Review: Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück (Film)

Damit wäre ich nun also auch bei meiner letzten Film-Kritik für dieses Jahr angelangt und wünsche euch erneut viel Freude bei der Lektüre und natürlich auch sonst einen schönen Abend.

Captain Fantastic
Einmal Wildnis und zurück

Captain Fantastic, USA 2016, 118 Min.

Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Matt Ross
Autor:
Matt Ross

Main-Cast:
Viggo Mortensen (Ben)
George MacKay (Bo)
Samantha Isler (Kielyr)
Annalise Basso (Vespyr)
Nicholas Hamilton (Rellian)
Shree Crooks (Zaja)
Charlie Shotwell (Nai)
in weiteren Rollen:
Frank Langella (Jack)
Kathryn Hahn (Harper)
Steve Zahn (Dave)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück | © Universum Film
© Universum Film

Vor Jahren haben Ben und seine Frau Leslie beschlossen, der Zivilisation den Rücken zu kehren und gemeinsam mit ihren sechs Kindern in der Wildnis zu leben, doch so ganz gelingt ihnen das nicht, denn Leslie bedarf psychologischer Betreuung und befindet sich seit geraumer Zeit im Krankenhaus, während Ben seine Kinder nicht nur körperlich, sondern auch geistig und philosophisch in Topform bringt. Als aber Leslie eines Nachts Selbstmord begeht, kann der siebenköpfige Clan nicht anders, als in den Bus zu steigen und ihre wohl wichtigste Mission in Angriff zu nehmen, denn die überzeugte Buddhistin Leslie wollte mitnichten christlich beerdigt, sondern verbrannt werden, auch wenn das Leslies Vater nicht zu kümmern scheint…

Rezension:

Auf den ersten Blick mutet Matt Ross‘ Captain Fantastic wie die klassische Indie-Tragikomödie an und so richtig falsch liegt man mit dieser Vermutung auch nicht, doch verbirgt sich hinter dem Film tatsächlich weit mehr als die markigen Sprüche, die man aus den Trailern und der Fernsehwerbung hinlänglich kennen dürfte. So überrascht der Film auch mit einem unerwartet rabiaten Einstieg, der die Jagd auf und das Erlegen von Wild zum Thema hat und nicht gerade unblutig ist, was meine Liebste beinahe veranlasst hätte, dem Film nach nur wenigen Minuten den Rücken zu kehren. Von da an allerdings geht es aufwärts und man lernt zunächst die Lebensumstände kennen, unter denen Ben und seine insgesamt sechs Kinder in der Wildnis ihr Dasein fristen, wohlgemerkt auf eigenen Wunsch und mit mächtig intensivem Überlebens-, Kraft- und Ausdauer-Training nebst Schulbildung, die Ben auch gleich in Heimarbeit besorgt. So vermittelt der Film anfänglich ein mehr als interessantes, alternatives Lebenskonzept und erst ausgehend von der Frage nach dem Verbleib der Mutter entspinnt sich überhaupt erst eine Handlung, die dann nach mehr als dreißig Minuten langsam an Fahrt aufnimmt, wobei das hier wörtlich zu verstehen ist, denn die Truppe macht sich in ihrem Bus auf gen Zivilisation.

Szenenbild aus Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück | © Universum Film
© Universum Film

Überrascht hat mich dabei die zunächst vorherrschende Ernsthaftigkeit, mit der die Geschichte dargebracht wird, denn auch wenn es einige anrührende Szenen wie beispielsweise ein gemeinsames Musizieren am Lagerfeuer gibt, ist der in Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück offerierte Lebensentwurf eher grimmig und ernst geraten. Das ändert sich freilich, als insbesondere die Kinder mit der Zivilisation in Kontakt kommen, die sie bis dato nur vom Hörensagen kennen und Matt Ross – der nämlich auch als Drehbuchautor fungiert – nutzt diese Episoden gewinnbringend, um daraus allerhand Lacher und Skurrilitäten zu generieren, wobei er des Öfteren auch über das Ziel hinausschießt. Dafür hat Ross allerdings Viggo Mortensen (Eine dunkle Begierde), der dem Geschehen mit seiner ungemein überzeugenden und ernsthaften Interpretation des Aussteigers Ben jederzeit eine gewisse Erdung verleiht. Damit will ich aber keineswegs die Leistung der jüngeren SchauspielerInnen herabwürdigen, die allesamt nicht gerade wenig zum Überzeugungsgrad des Streifens beitragen und durch die Bank weg enorm stimmig besetzt worden sind, wobei Bens ältester Sohn Bo, dargestellt von dem aus How I Live Now bekannten George MacKay klar im Vordergrund steht.

Eine nicht minder tragende Rolle haben die weiblichen Vertreter der Familie, angefangen mit den älteren Geschwistern Kielyr (Samantha Isler) und Vespyr (Annalise Basso) bis hin zu der zauberhaften Zaja (Shree Crooks), die jede Szene für sich vereinnahmt. Abgerundet wird das Bild von dem zornigen Rellian (Nicholas Hamilton) und dem kleinen Nai (Charlie Shotwell). Es versteht sich, dass bei einer derart großen Familie leider aber auch nicht ausreichend Zeit bleibt, jede Figur detailliert zu umreißen und das merkt man auch bei Captain Fantastic, doch passt die Chemie der Figuren so dermaßen gut, wird das Gefühl der Loyalität und des Zusammenhalts so dermaßen hochgehalten, dass dadurch kleinere charakterliche Auslassungen nicht weiter ins Gewicht fallen. Ähnlich verhält es sich da mit dem Plot, der zunächst Zeit braucht, in Fahrt zu kommen und auch im Mittelteil und gegen Ende einige unnötige Schwenker macht, derer es nicht bedurft hätte und die das Geschehen etwas holprig wirken lassen.

Szenenbild aus Captain Fantastic - Einmal Wildnis und zurück | © Universum Film
© Universum Film

Weit störender fällt in diesem Zusammenhang aber ins Gewicht, dass Ross relativ rabiat zwischen leichtfüßiger Feel-Good-Komödie und tieftragischem Familiendrama wechselt und man sich als Zuschauer kaum auf den ein ums andere Mal umschlagenden Erzählton einstellen kann, was dem Film leider ein paar Abzüge in der B-Note beschert, denn davon abgesehen ist der Mikrokosmos der Aussteiger-Familie und ihr so ungewohntes, aber doch liebevoll ausstaffiertes Weltbild so lohnenswert und spannend geraten, dass man gerne darüber hinwegseiht, dass der Plot zuweilen recht generische Figuren und Situationen hervorbringt, die oftmals in starkem Kontrast zu den stets pointierten Dialogen und dem ausgefeilten Familiengeflecht stehen. Schlussendlich endet Captain Fantastic dann leider auch ziemlich platt und man merkt deutlich, dass Ross sich gescheut zu haben scheint, sich mit den Konsequenzen dieses alternativen Lebensstils auseinanderzusetzen, doch hat man zu diesem Zeitpunkt längst alle Mitglieder dieser unangepassten und schrägen Familie so dermaßen ins Herz geschlossen, dass es kaum für einen kurzen Moment der Irritation reicht.

Fazit & Wertung:

Mit Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück liefert Regisseur und Autor Matt Ross eine herrlich schräge, überraschend emotionale und erfrischend inszenierte Tragikomödie ab, der ein wenig mehr inhaltliche Stringenz sicherlich gutgetan hätte und die sich an mannigfachen Klischees schadlos hält, doch was dramaturgisch nicht immer aufgeht, macht die glänzende Besetzung einer der liebenswürdigsten und interessantesten Familien der letzten Jahre mehr als wett.

7,5 von 10 Botschaften des Humanismus

Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück

  • Botschaften des Humanismus - 7.5/10
    7.5/10

Kurzfassung

Mit Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück liefert Regisseur und Autor Matt Ross eine herrlich schräge, überraschend emotionale und erfrischend inszenierte Tragikomödie ab, der ein wenig mehr inhaltliche Stringenz sicherlich gutgetan hätte und die sich an mannigfachen Klischees schadlos hält, doch was dramaturgisch nicht immer aufgeht, macht die glänzende Besetzung einer der liebenswürdigsten und interessantesten Familien der letzten Jahre mehr als wett.

7.5/10
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Captain Fantastic – Einmal Wildnis und zurück ist am 27.12.16 auf DVD und Blu-ray bei Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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