Review: Midnight in Paris (Film)

An diesem lauschigen Feiertag habe ich für euch mal wieder einen ganz besonders schönen Film im Gepäck, den ich somit dann auch endlich einmal nachgeholt hätte. Macht euch noch einen schönen Abend und bis morgen!

Midnight in Paris

Midnight in Paris, ES/USA/FR 2011, 94 Min.

Midnight in Paris | © Concorde Video
© Concorde Video

Regisseur:
Woody Allen
Autoren:
Woody Allen

Main-Cast:
Kathy Bates (Gertrude Stein)
Adrien Brody (Salvador Dalí)
Carla Bruni (Museum Guide)
Marion Cotillard (Adriana)
Rachel McAdams (Inez)
Michael Sheen (Paul)
Owen Wilson (Gil)
in weiteren Rollen:
Nina Arianda (Carol)
Kurt Fuller (John)
Tom Hiddleston (F. Scott Fitzgerald)
Mimi Kennedy (Helen)
Alison Pill (Zelda Fitzgerald)
Léa Seydoux (Gabrielle)
Corey Stoll (Ernest Hemingway)

Genre:
Komödie | Fantasy | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Midnight in Paris | © Concorde Video
© Concorde Video

Mit dem Traum im Herzen, der unerbittlichen Hollywood-Maschinerie den Rücken zu kehren, plant Drehbuchautor Gil Pender im malerischen Paris seinen ersten Roman zu verfassen. Weit weniger angetan von diesen Plänen ist seine weitaus bodenständigere Verlobte Inez, die sich lieber an den egozentrischen Paul und dessen Frau hängt, um ein wenig Kultur in der Stadt der Liebe zu genießen, derweil sie nichts von Gils Plänen hält, permanent nach Paris zu ziehen. Gil, von Inez und ihren Freunden allein gelassen, steigt derweil des Nachts in ein altertümlich anmutendes Taxi und findet sich kurzerhand im Paris der Goldenen Zwanziger wieder, begegnet F. Scott und Zelda Fitzgerald und weiteren illustren Gestalten der damaligen Zeit und verguckt sich alsbald – Verlobung hin oder her – in die Muse von Pablo Picasso. Während Inez ihn zunehmend für bekloppt hält, macht sich Gil Nacht für Nacht auf, seinen Freunden einer längst vergangenen Zeit einen Besuch abzustatten und steigert sich immer mehr in seine dortigen Erlebnisse hinein, spätestens als die berühmte Kulturkritikerin Gertrude Stein seinen Roman zu lektorieren beginnt…

Rezension:

Gut Ding will Weile haben, und in dem Wissen, dass es sich bei Midnight in Paris wahrscheinlich um einen der besten Filme von Woody Allen der letzten paar Jahre handeln dürfte, hat es entsprechend lange gedauert, bis ich mich zu einer Sichtung habe durchringen können. Und tatsächlich sollte ich mit meiner Annahme Recht behalten, denn egal ob es sich um eine leichtfüßige Komödie oder um ein eher philosophisch-zynisches Werk des Altmeisters handelt, hat er doch schon immer Filme für und über Träumer gedreht und treibt diesen Umstand nun hier quasi auf die Spitze, derweil mir Owen Wilson (Inherent Vice) lange schon nicht mehr so gut gefallen hat wie hier in seiner Rolle als entwaffnend naiver Schreiberling, der mir nichts dir nichts in das Paris der 20er-Jahre versetzt wird und abgesehen von einer kurzen, anfänglichen Irritation dran nichts merkwürdiges findet und Nacht um Nacht in die Goldenen Zwanziger zurückkehrt und sich dort mit Schriftstellergrößen Wie Fitzgerald und Hemingway und Künstlern wie Picasso oder auch Salvador Dali dem einstigen Nachtleben widmet, später gar sein Manuskript der Kulturkritikerin Gertrude Stein zuspielt, wodurch das Leben im Hier und Jetzt mit seiner bärbeißigen Verlobten Inez mehr und mehr ins Hintertreffen gerät.

