Review: Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen (Graphic Novel)

Ich bin euch ja für den heutigen Abend noch eine Comic-Review schuldig wie ich finde und habe mich diesmal erneut für ein richtiges Schmankerl entschieden, dass neben gehörig Nostalgie-Potential überhaupt ziemlich gelungen ist meiner Meinung nach.

Starlight
Die Rückkehr des Duke McQueen

Starlight #1-6, USA 2014, 172 Seiten

Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen | © Panini
© Panini

Autor:
Mark Millar
Zeichner:
Goran Parlov

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98949-9

Genre:
Science-Fiction | Abenteuer

 

Inhalt:

Vierzig Jahre ist es her, Duke McQueen war noch ein junger Mann von Anfang zwanzig, da rettete er in einem fernen Sternensystem einen ganzen Planeten vor dem Untergang, doch noch während der Siegesfeier verabschiedete er sich, um nach Hause zu seiner Frau heimkehren zu können. Die Jahre vergingen und niemand auf der Erde – abgesehen von seiner Frau – glaubte Duke seine abstruse Geschichte. Kurz nachdem nun Dukes Frau verschieden ist und er den letzten Daseinszweck zu verlieren droht, nehmen seine alten Freunde Kontakt mit ihm auf und bitten den Weltenretter erneut um Hilfe und nach anfänglichem Zaudern erklärt sich Duke McQueen zu einem letzten Abenteuer bereit und bricht auf zu einer Welt fernab unserer Galaxis…

Rezension:

Immer weiter greift das Mark Millar’sche Phänomen um sich und nachdem er sich speziell auch bei den Massen mit Kick-Ass und Secret Service, weit mehr noch aber mit deren Verfilmungen einen Namen gemacht hat, verlegt man sich seitens Panini nun vermehrt darauf, auch seine weiteren Werke und Ergüsse einzudeutschen und verfügbar zu machen, wobei hier Starlight und kurz zuvor Jupiter’s Legacy mitnichten als Einzelfälle zu betrachten sind, zumal mit Chrononauts bereits das nächste Werk in den Startlöchern steht du auch ältere Comic-Reihen in Neuauflage begriffen sind. Starlight nun also ist noch einmal merklich anders als die gewohnten Millar-Stories und versteht sich als Hommage an all die großartigen Recken der Hochzeit des Science-Fiction-Zeitalters, von Flash Gordon über Perry Rhodan und wie sie alle heißen mögen. Nun kann ich nicht behaupten, mit deren Abenteuern allzu vertraut zu sein, da ich einerseits wohl noch nicht das gewisse Alter erreicht habe, um auf deren Abenteuer nostalgisch zurückblicken zu können, mich andererseits aber auch nie so für Groschenromane begeistern konnte, wobei ich diese Bezeichnung auch zugegebenermaßen als ungerechtfertigt abwertend empfinde.

Ausschnitt aus Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen | © Panini
© Panini

Dennoch kann ich mir ja zumindest ein Urteil zu Starlight an sich erlauben und allein die Wahl des kroatischen Zeichners Goran Parlov entpuppt sich schnell als Glücksgriff für die sechs Hefte umfassende Reihe, denn allein vom Look her fühlt man sich doch direkt an die alten Geschichten erinnert. Vor allem aber gefällt mir der Clou, dass man einzig durch einen kurzen, vorgelagerten Rückblick von den Abenteuern des Duke McQueen erfährt, dessen Name allein schon genauso kultig ist wie die der einschlägig bekannten Helden, um ihn dann als alten, zur Erde zurückgekehrten Mann zu erleben, der für seine Geschichten und vermeintlich erlebten Abenteuer bestenfalls verlacht und von niemandem ernst genommen wird. Hier nimmt sich Millar auch ausgiebig Zeit, in die Geschichte zu entführen und Duke vorzustellen, was dem Ganzen einen emotionalen Unterbau verleiht, bevor es etwa zu Beginn des zweiten Bandes überhaupt erst in Richtung Sterne zu reisen gilt.

