Review: Rage – Tage der Vergeltung (Film)

Die Liste der Knaller-Filme (ironisch gemeint) reißt nicht ab und auch heute habe ich die Ehre, euch allerdurchschnittlichste Durchschnittsware zu präsentieren, doch da ich ja immer einen gewissen Vorlauf an Film-Reviews habe (sieben an der Zahl im Moment), kann ich euch versichern, dass es bald auch wieder aufwärts geht mit den Wertungen und ich auch mal wieder schwärmen und nicht nur kritisieren darf.

Rage
Tage der Vergeltung

I Am Wrath, USA 2016, 92 Min.

Rage - Tage der Vergeltung | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Chuck Russell
Autoren:
Paul Sloan
Yvan Gauthier

Main-Cast:
John Travolta (Stanley)
in weiteren Rollen:
Christopher Meloni (Dennis)
Amanda Schull (Abbie)
Sam Trammell (Det. Gibson)
Patrick St. Esprit (Gov. Meserve)
Rebecca De Mornay (Vivian)

Genre:
Action | Krimi | Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Rage - Tage der Vergeltung | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Stanley Hill verdingt sich als Kfz-Ingenieur, derweil seine Frau Vivian für die Stadt tätig ist. Eines Tages jedoch gerät die heile Welt aus den Fugen, Stanley und Vivian werden in einer Tiefgarage überfallen und Vivian stirbt noch an Ort und Stelle. Den Annäherungsversuchen der eigenen Kinder ausweichend, zieht sich Stanley zurück und hofft nur noch auf Gerechtigkeit für seine verstorbene Frau, doch nachdem er bei einer Gegenüberstellung den Täter identifiziert und dieser dennoch alsbald die Polizeistation verlässt, sinnt Stanley, der früher Teil der Special Forces war, auf Rache und wendet sich an seinen früheren Kollegen und Freund Dennis, der mittlerweile einen Barbiersalon betreibt, im Keller allerdings noch immer ein beeindruckendes Waffenarsenal vorhält. Und während Stanley Jagd auf die Mörder seiner Frau zu machen beginnt, kristallisiert sich mehr und mehr heraus, das noch viel mehr hinter der Sache steckt und der Befehl für den Mord an Vivian von weitaus höherer Stelle kam…

Rezension:

Reißerisch prangt es bereits auf dem Cover des Direct-to-DVD-Release Rage, dass es sich hierbei um "Travoltas 96 Hours – Taken" handele. Nun ja, gut für den Film und schlecht für Travolta oder anders herum, denn vergleichen lassen sich beide Filme in Art und Güte nicht wirklich und haben lediglich das Rachethema gemein, was zu dem Schluss führt, dass Travoltas Vergeltungs-Chose nicht annähernd so zu packen weiß wie Neesons Rachefeldzug oder aber auch, dass es um Travoltas Karriere (noch) schlechter bestellt ist als befürchtet. Richtig davon ist beides zu Teilen, denn selten habe ich einen generischeren, überraschungsärmeren Film gesehen, der so konsequent wie uninspiriert die klassischen Versatzstücke einer solchen Story aneinanderreiht und dabei kaum Alleinstellungsmerkmale, geschweige denn so etwas wie Spannung entwickelt. Von der riesigen Explosion auf dem Cover ist somit im fertigen Film natürlich auch nichts zu sehen, wie man das vom Marketing solcher tendenziell als Rohrkrepierer gehandelten Produktionen gewöhnt ist.

Szenenbild aus Rage - Tage der Vergeltung | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur Chuck Russell mag mit den besten Ambitionen an den Film herangegangen sein, doch seine Geschichte dümpelt zunächst einmal arg vor sich hin, was insofern erstaunlich ist, dass man hier doch eigentlich recht schnell zur Sache kommt und die Grundprämisse setzt, doch in dem Bestreben, unserem Mimen so etwas wie Emotion zu entlocken, vergehen weitere Minuten des kaum anderthalbstündigen Werks, in denen John Travolta (Savages) traurig gucken darf und dabei schon nur leidlich überzeugt. Selbst die Antagonisten wissen nicht annähernd so zu gefallen wie in ähnlich gelagerten Genre-Flicks, denn ein paar Straßengangster sind es nun nicht gerade, die man für die hellsten Köpfe und perfidesten Strategen halten würde und damit behält man auch Recht, doch lauert im Hintergrund natürlich eine weitaus einflussreichere Bedrohung, die man aber ebenso kaum ernst nehmen mag, zumal hier wirklich alle Klischees in einen großen Topf geworfen worden zu sein scheinen, um die breiige Masse einmal ordentlich zu verrühren und sie dann über den Köpfen sämtlicher Figuren abzuladen. So gibt es mit Sam Trammell (True Blood), der hier gänzlich verschenkt wird, den obligatorischen korrupten Cop, einen nicht minder korrupten Politiker – nein, natürlich Gouverneur – und natürlich ganz viele Bad Ass-Gangsta, die sich an Dummheit zu überbieten versuchen, während einzig ihr Chef, der aber auch nicht viel zu tun bekommt, natürlich den absoluten Durchblick hat.

