Review: Life Zero – Mit der Kälte kamen sie… (Graphic Novel)

Nachdem ich am Montag die beinahe schon obligatorische Comic-Review aus geburtstagstechnischen Gründen geschlampt habe, melde ich mich nun zumindest mit einem nicht minder obligatorischen Freitags-Artikel zurück und entlasse euch damit vorerst ins Wochenende. 😉 Macht euch schön freie Tag mit den Liebsten, wir lesen uns auf alle Fälle morgen wieder.

Life Zero
Mit der Kälte kamen sie…

Life Zero #1-3, USA 2015/2016, 148 Seiten

Life Zero - Mit der Kälte kamen sie | © Panini
© Panini

Autor:
Stefano Vietti
Zeichner:
Marco Checchetto

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98962-8

Genre:
Action | Drama | Horror | Endzeit

 

Inhalt:

Die Spezialeinheit von Captain Shako hat diesmal einen ganz besonderen Auftrag bekommen, denn nicht nur gilt es, den Captain selbst zu befreien, müssen sie sich für dieses Unterfangen zu allem Übel auch noch in eine unüberschaubare Megacity wagen, die seit dem unerklärlichen Auftauchen einer dunklen Wolke am Himmel über der Stadt von lebenden Toten bevölkert wird. Und so begibt sich das kampferprobte Team in die inzwischen hermetisch abgeriegelte Stadt, um Shako zu befreien, doch bei wandelnden Toten halten sich die Erfahrungswerte erwartungsgemäß in Grenzen und der sorgsam ausgearbeitete Evakuierungs- und Fluchtplan weicht bald improvisierten Überlebensstrategien und die Situation läuft mehr und mehr aus dem Ruder…

Rezension:

Bei Life Zero handelt es sich um eine Panini-Eigenproduktion, die es trotz des zunächst ausgelutscht erscheinenden Themas "Zombies" in sich hat, was nicht zuletzt daran liegt, dass es sich um ein Projekt von Stefano Vietti und Marco Checchetto handelt, wobei Checchetto natürlich für die visuelle Umsetzung des Geschehens verantwortlich zeichnet und mich auch schon bei Star Wars: Imperium in Trümmern zu begeistern wusste und erwartungsgemäß großartig sieht nun auch der vorliegende Dreiteiler aus, wobei man sich davon nicht täuschen lassen sollte, denn die drei Teile der Geschichte kommen mit jeweils doppeltem Umfang daher, was einer Kapitellänge von 44 Seiten entspricht, so dass die Story durchaus genügend Raum zur Entfaltung findet. Vor allem also atmosphärisch weiß der Band zu punkten, denn mit einem Virus, das die Menschen zu Zombies hat werden lassen, mit einer aussichtslos scheinenden Rettungsaktion in einer von Untoten überrannten Stadt sind die Versatzstücke nun nicht eben neu und entsprechend generisch gestaltet sich das Geschehen zunächst auch, wobei die Art des Erzählens durchaus zu packen weiß.

Richtig interessant wird die Chose dennoch erst, als Autor Vietti einen ziemlich genialen Kniff findet, das vorangegangene Geschehen in ein neues Licht zu tauchen und von da an hatte mich Life Zero vollends gepackt, während es vorher eben eher der überzeugende Stil und die dichte Inszenierung gewesen sind, die auch in den sich hieran anschließenden Begebenheiten kaum an Faszination einbüßen. Wer nämlich erwartet, hier mit durchweg stereotypen Zombies abgespeist zu werden, der begibt sich auf genau die falsche Spur, die Vietti und Checchetto unzweifelhaft legen wollten und umso erschütternder ist es, wenn es den Protagonisten des Bandes und damit auch dem Leser vergönnt ist, hinter den Vorhang zu blicken und die schreckliche Wahrheit zu erfahren, für die so viele Menschen solche Opfer haben bringen müssen.