Dabei bewahrt sich Starlight jederzeit eine gewisse Leichtfüßigkeit, was umso bemerkenswerter ist, als dass die Bösewichte, die die von Duke McQueen einstmals gerettete Welt unterjocht haben, an Grausamkeit kaum zu überbieten sein dürften und man sich speziell bei Millar hier andernorts sicherlich auch auf ein extrem blutiges Schlachtfest hätte einstellen können, doch ist ihm diesmal daran gar nicht gelegen und Parlov versteht es, nur allzu grausame Szenen zu verharmlosen und auch mit oft stilisierten Gesichtsausdrücken und überzogenen Gesten für Kurzweil zu sorgen, so dass die Story völlig entgegen dem aktuellen Trend inszeniert wird, alles müsse düster, erwachsen, ernst und tragisch sein, denn hier weicht Tragik einer leichten Melancholie, hier regiert ein nostalgisches Flair, ohne dass man Gefahr liefe, die Geschichte nicht für voll nehmen zu können, auch wenn selbige zugegebenermaßen recht generisch daherkommt, wobei man, abgesehen davon, dass der 62jährige Duke McQueen nicht auch noch eine Sternenprinzessin abschleppt, in diesem Fall ja eigentlich schon wieder von einer Reminiszenz für sich sprechen kann.

Ausschnitt aus Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen | © Panini
© Panini

Der Spaß, den Millar dabei gehabt haben muss, die Geschichte von Starlight zu ersinnen, merkt man ebenso deutlich an den in einzelnen Panels angedeuteten früheren Abenteuern Dukes, wobei sich diese teils spannender anhören als der eigentliche Plot der Story, gleichsam aber auch das (suggerierte) Gefühl verstärken, man habe es hier nicht mit einer einzigen, abgeschlossenen Geschichte zu tun, sondern lediglich mit einem von hunderten Abenteuern, die es mit Duke McQueen zu erleben gilt. Und tatsächlich wünscht man sich zuweilen, mehr über diese angedeuteten Geschichten zu erfahren, auch wenn im Kontext nicht ganz klar wird, wann diese sich zugetragen haben sollen, da Duke ja nach Rettung der Welt in seine Heimat zurückgekehrt und ein ruhiges, beschauliches Leben verbracht hat. Nichtsdestotrotz überzeugt der Band in beinahe sämtlichen Belangen und erzeugt zum Ende hin einen regelrechten Gänsehautmoment, was mir doch vergleichsweise selten bei Comic-Bänden passiert, doch wie hier die Geschichte von Duke zum Abschluss gebracht wird, ist wirklich wunderschön und nur eines von vielen Highlights, die diese Geschichte zu etwas Besonderem machen und das obwohl sie sich so sehr an der Pulp-Ära orientiert und mit distanziertem Blick gar nicht einmal so außergewöhnlich wirken würde. Aber lest es, ihr werdet verstehen was ich meine!

Fazit & Wertung:

Mit Starlight ist Mark Millar und Goran Parlov eine großartige Hommage an das Goldene Zeitalter der Science-Fiction gelungen und stellt mit dem gealterten Duke McQueen einen Helden vor, der seinen Vorbildern in nichts nachsteht und alles daran setzt, in den Weiten des Alls für Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen. Natürlich ist hier manches plakativ und generisch, doch tatsächlich gelingt es, gerade den Reiz dieser vermeintlichen Trivialität zu unterstreichen, wodurch eine höchst ungewöhnliche, wie eine aus der Zeit gefallen wirkende Geschichte entsteht.

8,5 von 10 aberwitzigen, intergalaktischen Abenteuern

Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen

  • Aberwitzige, intergalaktische Abenteuer - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Mit Starlight ist Mark Millar und Goran Parlov eine großartige Hommage an das Goldene Zeitalter der Science-Fiction gelungen und stellt mit dem gealterten Duke McQueen einen Helden vor, der seinen Vorbildern in nichts nachsteht und alles daran setzt, in den Weiten des Alls für Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen. Natürlich ist hier manches plakativ und generisch, doch tatsächlich gelingt es, gerade den Reiz dieser vermeintlichen Trivialität zu unterstreichen, wodurch eine höchst ungewöhnliche, wie eine aus der Zeit gefallen wirkende Geschichte entsteht.

8.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Starlight – Die Rückkehr des Duke McQueen ist am 23.08.16 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

%d Bloggern gefällt das: