Review: Kiss the Cook – So schmeckt das Leben (Film)

Falls jemand dachte, ich würde heute untätig bleiben, freue ich mich, ihn oder sie nun eines Besseren belehren zu können, denn natürlich gibt es auch heute wieder einen Artikel, doch lag der mir wieder einmal sehr am Herzen, weshalb ich dem Text noch ein wenig Feinschliff angedeihen lassen musste, um den Film auch wirklich ins rechte Licht zu rücken.

Kiss the Cook
So schmeckt das Leben

Chef, USA 2014, 114 Min.

Kiss the Cook - So schmeckt das Leben | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
Jon Favreau
Autor:
Jon Favreau

Main-Cast:
Jon Favreau (Carl Casper)
Sofía Vergara (Inez)
John Leguizamo (Martin)
Scarlett Johansson (Molly)
Oliver Platt (Ramsey Michel)
Bobby Cannavale (Tony)
Dustin Hoffman (Riva)
Robert Downey Jr. (Marvin)
in weiteren Rollen:
Amy Sedaris (Jen)
Emjay Anthony (Percy)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Kiss the Cook - So schmeckt das Leben | © Koch Media
© Koch Media

Carl Casper war einst gefeierter Star unter den Köchen, doch im Laufe der Jahre sind er und seine Hilfsköche Martin und Tony mehr und mehr unter die Fittiche ihres Bosses Riva geraten, dem allzu ambitionierte Gerichte ein Graus sind und der mehr auf Altbewährtes setzt. Als sich ein renommierter Foodblogger und Restaurantkritiker ankündigt, bahnt sich gleichermaßen die Katastrophe an denn wieder einmal sind Carl und Riva sich des Menüs völlig uneins und es kommt, wie es kommen muss und Carls Kochkünste werden schier in der Luft zerrissen, woraufhin das Zerwürfnis zwischen Restaurantchef und Chefkoch nicht lange auf sich warten lässt. Auch auf Anraten seiner Freundin und Kollegin Molly beschließt Carl, sich wieder seinen Wurzeln zuzuwenden und nimmt zähneknirschend gar die Hilfe von Marvin, des Exfreundes seiner Exfrau Inez an und bald steht der versierte Koch vor einem nur allzu heruntergekommenen Foodtruck, den es auf Vordermann zu bringen gilt, doch sein Freund Martin, ebenso wie Carls Sohn Percy lassen sich nicht lange bitten und packen tatkräftig mit an und schon bald erregt Carl mit seinen Gerichten die Aufmerksamkeit der kulinarisch interessierten Massen, während sein fahrbares Restaurant "El Jefe" seinen Siegeszug durch den amerikanischen Süden antritt…

Rezension:

Jon Favreaus Kiss the Cook, auf den ich mal wieder viel zu spät überhaupt aufmerksam geworden bin und der mal wieder einen ungemein unsäglichen "deutschen" Titel bekommen hat und eigentlich viel treffender schlicht Chef heißt, war für mich eine der Überraschungen der letzten Zeit, denn auch wenn die Story des Films zugegebenermaßen absolut seicht und kaum erwähnenswert sein mag, ist Favreau mit der Rückkehr zu seinen Indie-Wurzeln ein so bestechend charmantes Feel-Good-Movie gelungen, dass es sicherlich noch häufig bei mir im Player landen wird, denn vorhersehbare Geschichte hin oder her, zelebriert der Film regelrecht das Essen und dessen Zubereitung, konzentriert sich ansonsten aber in wunderschöner Manier auf eine anfänglich nicht gerade innige Beziehung zwischen Vater und Sohn, die mit dem Befreiungsschlag des Vaters von seinem Job eine regelrechte Frischzellenkur erfährt, ganz davon abgesehen, dass der Film sich ab diesem Moment zu einem nicht minder wunderbaren Road-Movie mausert, das – wie es scheint – ganz bewusst auf allzu dramatische Einschübe und Herzschmerz verzichtet und sich stattdessen völlig auf die Geschichte des einst gefeierten Kochs Carl Casper konzentriert, der mit seinem "neuen" Foodtruck auch gleich eine neue Bestimmung gefunden zu haben scheint.