Szenenbild aus Midnight in Paris | © Concorde Video
© Concorde Video

Die Prämisse des Films, dass des Nachts ein altertümliches Gefährt um Schlag Mitternacht den Weg in eine längst vergangene Zeit eröffnet, muss man natürlich bereitwillig schlucken, um seine Freude an Midnight in Paris zu haben, zumal Protagonist Gil kaum einen Versuch unternimmt, dieses zugegebenermaßen irritierende Mysterium aufzuklären und auch nach einmaligem Versuch davon ablässt, seine Verlobte von der Wahrhaftigkeit seiner vermeintlichen Träumerei zu überzeugen, doch geht es eben darum auch gar nicht wirklich in dem Film und man täte gut daran, sich ganz dem Zauber des Augenblicks zu ergeben, eben so, wie es auch Gil für seinen Teil zu handhaben beschließt, der viel zu fasziniert ist von all den schillernden Gestalten, die ihm in seinen umtriebigen Nächten begegnen, um groß zu hinterfragen, wie dies überhaupt möglich sein kann. Gerade aber diese träumerische Naivität macht die Figur so sympathisch wie lange schon keine mehr und die zahllosen Co-Stars tun ihr Übriges, um Allens 42. Kinofilm zu einem schwelgerischen Genuss zu machen, wobei sich dessen Erzählebenen spürbar in die heutige und damalige Zeit aufteilen lassen, so dass die Rolle der von Rachel McAdams (Spotlight) verkörperten Inez, ebenso wie die des übertrieben arrogant und selbstverliebt erscheinenden Freundes Paul, von einem mit viel Mut zur Gönnerhaftigkeit aufspielenden Michael Sheen (Kill the Messenger) verkörpert, nur in der Gegenwart Bewandtnis haben, wohingegen das Treiben in den 1920ern von einer Vielzahl superb aufspielender Akteure als Alter Egos weltberühmter Gestalten dominiert wird.

Speziell was die Verkörperung dieser illustren Gesellschaft anbelangt, beweist Woody Allen derweil ein untrügliches Gespür, denn angefangen mit Tom Hiddleston (The Night Manager) als Scott Fitzgerald und Alison Pill als dessen Frau Zelda ist man vom ersten Moment an derselben Faszination erlegen wie Hauptfigur Gil und dieser Eindruck steigert sich zunehmend, wenn etwa Corey Stoll (Non-Stop) als Ernest Hemingway die Bühne betritt, derweil mir einzig Adrien Brody (Grand Budapest Hotel) als Salvador Dalí zu überzeichnet, zu affektiert, zu spleenig erschien, um der Figur gerecht zu werden, doch das reißen die wie immer großartige Kathy Bates als Gertrude Stein und last but not least natürlich die bezaubernde Marion Cotillard (Blood Ties) als Love-Interest vergangener Tage spielend raus, wobei sich im Falle von Cottilard auch eine interessante Wendung innerhalb des Films ergibt, denn das Geschehen ist natürlich zunächst von dem trügerischen Grundsatz dominiert, dass früher alles besser gewesen ist, gewesen sein muss, denn dass dieses Gefühl auch die Leute dieses "Früher" umgetrieben hat, muss Gil erst schmerzlich lernen.

