Review: The Walking Dead 6 | Robert Kirkman | Jay Bonansinga (Buch)

The Walking Dead – Graphic Novels, Serien, Bücher und mehr

The Walking Dead

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So, heute mal überraschend eine Buch-Review in petto, denn ich hatte schon länger vor, den Veröffentlichungsrhythmus beziehungsweise dessen Reihenfolge geringfügig anzupassen. Mal schauen, wie das so funktionieren wird, wenn künftig Buch-Kritiken immer mittwochs erscheinen.

The Walking Dead 6

The Walking Dead – Invasion, USA 2015, 432 Seiten

The Walking Dead 6 von Robert Kirkman und Jay Bonansinga | © Heyne Verlag
© Heyne Verlag

Autoren:
Robert Kirkman
Jay Bonansinga
Übersetzer:
Wally Anker

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-31728-4

Genre:
Endzeit | Drama | Horror

 

Inhalt:

Jeder, der schon einmal einen Beißer über den Haufen gefahren hat, wird einem erzählen, dass die Geräusche das mit Abstand Schlimmste sind. Es ist zweifelsfrei nicht leicht, solch ein horrendes Schauspiel mitzumachen, und der Gestank, der sich in jeder Ritze des Autos festsetzt, ist beinahe unerträglich. Und doch sind es die Geräusche, die einen danach Tag und Nacht verfolgen. Sie bestehen aus einem nicht enden wollenden schmierigen Knirschen und erinnern an das dumpfe Aufprallen einer Axt auf verfaultes, von Termiten zerfressenes Holz.

Woodbury ist verwüstet und von Beißern überrannt und nur dem vorausschauenden Handeln von Bob Stookey ist es zu verdanken, dass sich Lilly Caul und die anderen Überlebenden der Gruppe unter Tage in Sicherheit bringen konnten. Doch nicht nur die einstmaligen Bewohner des Ortes, sondern auch der verrückte Jeremiah Garlitz hat den Ansturm der Horden überlebt und flüchtet mit den kläglichen Resten seiner Anhänger, zumindest bis zu dem Moment, als sich Jeremiah erneut die Chance bietet, sich zum Rädelsführer einer Schar Überlebender aufzuschwingen, denn in dem Moment, als er erfährt, dass Lilly noch am Leben ist, sinnt Jeremiah auf Rache und fasst einen perfiden Plan ins Auge, der die Auslöschung der gesamten Gruppe zum Ziel hat…

Rezension:

Mit dem mittlerweile sechsten Band the Walking Dead – im Original zumindest marginal aussagekräftiger mit The Walking Dead: Invasion betitelt – nimmt die Geschichte um Lilly Caul und Woodbury ihren Fortgang, wobei es sich mittlerweile wohl eher um die Überreste von Woodbury handelt, nachdem die Ortschaft von einer Horde Beißer im vorangegangenen Buch überrannt worden ist und die Überlebenden sich dank der Vorarbeit von Bob Stookey in die nahegelegenen Tunnel haben flüchten können. Hier- so würde man meinen, setzt die Geschichte ein, doch hält selbige prompt eine Überraschung bereit, denn rund die ersten hundert Seiten erfährt man absolut gar nichts zu Lilly, Bob und Konsorten und begleitet stattdessen den zunehmend wahnsinniger werdenden, den Beißern ebenfalls nur knapp entkommenen Jeremiah Garlitz und die letzten Überlebenden seiner Selbstmord-Kirche, Stephen und Reese, doch so ungewöhnlich dieser Einstieg, der auch die neue Figur der Norma Sutters einführt, auch geraten sein mag, so lapidar sind viele der Ereignisse leider geraten, weshalb der Band eine ganze Weile braucht, um an Fahrt aufzunehmen.

»Kann mir jemand sagen…«, beginnt Jeremiah endlich beinahe flüsternd, ohne das Gebäude in der Ferne aus den Augen zu lassen. Eines der Fenster weiter hinten schimmert gelb, und aus dem Schornstein steigt ein dünner Rauchschleier in den heller werdenden Himmel. »Wie viel Munition haben wir aus Woodbury mitgenommen?«

Mit der Rückkehr zu den ehemaligen Bewohnern Woodburys wird es aber auch schnell spannender, zumal sich Bonansinga durchaus die Mühe macht, zu umreißen, wie sich Leben und Zusammenleben unter Tage gestaltet, wie es organisiert wird und welche Probleme es mit sich bringt, was ich in einem gewissen Rahmen immer als sehr interessant erachte, denn The Walking Dead ist ja schon immer nicht einfach nur ein aussichtsloser, nicht enden wollender Kampf gegen endlose Horden Untoter gewesen, sondern wird gerade durch die Berücksichtigung des Zwischenmenschlichen, das Gedankenspiel, wie ein Überleben in der Postapokalypse funktionieren könnte und nicht zuletzt auch eine gewisse psychologische Komponente geprägt gewesen. Dummerweise lässt der Autor diesen Ansatz aber recht bald zugunsten recht generischer Ausflüge zum Kundschaften und Proviant sammeln wieder fallen, bei denen man nach längerer Zeit auch das erste Mal wieder mit dem unerwarteten Tod einer Figur konfrontiert wird, was immerhin die Spannungskurve wieder ein wenig ansteigen lässt.

Dennoch habe ich The Walking Dead 6 als bisher schwächsten Band der Reihe empfunden, denn Jeremiah als Antagonisten umgehend zurückkehren zu lassen, ist nun nicht gerade überraschend und die neue Gruppe von Anhängern und Verbündeten, die er im Laufe der Geschichte um sich scharen wird, bleibt weitestgehend gesichtslos und in letzter Konsequenz auch ziemlich belanglos für den Sturm auf die Überreste von Woodbury, die dem Buch im Original auch seinen Titel Invasion verleiht. Dieser Angriff wiederum hält auch einige Überraschungen parat und punktet mit einigen spannenden Einfällen, doch aufgrund der Tatsache, dass das Finale gefühlt das letzte Drittel des Bandes einnimmt, ist diese Auseinandersetzung schlicht zu lang und letztendlich beinahe ermüdend geraten, während für Charakterzeichnung und –entwicklung herzlich wenig Zeit bleibt, so dass einzig Jeremiahs desolater – und längst bekannter – Geisteszustand zuweilen weitergehend umrissen wird und immerhin Norma Sutters mit einigen wenigen Szenen Profil verliehen bekommt, doch davon abgesehen muss man sich mit einer im direkten Vergleich relativ innovationslosen Geschichte anfreunden, die noch dazu nicht in allen Punkten stimmig und durchdacht scheint.

Es dauert nicht länger als ein paar Minuten – die Luft leuchtet auf, als ob Tausende von Feuerwerkskörpern abbrennen. Jeremiah schreitet rasch von einer Kirchenbank zur anderen und lässt entweder die Schädel mit Kugeln zerplatzen oder rammt sein Messer durch verrottete Nebenhöhlen, ehe die Gemeindemitglieder eine Chance haben, auch nur ein einziges Mal nach ihm zu schnappen. Stephen taumelt Richtung Tür, um das Schauspiel besser beobachten zu können. Dann bemerkt er Reese wenige Meter hinter sich im Altarraum; er kniet auf dem Boden und sieht mit weit geöffnetem Mund auf das fürchterliche Geschehen.

Denn in Sachen Logik scheint es Bonansinga im Fall von The Walking Dead 6 nicht allzu genau zu nehmen und nicht damit genug, dass der Band allein geografisch überhaupt keinen Sinn mehr zu machen scheint und einerseits beispielsweise suggeriert wird, bestimmte Figuren befänden sich weit fernab der sicheren Zuflucht in der Nähe von Woodbury, nur um andererseits gefühlte Minuten später scheinbar dutzende Meilen zurückgelegt zu haben, benimmt sich ausgerechnet die im Überlebenskampf mittlerweile versierte Lilly Caul auffällig häufig völlig entgegen ihrer besonnenen und umsichtigen Natur, nur um daraus fadenscheinige Plot-Devices zu generieren, die man sicherlich auch anders zustande gebracht hätte, als die bis dato langlebigste und mitunter cleverste Figur der reihe so völlig out-of-character agieren zu lassen. Dieses Ärgernis, zusammen mit dem zunehmend langatmiger werdenden Finale, das noch dazu dergestalt aufgebaut ist, dass ich nicht immer hätte bestimmen können, wer sich eigentlich gerade wo genau befindet und warum, was den Frustfaktor noch erhöht, machen diesen Teil der Reihe leider in meinen Augen zu einer mittelschweren Enttäuschung, denn trivialer und konstruierter habe ich den Überlebenskampf selten erlebt, derweil sich das Innenleben der Figuren aufs Nötigste beschränkt, so dass einzig ein überraschender und wirklich stimmig inszenierter Tod einer liebgewonnenen Figur die Sache noch ein wenig rausreißt, denn von derlei schockierenden Wendungen lebt die Reihe schließlich. Bleibt zu hoffen, dass der für Oktober diesen Jahres (in der amerikanischen Fassung) angekündigte siebte Band Search and Destroy wieder mit mehr frischen Ideen und Tiefe zu punkten versteht.

Fazit & Wertung:

Abgesehen von Teilbereichen ist The Walking Dead 6 leider enttäuschend überraschungsarm geraten und wartet mit einem vergleichsweise simplen, diesmal extrem actionlastigen Plot auf, dem im Laufe des letzten Drittels langsam aber sicher die Puste auszugehen droht, derweil von einer Weiterentwicklung der Story und ihrer Figuren kaum eine Rede sein kann. Leider in meinen Augen der bisherige Tiefpunkt der Reihe; zwar tendenziell unterhaltsam, aber doch auch oft unnötig langatmig.

6 von 10 wandelnden Toten

The Walking Dead 6

  • Wandelnde tote - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Abgesehen von Teilbereichen ist The Walking Dead 6 leider enttäuschend überraschungsarm geraten und wartet mit einem vergleichsweise simplen, diesmal extrem actionlastigen Plot auf, dem im Laufe des letzten Drittels langsam aber sicher die Puste auszugehen droht, derweil von einer Weiterentwicklung der Story und ihrer Figuren kaum eine Rede sein kann. Leider in meinen Augen der bisherige Tiefpunkt der Reihe; zwar tendenziell unterhaltsam, aber doch auch oft unnötig langatmig.

6.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag.

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The Walking Dead 6 ist am 13.06.16 im Heyne Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den folgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!


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