Review: Suite Française – Melodie der Liebe (Film)

Und da wäre ich also schon wieder, um bei brütend heißen Temperaturen pflichtschuldigst meine neueste Film-Review zu kredenzen und euch einen schönen Donnerstagabend zu wünschen, der bekanntermaßen dem Tag vorangeht, der für die meisten von uns das Wochenende einläutet.

Suite Française

Suite Française, UK/FR/CA/BE 2014, 107 Min.

Suite Française | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Saul Dibb
Autoren:
Saul Dibb (Drehbuch)
Matt Charman (Drehbuch)
Irène Némirovsky (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Michelle Williams (Lucile Angellier)
Kristin Scott Thomas (Madame Angellier)
Matthias Schoenaerts (Lieutenant Bruno von Falk)
in weiteren Rollen:
Sam Riley (Benoit Labarie)
Ruth Wilson (Madeleine Labarie)
Tom Schilling (Lieutenant Kurt Bonnet)
Margot Robbie (Celine Joseph)
Lambert Wilson (Viscount de Montmort)
Alexandra Maria Lara (Leah)

Genre:
Drama | Romantik | Krieg

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Suite Française | © Universum Film
© Universum Film

Es ist das Jahr 1940 und während ihr Ehemann Gaston zum Kriegsdienst abberufen worden ist, verbleibt Lucille gemeinsam mit ihrer Schwiegermutter in der ländlich gelegenen Villa der Familie Angellier in der Nähe von Paris. In Abwesenheit des Sohnes und Ehemannes ist es Gastons Mutter ein Anliegen, Lucille die Geschäfte ihrer Familie näher zu bringen und sammelt Woche um Woche das Geld bei ihren Pächtern ein, während man allerorten noch bemüht ist, einen Hauch von Normalität aufrecht zu erhalten. Dann allerdings überschlagen sich die Ereignisse, Frankreich kapituliert und die Pariser Bevölkerung flieht aufs Land, kurz bevor auch die deutsche Besatzungsmacht dort eintrifft und sich in den Anwesen der hiesigen Bevölkerung einquartiert. Auch die Angelliers bleiben hiervon nicht verschont und bald belegt der Offizier Bruno von Falk das Arbeitszimmer des abwesenden Gaston mit Beschlag. Doch Bruno entpuppt sich gerade nicht als der herz- und gefühllose Nazi, den Lucille erwartet hätte und über ihre gemeinsame Leidenschaft für die Musik kommen sie und der Offizier sich langsam näher…

Rezension:

Was hätte Suite Française, die auf dem gleichnamigen, aber aufgrund des Todes der Verfasserin Irène Némirovsky in Auschwitz unvollendet gebliebenen Roman beruhende internationale Koproduktion für ein Film werden können: Williams‘ Figur der Lucile eröffnet mit lakonischem wie gleichermaßen lethargischem Off-Kommentar das Geschehen und umreißt in knappen Worten die Um- und Zustände im ländlichen Frankreich zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs. In ebenso präzisen wie stilsicher gefilmten Szenen wird innerhalb weniger Minuten das Geschilderte deutlich und eine beklemmende Atmosphäre beginnt sich breit zu machen, die mit einem unerwarteten Bombenangriff auf offenem Feld einen ungeahnten Schub erhält und schlussendlich in den Moment kulminiert, in dem die deutschen Besatzungstruppen, untermalt von dem Dröhnen sich im Gleichschritt bewegender Füße die Okkupation des bis dahin verschlafenen Örtchens vollenden und sich einem Geschwür gleich in den Köpfen und auch Häusern der Anwohner einnisten. So weit, so packend, deutet aber schon der deutsche Untertitel Melodie der Liebe in die Richtung, in die sich der Film entwickeln wird und auch wenn gegen eine Liebesgeschichte grundsätzlich nichts einzuwenden sein mag, ist diese hier leider nicht in allen Belangen gelungen und bekommt nicht den Raum zur Entfaltung zugestanden, der nötig gewesen wäre, um glaubhaft die sich erst zaghaft anbahnende Romanze zu schildern, wohingegen stattdessen eine Vielzahl an Nebenhandlungen vorgestellt werden, die teilweise allein schon das Potential für einen vielversprechenden Film gehabt hätten, sich aber ebenfalls nicht wirklich entfalten können, so dass man zwar die vielen guten Ansätze loben kann, in der Summe aber kein wirklich überzeugender Film entstanden ist.

