Review: Star Wars: Eine neue Dämmerung | John Jackson Miller (Buch)

Das Star Wars Universum

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Und wieder widmen wir uns dem Thema Star Wars und diesmal bin ich sogar ziemlich früh dran, denn das Buch, um das es heute gehen soll, schlägt dieser Tage erst in den einschlägigen Geschäften auf. Nicht, dass ich nicht auch noch genug nachzuholen hätte, doch diesmal so zeitig dabei zu sein, erfüllt mich schon ein wenig mit Stolz.

Star Wars
Eine neue Dämmerung

Star Wars: A New Dawn, USA 2014, 544 Seiten

Star Wars: Eine neue Dämmerung von John Jackson Miller | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
John Jackson Miller
Übersetzerin:
Michaela Link

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16072-1

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Roboterhaft marschierte Vidian jetzt über die Brücke. Anders ließ es sich nicht beschreiben. Er war genauso ein Mensch wie Sloane, aber große Teile seines Körpers waren ersetzt worden. Seine Arme und Beine waren gepanzert und sollten erst gar nicht den Eindruck erwecken, als handele es sich um natürliche Gliedmaßen. Sein majestätischer weinroter Rock und der knielange schwarze Kilt waren seine einzigen Zugeständnisse an die für einen Industriebaron in den Fünfzigern übliche Kleidung.

Einst war Kanan Jarrus ein Jedi-Padawan, doch nachdem die Order 66 ergangen war, sah er sich gezwungen, eine neue Identität anzunehmen und seither ein Leben auf der Flucht zu führen, ohne engere Bindungen und längere Aufenthalte. Jahre sind seitdem vergangen und Kanan verdingt sich auf dem abgelegenen Planeten Gorse als Frachtpilot, um abgebautes Thorilidium vom Mond Cynda nach Gorse zu transportieren. Just zu dieser Zeit – Kanan hat längst den Entschluss zum Aufbruch gefasst – erreicht ein imperialer Sternenzerstörer das System. An Bord der Cyborg und Effizienzexperte Count Denetrius Vidian und die Interimskapitänin Rae Sloane, die das Leben auf Gorse und Cynda für immer zu verändern drohen. Insbesondere durch die Taten der ebenfalls jüngst auf der Randwelt angekommenen Twi’lek-Pilotin Hera Syndulla wird Kanan ungewollt in die Fehde hineingezogen und macht alsbald die Bekanntschaft des gleichermaßen verrückt wie paranoid scheinenden Skelly sowie der Überwachungsspezialistin Zaluuna. Ehe er sich versieht, findet sich der Draufgänger und Lebemann Kanan im Visier der imperialen Streitkräfte wieder, die einen wahrhaft perfiden Plan verfolgen, die Effizienz des Thorilidium-Abbaus spürbar zu erhöhen…

Rezension:

Mit Star Wars: Eine neue Dämmerung liegt nun also auch der eigentlich erste Roman des neuen Kanons in deutscher Sprache vor und widmet sich, wie man anhand des Covers schon erraten kann, dem ersten Treffen zwischen dem ehemaligen Jedi-Padawan Kanan Jarrus und der Twi’lek-Pilotin Hera Syndulla, beide bekannt aus der Serie Star Wars: Rebels, wobei die Geschehnisse dieses Bandes wohl gute acht Jahre vor dem Einsetzen der Handlung der TV-Serie spielen. Bezüge auf die Serie kann ich nun ja aus Unkenntnis keine nehmen, doch immerhin zu Kanans Rolle kann ich zumindest ein Stück weit Stellung nehmen. Dessen Vergangenheit wird in John Jackson Millers Roman nur marginal beleuchtet, wenn auch immerhin kurz erwähnt wird, wer seine Jedi-Meisterin gewesen ist und dergleichen mehr, doch für derartige Infos greift man wohl ohne Frage besser zu dem bei Panini erschienen Comic-Band Kanan – Der letzte Padawan, wo genau diese Geschehnisse thematisiert werden und wo ich zumindest einen kurzen Blick auf Hera erhaschen konnte.

In den vergangenen Wochen hatte der für die Optimierung der Abläufe zuständige Mann des Imperiums eine verheerende Schneise durch den gesamten Sektor geschlagen – zur »Verbesserung der Effizienz«. Von drei Welten, die er zuvor besucht hatte, hatten Gesinnungsgenossen von Hera im HoloNetz davon berichtet, dass das Maß des Leidens unter Vidians elektronischen Augen unerträgliche Dimensionen angenommen habe. Dann waren diese Leute einfach verschwunden. Das hatte Heras Interesse angestachelt, und als sie vom Besuch des Grafen auf Gorse erfahren hatte, hatte sie sich entschieden hierherzukommen.

Das soll aber natürlich nicht heutiges Thema sein, sondern lediglich den Rahmen umreißen, in den sich Eine neue Dämmerung gebettet sieht, wenngleich ich gerade als Nichtkenner der Serie sagen kann, dass die Lektüre auch wunderbar ohne Vorkenntnisse oder dergleichen funktioniert, im Umkehrschluss wohl aber auch die Serie nicht großartig aufwerten dürfte, da man im Grunde lediglich erfährt, wie Kanan und Hera "zueinander" gefunden haben. Die Verweise auf Kanans Vergangenheit hingegen gehen Hand in Hand mit den Geschehnissen aus dem genannten Comic, was mir schon einmal sehr gut gefallen hat und hoffen lässt, dass mit einem Anwachsen des Umfangs der neuen Kanon-Werke derartige Überschneidungen und Referenzen öfter vorkommen werden. Davon abgesehen ist John Jackson Miller schlicht und ergreifend ein durchweg stringent konzipiertes und ungemein wendungsreiches Weltraum-Abenteuer gelungen, dessen Worldbuilding sich zwar lediglich auf den Planeten Gorse, dessen Mond Cynda sowie das Calcoraan Depot beschränkt, diesbezüglich aber eine ungemein stimmige, schlüssige Welt schafft.

