Review: Männer, die auf Ziegen starren (Film)

Neben all den neuen Filmen muss auch ab und an mal Zeit für eine Wiederholungssichtung sein, so wie heute und speziell in dem Fall, dass ich den Film das letzte Mal gesehen habe, als er seinerzeit 2010 im Kino lief.

Männer, die auf Ziegen starren

The Men Who Stare at Goats, USA/UK 2009, 94 Min.

Männer, die auf Ziegen starren | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Grant Heslov
Autoren:
Peter Straughan (Drehbuch)
Jon Ronson (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
George Clooney (Lyn Cassady)
Ewan McGregor (Bob Wilton)
Jeff Bridges (Bill Django)
Kevin Spacey (Larry Hooper)
Ziege (Ziege)
in weiteren Rollen:
Stephen Lang (Dean Hopgood)
Robert Patrick (Todd Nixon)
Waleed Zuaiter (Mahmud Daash)

Genre:

Komödie | Krieg | Satire


Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Männer, die auf Ziegen starren | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Jüngst von seiner Freundin zugunsten eines anderen verlassen worden, schickt sich der Kleinstadt-Reporter Bob Wilton an, gefeierter Kriegsberichterstatter zu werden, um nicht nur sich, sondern auch seiner Ex seinen Mut zu beweisen. Doch kaum in der Fremde angekommen, macht Wilton durch einen aberwitzigen Zufall die Bekanntschaft von Lyn Cassady, der sich ihm als Jedi-Krieger vorstellt, Teil einer geheimen, vom US-Militär ins Leben gerufenen Spezialeinheit übersinnlich begabter Supersoldaten, der – obschon eigentlich im Ruhestand – sich auf eine geheime Mission geradewegs in die Wüste zu gehen anschickt und Bob bereitwillig unter seine Fittiche nimmt. Während die ungleichen Weggefährten sich ihren Weg durch die Wüste bahnen, beginnt Bob mehr und mehr über die sogenannte New Earth Army zu erfahren, die in den Siebzigern von einem Mann namens Bill Django ins Leben gerufen worden ist, doch in gleichem Maße, wie er mehr über die Kräfte der Jedi erfährt, beginnt er auch zunehmend an der Zurechnungsfähigkeit von Cassady zu zweifeln…

Rezension:

Was war die Erwartungshaltung seinerzeit hoch, als Männer, die auf Ziegen starren angekündigt worden ist, denn dass es hier reichlich abstrus zur Sache gehen würde, war einem nicht erst seit den ersten Trailern klar, die – wie das auch schon vor sechs Jahren üblich war – die mitunter lustigsten Szenen des Films vorweggenommen hatten. Doch nicht nur hinsichtlich des Titels machte das Regie-Debüt von Grant Heslov mehr als neugierig, denn der illustre Cast um Ewan McGregor, George Clooney, Jeff Bridges, Kevin Spacey und – ja – Ziege tat hierbei sein Übriges und tatsächlich ist es auch gerade jenem namhaften Cast zu verdanken, dass der Film nicht vollends in der Versenkung verschwunden ist, denn der erhoffte Erfolg stellte sich wohl nicht in dem erwarteten Maße ein und dass auf Heslovs Debüt bisher kein weiterer Film unter seiner Regie folgte, spricht eigentlich auch Bände. Dabei ist die von Jon Ronson verfasste Buchvorlage, die überwiegend aus Interviews und Abhandlungen realer Fälle besteht, bei denen das US-Militär tatsächlich versucht hat, paranormale Supersoldaten zu schaffen, ein dankbarer Fundus für Ideen und Anekdoten, die sich in Sachen Skurrilität ein ums andere Mal zu überbieten versuchen, doch wohnt dem Buch eben kein wirklicher Plot inne, weshalb hier auch kaum von einer Verfilmung die Rede sein kann sondern vielmehr von einer ausufernden Inspiration, während man auch dem fertigen Film mehr als deutlich anmerkt, dass dieser aus allerhand Einzelepisoden zusammengestückelt worden ist und der rudimentäre Plot nur dazu dient, eine Art roten Faden durch die absurden Ereignisse zu suggerieren. Trotzdem ist die Satire in meinen Augen weitaus besser als ihr Ruf und hat schon allein aufgrund ihrer augenzwinkernden Selbstironie auf ewig einen Stein bei mir im Brett.

Szenenbild aus Männer, die auf Ziegen starren | © STUDIOCANAL
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Durch die Geschichte geführt wird man von Ewan McGregor, der hier als Reporter Bob Wilton sozusagen das Alter Ego von Jon Ronson darstellt und viele der Ereignisse ergänzend aus dem Off kommentiert und sich langsam in die Materie der ominösen New Earth Army fuchst, zu der auch George Clooneys Figur des Lyn Cassady einst gehört hat und der wiederum fest davon überzeugt ist, über ausufernde Superkräfte zu verfügen, die eben Ziegen totstarren und Wolken zum platzen bringen können. Dabei entwickeln McGregor und Clooney tatsächlich eine unbeschreibliche Chemie und der Moment, in dem Cassady dem unbedarften Wilton eröffnet, ein Jedi-Krieger zu sein, was selbigen, immerhin von Obi-Wan-Darsteller McGregor in Star Wars Episode I-III verkörperten Reporter in tiefe Verwirrung stürzt, hat ohne Frage Kult-Charakter. Damit aber nicht genug, dass McGregor und Clooney sich so herrlich selbstironisch auf die Schippe nehmen, begeistert auch Jeff Bridges in einer Variation seines Dude aus The Big Lebowski, wenn er in einer sich durch den gesamten Film ziehenden Rückblende die New Earth Army gründet und von alternativen Kriegsführungsmethoden auf Basis von New-Age-Erkenntnissen schwadroniert, während auch Kevin Spacey, der später auch in Kill the Boss sein Faible für eher ungewöhnliche Rollen erneut bewiesen hat, als Fiesling gleichermaßen zu gefallen weiß.

