Review: Star Wars: Die Sith-Lords | Paul S. Kemp (Buch)

Das Star Wars Universum

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Letzte Woche bin ich euch eine Buch-Kritik schuldig geblieben, doch ist das logischerweise nun runde sieben Tage her und ich war in der Zwischenzeit fleißig, weshalb ich euch heute auch wieder von meiner jüngsten Lektüre berichten kann.

Star Wars
Die Sith-Lords

Star Wars: Lords of the Sith, USA 2015, 416 Seiten

Star Wars: Die Sith-Lords von Paul S. Kemp | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Paul S. Kemp
Übersetzer:
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16070-7

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Wenn Isval sprach, war es eigentlich immer ein Brummen. Sie wirkte stets rastlos, wie ein Wanderer, gefangen in einem Käfig, den nur sie sehen konnte, indem sie auf und ab ging und sich gegen die Gitterstäbe stemmte. In dieser Hinsicht erinnerte sie Cham an seine Tochter, Hera, die er jedes Mal schrecklich vermisste, wenn er sich Gedanken an sie gestattete.

Jahre sind vergangen, seit aus Anakin Skywalker der gefürchtete Darth Vader wurde und längst hat sich die Kunde von dem erbarmungslosen Schlächter an der Seite des Imperators in der Galaxis verbreitet. Da ist es nicht verwunderlich, dass der mächtige Sith und Imperator seinen getreuen Schüler mit sich nimmt, als er beschließt, nach Ryloth zu reisen, um einen mutmaßlichen Verräter ausfindig zu machen, der ein ums andere Mal dem Widerstandsnest der Bewegung "Freiheit für Ryloth" in die Hände spielt. Was als wenig ereignisreiche Reise beginnt, wird bald von einem erstaunlich gut koordinierten Angriff der Widerstandskämpfer in gänzlich neue Bahnen gelenkt, doch Vader kann sich – nicht zuletzt der Andeutungen seines Meisters wegen – nicht des Gefühls erwehren, als wüsste Palpatine nur allzu genau, was sie auf Ryloth erwarte. Zu welchem Zweck er allerdings sehenden Auges in eine vermeintliche Falle läuft, ist der Meister dem Schüler noch nicht bereit zu offenbaren…

Rezension:

Nun liegt also mit Die Sith-Lords ein weiterer Star Wars-Roman hinter mir und trotz der eher verhaltenen Kritiken, derer ich im Vorfeld gewahr wurde, setzte ich doch große Hoffnungen auf dieses Werk, zumal es sich ja nun nicht eben um Paul S. Kemps ersten Ausflug in das Franchise handelt und ich bei Tarkin gesehen habe, wie stimmig es wirken kann, einmal den Bösewichten die Hauptrolle zu überlassen und dass die Geschicke von Palpatine und Vader noch weitaus spannender zu sein versprechen als die des Großmoffs, brauche ich wohl niemandem gesondert erklären. Leider – und diese Erwartungshaltung bauen allein der Titel und das zugegebenermaßen sehr schöne, vom Inhalt des Buches allerdings gänzlich losgelöste Cover im Vorfeld auf – bekommt man von den namensgebenden Sith-Lords anfänglich wenig zu sehen und abgesehen von kürzeren Passagen steht ganz ohne Zweifel die Bewegung "Freiheit für Ryloth" und deren Protagonisten im Vordergrund, während sich parallel dazu die Handlung um die beiden Sith nur marginal voran bewegt, namentlich dadurch, dass die beiden sich nach Ryloth aufmachen.

Vader deaktivierte sein Lichtschwert, hob das Komm auf und öffnete den Kanal, sodass das Keuchen seiner Atemmaske durch den Kanal hallte.
»Wer ist da?«
Der Sith-Lord antwortete nur mit seinem Atem.
»Tymo, bist du das? Bist du verletzt?«
»Ich komme euch jetzt holen«, sagte Vader.
Anschließend zerquetschte er den Kommunikator in seiner Faust, zündete erneut sein Lichtschwert und stieg über den toten Twi’lek hinweg.

Das ist insofern doppelt schade, dass man sich eben auf diese beiden bösen Protagonisten gefreut hat, aber auch, dass Autor Kemp diese meist kurzen Szenen überwiegend sehr gelungen sind, weshalb ich mir gerne mehr davon gewünscht hätte, denn so gewinnen die Charaktere kaum mehr an Profil, als sie ohnehin schon besitzen und auch der von aufflackernden Zweifeln und bruchstückhaften Erinnerungen gemarterte Vader wirkt nicht immer ganz stimmig, spielt die Handlung zwar einerseits rund 14 Jahre vor der Schlacht von Yavin, andererseits aber eben auch gute fünf Jahre, nachdem Vader seine lebenserhaltende Rüstung angelegt hat und da mag man sich kaum vorstellen, dass ihm sein einziger Vertrauter ein solch undurchschaubares Rätsel ist und wundert sich im Umkehrschluss darüber, wie oft er bereits zu diesem Zeitpunkt darüber nachsinnt, seinen Meister zu hintergehen, erscheint er ihm schließlich hiernach noch viele Jahre mehr als treu ergeben. Dennoch, diese Abschnitte sind es, von denen Die Sith-Lords zu zehren weiß, doch bekommt man eben weit mehr das Gefühl, bei den Hauptfiguren handele es sich um die Twi’lek Cham Syndulla – seines Zeichens Vater der aus Star Wars: Rebels bekannten Hera – und die oft ungestüme Isval, denen ein Großteil der Seiten gewidmet wird.