Szenenbild aus Kiss the Cook - So schmeckt das Leben | © Koch Media
© Koch Media

Natürlich würde man auf den ersten Blick meinen, dass die Themen Foodtruck oder im Allgemeinen Street Food einerseits so ein klassisches Hipster-Ding sind, andererseits nicht für einen vollwertigen Spielfilm taugen, doch angesichts der erfrischend geerdeten Ausstrahlung unserer Hauptfigur, die Jon Favreau kurzerhand gleich mit verkörpert, derweil er ebenso für Regie und Drehbuch verantwortlich zeichnet, geben dem Film recht bald das gewisse Etwas, zumal sich besagter Carl Casper so gar nicht mit Social Media und dergleichen auskennt und entsprechend komisch und augenzwinkernd geraten beispielsweise die Szenen, wenn sein Sohn versucht, ihm die Funktionsweise von Twitter zu erklären, während Casper ein ums andere Mal ins Staunen gerät, woher denn plötzlich all die Leute von seinem Treiben gehört haben mögen. Wie gesagt, alles sehr seicht, alles sehr leicht, aber eben auch beschwingt und wahnsinnig lebensbejahend, während das Ende immerhin nicht zu übertrieben in Richtung Happy-End tendiert, wobei es mir meinem Gefühl nach schlussendlich ein wenig zu abrupt kam, doch bis dahin kann man wirklich eine Menge Freude mit der Reise des Sternekochs hin zu sich selbst und seinem Lebenstraum haben.

Szenenbild aus Kiss the Cook - So schmeckt das Leben | © Koch Media
© Koch Media

Vor allem aber zelebriert Kiss the Cook eben nicht nur das Kochen, Essen und Genießen, sondern eben auch das Leben an sich, was sich einerseits in den vielen verschiedenen, stets passenden Rhythmen wiederspiegelt, die sich zu einem gar großartigen Soundtrack zusammenfügen, sondern auch in dem Enthusiasmus seiner Freunde und Bekannten und natürlich seines Sohnes, der eben im zweiten Teil zum festen Part seiner Crew avanciert, was fernab üblicher Geschichten hier so unverkrampft und natürlich erzählt wird wie schon lange nicht mehr und eine echte Bindung zwischen den beiden suggeriert. Nun blickt Favreau aber eben auch auf eine jüngere Blockbuster-Vergangenheit zurück und hat sich beispielsweise mit zwei Iron Man-Filmen seine Meriten verdient (wobei er in allen drei Filmen in der Rolle des Happy Hogan zu sehen war), wodurch er aber vor allem in die glückliche Lage gerät, einige hochkarätige Stars für sein Feel-Good-Movie verpflichtet haben zu können, wobei man nicht den Fehler begehen sollte, den Film einzig wegen Robert Downey Jr. (Charlie Bartlett) schauen zu wollen, denn dessen Part beschränkt sich tatsächlich nur auf einige wenige Minuten, wobei er sich in dieser Zeitspanne wirklich gekonnt selbst aufs Korn nimmt.

Szenenbild aus Kiss the Cook - So schmeckt das Leben | © Koch Media
© Koch Media

Unwesentlich größer fällt da schon Scarlett Johanssons (Scoop) Rolle aus, deren Figur Molly allerdings auch nur im ersten Teil des Films eine Rolle spielt, ähnlich wie es bei einem großartig unsympathisch aufspielenden Dustin Hoffman der Fall ist, so dass man schnell merkt, dass hier der Fokus eben ganz klar auf Favreaus Figur des Carl, seinem von Emjay Anthony verkörperten Sohn Carl und in zweiter Reihe vielleicht noch Carls Freund und Kollegen Martin liegt, dessen Part der gleichermaßen grundsympathische John Leguizamo übernimmt. Sofia Vergara als Carls Exfrau sowie Oliver Platt als teils affektierter Foodblogger und Restaurantkritiker Ramsey Michel runden das Bild gekonnt ab und all diese Zutaten werden zu einem großartigen Potpourri vermengt, das nicht nur der Street-Food-Szene huldigt, sondern auch der Bedeutung von Freundschaft und Familie sowie dem Mut, neue Wege zu gehen. Dessen völlig ungeachtet ist es aber einfach eine herrlich warmherzige, beschwingte Komödie, bei der einem mehr als einmal das Wasser im Munde zusammenlaufen wird und die man im Idealfall mit Freunden und einer großzügigen Auswahl an selbstgemachten Snacks genießen sollte. Der Umstand, dass das fiktive "El Jefe" sich bei Promo-Events zu dem Film so reißender Beliebtheit erfreut hat, dass Jon Favreau und der bekannte Foodtruck-Chef Roy Choi – bei dem Favreau für den Film in die Lehre gegangen ist – darüber nachgedacht haben, das Konzept eventuell längerfristig zu verfolgen, spricht dabei eigentlich schon Bände.

Fazit & Wertung:

Jon Favreau ist mit Kiss the Cook ein bestechendes Feel-Good-Road-Movie gelungen, das sich nicht nur die Liebe zum Essen und dessen Zubereitung auf die Fahnen geschrieben hat, sondern auch mit purer Lebensfreude, heißen Rhythmen, liebenswerten Figuren und einem bestens aufgelegten Cast nebst prominenter Gastauftritte zu begeistern weiß und damit den perfekten Soundtrack zu einem lauen Sommerabend mit gutem Essen und guten Freuden bietet.

9 von 10 kubanischen Sandwiches

Kiss the Cook - So schmeckt das Leben

  • Kubanische Sandwiches - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Jon Favreau ist mit Kiss the Cook ein bestechendes Feel-Good-Road-Movie gelungen, das sich nicht nur die Liebe zum Essen und dessen Zubereitung auf die Fahnen geschrieben hat, sondern auch mit purer Lebensfreude, heißen Rhythmen, liebenswerten Figuren und einem bestens aufgelegten Cast nebst prominenter Gastauftritte zu begeistern weiß und damit den perfekten Soundtrack zu einem lauen Sommerabend mit gutem Essen und guten Freuden bietet.

9.0/10
Leser-Wertung 10/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 3/5 Punkte
Der Kinogänger: 7/10 Punkte

Kiss the Cook – So schmeckt das Leben ist am 22.10.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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  • Hui, wir sind uns tatsächlich mal halbwegs uneinig – darauf ein kubanisches Sandwich! Aber bei mir liegt das wohl wirklich vor allem daran, daß ich die ganze Essens-Thematik als Filmstoff einfach nicht sehr prickelnd finde. Die (übrigens gertenschlanke) Freundin, mit der ich „Kiss the Cook“ damals im Kino gesehen habe, war dagegen ähnlich begeistert wie du …

    • Okay, klar, wenn man der Essens-Thematik nichts abgewinnen kann ist der Film auch ziemlicher Murks. Da bin ich dann schon ein wenig „vorgeschädigt“, dass meine Holde ihres Zeichens ja nun einmal auch Food-Bloggerin ist und da ist die Euphorie über so einen Film natürlich merklich ausgeprägter, wobei wir auch wussten, welche Art Film uns erwartet und entsprechend der Thematik einiges an Häppchen aufgefahren haben, was den Film auch kulinarisch zu einem Erlebnis gemacht hat. Im Kino hingegen kann ich mir den Film gar nicht vorstellen, da hätte ich vermutlich mein Popcorn in die Ecke gespuckt und wär frustriert gegangen 😉

      • Da ich im Kino grundsätzlich nichts esse, bestand diesbezüglich keine Gefahr … 😉

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