Szenenbild aus Midnight in Paris | © Concorde Video
© Concorde Video

Davon abgesehen punktet aber Midnight in Paris natürlich wie zu erwarten mit einem Gros pointierter und stilsicherer Dialoge und präsentiert sich ansonsten als eine einzige große Huldigung an die Stadt der Liebe, was dann auch die vielen an Postkarten-Motive erinnernden Einstellungen untermauern, doch ist das keineswegs abwertend gemeint, denn diese pittoresken Miniaturen einer ohnehin schon vom Flair der Romantik dominierten Stadt verleihen dem magisch absurden Treiben des Films natürlich lediglich den letzten Schliff. Selbstredend, aber das dürfte nach meiner Kritik längst klar sein, sollte man sich natürlich bestmöglich selbst den naiven Träumer in sich bewahrt haben und ein Faible für Kunst und Literatur besitzen, um dieses Werk genießen zu können, denn wer sich mehr in der bodenständigen, im Hier und Jetzt verhafteten Inez identifiziert, dem würde es zugegebenermaßen leicht fallen, den gesamten Film zu demontieren, der schon ein gehöriges Maß an Willing Suspension of Disbelief nicht nur voraussetzt, sondern geradezu einfordert, wobei ich ihm das in diesem Fall als Stärke und nicht etwa Schwäche auslegen möchte.

Fazit & Wertung:

Mit Midnight in Paris legt Altmeister Woody Allen einen weiteren ungemein schwelgerischen und träumerischen Film vor, der sowohl als Huldigung an die Stadt der Liebe als auch charmant-magische Märchengeschichte zu überzeugen weiß und gleich in mehrfacher Hinsicht mit einem Star-Aufgebot sondergleichen zu begeistern versteht.

9 von 10 nächtlichen Ausflügen in eine vergangene Zeit

Midnight in Paris

  • Nächtliche Ausflüge in eine vergangene Zeit - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Mit Midnight in Paris legt Altmeister Woody Allen einen weiteren ungemein schwelgerischen und träumerischen Film vor, der sowohl als Huldigung an die Stadt der Liebe als auch charmant-magische Märchengeschichte zu überzeugen weiß und gleich in mehrfacher Hinsicht mit einem Star-Aufgebot sondergleichen zu begeistern versteht.

9.0/10
Leser-Wertung 7.67/10 (3 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte

Midnight in Paris ist am 16.12.11 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Concorde Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Hey, hat dir ja sogar noch besser gefallen als mir! :)

    Und erblicke ich da ein kleines Redesign in deinem Blog oder täusche ich mich?

    • Stimmt, fand ich richtig, richtig toll!

      Und ja, es sieht aus wie ein „kleines Redesign“, aber dahinter steckt ein gänzlich neues Theme, was ich in behutsamer Feinarbeit näherungsweise dem alten Theme angepasst habe, doch insbesondere auf der Startseite herrscht jetzt doch der „Magazin-Gedanke“ vor und es gibt einige Spielereien wie Parallax-Scrolling, mit denen ich noch rum experimentiere, aber nachdem ich das Theme in den letzten Monaten meist nur für einige Minuten online hatte, war mir heute mit Beginn des neuen Monats danach, es einmal längerfristig aktiv zu haben und es quasi einem Live-Test zu unterziehen :) Feedback ist also immer gern gesehen, wie du dir vorstellen kannst 😉

      • Na, da will ich doch gleich mal mit Feedback dienlich sein: Optisch gefällt es mir ausgesprochen gut, die einzelnen Kategorien sind ebenfalls sehr ansprechend präsentiert. Das Einzige, was mir nicht so gefällt: Ich (als jemand, der sich für alle Sparten interessiert) würde es jedoch bevorzugen, wenn die „Zuletzt“-Reihung auf der Startseite ganz oben stünde (also quasi wie bisher), da man auf diese Weise eben auf einen Blick sieht, ob etwas Neues dazugekommen ist, während man aktuell ziemlich weiter runterscrollen muß, um den kompletten Überblick über alle Kategorien zu erhalten. Aber ansonsten sieht es für mich auf den ersten Blick tadellos aus.

