Review: Black Mass (Film)

Wieder einmal wird es Zeit für die allabendliche Bloggerei und da Amazon in letzter Zeit wieder recht freigiebig war mit lohnenswerten Sonderangeboten, kommen in nächster Zeit auch eine ganze Handvoll recht aktueller Filme oder zumindest Filme, die ich schon länger zu erwerben ins Auge gefasst hatte. Heute aber reden wir erst einmal über:

Black Mass, USA/UK 2015, 123 Min.

Black Mass | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Scott Cooper
Autoren:
Mark Mallouk (Drehbuch)
Jez Butterworth (Drehbuch)
Dick Lehr (Buch-Vorlage)
Gerard O’Neill (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Johnny Depp (James ‚Whitey‘ Bulger)
Joel Edgerton (John Connolly)
Benedict Cumberbatch (Billy Bulger)
Kevin Bacon (FBI Agent Charles McGuire)
Jesse Plemons (Kevin Weeks)
Peter Sarsgaard (Brian Halloran)
Dakota Johnson (Lindsey Cyr)
Corey Stoll (Fred Wyshak)
in weiteren Rollen:
Rory Cochrane (Stephen Flemmi)
David Harbour (John Morris)
Adam Scott (FBI Agent Robert Fitzpatrick)
Julianne Nicholson (Marianne Connolly)
W. Earl Brown (John Martorano)
Bill Camp (John Callahan)
Juno Temple (Deborah Hussey)

Genre:
Biografie | Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Black Mass | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Im Jahre 1975 ist der Gangster James "Whitey" Bulger im Bostoner Süden bekannt wie ein bunter Hund und obschon Bulger selbst Spitzel auf den Tod nicht ausstehen kann, wird er hellhörig, als sein früherer Freund John Connolly, der mittlerweile zum Agenten beim FBI aufgestiegen ist, ihm eine Allianz anbietet. Bulger sieht seine Chance gekommen, sich der verfeindeten italienischen Mafia zu entledigen und geht auf den Deal ein. Bulger allerdings weiß die Verbrüderung mit dem FBI zu seinem alleinigen Vorteil zu nutzen und liefert zwar die Konsequenz gnadenlos ans Messer, schert sich ansonsten aber wenig um Absprachen wie etwa die Bedingung, dass er keine Leute ermorden dürfe, so dass er und seine Winter-Hill-Gang bald die kriminelle Oberhand in Boston haben, während den Bundesbehörden die Hände gebunden zu sein scheinen und Connolly noch immer daran festhält, Bulger würde sich als nützlicher Verbündeter erweisen. Einschneidende Erlebnisse im Leben Bulgers lassen diese zudem mehr und mehr abstumpfen und verrohen, was es für Connolly zusehends schwieriger macht, mit ihm zu kooperieren, während sein Vorgesetzter beim FBI immer vehementer aus der Allianz resultierende Ergebnisse fordert…

Rezension:

Wie so viele vor ihm widmet sich Scott Cooper in seinem auf dem gleichnamigen Bestseller von Dick Lehr und Gerard O’Neill basierenden Film Black Mass einmal mehr dem organisierten Verbrechen und in diesem Fall der Person von James ‚Whitey‘ Bulger, der wohl auch schon für Nicholsons Figur in Departed Pate gestanden hat, doch überrascht Coopers Werk – wenn man sich einschlägige Biopics zu namhaften Gangstern so ansieht – mit einem vergleichsweise ungewöhnlichen Aufbau, denn entgegen der Erwartung widmet er sich gar nicht einmal so sehr dem Leben von Bulger, sondern konzentriert sich stark auf den Aspekt seiner Allianz mit dem FBI, so dass man wenig bis gar nichts darüber erfährt, wie der Bostoner Gangster zu Einfluss und Macht gekommen ist und ihn auch erst mit Mitte 40 kennenlernt, statt, wie es sonst üblich ist, zunächst eine Geschichte seines Aufstiegs, bestenfalls noch mit Off-Kommentaren seinerseits untermalt, präsentiert bekommt, was für sich genommen schon erfrischend wirkt. Stattdessen bedient sich das von Mark Mallouk und Jez Butterworth verfasste Drehbuch es Kniffs, die Geschichte aus der Sicht früherer Komplizen und Partner Bulgers aufzurollen, wenngleich dieser Ansatz im weiteren Verlauf mehr und mehr fallengelassen wird, was ein wenig schade ist.

Szenenbild aus Black Mass | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Überhaupt muss man auch bei Black Mass (wie bei dem zuletzt von mir vorgestellten und durchaus artverwandten Mr. Nice) sagen, dass die Geschichte zuweilen gehörig zerfasert wirkt und insbesondere einschneidende Ereignisse im Leben Bulgers zwar einen gewissen Raum zugestanden bekommen, nach dem Ende der Szene – mitunter dank Zeitsprung – beinahe augenblicklich jede Bewandtnis einbüßen. So lässt sich zwar unumwunden festhalten, dass Johnny Depp nach jüngsten Totalausfällen wie dem überzogen affektierten Mortdecai hier so großartig aufspielt wie vermutlich seit Jahren nicht mehr, als Figur des Whitey Bulger aber merkwürdig unnahbar bleibt, weil man das Geschehen doch bloß von außen zu betrachten imstande ist und nichts über die Beweggründe und das Innenleben des Gangsters erfährt, wobei sich insbesondere die Frage aufdrängt, wieso überhaupt es ihn reizt, die Grenzen des Gesetzes zu übertreten, denn von einem in Saus und Braus lebenden Mafiaboss ist hier nun wirklich keine Spur. Mehr und mehr wird aber auch klar, dass es sich hier mitnichten um das Biopic eines Gangsters allein handelt, sondern vielmehr den Abriss der damaligen Geschehnisse, wie sich anhand der Größe und Bedeutung der Rolle von FBI-Agent John Connolly – großartig verkörpert von Joel Edgerton (Jane Got a Gun) belegen lässt, der gefühlt mindestens ebenso viel Leinwandzeit beansprucht wie Bulger selbst und trotz seines zunehmend korrupter werdenden Handelns wohl noch am ehesten als Identifikationsfigur taugt und die Geschichte in weiten Teilen trägt.

