Review: Irrational Man (Film)

Auch heute lasse ich euch natürlich wieder nicht hängen und komme mit einer weiteren Film-Kritik daher, zur Abwechslung mal wieder was von Woody Allen, bei dem es ja sowieso noch einige Filme aus den letzten Jahren gibt, die es nachzuholen gilt.

Irrational Man

Irrational Man, USA 2015, 95 Min.

Irrational Man | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Regisseur:
Woody Allen
Autor:
Woody Allen

Main-Cast:
Jamie Blackley (Roy)
Joaquin Phoenix (Abe)
Parker Posey (Rita)
Emma Stone (Jill)
in weiteren Rollen:
Betsy Aidem (Jill’s Mother)
Ethan Phillips (Jill’s Father)

Genre:
Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Irrational Man | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Die Aufregung am College in Newport, New England ist groß, als sich der schier legendäre Philosophie-Professor Abe Lucas ankündigt, doch was er in intellektueller Hinsicht zu bieten hat, wird schnell unterminiert durch dessen desolaten Gesundheits- und Gemütszustand, denn der ewig trunkene Professor legt eine regelrecht selbstzerstörerische Ader an den Tag, was die Professorin Rita Richards nicht wirklich daran hindert, sich an den Mann heranzuschmeißen, derweil auch die blitzgescheite Studentin Jill Pollard alsbald ein Auge auf den Intellektuellen wirft, was ihrem Freund Roy natürlich nur allzu übel aufstößt. Mehr widerwillig lässt Abe sich auf eine Affäre mit Rita ein und liebäugelt gleichzeitig mit Jill, wenngleich sie ihn vor allem auf intellektueller Ebene ein ums andere Mal herausfordert. Der Freundschaft zu ihr ist es dann auch schließlich zu verdanken, dass Abe einen aberwitzigen Plan fasst, der tatsächlich sein Leben für immer verändern wird, wenn er auch später erfahren muss, dass seine zutiefst moralischen Beweggründe ausgerechnet bei Jill nicht gerade den erhofften Anklang finden…

Rezension:

Nachdem mich schon Woody Allens erzählerisches Leichtgewicht Magic in the Moonlight von 2014 wieder einmal und quasi wie zu erwarten zu begeistern wusste, wanderte recht schnell natürlich auch Irrational Man auf meine Wunschliste, ohne das mir etwas über den Inhalt bekannt gewesen wäre, doch nach der Lektüre einer kurzen Inhaltsangabe und spätestens nach Beginn des mit kaum über neunzig Minuten recht überschaubaren Films war klar, dass es dessen auch nicht bedurft hätte, denn das Grundgerüst des Films ist nun wirklich extrem stereotyp und wartet nicht gerade mit Innovationen auf, denn den Plot eines Uni-Professors, der mit einer seiner Studentinnen anbandelt ist nun nicht gerade das, was man innovativ oder neu nennen würde, doch Allen wäre eben auch nicht Allen, wenn es sich damit hätte und so lässt sich der Film trotz seiner knapp bemessenen Spielzeit im Grunde in zwei große Teile gliedern, die jeder für sich auch durchaus zu überzeugen wissen und typisches Allen-Flair verströmen, denen aber für die regelrechte Begeisterung ein wenig die Eigenständigkeit und das Überraschungsmoment fehlen.

Szenenbild aus Irrational Man | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Dass Irrational Man dennoch keine Enttäuschung geworden ist, hat man somit zuvorderst Woody Allens gewohnt pointierten und spitzzüngigen Dialogen zu verdanken, die hier mehr als einmal berühmte Philosophen zitieren oder als Diskussionsgrundlage aufs Trapez bringen, was dann zumindest einen Teil des inszenatorischen Reizes erklärt, denn so abgedroschen die Geschichte zunächst wirken mag, sind es doch die Überlegungen und Gedankenspielereien der handelnden Figuren, denen man einerseits gerne beiwohnt und die andererseits in die zweite, merklich anders gelagerte Hälfte des Films führen, bei dem man sich teils frappierend an Match Point erinnert fühlt, wenn der auch in der Summe etwas überzeugender war als Woody Allens derzeit noch (hierzulande) aktuellstes Film-Projekt, das im November von Café Society beerbt werden wird. Ein weiterer Grund dafür, dass man seinem 46. Spielfilm eine Chance geben kann, ist aber auch das Hauptdarsteller-Duo aus Joaquin Phoenix (Her), der nicht nur ordentlich Pfunde zugelegt hat für die Rolle des abgehalfterten Abe, sondern mit seiner grüblerisch-fatalistischen Attitüde restlos zu überzeugen versteht und natürlich Emma Stone (Birdman), deren Part als Allens Muse aber mit Blick auf seinen nächsten Film schon wieder ad acta gelegt werden kann, die hier aber als Jill mit herrlichem Charisma sogar gegen Schwergewicht (im wörtlichen wie übertragenen Sinne) Phoenix bestehen kann und einmal mehr die Gratwanderung aus Komödie und Drama mit Bravour meistert und damit Herz und Seele des Films darstellt, vor allem aber für Phoenix‘ Abe so etwas wie einen moralischen Gradmesser darstellt, was die beiden immer wieder in interessante Interaktion setzt.

