Review: Big Eyes (Film)

So, beschließen wir den Tag mit einer weiteren kleinen Film-Kritik, bei der ich euch wie stets viel Freude wünsche. Ich für meinen Teil wandere jetzt Richtung Couch, weil die Woche mich doch ganz schön schlaucht, aber ich bin zuversichtlich, bald mit neuer Energie loszulegen!

Big Eyes

Big Eyes, USA/CA 2014, 106 Min.

Big Eyes | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseur:
Tim Burton
Autoren:
Scott Alexander
Larry Karaszewski

Main-Cast:
Amy Adams (Margaret Keane)
Christoph Waltz (Walter Keane)
in weiteren Rollen:
Danny Huston (Dick Nolan)
Jon Polito (Enrico Banducci)
Krysten Ritter (DeeAnn)
Jason Schwartzman (Ruben)
Terence Stamp (John Canaday)

Genre:
Biografie | Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Big Eyes | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Im Jahre 1958 entflieht Margaret mit ihrer Tochter einer unglücklichen Ehe und setzt sich nach San Francisco ab, wo die bislang erfolglose Künstlerin alsbald den Maler Walter Keane kennenlernt, der ihr prompt den Hof zu machen beginnt und nicht viel später um ihre Hand anhält. Derweil sich Walter als ebenfalls erfolgloser Hobby-Künstler entpuppt und sich eigentlich als Immobilienmakler verdingt, findet Margarets Talent bald Anklang und einem Zufall geschuldet glaubt man bald, Walter und nicht Margaret hätte die Bilder der Kinder mit den traurigen Augen gemalt. Um den Erfolg nicht zu gefährden, überredet Walter seine Frau, die Lüge aufrecht zu erhalten und während sich Walter als gefeierter Künstler im Ruhm zu sonnen beginnt, verbringt Margaret immer mehr Zeit in ihrem privaten Atelier, um immer neue Bilder zu zeichnen, die Walter werbewirksam an den Mann zu bringen versteht. Jedoch beginnt es mehr und mehr an Margaret zu nagen, dass nicht sie es ist, die das Lob für ihre Werke einheimst…

Rezension:

Ich bin ja ein ausgewiesen großer Fan des Burton’schen Schaffens und so stand auch seit geraumer Zeit sein vergleichsweise kleines, beinahe unscheinbar zu nennendes Biopic-Drama Big Eyes bei mir auf der Agenda, in das ich nicht zuletzt wegen des vielversprechenden Hauptdarsteller-Duos durchaus einige Hoffnungen setzte. Leider ist hier aber vom typischen Burton-Zauber leider vergleichsweise wenig zu spüren, was sich anfangs nicht wirklich negativ bemerkbar macht, die Geschichte aber, je weiter sie voranschreitet, vermehrt generischer und überraschungsarm erscheinen lässt und sich immer weiter dahingehend verzettelt, nicht so ganz zu wissen, ob es nun ein Ehedrama, eine Geschichte von Emanzipation und Selbstbestimmung, eine Komödie oder gar eine Satire sein möchte, ganz davon abgesehen, dass es sich eben nun einmal auch noch um eine Biografie zu handeln hat. So lässt mich dieses bis vor kurzem noch aktuellste Werk von Burtons Schaffen als Regisseur mit vergleichsweise ambivalenten Gefühlen zurück, denn so überzeugend sowohl die stoische, in sich gekehrte Adams als auch der extrovertiert-exaltiert daherkommende Waltz auch aufspielen, ist es schwer, in der Kombination der beiden auch nur zu erahnen, wie sich die echte Margaret Keane all die Jahre von ihrem Mann so bereitwillig hat kleinhalten lassen können.

Szenenbild aus Big Eyes | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Anfangs wie gesagt kommt Big Eyes ausnehmend stimmig daher und auch das erste Aufeinandertreffen zwischen den beiden Hauptfiguren weiß zu gefallen, doch vermag der Funke, dieses magische Etwas, das die Filme von Tim Burton so oft und so spielend zu etwas Besonderem macht, nicht so recht überzuspringen. Amy Adams (American Hustle) macht durchaus einen formidablen Job, die angehende Künstlerin und nur vermeintlich emanzipierte junge Mutter zu verkörpern und es ist kaum verwunderlich, dass die Rolle ihr einen Golden Globe zu bescheren wusste, doch während sie anfänglich das Geschehen trotz ihrer zurückgenommenen Art dominiert, gerät sie als Person nicht nur dem filmischen Konstrukt geschuldet mehr und mehr in den Hintergrund und ist in der zweiten Hälfte überwiegend in ihrem Atelier anzutreffen, was das Identifikationspotential reichlich mindert, während Christoph Waltz (Der Gott des Gemetzels) trotz seinem gewohnten Rampensau-Gestus eine zunächst beinahe interessantere Entwicklung durchmacht, wirkt er schließlich zu Beginn grundsympathisch und strotzt vor Charisma und Liebenswürdigkeit, gibt mit einer herrlichen Nonchalance den verkappten Träumer und Romantiker, um im weiteren Verlauf vermehrt seine dunklen Facetten in den Vordergrund zu spielen, während die sorgsam errichtete Fassade des netten Kerls von nebenan zu bröckeln beginnt.

