Review: John Wick (Film)

Auch heute melde ich mich in kürzester Form zurück, denn ich schicke mich – während ihr diese Zeilen lesen könnt – an, heute nach der Arbeit eine neue Burger-Bude auszuprobieren und mir einen gemütlichen Abend mit meiner Liebsten zu machen. So eine kleine Film-Kritik vorab kann ja aber nicht schaden und deshalb erzähle ich euch heute, wie mir Reeves‘ Revival so gefallen hat.

John Wick

John Wick, USA 2014, 101 Min.

John Wick | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Regisseure:
Chad Stahelski
David Leitch
Autor:
Derek Kolstad

Main-Cast:
Keanu Reeves (John Wick)
in weiteren Rollen:
Michael Nyqvist (Viggo Tarasov)
Alfie Allen (Iosef Tarasov)
Adrianne Palicki (Ms. Perkins)
Bridget Moynahan (Helen)
Dean Winters (Avi)
Toby Leonard Moore (Victor)
Ian McShane (Winston)
John Leguizamo (Aurelio)
Willem Dafoe (Marcus)

Genre:
Action | Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus John Wick | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

John Wick war einst der beste und gefürchtetste Killer der russischen Mafia in New York und arbeitete für den Boss Viggo Tarasov, doch zugunsten einer Frau kehrte er dem Business den Rücken und schickte sich an, ein bürgerliches Leben zu führen. Doch seine Frau wurde krank, starb und das einzige, was John von ihr blieb, war ein kleiner Hundewelpe, der fortan zu nicht von seiner Seite wich. Eines Tages allerdings gerät John mit Iosef aneinander, der nichts von Johns Vergangenheit ahnt und ihm sein Auto abschwatzen will. Als John sich weigert, beschließt Iosef, seines Zeichens übrigens Sohn von Tarasov, ihm einen Denkzettel zu verpassen und sich das Auto mit Gewalt anzueignen, doch durch seinen Sadismus eskaliert die Situation und John Wick beschließt, sein altes Waffenarsenal wortwörtlich wieder auszubuddeln und auf blutigen Rachefeldzug quer durch die Unterwelt von New York zu gehen, derweil Tarasov Johns alten Weggefährten Marcus anheuert, um den Amok laufenden Profi in seine Schranken zu weisen…

Rezension:

Nun bin ich also auch endlich dazu gekommen, mich dem vielgepriesenen John Wick zu widmen, der von vielen ja gerne als Comeback von Keanu Reeves bezeichnet und gefeiert wird und grundsätzlich kann ich mich dieser Meinung durchaus anschließen, denn auch wenn die Story des Films doch merklich im Hintertreffen steht und hier ohne Zweifel das Credo von "Style over Substance" regiert, fühlte ich mich doch über die Dauer der rund hundertminütigen Action-Chose ausnehmend gut unterhalten, was aber noch nicht einmal vorrangig an den Action-Szenen selbst gelegen hat, die zwar allesamt ausnehmend stylisch choreografiert sind, nun aber auch nicht unbedingt vor Innovationen gestrotzt haben, sondern vielmehr daran, wie viel Wert Drehbuchautor Derek Kolstad darauf gelegt zu haben scheint, für den Film eine Art Parallelwelt zum echten New York zu konstruieren, denn allein störende Polizisten sucht man hier vergeblich und die Unterwelt spielt nach ihren eigenen Regeln, allen voran im Hotel Continental, in dem große Teile des Geschehens ablaufen und das seinen eigenen Gesetzen unterworfen scheint und nur Eingeweihten den Zutritt zu den eher zwielichtigen Bereichen des Reiches gestattet.

Szenenbild aus John Wick | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Derlei Kniffe wissen, gerade in Anbetracht eines ansonsten nur rudimentären und vorrangig auf Action getrimmten Plots zu gefallen und verleihen John Wick ein wenig den Charme einer düsteren und abgründigen Graphic Novel, was sich auch in den zahllosen Toten widerspiegelt, denn eine regelrechte Hundertschaft niederzumähen – wenn auch über mehrere Schauplätze verteilt – scheint hier nicht wirklich im Bereich des Unmöglichen zu liegen, doch bei einem derart überzeichneten Geschehen sieht um über solche narrativen Freiheiten gerne hinweg, gerade wenn es so unterhaltsam anzuschauen ist wie hier, wobei das gleichsam natürlich bedeutet, dass man die Moral zum Genuss dieses Films doch bitte sehr zu Hause lassen sollte, denn auch wenn Wick über ein Motiv verfügt, blutige Rache zu nehmen, wurde schließlich von den Bösewichten sein Hund getötet, der so etwas wie das letzte Vermächtnis seiner verstorbenen Frau und die letzte Verbindung zur "normalen" Welt dargestellt hat, ist der ehemalige Killer, der nun in sein früheres Terrain zurückkehrt, um blutig Gericht zu halten, nun eben kein Sympathieträger im eigentlichen Sinne und weit davon entfernt, als Held zu gelten, selbst wenn man ihm zugutehalten kann, dass die anderen Bösen eben noch böser sind als er selbst.

