sie herum und sah sich mit den unerquicklichen Fratzen dreier Untoter konfrontiert, die mit ausgestreckten Armen und aufgerissenen Mündern auf sie zuwankten. Der Vorderste schien gerade erst verstorben zu sein, denn sein Totengewand war noch in recht gutem Zustand und die Augen noch nicht zu Staub zerfallen. Er bewegte sich überraschend flink auf sie zu. Als er nur mehr eine Armlänge von ihr entfernt war, stieß sie ihm den Dolch in die Brust und zog diesen mit einem Ruck nach oben durch. Die Klinge durchtrennte dem Untoten Hals und Gesicht und fuhr ihm geradewegs durch die Schädeldecke. Leblos sank er zu Boden.

So weist Stolz und Vorurteil und Zombies immer mal wieder ansatzweise satirische Züge auf, scheint sich aber auch in vielen Belangen merkwürdig ernst zu nehmen, was eben von der angedichteten Originaltreue noch unterstrichen wird, so dass das Endergebnis nicht immer zu überzeugen weiß und definitiv in die Kategorie der Bücher fällt, die man zwar gelesen haben kann, aber auch nicht muss. Immerhin die Geschichte um Elizabeth Bennet und den anfänglich so hochmütig wirkenden Mr. Darcy weiß auch hier zu gefallen und sorgt in weiten Teilen dafür, dass das Buch funktioniert und überzeugt, denn wenn man ehrlich ist, hätte es der Zombies zur Aufwertung der Geschichte nicht bedurft, zumal den Fans des Genres die Einschübe zu selten und harmlos sein werden, während sich die eher am historischen Stoff orientierten Leserinnen und Leser eher an den Gehirn verspeisenden, wandelnden Leichen stören dürfte, was die Frage nach der Zielgruppe des Buches weiterhin diffus bleiben lässt. Für mich war es ein kurzweiliges Vergnügen, wenn das Buch auch nicht ohne Längen auskommt, doch erschließt sich mir der Erfolg, der ja nun jüngst auch noch eine Verfilmung nach sich gezogen hat, nicht wirklich, denn dafür wurde aus den sich bietenden Möglichkeiten für meinen Geschmack zu wenig gemacht.

Fazit & Wertung:

Durch die Verquickung von romantisiertem Klassiker und einem ordentlichen Schuss Splatter und Trash gelingt Seth Grahame-Smith mit Stolz und Vorurteil und Zombies eine durchaus unterhaltsame Chose, doch fügen sich die Untoten-Versatzstücke nicht immer nahtlos in die Erzählung und der mögliche satirische Unterton wird zu keinem Zeitpunkt wirklich ausgereizt, weshalb die Lektüre nicht ohne Längen auskommt und hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt, zumal der bekannte Plot nur geringfügig variiert wird.

6,5 von 10 dahingemetzelten Unaussprechlichen

Stolz und Vorurteil und Zombies

  • Dahingemetztelte Unaussprechliche - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Durch die Verquickung von romantisiertem Klassiker und einem ordentlichen Schuss Splatter und Trash gelingt Seth Grahame-Smith mit Stolz und Vorurteil und Zombies eine durchaus unterhaltsame Chose, doch fügen sich die Untoten-Versatzstücke nicht immer nahtlos in die Erzählung und der mögliche satirische Unterton wird zu keinem Zeitpunkt wirklich ausgereizt, weshalb die Lektüre nicht ohne Längen auskommt und hinter ihren Möglichkeiten zurückbleibt, zumal der bekannte Plot nur geringfügig variiert wird.

6.5/10
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Weitere Details zum Buch und den Autoren findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag.

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Stolz und Vorurteil und Zombies ist am 09.05.16 im Heyne Verlag anlässlich der Verfilmung neu aufgelegt worden. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Ich bin tatsächlich mal auf die Verfilmung gespannt, nachdem mir das Comic schon nicht gefiel.

    • Mh, bei mir war es andersrum, dass ich den Comic gemocht habe und das Buch eher weniger, aber das weißt du ja. Auf die Verfilmung bin ich auch gespannt, auch wenn es mich nicht allzu sehr drängt, da reinzuschauen, wie ich gestehen muss.

      • Der Trailer wirkte sehr over-the-top, was aber im Stil wieder gut passen könnte – und Zombie nicht nur als „Nebenbeisache“, sondern zumindest als wahrnehmbare Gefahr.

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