Review: Self/less – Der Fremde in mir (Film)

Das Arbeitsleben hat mich wieder, doch hält mich das selbstredend nicht davon ab, eine weitere Film-Kritik zu kredenzen, wobei ich schon vorweg sagen kann, dass ich mir vom Endergebnis etwas mehr erwartet hatte, aber gut, was will man machen. Ich für meinen Teil freue mich nun auf einen entspannten Brettspielabend und freue mich, wenn wir uns morgen wieder an dieser Stelle lesen.

Self/less
Der Fremde in mir

Self/less, USA 2015, 117 Min.

Self/less - Der Fremde in mir | © Concorde Video
© Concorde Video

Regisseur:
Tarsem Singh
Autoren:
David Pastor
Àlex Pastor

Main-Cast:
Ryan Reynolds (Young Damian)
Ben Kingsley (Damian)
in weiteren Rollen:
Natalie Martinez (Madeline)
Matthew Goode (Albright)
Victor Garber (Martin)
Derek Luke (Anton)

Genre:
Action | Mystery | Science-Fiction | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Self/less - Der Fremde in mir | © Concorde Video
© Concorde Video

Damian Hale, seines Zeichens New Yorker Immobilien-Tycoon ist gleichermaßen wohlhabend wie in der Branche bekannt und kann noch immer mit einem Fingerzeig die Karriere eines jeden Konkurrenten in Grund und Boden stampfen, doch all der Reichtum und Wohlstand können gegen den in seinem Inneren wuchernden Krebs nichts ausrichten und auch die Beziehung zu seiner Tochter weiß der Tycoon kaum noch zu kitten. Als er schon glaubt, sein Leben neige sich dem Ende, erfährt er wie durch Zufall von den Methoden des Wissenschaftlers Albright, dem es gelungen ist, ein Verfahren namens "Shedding" zu entwickeln, das es entsprechend finanzstarker Kundschaft ermöglichen soll, ihr Bewusstsein in einen neuen Körper transferieren zu lassen. Aus Mangel an Alternativen und mit der Angst vor dem nahenden Tod in den Augen unterwirft sich Hale der Prozedur und kommt als neuer Mensch zu sich. Unter seinem neuen Namen Edward wird Hale nach New Orleans gebracht und beginnt zunächst, sein Leben und die neu erlangte Jugend in vollen Zügen zu genießen, doch als er immer öfter von Alpträumen und dergleichen geplagt wird, beginnt sich anzudeuten, dass nicht alles, was Albright ihm erzählt hat, der Wahrheit entspricht…

Rezension:

Regisseur Tarsem Singh hat vor rund anderthalb Dekaden einen speziell für damalige Verhältnisse visuell überbordenden Start mit The Cell hingelegt und wusste ganze sechs Jahre später mit The Fall erneut optisch, diesmal aber auch inhaltlich mehr als zu punkten. Von den jüngeren Werken habe ich mir bisher kein Bild machen können, doch spätestens mit Self/less ist Singh dann doch irgendwie in Hollywood angekommen, was nicht positiv gemeint ist, denn die Prämisse des Films, wenn auch sicherlich nicht zum ersten Mal dergestalt aufs Trapez gebracht weiß durchaus zu überzeugen und gefallen, doch nach einem vielversprechenden Start mit einem bestens aufspielenden Ben Kingsley (Transsiberian), der allerdings dummerweise nur die ersten rund fünfzehn Minuten des Films in Erscheinung tritt und dann zugunsten Körpertausch das Zepter an Ryan Reynolds übergibt, flacht die Story des Films leider zunehmend ab und muss einer mitunter recht generischen Action-Chose weichen, die in manchen Momenten kaum noch an das interessante Grundkonzept zu erinnern weiß. Nichtsdestotrotz macht Singh hier auch einiges richtig und ebenso weiß Reynolds in seiner Rolle zu gefallen, doch fehlt dem Film die Tiefe, die ihn wirklich hätte herausragend machen können.

Szenenbild aus Self/less - Der Fremde in mir | © Concorde Video
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Wir begegnen also einem alternden, an Krebs erkrankten Ben Kingsley als Damian, der zu Reichtum und Wohlstand gelangt ist, sich alles leisten könnte, aber natürlich verkracht ist mit seiner einzigen Tochter und auch gegen den Krebs nichts auszurichten weiß, der seinem Leben bald ein Ende setzen wird. Doch für reiche Leute gibt es ja bekanntermaßen immer einen Ausweg und so gerät Damian an den britischen Wissenschaftler Albright, der eine Methode gefunden zu haben meint, seine Leben zu retten, indem er Damians Bewusstsein auf einen neuen, vitalen, frischen und unverbrauchten Körper überträgt. So weit so gut, würde man meinen, wird der Austausch vollzogen und nach einer leidlich abgehandelten Phase der Rekonvaleszenz steht Damian – jetzt unter dem Namen Edward – wieder in Saft und Kraft, wird nach New Orleans verfrachtet und legt sich allerhand Betthäschen zu. Bis zu diesem Punkt weiß Self/less durchaus zu unterhalten und zu gefallen, auch wenn es natürlich reichlich plakativ ist, dass Damian prompt nichts anderes im Sinn zu haben scheint, als seinen Körper sowohl im Bett als auch auf dem Sportplatz auszupowern, aber gut.