Hauptfigur Kanan Jarrus war mir ja nun kein Unbekannter und so wurde ich auch recht schnell warm mit dem Protagonisten, der davon abgesehen in knappen wie präzisen Schilderungen stimmig umrissen wird, während neben Hera zudem noch die Sullustanerin Zaluuna und der über die Maßen paranoid inszenierte Skelly, dessen Verhalten mir zuweilen einzig ein wenig over-the-top angesiedelt schien, wenn sich das auch im weiteren Verlauf relativiert hat. Über deren Rollen allerdings schweige ich mich bewusst aus, denn es dauert einige Zeit, bis die einzelnen Handlungsstränge zusammenlaufen, doch was woanders oft verwirrend und konstruiert wirkt, bringt Jackson Miller so nonchalant an den Mann, dass es eine Freude ist. Auffällig ist aber auch, dass ihm mit Count Denetrius Vidian, einem Cyborg, der als Effizienzexperte des Imperiums fungiert sowie der nicht minder interessanten Figur der Interimskapitänin Rae Sloane gleich zwei vielischichtige und interessante Figuren auf Seiten des Imperiums gelungen sind, wobei Vidian unzweifelhaft die Nase vorn hat und das Zeug haben dürfte, sich in die Riege der ganz großen Schurken zu spielen, denn nicht nur seine Vita – die im Verlauf des Romans einige zwar recht vorhersehbare Rätsel aufwerfen wird – sondern auch sein irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn angesiedelter Charakter, dem man gerne sadistische Züge unterstellen würde, was dadurch misslingt, dass er alles lediglich aus dem Blickwinkel der Effizienz heraus betrachtet, machen ihn zu einer ungemein spannenden Figur und einem glaubhaft mächtigen Widersacher.

Es war Wahnsinn. Cyndas langgestreckte, ellipsenförmige Umlaufbahn bedeutete, dass sich die Entfernung zwischen dem Mond und Gorse täglich veränderte. Tage wie heute, an denen der Abstand gering war, machten den Raum zwischen den Welten zu einem überfüllten Durcheinander von Raumschiffen und den Flug von einer zur anderen zu einem gemeingefährlichen Todesrennen. Und das Auftauchen des Sternzerstörers und seine Vernichtung des Frachtschiffs hatten eine regelrechte Massenpanik im Weltraum ausgelöst. Ein Wettrennen mit zwei verängstigten Gruppen, die in entgegengesetzte Richtungen unterwegs waren und auf denselben Flugkorridoren aufeinander zuschossen.

Apropos Vidian war ich übrigens auch überrascht, wie roh und brutal es zuweilen in Eine neue Dämmerung zugeht, denn ebenfalls dem Cover sowie dem Zielpublikum der TV-Serie geschuldet, hatte ich mir doch eine tendenziell auch kindgerechte Geschichte erwartet, doch weit gefehlt, liegt es John Jackson Miller nicht nur daran, eine glaubhafte und eben zuweilen gefährliche und bittere Welt zu inszenieren, sondern auch eine erwachsene, von politischen Motivationen über persönliche Beweggründe motivierte Figurenzeichnung zu betreiben, die ebenso vielschichtig daherkommt wie der Plot des Romans, der von den grausamen Methoden des Imperiums über Themen wie totale Überwachung, autoritäre Willkür und wirtschaftliches Kalkül in allen Punkten erwachsen und durchdacht agiert. Einzig zu monieren – wenn überhaupt – , wäre vielleicht, dass nicht jede Wendung und jede Offenbarung auch nur annähernd so überraschend daherkommt, wie man sich das vielleicht vorgestellt hätte, ebenso wie die Geschichte, so stimmig und spannend sie auch sein mag, einmal mehr herzlich wenig zum Gesamtkontext des Star Wars-Universums hinzuzufügen weiß, doch stehen wir hier ja nun einmal erst ganz am Anfang des neuen Kanons und zumindest die Planung der Geschichte fand vor der schlussendlichen Entscheidung des "Neustarts" des Franchise statt, weshalb diese Punkte auch nicht sonderlich abwertend ins Gewicht fallen sollten.

Fazit & Wertung:

Selbst bei Unkenntnis der TV-Serie Rebels überzeugt John Jackson Millers Star Wars: Eine neue Dämmerung in beinahe allen Belangen und offeriert eine spannungsgeladene wie temporeiche Geschichte voller Wendungen und Überraschungen, die noch dazu mit ausgefeilten Protagonisten wie auch Antagonisten sowie einer stimmig konzipierten Welt zu punkten versteht. Ein gelungener wie vielversprechender Auftakt des neuen Kanons, wenn auch hierzulande verspätet erschienen.

8,5 von 10 Thorilidium-Lieferungen von Cynda nach Gorse

Star Wars: Eine neue Dämmerung

  • Thorilidium-Lieferungen von Cynda nach Gorse - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Selbst bei Unkenntnis der TV-Serie Rebels überzeugt John Jackson Millers Star Wars: Eine neue Dämmerung in beinahe allen Belangen und offeriert eine spannungsgeladene wie temporeiche Geschichte voller Wendungen und Überraschungen, die noch dazu mit ausgefeilten Protagonisten wie auch Antagonisten sowie einer stimmig konzipierten Welt zu punkten versteht. Ein gelungener wie vielversprechender Auftakt des neuen Kanons, wenn auch hierzulande verspätet erschienen.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars: Eine neue Dämmerung erscheint am 15.08.16 im Blanvalet Verlag. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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