Immerhin praktisch für die Geschichte von Rage, dass Hauptfigur Stanley Hill natürlich zufällig auch eine Vergangenheit bei den Special Forces vorzuweisen hat und folglich genau weiß, was er zu tun hat, um den Laden ordentlich aufzumischen, wobei man sich vor diesem Hintergrund schon wundern mag, wie unvorbereitet und ineffizient er sich teils ins Geschehen stürzt. Damit kommen wir aber auch zu einem der wenigen Highlights im Film, das mich dann doch irgendwie bei der Stange zu halten wusste, denn neben den genannten Gestalten hat Travoltas Hill natürlich einen Freund aus früheren Tagen, hier gespielt von Christopher Meloni (ebenfalls True Blood) und auch wenn dessen Figur nicht weniger am Reißbrett entworfen zu sein scheint, gefällt die Chemie zwischen den beiden alten Hasen und deren verbale Schlagabtausche sorgen dann auch für den bitter nötigen Unterhaltungswert.

Szenenbild aus Rage - Tage der Vergeltung | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Davon abgesehen bekommt man durchaus einige solide Actioneinlagen geboten, die den Film in der zweiten Hälfte dann auch ein wenig peppiger wirken lassen, zumal ich ein ums andere Mal um das Leben des Sidekick – Meloni also – gebangt habe, was aber natürlich nicht jedem so gehen mag und den Film nun auch nicht mehr so richtig aus der Reserve lockt. Das Finale dann wiederum wird zwar mit ein wenig Trara inszeniert, hält aber in punkto Logik kaum einer näheren Betrachtung stand und rudert gar für einen halbgaren Schluss-Gag noch zurück, um den Film dann genauso durchwachsen enden zu lassen, wie er schon begonnen hat. Warum man den Film dann zu allem Überfluss auch noch mit dem Titel Rage "einzudeutschen" versucht hat (und damit denselben Titel wie bei dem zwei Jahre zuvor erschienenen Tokarev mit Nicolas Cage gewählt hat), statt den ungleich treffenderen Titel I Am Wrath beizubehalten, wird mir ebenso ein Rätsel bleiben wie der Umstand, wie sich so viele eigentlich überzeugende Darsteller für eine derartige Produktion haben hergeben können.

Fazit & Wertung:

Chuck Russells Rage – Tage der Vergeltung scheint tatsächlich mit dem Anspruch entstanden zu sein, Travolta ein Action-Comeback zu verschaffen wie es schon bei vielen anderen Mimen geglückt ist, doch die rundweg generische Geschichte, der überraschungsarme und mit logischen Schlaglöchern gepflasterte Plot und die nur mäßig packenden, geschweige denn einfallsreichen Action-Sequenzen machen diesem Ansinnen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Einzig die Buddy-Momente zwischen Travolta und Meloni bieten in der ansonsten reichlich trivialen Chose einige wenige Lichtblicke.

4,5 von 10 zur Strecke gebrachten Verbrechern

Rage – Tage der Vergeltung

  • Zur Strecke gebrachte Verbrecher - 4.5/10
    4.5/10

Fazit & Wertung:

Chuck Russells Rage – Tage der Vergeltung scheint tatsächlich mit dem Anspruch entstanden zu sein, Travolta ein Action-Comeback zu verschaffen wie es schon bei vielen anderen Mimen geglückt ist, doch die rundweg generische Geschichte, der überraschungsarme und mit logischen Schlaglöchern gepflasterte Plot und die nur mäßig packenden, geschweige denn einfallsreichen Action-Sequenzen machen diesem Ansinnen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Einzig die Buddy-Momente zwischen Travolta und Meloni bieten in der ansonsten reichlich trivialen Chose einige wenige Lichtblicke.

4.5/10
Leser-Wertung 7/10 (2 Stimmen)
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Rage – Tage der Vergeltung ist am 07.10.16 auf DVD und Blu-ray bei Ascot Elite im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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