Demgegenüber fallen die beiden anderen Hauptdarsteller, Jamie Blackley als Jills Langzeitfreund Roy sowie Parker Posey als Professorin Rita merklich ab, wenngleich letztere zumindest für den Fortgang der Geschichte noch einige Bewandtnis hat, denn wie gesagt vollzieht sich etwa nach der Hälfte des Films ein regelrechter Paradigmenwechsel und lässt Irrational Man noch einmal in einem neuen Licht erscheinen, just in dem Moment quasi, als das seichte und luftig-lockere Campus-Treiben eintönig zu werden droht, womit Woody Allen immerhin erneut Gespür für das richtige Timing beweist, doch auch wenn sich in der zweiten Hälfte eine gewisse Frischzellenkur des Geschehens nicht verleugnen lässt, ist das Treiben doch überwiegend generisch geraten und die sich anbahnenden Konsequenzen allesamt erahnbar und vorhersehbar, im Grunde bis hin zu der finalen Szene, die vermutlich als großes Überraschungsmoment gedacht war – und auch sicherlich bei einigen Zuschauern funktionieren wird – , sich aber im Grunde bereits zehn Meter gegen den Wind riechen lässt.

Szenenbild aus Irrational Man | © Warner Home Video
© Warner Home Video

Was bleibt ist ein netter, rundherum stimmig inszenierter und gleichermaßen besetzter Film, dem ein wenig Innovationswille gut getan hätte und der zwar seine Geschichte stimmig zu schildern weiß, ansonsten aber nur Altbekanntes in neuer Verpackung zu bieten hat und insbesondere versierten Film-Kennern kaum Neues zu bieten hat. Immerhin faszinierend ist es aber auf alle Fälle, wie der mittlerweile über achtzig Jahre alte Woody Allen es immer noch versteht, seinen Figuren jugendlichen Witz und Esprit zu verleihen, was sich insbesondere auf Emma Stones Figur und ihre Schwärmerei für Abe bezieht, doch wurde auch dieser Punkt schon oft von Allens Filmen untermauert und so bleibt nur zu sagen, dass wer mit Allens Œuvre bislang etwas anzufangen wusste, auch von Irrational Man sicherlich unterhalten werden wird, doch ist man von dem filmischen Tausendsassa auch viele weitaus bessere Filme gewohnt.

Fazit & Wertung:

Woody Allens mittlerweile 46. Spielfilm Irrational Man lebt in weiten Teilen von Joaquin Phoenix und Emma Stone, denn während sich die Dialoge ihre Verspieltheit und ihren Witz durchaus erhalten haben und die philosophischen Diskurse durchaus zu gefallen wissen, ist es leider der Plot, der trotz mehrerer Twists reichlich überraschungsarm und beinahe stereotyp daherkommt. In der Hinsicht wäre durchaus mehr drin gewesen, wenngleich es sich dennoch um einen schönen, aber eben nicht gerade außergewöhnlichen Film handelt.

6,5 von 10 philosophischen Diskuren über den Existenzialismus

Irrational Man

  • Philosophische Diskure über den Existenzialismus - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Woody Allens mittlerweile 46. Spielfilm Irrational Man lebt in weiten Teilen von Joaquin Phoenix und Emma Stone, denn während sich die Dialoge ihre Verspieltheit und ihren Witz durchaus erhalten haben und die philosophischen Diskurse durchaus zu gefallen wissen, ist es leider der Plot, der trotz mehrerer Twists reichlich überraschungsarm und beinahe stereotyp daherkommt. In der Hinsicht wäre durchaus mehr drin gewesen, wenngleich es sich dennoch um einen schönen, aber eben nicht gerade außergewöhnlichen Film handelt.

6.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Der Kinogänger: 7/10 Punkte

Irrational Man ist am 16.03.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Home Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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  • Innovationen habe ich hier eigentlich gar nicht vermisst, mich hat nur das ziemlich mißratene Ende wirklich genervt. Wie ich es, glaube ich (ohne extra nachzuschauen), auch in meiner Kritik (7 Punkte) geschrieben habe: Es wirkt, als hätte Allen eigentlich keine Ahnung gehabt, wie er das bis dahin so amüsant-makabre Treiben zu einem sinnvollen Ende bringen soll …

    • Ach, das Ende fand ich gar nicht so doof und eigentlich sogar ziemlich konsequent, ich konnte es eben nur schon Meilen gegen den Wind riechen… Vielleicht ist Innovationen auch das falsche Wort gewesen, aber das war mir alles schon zu bekannt, zu oft gesehen, zu wenig variiert, aber mit 0,5 Punkten Differenz sind wir uns ja grundsätzlich auch nicht uneinig.

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