Szenenbild aus Männer, die auf Ziegen starren | © STUDIOCANAL
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So reiht sich in diesem munteren Reigen Szene an Szene und Absurdität an Absurdität, ohne dass sich der Streifen groß mit einem stringenten Plot belasten würde, was einerseits die einzelnen Episoden unbelastet wirken lässt, andererseits aber natürlich der Dramaturgie des Gesamten nicht eben gut tut, denn so überzeugend die zahllosen Begegnungen am Wegesrand und die absonderlichen Kräfte der Supersoldaten auch sein mögen, verblasst der geschichtliche Überbau derart, dass man ihn sich vermutlich auch gleich hätte schenken können, weshalb Männer, die auf Ziegen starren aber eben auch ein gutes Stück hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt, denn gemessen am Thema und daran, dass es viele dieser Versuche und Initiativen wirklich gegeben hat, hätte aus dem Stoff wohl eine der großartigsten Satiren überhaupt werden können, doch auch so bleibt zumindest ein ungemein eigenwilliger und ungewöhnlicher Film, der sich wenig um Konventionen und guten Ton schert, mit seinem Humor zwar zuweilen auch etwas derb ist und einem vor dem Hintergrund realer Kriegsgeschehnisse und Foltermethoden auch das eine oder andere Mal das Lachen im Halse stecken bleiben lässt, zumal der anfangs so offensive humoristische Unterton im weiteren Verlauf mehr und mehr in den Hintergrund tritt, doch immerhin gelingt es Drehbuchautor Peter Straughan zum Ende hin, die parallel verlaufenden Handlungsstränge der Gegenwart – Clooney und McGregor in der Wüste unterwegs – mit dem der Vergangenheit – Bridges bei der New Earth Army – am Ende halbwegs stimmig zusammenlaufen zu lassen und so die Sache annähernd rund zu gestalten.

Szenenbild aus Männer, die auf Ziegen starren | © STUDIOCANAL
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Demnach hat also Männer, die auf Ziegen starren durchaus seine Mängel und Schwächen, macht in seiner unangepassten Art aber bei entsprechendem Humorverständnis ein ums andere Mal gehörig Laune, wie ich bei meiner erneuten Sichtung feststellen durfte, zumal immerhin die Einzelepisoden gespickt sind mit gesellschaftlichen wie popkulturellen Seitenhieben, bei der ich sicherlich auch nach dieser Sichtung noch längst nicht alle Querverweise entdeckt haben mag, doch das eigentliche Highlight sind in dem Fall wirklich die sich allesamt selbst aufs Korn nehmenden Stars, denen man die Freude an diesem abstrusen Reigen jederzeit anmerkt, was ein gehöriges Plus darstellen mag, gerade für einen Film, der geschichtlich eben doch ziemlich schwach auf der Brust sein mag und einzig von seiner skurrilen Prämisse zusammengehalten wird und die immerhin verstehen Heslov und Straughan aufs Äußerste auszuschlachten und damit zwar weder Kult-Komödie oder –Satire zu schaffen, aber doch einen durch und durch einzigartigen Film, der sich so schnell mit nichts vergleichen lassen können wird und wohl für immer der einzige bleibt, in dessen Main-Cast eine – nein, die – Ziege Erwähnung findet.

Fazit & Wertung:

Den Erwartungen wird Grant Heslov Buch-Adaption Männer, die auf Ziegen starren zwar nicht vollends gerecht und verschenkt ob des absurden und rudimentären Plots ein Stück seines Potentials, doch allein die selbstironische Spielfreude der namhaften Darstellerriege weiß zu überzeugen, ebenso wie die zahllosen, großartig skurrilen und teils brüllend komischen Einzelepisoden, die in der Summe einen zwar nicht ganz runden, aber dennoch ungemein unterhaltsamen Film ergeben.

7 von 10 totgestarrten Ziegen

Männer, die auf Ziegen starren

  • Totgestarrte Ziegen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Den Erwartungen wird Grant Heslov Buch-Adaption Männer, die auf Ziegen starren zwar nicht vollends gerecht und verschenkt ob des absurden und rudimentären Plots ein Stück seines Potentials, doch allein die selbstironische Spielfreude der namhaften Darstellerriege weiß zu überzeugen, ebenso wie die zahllosen, großartig skurrilen und teils brüllend komischen Einzelepisoden, die in der Summe einen zwar nicht ganz runden, aber dennoch ungemein unterhaltsamen Film ergeben.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 1/5 Punkte

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