Davon abgesehen gibt es zwar noch einige weitere Figuren im Rahmen des Settings, von weiteren Twi’lek über eine dekadent und nachlässig gewordene Moff, einen semi-unfreiwilligen imperialen Verräter und einige mehr und allen von ihnen wird durchaus genügend Profil zuteil, dass einen ihr Schicksal und ihre Taten nicht kalt lassen, wodurch Die Sith-Lords spürbar an Spannung und Kurzweil gewinnt, doch kommt der Plot des Buches dem Niveau der stimmig skizzierten Figuren leider nicht einmal annähernd gleich. Wundert man sich nämlich zunächst über die untergeordnete Rolle, die Vader und Palpatine in der Erzählung spielen, entspinnt sich langsam ein zunächst spannender, sich später dafür umso mehr in die Länge ziehender Angriff auf einen Sternenzerstörer, der ohne Frage auch als Finale getaugt hätte, doch dient er hier mehr der Exposition und soll die einzelnen Figuren in Stellung bringen, wofür Kemp allerdings mit rund 200 Seiten gut das halbe Buch benötigt.

Kurz nach der Vernichtung der Jedi hatte der Imperator Vader erklärt, dass dieser eines Tages versuchen würde, ihn zu töten. Die Beziehung zwischen Sith-Lehrling und -Lehrmeister war symbiotisch, aber sie fußte auf einem zerbrechlichen Gleichgewicht. Der Schüler schuldete seinem Meister Treue, und der Meister schuldete seinem Schüler Wissen und Stärke. Doch diese Verpflichtungen beruhten auf Wechselseitigkeit; sobald einer von beiden es versäumte, seinen Teil zu erfüllen, war es die Pflicht des anderen, ihn zu vernichten. So verlangte es die Macht.

Nach diesem, nennen wir es einfach einmal ausgedehnten Intro wird es dann sowohl besser als auch schlechter, denn einerseits flacht die Spannungskurve im Mittelteil zunächst merklich ab, weil man als Leser natürlich niemals in Versuchung gerät, zu glauben, die Sith befänden sich in ernsthafter Gefahr, wohingegen andererseits der Imperator und seine rechte Hand endlich einmal mehr tun dürfen, als in schlaglichtartigen Szenen kurz Erwähnung zu finden und auch diese Passagen treffen erneut genau den richtigen Ton und sind superb zu lesen, nur um alsbald wieder zu den Twi’lek der Widerstandsbewegung "Freiheit für Ryloth" zurückzukehren. Aus genannten Gründen ist dann auch der weitere Verlauf relativ vorhersehbar und zwar flott geschrieben, aber nicht eben packend und die Quintessenz des Romans – auf den letzten Seiten nur allzu hastig abgehandelt – könnte profaner kaum sein, was einen in Anbetracht des vielversprechenden Titels Die Sith-Lords doch reichlich unbefriedigt zurücklässt. Schade, hier wäre meines Erachtens nach deutlich mehr drin gewesen in Bezug auf die vermeintlichen Hauptcharaktere und selbst die Geschichte für sich hätte womöglich mehr Anklang finden können, hätte man sie anders vermarktet, aber so bleibt in letzter Konsequenz ein überschaubar konstruiertes, wenig überraschendes Abenteuer, dessen Möglichkeiten in punkto Flair und Atmosphäre leider nur in einigen Szenen wirklich durchscheinen.

Fazit & Wertung:

In Anbetracht des Titels Die Sith-Lords würde man sich eine einerseits wuchtige, andererseits die dunkle Seite der Macht näher beleuchtende Geschichte erwarten, bekommt stattdessen in Paul S. Kemps erstem Kanon-Werk einen recht generischen Plot ohne allzu viele Schlenker aufgetischt, dessen größtes Versäumnis es wohl ist, dass die titelgebenden Figuren in weiten Teilen wie bloße Staffage wirken und kaum an Tiefe hinzugewinnen, wenn man einmal von einigen wenigen, vielversprechenden Szenen absieht. Dergestalt leider ein sehr durchschnittlicher Star Wars-Roman, der auch nichts Substanzielles zum Kanon beizutragen weiß.

6 von 10 Demonstrationen der Macht

Star Wars: Die Sith-Lords

  • Demonstrationen der Macht - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

In Anbetracht des Titels Die Sith-Lords würde man sich eine einerseits wuchtige, andererseits die dunkle Seite der Macht näher beleuchtende Geschichte erwarten, bekommt stattdessen in Paul S. Kemps erstem Kanon-Werk einen recht generischen Plot ohne allzu viele Schlenker aufgetischt, dessen größtes Versäumnis es wohl ist, dass die titelgebenden Figuren in weiten Teilen wie bloße Staffage wirken und kaum an Tiefe hinzugewinnen, wenn man einmal von einigen wenigen, vielversprechenden Szenen absieht. Dergestalt leider ein sehr durchschnittlicher Star Wars-Roman, der auch nichts Substanzielles zum Kanon beizutragen weiß.

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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars: Die Sith-Lords ist am 19.09.16 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Kleine Korrektur: Hera Syndulla ist nicht aus „The Clone Wars“ bekannt, sondern aus „Star Wars Rebels“. Schau dir die Serien endlich mal an, dann passiert dir sowas nicht mehr! 😉

    • Ach Mensch, meinte ich doch auch, also, dachte ich zumindest dran. Egal, ist korrigiert. Würde ich mir ja wirklich alles gerne ansehen, aber im Moment stehen weit über 30 Serien auf meiner Watchlist – Serien, nicht Staffeln wohlgemerkt – und da tue ich mich extrem schwer, mir so etwas auch noch aufzuladen.

      • Tja, wem erzählst du das – ich habe letztmals vor fast zwei Jahren eine etwas ältere Serienstaffel auf DVD angeschaut, seitdem bin ich mit aktuellen Serien mehr als ausgelastet …

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