Szenenbild aus Suite Française | © Universum Film
© Universum Film

So lernt man alsbald nach der Besetzung den von Matthias Schoenaerts‘ (The Loft) verkörperten Bruno von Falk kennen, der sich im Anwesen der Familie Angellier einquartiert und bald erste zarte Bande zu Lucile knüpft, sehr zum Ärger ihrer Schwiegermutter, doch davon abgesehen handelt Suite Française eben auch von Leah, einer jungen Mutter, die mit ihrer Tochter aus Paris geflüchtet ist, alles hinter sich lassen musste und nun versucht, vor den Deutschen ihr Judentum zu verbergen. Einen ebenfalls nicht unwichtigen Part übernimmt das verarmte Bauernpärchen Madeleine und Benoit Labarie, die sehr unter dem ihnen zugeteilten Offizier Kurt Bonnet zu leiden haben, der sich zudem alsbald an Madeleine heranzumachen beginnt, während er seinen Frust, in solch einer verarmten Hütte untergebracht worden zu sein, recht unverhohlen an den beiden auslässt. Last but not least wäre da zudem noch die von einer kaum wiederzuerkennenden Margot Robbie (The Wolf of Wall Street) gespielte Celine Joseph und der Viscount de Montmort sowie dessen Frau, bei denen Kurt Bonnet auch eigentlich hätte einquartiert werden sollen. All diesen Figuren wird zwar von zahlreichen namhaften und fähigen Darstellerinnen und Darstellern Leben eingehaucht und die sympathisch-internationale Besetzung, zu der unter anderem auch Alexandra Maria Lara (Rush) und Tom Schilling gehören, tut hierbei ihr Übriges, doch ändert das eben nichts an der Tatsache, dass die vielen Geschichten in nicht einmal zwei Stunden Laufzeit kaum mehr als angerissen werden.

Szenenbild aus Suite Française | © Universum Film
© Universum Film

Umso ärgerlicher wird, dass sich allerorten das Potential erkennen lässt, das Suite Française gehabt hätte, angefangen von einer hochwertigen und überzeugenden Produktion, einer atmosphärischen musikalischen Untermalung und einer grundsätzlich vielversprechenden und spannenden Grundidee, doch allzu oft rutscht Saul Dibbs Interpretation des Romans ins Kitschige, ja beinahe Pathetische und präsentiert sich zuweilen klischeebehafteter, als die Geschichte hätte sein müssen, so dass viele Geschehnisse doch nur allzu schnell vorherzusehen sind und auch die anfänglich so effektiv aufgebaute Atmosphäre voller Beklommenheit und Angst vor Repressalien funktioniert nur bis zu dem Moment, ab dem sich Lucile und Bruno langsam Vertrauen zu schenken beginnen, während auch die moralische Fragwürdigkeit, die mit dieser Verbindung einhergeht, die verhohlene Faszination oder unverhohlene Abscheu der anderen Bewohner des Ortes zumeist nur angedeutet werden und kaum spürbare Konsequenzen nach sich ziehen, so dass auch auf diesem Feld Chancen und Möglichkeiten verschenkt werden.

Szenenbild aus Suite Française | © Universum Film
© Universum Film

Nicht unerwähnt bleiben soll in der illustren Darsteller-Riege derweil auch der gleichermaßen fähige Sam Riley (On the Road), dessen Figur des Benoit Labarie zwar im weiteren Verlauf der Geschichte an Bedeutung gewinnt, sein Potential als Schauspieler aber nicht annähernd auszuschöpfen weiß. Möglicherweise hätte man besser daran getan, aus Suite Française eine beispielsweise sechsteilige Mini-Serie zu kreieren, um den unterschiedlichen Handlungssträngen Rechnung zu tragen, selbst wenn man dabei auf den einen oder anderen bekannten Namen hätte verzichten müssen, denn so bleibt die vermeintlich im Fokus stehende Liebesbeziehung in weiten Teilen pure Behauptung, während man sich bei so mancher Nebenhandlung fragen mag, ob es dem Film nicht dienlicher gewesen wäre, sie vollends aus dem Skript zu streichen, statt das Schicksal einer Handvoll weiterer Figuren in die Waagschale zu werfen, nur um deren Geschichte schlussendlich im Nirgendwo enden zu lassen. So schrammt Saul Dibbs Film nur knapp an einer mittelschweren Enttäuschung vorbei, denn selten ist das Ausmaß an verschenktem Potential und ungenutzter Möglichkeiten so deutlich zu Tage getreten wie hier, denn inszenatorisch wird man dem Film nur schwerlich einen Vorwurf machen können, während die Dramaturgie des Gezeigten dem gegenüber merklich abfällt.

Fazit & Wertung:

Saul Dibbs Verfilmung des unvollendet gebliebenen Weltkriegs-Dramas Suite française bemüht sich redlich und merklich, der Vorlage gerecht zu werden, doch scheitert leider in vielen Belangen kläglich daran, die vielen unterschiedlichen Handlungsstränge unter einen Hut zu bekommen und stimmig miteinander zu verknüpfen, so dass schlussendlich kaum einer der Parts des Films vollends überzeugen kann, der davon abgesehen aber zumindest stimmig besetzt und hochwertig produziert worden ist, was wiederum das verschenkte Potential nur noch offenkundiger macht.

6 von 10 Kompositionen am Piano

Suite Française

  • Kompositionen am Piano - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Saul Dibbs Verfilmung des unvollendet gebliebenen Weltkriegs-Dramas Suite Française bemüht sich redlich und merklich, der Vorlage gerecht zu werden, doch scheitert leider in vielen Belangen kläglich daran, die vielen unterschiedlichen Handlungsstränge unter einen Hut zu bekommen und stimmig miteinander zu verknüpfen, so dass schlussendlich kaum einer der Parts des Films vollends überzeugen kann, der davon abgesehen aber zumindest stimmig besetzt und hochwertig produziert worden ist, was wiederum das verschenkte Potential nur noch offenkundiger macht.

6.0/10
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