Unterbrochen wird die Erzählung dabei zwischen den Kapiteln von Tagebucheinträgen und einem Gesprächsprotokoll, die ebenso wie eine der Geschichte vorangestellte Karte der Stadt tiefergehende Einblicke in die Welt von Life Zero erlauben und damit gar einen kleinen Schwenker in Richtung Horror-Literatur erlauben, so dass sich der in sich geschlossene Band in seinen besten Momenten wie eine ungemein gelungene Mischung aus The Walking Dead und Crossed präsentiert. Speziell die ungemein tragische, fatalistische Note früher Crossed-Stories wird hier gekonnt aufgegriffen, während sich das zwischenmenschliche Drama in bewusst eng gehaltenen Grenzen bewegt, denn die Frage nach dem Überleben, dem Wiederaufbau der Zivilisation stellt sich hier einfach noch nicht in dem Maße wie bei anderen, einschlägigen Werken, was den Comic aber nicht weniger lohnenswert macht, zumal er mit einer regelrecht cineastischen Aufbereitung daherkommt und – ich erwähnte es bereits – einfach unverschämt gut aussieht, was durch die Kolorierung durch Andres Mossa nur noch verstärkt wird, wie sich bereits am Cover belegen lässt, denn der gesamte Band ist mit wenigen Ausnahmen in kühlen Blautönen gehalten, was den Kontrast zum Rot des Blutes nur noch verstärkt, wobei man aber auch auf Spielereien wie Nachtaufnahmen und die obligatorisch in Sepia-Farbtönen gehaltenen Rückblenden nicht verzichtet und damit optisch alle Register zieht.

Zugegeben, trotz des unerwarteten Twists gewinnt Life Zero nun mitnichten Originalitätspreise, doch wer einmal eine stimmige Zombie-Geschichte offeriert bekommen möchte, ohne auf die einschlägigen wie langlebigen Reihen zurückgreifen zu müssen, zumal sich speziell das Konzept von Crossed in meinen Augen mittlerweile merklich abzunutzen droht, der ist mit Viettis und Checchettos Kopfgeburt bestens bedient und dürfte nicht enttäuscht werden, denn auch wenn man ausgebildete Spezialkräfte schon oft als verloren eingestufte Städte hat durchpflügen sehen, geschah dies selten stilsicherer und packender als hier, wenn man denn eben dem Genre nicht grundsätzlich abgeneigt ist. Als besonderer Clou sind hier übrigens an Extras noch das Konzept eines Variant-Covers, Anatomie einer Comicseite sowie eine " geschnittene" Szene enthalten, wobei der eigentliche Clou aber der von Checchetto und Fattoretto komponierte Soundtrack sein dürfte, denn man sich via QR-Code von Amazon oder iTunes besorgen kann und damit den Lesegenuss von Life Zero auch akustisch untermauert.

Fazit & Wertung:

Wähnt man sich bei Stefano Viettis und Marco Checchettos Life Zero – Mit der Kälte kamen sie… zunächst in einer klassischen Zombie-Geschichte, vermag sich der üppig ausgestattete Dreiteiler doch schnell von seinen Genre-Vertretern freizuspielen und eigene Ansätze zu finden, wobei der Band insbesondere optisch überaus gelungen ist und sich allein schon deswegen nicht vor anderen Vertretern seiner Zunft nicht zu verstecken braucht.

8 von 10 Infizierten

Life Zero – Mit der Kälte kamen sie...

  • Infizierte - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Wähnt man sich bei Stefano Viettis und Marco Checchettos Life Zero – Mit der Kälte kamen sie... zunächst in einer klassischen Zombie-Geschichte, vermag sich der üppig ausgestattete Dreiteiler doch schnell von seinen Genre-Vertretern freizuspielen und eigene Ansätze zu finden, wobei der Band insbesondere optisch überaus gelungen ist und sich allein schon deswegen nicht vor anderen Vertretern seiner Zunft nicht zu verstecken braucht.

8.0/10
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Life Zero – Mit der Kälte kamen sie… ist am 18.10.16 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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