Szenenbild aus Black Mass | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Weitestgehend verschenkt hingegen ist Benedict Cumberbatch (The Imitation Game) in seiner Rolle als Whiteys Bruder Billy, denn so charismatisch der britische Mime auch sein mag, hält das Drehbuch schlichtweg keine bahnbrechenden Szenen für ihn bereit, derweil er rein äußerlich nicht einmal annähernd dem echten Billy Bulger ähnelt, so dass zu mutmaßen bleibt, dass hier lediglich ein möglichst prestigeträchtiger Cast zusammengestellt werden sollte, denn ähnlich ergeht es Kevin Bacon (Super) – hier ebenfalls als FBI-Agent zu sehen – , doch hat seine Figur zumindest noch dramaturgische Bewandtnis. Umso überraschender ist es bei den verpassten Möglichkeiten, dass sich Black Mass dennoch atmosphärisch dicht präsentiert und trotz seiner unnahbaren Art in seinen Bann zu schlagen versteht, denn auch wenn die Geschichte zuweilen sprunghaft erscheint, hat man doch nicht das Gefühl, hier nur fragmentarisches Stückwerk geliefert zu bekommen, so dass gerade die Auslassungen wiederum auch das Gefühl verstärken, die Geschichte wäre wirklich auf Basis unterschiedlichster Zeugenaussagen rekonstruiert worden.

Szenenbild aus Black Mass | © Warner Home Video
© Warner Home Video

So ist Cooper mit Black Mass zwar mitnichten der große Wurf gelungen, doch bewegt sich der Film immerhin abseits ausgetretener Pfade, was auch dahingehend begrüßenswert ist, dass die Geschichte selbst tatsächlich viele Parallelen zu anderen Gangster-Stories aufweist und nicht unbedingt viele prägnante Alleinstellungsmerkmale besitzt, so dass zumindest die Art der Inszenierung dafür herhalten kann. Wenn aber von verschenkten Möglichkeiten und unterforderten Darstellern die Rede ist, muss ich neben Depp selbst aber noch jemanden als dem zuwiderlaufendes Gegenbeispiel anführen, denn der erst im letzten Drittel circa zum Geschehen hinzustoßende Corey Stoll als Fred Wyshak hat mich nach seiner schwachen Leistung in Ant-Man hier wirklich positiv zu überraschen gewusst, ebenso wie Julianne Nicholson (The Red Road) als Connollys Frau Marianne in einem ansonsten beinahe gänzlich maskulin dominierten Film Akzente zu setzen wusste. So ist der Genre-Film am Ende zwar viel eher Ensemble-Stück denn Gangster-Biografie geworden, wusste mich aber dank seines ihm eigenen Erzählduktus und der fraglos großartigen Besetzung durchaus zu überzeugen, wenn auch an mancher Stelle sicherlich noch merklich mehr möglich gewesen wäre, doch allein für einen endlich einmal wieder ernsthaft schauspielernden Johnny Depp bin ich so dermaßen dankbar, dass der Film schon jetzt einen Stein bei mir im Brett hat.

Fazit & Wertung:

Scott Coopers Black Mass entpuppt sich als eigenwilliger Genre-Beitrag, der durchaus seine eigene Herangehensweise an die Thematik findet und damit doch eine recht generische Geschichte gehörig aufzuwerten versteht, während Johnny Depp als Whitey Bulger so sehr überzeugt wie seit langem nicht mehr, als Figur aber dennoch auffallend unnahbar bleibt, wobei dies mehr dem Drehbuch als Depps Interpretation geschuldet sein dürfte. Davon abgesehen allerdings ein durchaus lohnenswerter Vertreter seiner Zunft, dem insbesondere der hochkarätige Cast und die stimmige Ausstattung und Inszenierung gut zu Gesicht stehen.

7,5 von 10 Hinweisen an das FBI

Black Mass

  • Hinweise an das FBI - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Scott Coopers Black Mass entpuppt sich als eigenwilliger Genre-Beitrag, der durchaus seine eigene Herangehensweise an die Thematik findet und damit doch eine recht generische Geschichte gehörig aufzuwerten versteht, während Johnny Depp als Whitey Bulger so sehr überzeugt wie seit langem nicht mehr, als Figur aber dennoch auffallend unnahbar bleibt, wobei dies mehr dem Drehbuch als Depps Interpretation geschuldet sein dürfte. Davon abgesehen allerdings ein durchaus lohnenswerter Vertreter seiner Zunft, dem insbesondere der hochkarätige Cast und die stimmige Ausstattung und Inszenierung gut zu Gesicht stehen.

7.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 5/10 Punkte
Filmaffe: 4/5 Punkte
Der Kinogänger: 7/10 Punkte

Black Mass ist am 18.02.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

%d Bloggern gefällt das: