Review: Legend (Film)

Es ist zwar schon was später, aber auch heute komme ich ausnahmsweise mal mit einer Film-Kritik ums Eck und wünsche viel Freude bei der Lektüre, während ich mir noch einen gemütlichen Samstagabend machen werde, den ich mir nach einem schönen, aber auch langen Tag verdient habe.

Legend

Legend, UK/FR/USA 2015, 132 Min.

Legend | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Brian Helgeland
Autoren:
Brian Helgeland (Drehbuch)
John Pearson (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Tom Hardy (Reggie Kray)
Tom Hardy (Ron Kray)
in weiteren Rollen:
Emily Browning (Frances Shea)
David Thewlis (Leslie Payne)
Duffy (Timi Yuro)
Christopher Eccleston (Nipper Read)

Genre:
Biografie | Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Legend | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Das Londoner East End ist in den 1960ern bereits fest in den Händen der Kray-Brüder, die mit ihrer skrupellosen Art schier jeden Widerstand zu brechen wissen, doch die so ungleichen Zwillinge beginnen sich langsam zu entzweien, als der charismatische Reggie Kray sich in die Sekretärin Frances verguckt und sie schließlich sogar heiratet, denn Frances erträgt den Druck ihres verbrecherischen Daseins nicht allzu lange und ihr zuliebe plant Ronnie, das verdiente Geld zu investieren, um sich ein legaleres Standbein aufzubauen, während seinem Bruder Ronnie Kray, kürzlich erst aus der Psychiatrie entlassen und zu unkontrollierten Wutausbrüchen neigend, es merklich lieber wäre, würden die alten Zeiten wiederaufleben, in der man allein mit Angst und Unterdrückung die Straßen der Stadt regiert. Während Ronnie das Kray-Imperium immer weiter in Verruf zu bringen beginnt, ist Reggie mehr und mehr damit überfordert, einerseits seine Ehe zu retten und andererseits seinen Bruder im Zaum zu halten…

Rezension:

Im selben Jahr, in dem Scott Cooper mit seiner Gangster-Biografie Black Mass an den Start ging und zuvorderst mit einem so eindringlich und überzeugend wie seit Jahren nicht mehr aufspielendem Johnny Depp zu punkten wusste, schickte sich Brian Helgeland gleichermaßen an, mit der Verfilmung der Geschichte der Kray-Brüder beim Publikum zu punkten und wartet mit einem noch ungleich größeren inszenatorischen Highlight auf, indem er Tom Hardy (No Turning Back) gleich beide Brüder darstellen lässt, die, obwohl Zwillinge, unterschiedlicher kaum sein könnten, wie sich während des Films zeigen wird, womit er gleichermaßen das geringfügig überzeugendere Gangster-Epos vorlegt, was nun nicht unbedingt an seiner stringenten Regie oder der überaus packenden Geschichte liegen mag, sondern weit mehr an der Art der Inszenierung, die oftmals dermaßen überhöht und stilisiert daherkommt, dass man meinen könnte, eine Comic-Verfilmung vorgesetzt zu bekommen, damit aber den Unterhaltungswert ebenso in die Höhe schraubt. Denn Legend ist eben nicht nur düster und zuweilen brachial brutal, sondern oft auch derb und gar überraschend witzig, wenn man sich denn für schwarzen und vor allem bitterbösen Humor erwärmen und damit leben kann, dass einem das Lachen auch gerne mal im Halse stecken bleibt, wenn unverhofft der Ton des Films ein weiteres Mal umschlägt.

Szenenbild aus Legend | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Von einer objektiven Warte aus betrachtet ist es natürlich nicht unbedingt richtig von Helgeland, speziell in Hinblick auf die Darstellung Reggie Krays um die Gunst des Publikums zu buhlen, dass sich schnell für den charismatischen Gangster erwärmen kann und erst im weiteren Verlauf auf dessen moralische Untiefen trifft, so dass man schon ein Stück weit mit den betuchteren Personen des damaligen London fühlt, die sich ebenso von der zwielichtigen Unterwelt angezogen gefühlt haben und es reizvoll gefunden haben mögen, sich im Dunstkreis der Krays umzutun. Hilfreich bei dieser zwar zweifelhaften, aber doch gelungenen Identifikation mit einem der Brüder ist natürlich die aus dem Off erzählende Frances Shea, mit der Reggie zu Beginn des Films anbändelt und die er später auch heiratet, denn ihre Leibe und Faszination für den Gangster lässt ihn natürlich schon automatisch in einem anderen Licht erscheinen, weshalb ich diesen Kniff für einen kleinen Geniestreich halte, zumal im Hinblick auf ein später eintretendes Ereignis im Film, doch wie immer befinden wir uns natürlich in einer spoilerfreien Zone. Gänzlich ohne Spoiler lässt sich aber zumindest sagen, dass Emily Browning (Pompeii), die hier Frances spielt und spricht, mich diesmal ein wenig enttäuscht hat, obwohl ich ja sonst von ihr sehr angetan bin, doch die Ausrichtung der Rolle, ihr Verhalten und ihre Manierismen gehen doch kaum über stereotype Vorstellungen hinaus und gerade im starken Kontrast zu dem großartig aufspielenden Tom Hardy bleibt sie diesmal auffallend blass und beliebig.