        Und bei „Midnight in Paris“ hast du mir mal wieder exakt die Wertung nachgemacht, du Schlingel! 😉
        (auch wenn du das vermutlich gar nicht bemerkt hast, weil meine Kritik aus der Anfangszeit meines Blogs stammt, als ich sie noch nicht in der OFDb verlinkt habe …)

      • Oh ja super, danke für das ausführliche Feedback! Das hört sich grundsätzlich ja schon mal gut an und die Überlegung mit der Anordnung der „Featured“- und „Zuletzt“-Artikel hatte ich auch schon angestellt, denke auch, dass ich da noch was drehen werde, tendenziell quasi genauso, wie du schreibst, dass erst die neuesten Artikel kommen und dann die ganzen Kategorie-Übersichten, aber ich warte mal noch ab, ob von sonst einer Seite noch Rückmeldung kommt.

        ps: zum Thema „ob etwas Neues dazugekommen ist“ – jeden Tag, unermüdlich, keine 24 Stunden ohne neuen Blogartikel :)

        Und nein, dass ich deine Wertung „nachgemacht“ habe wusste ich nicht, schließlich habe ich ja auch vorher in der OFDb geschaut, ob es bei dir was zu verlinken gibt und bin – wie du siehst – nicht fündig geworden 😉

      • Mir fällt übrigens gerade auf, daß auf der Startseite bei den Kategorien „Serien“ und „Graphic Novels“ – anders bei „Filme“ und „Bücher“ – nicht das Datum der einzelnen Postings steht. Ist vermutlich nicht so gewollt, oder? Jedenfalls finde ich es hilfreich, wenn das Datum gleich zu sehen ist.

      • Hast du Recht, werde ich aber nicht viel dran ändern können fürchte ich und scheint vom Theme her schon so gewollt, dass in dem „Grid-Layout“ kein Datum oder andere Meta-Daten mit ausgegeben werden. Aber ich werde das wohl auf alle Fälle noch umstellen, dass die neuesten Posts auch wieder oben erscheinen, dann hast du das Problem nicht mehr 😉

        Und nochmal Danke für das viele Feedback, find ich echt klasse!

      • Da ich sonst kaum auf deine Startseite gehe, ist mir der Magazinlook nicht aufgefallen. Ich komme ja immer direkt über Feedly her. Das Parallax-Scrolling ist ein netter Effekt, doch wirkt es wohl je nach cover unterschiedlich gut. Auf jeden Fall beeindruckend und toll, wie konsequent du dein Blog weiterentwickelst. Ich könnte mir vorstellen, dass die neue Startseite gerade für neue Besucher eine große Hilfe ist und zum Klicken animiert… :)

      • Klar, ginge mir bei vielen Blogs auch so, dass ich die Startseite quasi nicht kenne. Da habe ich mich anfänglich auch geärgert, dass es keine Möglichkeit bei dem Theme gibt, auf der Startseite eine Sidebar zu integrieren, aber Hauptsache bei den Artikeln bleibt alles beim Alten und so gesehen ist das Redesign wirklich sehr behutsam.

        Bis jetzt sieht das Paralax-Scrolling eigentlich überall ganz nett aus, doch muss ich da auch noch einen nicht gerade kleinen Haufen an Artikeln überarbeiten :) Einzig bei Media Monday, Montags- und Donnerstagsfragen und leider auch den Portrait-Artikeln (zumindest in der Mobile-Ansicht) ist der Effekt nicht praktikabel, aber das kann man ja je Artikel steuern.

        Ich empfinde Weiterentwicklung auch schon als wichtig und hier ist ja längere Zeit nichts Gravierendes geändert worden, weshalb es Zeit wurde für den Theme-Wechsel, wobei ich mein altes Theme ja sehr mochte und deshalb auch viiieeele Elemente übernommen habe. Und jetzt warten wir dann mal ab, wie die neue Startseite so wirkt, bevor ich das nächste Projekt in Angriff nehme 😉

  • Stepnwolf

    Ich weiß nicht, ob es an meiner Browserdarstellung liegt, aber ich kann die Leserwertung-Skalierung nicht richtig sehen. Ist ein kleines Ratespiel beim Bewerten. 😉

    • Oh, ja, stimmt, guter Hinweis, das hatte ich im alten Theme mal angepasst. Werde ich also noch dran müssen und nein, liegt nicht an deiner Browserdarstellung, ist tatsächlich vom Plugin her ziemlich blöd programmiert, aber ich kümmer mich beizeiten drum 😉

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