Aber wie gesagt, bei einem Action-Reißer vom Schlage eines John Wick sollten solche Kleinigkeiten nicht weiter störend ins Gewicht fallen und speziell bei der Auswahl von Alfie Allen als Hund mordenden Mafia-Spross hat man sich durchaus einen Gefallen getan, ist der schließlich durch seine bekannte Rolle in Game of Thrones bereits prädisponiert für eine gehörige Portion Antipathie und Hass, derweil Michael Nyqvist in seiner Rolle als dessen Vater Viggo Tarasov – seines Zeichens früherer Auftraggeber von Wick – erstaunlich viel aus der schablonenhaften Rolle des Bösewichts herausholt. Weitergehend darf man sich über Adrianne Palicki (Agents of S.H.I.E.L.D.) in einer kleinen aber feinen Rolle freuen und ebenso auf kleine Stelldicheins seitens Willem Dafoe (The Hunter) und Ian McShane (Deadwood), wobei ich mir in beiden Fällen zugegebenermaßen etwas mehr erhofft hatte als diese beinahe an Cameos erinnernden Auftritte, doch liegt der Fokus eben auch ganz klar bei Reeves‘ Figur und geleitet durch diesen adrenalingeschwängerten Streifen, der nach einer Viertelstunde Aufwärmzeit kaum mehr aus der Action herauszukommen scheint.

Szenenbild aus John Wick | © STUDIOCANAL
© STUDIOCANAL

Mehr als gespannt bin ich nun aber dahingehend auf die geplante(n) Fortsetzung(en), denn während der Sichtung von John Wick beziehungsweise hinterher war ich doch der Meinung, die Geschichte wäre erzählt und stünde für sich genommen wohl mitunter am besten, doch anscheinend war ja bereits im Vorfeld geplant, diesen Teil als Aufhänger für eine Trilogie zu nutzen und nicht, wie ich anfänglich gedacht hatte, allein aufgrund des unerwarteten Erfolges nun weitere Teile zusammengeschustert werden. Ungeachtet dessen aber, wie die Geschichte sich weiter entwickeln wird, werde ich doch diesen Actioner mit seiner archaischen Herangehensweise und der handfesten Action in bester Erinnerung behalten, wenn das auch mehr daran liegen dürfte, wie ultracool und auf Hochglanz getrimmt hier die eigentlich so dreckige Geschichte präsentiert wird, denn dergestalt ist den Regisseuren Chad Stahelski und David Leitch die wohl überzeugendste Verquickung aus Blockbuster-Optik und B-Movie-Feeling gelungen, womit man den rekordverdächtigen Bodycount getrost unter Kür verbuchen kann.

Fazit & Wertung:

Mit John Wick ist Chad Stahelski und David Leitch ein überaus stimmig inszenierter Action-Reißer gelungen, der zwar weniger von seinen Innovationen oder einer wendungsreichen Geschichte zehren kann, es dafür aber vortrefflich versteht, das Prinzip "Style over Substance" auszuleben und meistenteils einfach unverschämt gut auszusehen, was sich natürlich auch in der plakativen Coolness des Rache nehmenden Keanu Reeves widerspiegelt, der darstellerisch jetzt zwar nicht übermäßig gefordert wird, in der Rolle als Action-Star aber dennoch zweifelsohne ein regelrechtes Comeback erlebt.

8 von 10 orgiastischen Kampfsequenzen

John Wick

  • Orgiastische Kampfsequenzen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Mit John Wick ist Chad Stahelski und David Leitch ein überaus stimmig inszenierter Action-Reißer gelungen, der zwar weniger von seinen Innovationen oder einer wendungsreichen Geschichte zehren kann, es dafür aber vortrefflich versteht, das Prinzip "Style over Substance" auszuleben und meistenteils einfach unverschämt gut auszusehen, was sich natürlich auch in der plakativen Coolness des Rache nehmenden Keanu Reeves widerspiegelt, der darstellerisch jetzt zwar nicht übermäßig gefordert wird, in der Rolle als Action-Star aber dennoch zweifelsohne ein regelrechtes Comeback erlebt.

8.0/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 7/10 Punkte

John Wick ist am 04.06.15 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von STUDIOCANAL erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Das kann ich nur so unterschreiben, auch wenn ich letztendlich einen Punkt weniger gegeben habe.

  • Schlopsi

    Der macht wirklich Laune und überrascht mit seiner konsequenten Darstellung.

  • Singende Lehrerin

    Ich fühle mich so allein mit meiner Abneigung gegen den Film… :-/ Ich fand zwar die Action wirklich toll choreografiert (ich steh auf coole Fight Scenes) und es gab ein paar echt witzige One-liners, aber: der Typ schlachtet an die 80 Menschen ab – wegen eines Hundes. Nee, sorry… von mir aus killt er denjenigen, der den Hund getötet hat, aber 80 Menschen (auch wenn die natürlich alle keine Engel waren) gegen 1 Hundeleben (ja, ich weiß, letztes Geschenk seiner verstorbenen Frau – das war schön böse, den zu töten, ohne Zweifel), da hege ich dann auch keine Sympathie mehr mit dem Protagonisten. Und wer bleibt dann als Identifikationsfigur?

    • An

      Ich kann dir da nur zustimmen – der Film ist zwar gut gemacht, aber dieses ganze Abschlachten „nur“ wegen eines Hundes? Naja. Nicht so meins.

      • Ich hab‘ den Film nicht gesehen (ehrlich gesagt: wegen des Hundes), aber als Tier- und speziell Hundeliebhaber kann ich durchaus nachfühlen, daß jemand in so einer Situation Amok läuft. Und wenn dieser „jemand“ dann zufällig ein Auftragskiller ist …

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