Hardys großartiges Spiel wird dabei zum ersten Mal offenbar, wenn man den völlig konträr zu seinem Bruder ausgerichteten Ronnie Kray kennenlernt, der in seiner gedrungenen, unterschwellig aggressiven und mürrischen Art so gar nichts mit seinem Bruder gemein hat und schnell das Fürchten lehrt, wobei der Konflikt der Brüder untereinander auch eines der beherrschenden Themen während des gesamten Films sein wird, denn so unterschiedlich die Krays an sich, so unterschiedlich sind auch ihre Wünsche und Ziele, gleichwohl die Mittel und Wege, mit denen sie diese zu erreichen trachten. Darstellerische Highlights sind in der Beziehung natürlich die Momente, in denen sich beide Brüder gleichzeitig auf der Leinwand befinden, sich unterhalten, in Interaktion treten, denn die Illusion ist tatsächlich perfekt gelungen und in Anbetracht des Kontrasts beider Figuren hätte es im Grunde gar nicht notgetan, beide mit demselben Darsteller zu besetzen, doch macht das die Sache natürlich noch glaubwürdiger, noch faszinierender und einmaliger, auch wenn ich jetzt nicht so tun möchte, als hätte es das in dieser Form nicht schon zigfach in Film und Fernsehen gegeben; selten aber so überzeugend.

Szenenbild aus Legend | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

So überzeugend aber die beiden Hardys abliefern, ist das natürlich noch kein Garant für einen guten Film, doch auch in der Hinsicht macht Legend vieles richtig und erzählt eine Geschichte, die um ihre Klischees weiß, zuweilen mit ihnen bricht, sie aber auch auf die Spitze zu treiben bereit ist, kommt zuweilen düster und brachial daher, ist sich um manche Gewaltspitze nicht zu schade, doch übertreibt es damit auch nicht und hat stets die Figuren selbst und deren Geschichte im Fokus, die sich zwar auch zuweilen sprunghaft fortentwickelt, doch dabei immer auch einen roten Faden erkennen lässt und damit deutlich konsistenter als beispielsweise der eingangs erwähnte Black Mass daherkommt. Vor allem aber weiß Helgeland sich bei seinem Film die Chemie der Krays untereinander zunutze zu machen und bei all der Härte und Brutalität einige fiese Lacher unterzubringen, die sich vortrefflich in das sowieso schon überstilisierte Ganze des Films betten, der dadurch zwar nicht eben zu einem wertvollen zeitgeschichtlichen Dokument wird, als zuweilen comic-artig wirkendes Gangster-Epos im London der 60er Jahre aber vortrefflich unterhält und vor allem mit seinem eigenwilligen wie einzigartigen Erzählton zu punkten versteht.

Fazit & Wertung:

Brian Helgeland hätte mit Legend eine dieser einschlägigen Gangster-Biografien abliefern können, doch wirkt sein oft stilisiert daherkommender, in Anbetracht des Themas oft überraschend (schwarz-)humoriger Film gänzlich anders als viele der einschlägigen Genre-Größen und wahrt sich nicht nur dank des Coups der Doppelbesetzung von Tom Hardy als Ronnie und Reggie Kray eine Eigenständigkeit, die man dieser Tage selten findet in diesem Genre, womit sein Reigen zwar nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte, sich aber doch merklich von ähnlich gelagerten Produktionen emanzipiert und ein von vorn bis hinten stimmig inszeniertes Gesamtwerk ergibt.

8 von 10 Auseinandersetzungen zwischen konträr veranlagten Geschwistern

Legend

  • Auseinandersetzungen zwischen konträr veranlagten Geschwistern - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Brian Helgeland hätte mit Legend eine dieser einschlägigen Gangster-Biografien abliefern können, doch wirkt sein oft stilisiert daherkommender, in Anbetracht des Themas oft überraschend (schwarz-)humoriger Film gänzlich anders als viele der einschlägigen Genre-Größen und wahrt sich nicht nur dank des Coups der Doppelbesetzung von Tom Hardy als Ronnie und Reggie Kray eine Eigenständigkeit, die man dieser Tage selten findet in diesem Genre, womit sein Reigen zwar nicht jedermanns Geschmack treffen dürfte, sich aber doch merklich von ähnlich gelagerten Produktionen emanzipiert und ein von vorn bis hinten stimmig inszeniertes Gesamtwerk ergibt.

8.0/10
Leser-Wertung 3/10 (1 Stimme)
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Legend ist am 12.05.16 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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