Review: Chrononauts – Die Zeitreisenden (Graphic Novel)

Bevor ich es vergesse, haue ich zum frühen Abend hin natürlich auch heute noch eine Comic-Review raus – und zwar diese hier. 😉

Chrononauts
Die Zeitreisenden

Chrononauts #1-4, USA 2015, 124 Seiten

Chrononauts - Die Zeitreisenden | © Panini
© Panini

Autor:
Mark Millar
Zeichner:
Sean Gordon Murphy

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98948-2

Genre:
Science-Fiction | Abenteuer | Action

 

Inhalt:

Corbin Quinn und Danny Reilly sind nicht nur beste Freunde, sondern auch begnadete Wissenschaftler und so etwas wie die Rockstars ihrer Branche, spätestens an dem Tag, an dem ihnen das Unmögliche gelingt, denn Reilly und Quinn entwickeln eine Zeitmaschine, die gar zu funktionieren scheint, wenn es auch beim ersten Test zu leichten Komplikationen kommt. Bleibt nur noch die Frage offen, ob sie wirklich bereit sind, ihre bahnbrechende Erfindung in den Dienst der Wissenschaft zu stellen oder lieber der Versuchung erliegen, jeden Ort in der Zeit besuchen zu können und die Epochen zu ihrem eigenen Vergnügen miteinander zu verquicken und sich in der jeweiligen Zeit zu einer geradezu gottähnlichen Gestalt aufschwingen. Wobei, bei näherer Betrachtung scheint diese Frage nicht gerade schwer zu beantworten…

Rezension:

Wir bleiben bei Mark Millar, nachdem ich euch zu Beginn der Woche von meiner endlich nachgeholten Lektüre von Kick-Ass 3 vorgeschwärmt habe und widmen uns heute einer in sich geschlossenen Kurzgeschichte von gerade einmal vier Bänden, deren baldige Rezension ich bereits bei Starlight angeteasert hatte. Bei dem zwischen März und Juni 2015 veröffentlichten Vierteiler Chrononauts – Die Zeitreisenden handelt es sich nämlich erfrischenderweise mal nicht um den Beginn einer epischen Story oder den Auftakt einer neuen Reihe, sondern tatsächlich um eine in diesen vier Heften auserzählte Geschichte, die sich folglich nicht allzu lang mit der Exposition der Figuren und des Settings aufhält, sondern recht bald zur Sache kommt, was vom Feeling her dem Ganzen schon ein merklich anderes Tempo vorgibt. So stranden bereits während des ersten Bandes die beiden Freunde Corbin Quinn und Danny Reilly in der Vergangenheit des Samarkand von 1504, doch da Corbin einen kurzen Vorsprung vor Danny hatte – und ihr müsst jetzt natürlich das Zeitreiseparadox berücksichtigen – hat er sich bereits, Zeitreisen sei Dank, ein regelrechtes Imperium aufgebaut und munter Lager und Domizile in unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten angelegt, inklusive beinahe obligatorischer Bettgespielinnen, die man(n) sich als zeitreisender Single halt so zulegt, wenn die Realität einem keine Grenzen setzt.

Natürlich mag das politisch nicht so ganz korrekt sein, ein wenig chauvinistisch sicher auch, doch diese unverblümte Ehrlichkeit ist es halt auch irgendwo, die Chrononauts so erfrischend und unterhaltsam macht, denn diese Wissenschaftler leben lieber das Leben omnipräsenter Rockstars und scheißen auf gut Deutsch gesagt auf die Konsequenzen ihres Tuns, was natürlich recht bald Verfolger aus der Gegenwart auf den Plan ruft und alsbald weitere Probleme mit sich bringt. Das alles darf man sich natürlich nicht zu genau betrachten und die Erklärung, weshalb ihre Handlungen in der originären Gegenwart keine Auswirkungen haben, dafür aber eine Vielzahl Parallelwelten erschaffen oder verderben, sind schon reichlich fadenscheinig und auch ansonsten muss man eben damit leben, dass Zeitreisegeschichten keiner inneren Logik in dem Ausmaß folgen können, wie man sich das von anderen, dramaturgisch sauber durchkonzipierten Geschichten erwarten würde, doch ist eben der Spaßfaktor umso höher, wenn Corbin und Danny sich darauf verlegen, munter die Bewohner unterschiedlicher Epochen zusammenzuwürfeln und ihnen in deren Augen futuristisches Kriegsgerät in die Hände spielen.