Dummerweise aber ergeben die Figuren der Eheleute Keane ab einem gewissen Punkt keine stimmige Einheit mehr und zu einer ähnlichen Zeit beginnt dann auch die Stimmung des Films zu kippen, der zuvor mit satirischen Spitzen und leichtfüßigem Charme zu unterhalten wusste und plötzlich zu einem bitterernsten Drama mutiert, was zwar sein gutes Recht ist und sicherlich auch den Tatsachen entspricht, dadurch aber spürbar an Faszination einbüßt und erst kurz vor Ende noch einmal in die zuvor gewählte Spur zurückfindet. Dessen ungeachtet ist es in weiten Teilen durchaus eine Freude, Adams und Waltz bei dem Treiben zu beobachten, während man sich gut und gerne darüber ärgern mag, dass angesichts der polarisierenden und charakterlich so divergent gezeichneten Hauptfiguren sämtliche, durchaus prominent besetzte Nebenrollen, von Danny Huston über Krysten Ritter und nicht zuletzt Jason Schwartzman, um nur einige zu nennen, grenzenlos verschenkt wirken, während einzig die zunächst von Delaney Raye und später von Madeleine Arthur verkörperte Tochter von Margaret noch einige Akzente zu setzen weiß.

Szenenbild aus Big Eyes | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Nein, Big Eyes fehlt wirklich einfach der Zauber, den man sich von einem Tim Burton erwarten würde und da helfen dann auch die wenigen Momente, in denen Margaret Keane ihre Umwelt ebenfalls mit diesen merkwürdigen, großen, so unendlich traurig wirkenden Augen wahrzunehmen beginnt nicht mehr, zumal diese teilweise recht unmotiviert wirkenden Einschübe doch mehr als alles andere zum Gruseln einladen und in dem ansonsten weitestgehend leichtfüßigen Film regelrecht verstörend wirken. Mitunter am ärgerlichsten ist aber vielleicht, wenn man sich noch einmal vor Augen führt, dass es sich eben doch vorrangig um ein Biopic-Drama handeln mag, dass die Sympathien so unumstößlich und unmissverständlich verteilt sind, dass man gar keine Wahl hat, als sich auf die Seite von Margaret zu schlagen, was ja auch richtig sein mag, doch spricht es nicht eben für differenzierte Figurenzeichnung, wenn hier Schwarzweiß-Malerei nach der Holzhammer-Methode betrieben wird. Big Eyes hat sicherlich seine Momente, ist großartig besetzt und wunderschön gefilmt, erzählt eine im Grunde auch äußerst spannende Geschichte, verzettelt sich aber zu oft in den unterschiedlichen Genre-Ansätzen, als dass er in Gänze zu überzeugen wüsste. Schade, da wäre mehr drin gewesen.

Fazit & Wertung:

Tim Burtons Biopic Big Eyes beginnt überaus vielversprechend, verrennt sich aber immer mehr in der Frage, ob es sich vorrangig um ein Ehe- und Emanzipations-Drama, eine Kunstsatire oder ein Feel-Good-Movie handeln soll, was ungeachtet der überzeugenden Darsteller den Reiz und die Magie des Geschehens mehr als einmal unterminiert und den Film im besseren Mittelfeld versanden lässt. So stellt sich ähnlich wie bei Keanes Bildern vermehrt die Frage nach Kunst oder Kitsch, die jeder Betrachter für sich selbst beantworten müssen wird.

6,5 von 10 Porträts der Kinder mit den großen Augen

Big Eyes

  • Porträts der Kinder mit den großen Augen - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Tim Burtons Biopic Big Eyes beginnt überaus vielversprechend, verrennt sich aber immer mehr in der Frage, ob es sich vorrangig um ein Ehe- und Emanzipations-Drama, eine Kunstsatire oder ein Feel-Good-Movie handeln soll, was ungeachtet der überzeugenden Darsteller den Reiz und die Magie des Geschehens mehr als einmal unterminiert und den Film im besseren Mittelfeld versanden lässt. So stellt sich ähnlich wie bei Keanes Bildern vermehrt die Frage nach Kunst oder Kitsch, die jeder Betrachter für sich selbst beantworten müssen wird.

6.5/10
Leser-Wertung 4/10 (1 Stimme)
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Big Eyes ist am 03.09.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Singende Lehrerin

    Oh, da kommt dieser Film bei dir ja noch deutlich besser weg als bei mir. Ich hab ihn damals in der Sneak gesehen und gab ihm nur 4 Punkte. Ich habe nicht mal eine komplette Kritik dazu geschrieben, nur in aller Kürze:

    „Es schmerzt mich ja, das zu sagen, aber Christoph Waltz nervt UNGLAUBLICH in diesem Film von Tim Burton. Overacting bis zum Exzess – sicher so gewollt, aber für mich absolut unpassend in diesem Film, der ja, im Gegensatz zu vielen „fantastischen‟ Filmen von Burton, eine wahre Geschichte erzählt. Anfangs konnte ich noch über Waltz als Con-Artist, der die Gemälde (Kinder mit sehr großen Augen) seiner Frau Margaret Keane (Amy Adams) als die seinen ausgibt, lachen, aber das schlug sehr schnell in Genervtsein um. […] So sehr ich Waltz in den Tarantino-Filmen mochte – nach diesem Film will ich ihn mal in einer ganz NORMALEN Rolle sehen. Nun, wird nicht ganz klappen, denn als Bösewicht im nächsten Bond darf er bestimmt auch wieder ordentlich über die Stränge schlagen. Seufz.“

    Ich stimme ja nach der Sneak Preview wirklich selten mit „schlecht“ ab, aber in dem Fall musste ich nicht lange überlegen…

    • Kann deine Kritik dem Grunde nach sehr gut nachvollziehen, doch hatte ich mich schon im Vorfeld auf Waltz‘ typisches Overacting eingestellt und hatte demnach auch weit weniger Probleme damit. Klar, es harmonierte nicht wirklich gut mit dem deutlich gefassteren Spiel von Adams, hat mir den Film aber bei weitem nicht so verleidet wie dir.

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