Review: No Turning Back (Film)

Die neuen Fragen von der Gorana zu beantworten habe ich nicht geschafft und fühle mich von der Hitze – die soeben einem unerwarteten Platzregen gewichen ist – auch noch völlig erschlagen, doch bereits am Wochenende habe ich natürlich selbstredend eine neue Film-Kritik vorbereitet, die ich nun noch schnell zum Besten gebe, um dem täglichen Turnus Rechnung zu tragen, doch das wars von meiner Seite auch heute an Engagement, denn für mehr ist es einfach zu schwül.

No Turning Back

Locke, UK/USA 2013, 85 Min.

No Turning Back | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Steven Knight
Autor:
Steven Knight

Main-Cast:
Tom Hardy (Ivan Locke)
in weiteren Rollen:
Olivia Colman (Bethan [Stimme])
Ruth Wilson (Katrina [Stimme])
Andrew Scott (Donal [Stimme])
Ben Daniels (Gareth [Stimme])
Tom Holland (Eddie [Stimme])
Bill Milner (Sean [Stimme])

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus No Turning Back | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Ivan Locke, seines Zeichens Bau-Ingenieur, ist nach einem arbeitsreichen Tag drauf und dran, nach Hause zu fahren, um gemeinsam mit seiner Frau Katrina und den beiden Söhnen Eddie und Sean das Fußballspiel ihrer Lieblingsmannschaft anzuschauen, doch ein folgenschwerer Anruf von Bethan, mit der er während einer Betriebsfeier einen einmaligen Seitensprung hatte, verändert alles, denn Bethan ist schwanger und bereits auf der Entbindungsstation und Locke beschließt, das in seinen Augen einzig Richtige zu tun und zu ihr nach London zu fahren, um der Geburt seines dritten Kindes beizuwohnen. Auf der Fahrt gilt es allerdings nicht nur, seiner Frau ein Geständnis zu machen, sondern auch dafür zu sorgen, dass die für den nächsten Morgen avisierte Großlieferung Beton an seiner Baustelle ordnungsgemäß vonstattengeht…

Rezension:

Es ist mir immer wieder ein Fest, wenn ein Film dramaturgisch und inszenatorisch überrascht, eigenen Wege geht und dennoch rundherum zu überzeugen versteht, ganz so, wie es nun auch bei Steven Knights No Turning Back der Fall gewesen ist, denn so sehr ich Tom Hardy (Mad Max: Fury Road) auch schätze und so viele Filme ich mit ihm noch auf meiner Agenda stehen habe, so wenig hätte ich mir im Vorfeld vorstellen können, dass es dermaßen spannend, packend und intensiv sein könnte, ihm anderthalb Stunden bei nächtlicher Autofahrt zu beobachten, doch dank einer ausgeklügelten und dennoch unaufgeregten Geschichte, wunderbaren Kameraeinstellungen und großartigen Lichtspielereien zieht die Geschichte eines Mannes, der in einer schicksalsträchtigen Nacht eine nicht minder schicksalsträchtige Entscheidung trifft, vom ersten Moment an ihren Bann und es bedarf kaum ein paar Minuten, um den Ausgangspunkt für einen Plot zu schaffen, der sich in der Folge beinahe ausnahmslos im Auto des Protagonisten Locke – der dem Titel auch seinen Originaltitel Locke verliehen hat – abspielen wird, womit der von Knight nicht nur inszenierte sondern auch geschriebene Film zu einem Ein-Mann-Stück wird und Hardy alle Möglichkeiten eröffnet, mit rundweg überzeugendem Schauspiel zu punkten.

Szenenbild aus No Turning Back | © STUDIOCANAL
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Abgesehen von der Fahrt an sich sind es nämlich einzig die zahllosen Telefonate, die Hardy die Möglichkeit der Interaktion bieten und speziell im Original darf man sich hier über die Stimmen einiger bekannter Leute wie etwa Olivia Coleman (The Night Manager) oder Ruth Wilson (Suite Française) freuen, doch das eigentliche Highlight ist natürlich einzig Hardys diffiziles wie reduziertes Mienenspiel, das auch die eigentliche Bilder der nächtlichen Autofahrt vor der absoluten Belanglosigkeit bewahrt, doch ist No Turning Back ein so dermaßen im besten Sinne reduziertes Kammerspiel, dass sich auch gemessen an der doch sehr überschaubaren Laufzeit von nicht einmal neunzig Minuten nun wirklich keine Langeweile einzustellen droht, so man denn dem generellen Thema des Streifens aufgeschlossen gegenübersteht, denn es geht weder um Leben und Tod, noch die Rettung der Welt, nein, es geht um Entscheidungen und Konsequenzen, es geht um Integrität und darum, das Richtige zu tun, selbst wenn es für einen selbst bedeutet, Opfer bringen zu müssen und damit ist Knights Film weitaus näher am realen Leben als viele Filme heutiger Tage, doch setzt er sich damit natürlich auch der Gefahr aus, gemeinsam mit dem überraschungsarmen Szenenbild als trivial und belanglos abgetan zu werden.

So wird No Turning Back sicherlich auch dem einen oder anderen langatmig oder langweilig erscheinen, denn es sind Beziehungsgespräche, die hier geführt werden, ebenso wie es um Beton geht, C6 genauer, denn dass es diese spezielle Sorte für das Fundament des Gebäudes sein muss, dass Hardys Figur Locke quasi im Stich lässt, ist mit eine der wichtigsten Informationen, die er seinem Kollegen am Telefon mitzuteilen versucht. Was sich aber so lapidar anhört, weiß Hardy in seinem Spiel emotional derart aufzuladen, dass man selbst beim Thema Beton mitzufiebern beginnt, einfach weil es ihm ein persönliches Anliegen zu sein scheint und in der Beziehung nicht minder wichtig und tragend als die Klärung der prekären Situation mit seiner Frau, während ihm längst auch sein Chef im Nacken sitzt und im weiteren Verlauf aus immer anderen Ecken zunehmend drängendere Anrufe auf Locke einwirken und drohen, dass er vermehrt die Kontrolle über die Situation verliert und nur mehr reagieren kann, statt bewusste und kontrollierte Entscheidungen zu treffen, womit es Knight dann auch tatsächlich gelingt, den Suspense-Aspekt seines fahrbaren Kammerspiels auszubauen und die Schlagzahl gerade im letzten Drittel hochzutreiben, womit man nicht unbedingt rechnen würde, so beschaulich und getragen sich die erste Hälfte des Films gibt.

Szenenbild aus No Turning Back | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Dabei entwickelt sich das Geschehen in No Turning Back beinahe ausnahmslos in Echtzeit, was die Intensität des Erlebten noch einmal merklich verstärkt, zumal Hardy als wortwörtlich treibende Kraft eine ungemein stimmige Identifikationsfigur liefert, der man sich schnell verbunden und nahe fühlen kann, denn auch wenn selbiger einen Fehler begangen hat, müht er sich doch nach Kräften, das Richtige zu tun, für seine Taten einzustehen und gleichermaßen niemanden zu enttäuschen. Freilich ist dieser Anspruch zum Scheitern verurteilt und zum Ende des Films nicht annähernd jeder Konflikt aus der Welt geschafft oder gelöst, doch als durch und durch ungewöhnlicher wie eindringlicher Blick auf ereignisträchtige und einschneidende anderthalb Stunden im Leben eines Mannes ist dieser Film so fernab einschlägiger Produktionen angesiedelt und eigenwillig wie ungewöhnlich inszeniert, dass es wirklich ein Erlebnis ist, Tom Hardy dabei beobachten zu dürfen, wie es ihm gelingt, einen britischen Jedermann mit gehörig Ambivalenzen und inneren Konflikten aufzuladen und eine beeindruckende Leistung abzuliefern, die allein die Sichtung des Films schon wert sein dürfte.

Fazit & Wertung:

Steven Knights No Turning Back ist ein aufs Nötigste reduzierte, durch und durch ungewöhnlich inszeniertes Ein-Mann-Kammerspiel geworden, das fernab reißerischer Dramaturgie eine beinahe banale Geschichte erzählt, die dank Tom Hardys differenziertem Mienenspiel und seiner eindringlichen Performance zu einem regelrechten Erlebnis wird, das bis zuletzt zu packen versteht.

8 von 10 sich spiegelnden Straßenlichtern

No Turning Back

  • Sich spiegelnde Straßenlichter - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Steven Knights No Turning Back ist ein aufs Nötigste reduzierte, durch und durch ungewöhnlich inszeniertes Ein-Mann-Kammerspiel geworden, das fernab reißerischer Dramaturgie eine beinahe banale Geschichte erzählt, die dank Tom Hardys differenziertem Mienenspiel und seiner eindringlichen Performance zu einem regelrechten Erlebnis wird, das bis zuletzt zu packen versteht.

8.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 3/5 Punkte
Singende Lehrerin: 7,5/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 7/10 Punkte

No Turning Back ist am 23.10.14 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Ich fand den Film doch ein wenig anstrengender, aber letztendlich ähnlich gelungen.

    • Denke das ist gerade in diesem Fall auch von der Tagesform abhängig, denn das Geschehen kann sicherlich schnell ermüdend oder anstrengend wirken, aber mich hat der Streifen recht schnell gepackt und so richtig uneins sind wir uns ja auch nicht, wie du schon richtig sagst 😉

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