Im Grunde lautet hier also die Devise "Fun, Fun, Fun" und das ist für einen so locker-flockig wegzulesenden Vierteiler eine mehr als adäquate und angenehm unverbrauchte Prämisse, denn wo andere Geschichten bedeutungsschwanger und tiefsinnig sondergleichen daherkommen, macht sich Millar bei Chrononauts gar nicht erst die Mühe, wenn es doch dann zumindest noch eine kleine Ode an die Freundschaft sein mag und die Geschichte mit einer Moral beschlossen wird, doch bis dahin lassen die Wissenschaftler gehörig die Fetzen fliegen und reißen das Zeitkontinuum aus den Angeln, was umso mehr Freude bereitet, als da Sean Gordon Murphy für die Visualisierung ihrer Abenteuer verantwortlich zeichnet und mit gleichermaßen dynamischen wie markanten Zeichnungen den Band auch optisch zu einem Leckerbissen macht.

Einziger Wermutstropfen bei all dem Tempo und der Action ist natürlich, dass man Chrononauts in Windeseile ausgelesen hat und nach mehr lechzt, was da aber in dieser Form nicht kommen wird und ich mag mir gar nicht vorstellen, wie das für die Heftkäufer gewesen sein muss, nach mageren knapp über zwanzig Seiten händeringend auf die Fortsetzung warten zu müssen, denn das ist wirklich eine Geschichte, die es in einem Zug durchzulesen gilt, vorzugsweise durchaus mit einem rockigen Soundtrack im Hintergrund und einem kühlen Getränk an der Hand – aber das möge jeder gerne halten wie er selbst möchte. Lesen allerdings sollte man Chrononauts schon, wenn es auch sicherlich tiefgründigere, intelligentere Geschichten gibt als diese hier, aber es darf ja auch gerne mal ein wenig platter und dafür umso mitreißender sein, oder!?

Fazit & Wertung:

Mit Chrononauts – Die Zeitreisenden hat Mastermind Mark Millar einmal mehr eine ungemein eigenwillige Story abgeliefert, die sich diesmal eben dem Thema Zeitreisen widmet und erneut einen gänzlich unverbrauchten Ansatz findet, als es das einschlägige Stories des Genres tun und auch wenn die Chose nach gerade einmal vier Heften vorbei ist und nicht gerade viel Tiefgang besitzt, machen das großartige Plot-Twists, schmucke Zeichnungen, schmissige Dialoge und gehörig Tempo und Verve locker wett.

8 von 10 Sprüngen kreuz und quer durch das Raumzeitkontinuum

Chrononauts - Die Zeitreisenden

  • Sprünge kreuz und quer durch das Raumzeitkontinuum - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit Chrononauts – Die Zeitreisenden hat Mastermind Mark Millar einmal mehr eine ungemein eigenwillige Story abgeliefert, die sich diesmal eben dem Thema Zeitreisen widmet und erneut einen gänzlich unverbrauchten Ansatz findet, als es das einschlägige Stories des Genres tun und auch wenn die Chose nach gerade einmal vier Heften vorbei ist und nicht gerade viel Tiefgang besitzt, machen das großartige Plot-Twists, schmucke Zeichnungen, schmissige Dialoge und gehörig Tempo und Verve locker wett.

8.0/10
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Chrononauts – Die Zeitreisenden ist am 20.09.16 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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