Szenenbild aus Self/less - Der Fremde in mir | © Concorde Video
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Hier setzt dann aber auch die (eigentliche) Thriller-Handlung ein und während Ryan Reynolds (The Voices) als Action-Star wieder eine durchaus überzeugende Figur macht und genügend Charisma mit sich bringt, um die "neue" Version von Damian mit Leben zu füllen, macht seine Figur eine unliebsame Entdeckung ihren Körper betreffend, die alles in Frage stellt, was Albright im Vorfeld erzählt hat. Sich diesen Aufhänger zunutze machend, wird es von nun an zunehmend actionreicher und immer mehr kristallisiert sich heraus, dass man tiefschürfende Betrachtungen und philosophische Exkurse von nun an gänzlich in den Wind schießen kann, denn von der obligatorischen Schießerei über die noch obligatorischere Autoverfolgungsjagd mäandert Self/less von nun an mit kleineren Verschnaufpausen durch das Sujet einschlägiger Action-Filme, macht seine Sache in diesem Punkt zwar auch nicht schlecht, doch straft die Erwartungshaltung des an dem Gedankenexperiment und der Prämisse interessierten Zuschauers mit Nicht-Beachtung.

Szenenbild aus Self/less - Der Fremde in mir | © Concorde Video
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Das ist vor allem immer dann ärgerlich, wenn Singh in einem interessanten Nebenplot um Victor Garber (Sicario) beispielsweise die Tragik und Tragweite des Ganzen zumindest anzudeuten weiß und damit auch in die Richtung zeigt, in die der Film sich hätte entwickeln können, ebenso wie das Ende durchaus zu gefallen weiß, weil man es je nach Blickwinkel und Sichtweise sowohl als fatalistisches oder aber auch glückliches Ende deuten kann, was sich vielleicht ein wenig indifferent liest, meines Erachtens aber durchaus gut funktioniert und einen schönen Schlussakkord anklingen lässt, der ein wenig mit der ziemlich von Action und Krawall dominierten zweiten Hälfte versöhnt. Visuell immerhin kann man Tarsem Singh auch hier keinen Vorwurf machen, doch Art und Ausgestaltung des Films lassen hier nicht annähernd die darstellerischen Experimente zu wie bei den oben genannten Frühwerken des einst so eigenwillig-virtuosen Regisseurs. Immerhin Matthew Goode (Stoker) als Albright hat mir wieder einmal sehr gut gefallen und hätte durchaus noch ein wenig mehr Screentime haben dürfen, doch macht der allein den Film auch nicht grundlegend besser.

Fazit & Wertung:

Tarsem Singhs Self/less ist mitnichten ein schlechter Film und auch die Kombi aus Ben Kingsley und später Ryan Reynolds weiß zu funktionieren, doch nutzt er seine Science-Fiction-Prämisse im Grunde lediglich als Aufhänger, um mehr und mehr zu einem reinrassigen Actionfilm zu mutieren, was zwar nicht schlecht sein muss und auch ansprechend in Szene gesetzt wird, der Brisanz und Tragweite des Stoffs aber leider nicht annähernd gerecht wird und folglich Möglichkeiten verschenkt, die, wären sie genutzt worden, einen rundherum großartigen Film hätten ergeben können.

6 von 10 unerklärlichen Alpträumen

Self/less - Der Fremde in mir

  • Unerklärliche Alpträume - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

Tarsem Singhs Self/less ist mitnichten ein schlechter Film und auch die Kombi aus Ben Kingsley und später Ryan Reynolds weiß zu funktionieren, doch nutzt er seine Science-Fiction-Prämisse im Grunde lediglich als Aufhänger, um mehr und mehr zu einem reinrassigen Actionfilm zu mutieren, was zwar nicht schlecht sein muss und auch ansprechend in Szene gesetzt wird, der Brisanz und Tragweite des Stoffs aber leider nicht annähernd gerecht wird und folglich Möglichkeiten verschenkt, die, wären sie genutzt worden, einen rundherum großartigen Film hätten ergeben können.

6.0/10
Leser-Wertung 6/10 (1 Stimme)
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