Review: Lucifer 1 – Mein Wille geschehe (Graphic Novel)

Spät, aber nicht zu spät komme ich dann heute auch wieder einmal mit einem Comic-Band ums Eck und bleibe der Einfachheit halber in der Ecke von Vertigo, aus der ursprünglich auch der Hellblazer gekommen ist, um den es beim letzten Mal ging.

Lucifer
Mein Wille geschehe

Lucifer #1-6, USA 2015/2016, 148 Seiten

Lucifer 1 - Mein Wille geschehe | © Panini
© Panini

Autorin:
Holly Black
Zeichner:
Lee Garbett
Stephanie Hans

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-957-98944-4

Genre:
Fantasy | Mystery | Horror

 

Inhalt:

Gott ist tot. Doch wer, wenn nicht der Teufel selbst, hätte Interesse daran, IHN zu töten? Und so entsendet Metatron den Erzengel Gabriel, um den gefallenen Bruder zur Rede zu stellen. Lucifer allerdings weiß Gabriel alsbald zu überzeugen, dass er es nicht gewesen sein kann, woraufhin die beiden ungleichen Brüder ein nicht minder ungewöhnliches Bündnis eingehen, um quer durch die Welten dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, wer für das wohl größte und schwerste Verbrechen aller Zeiten verantwortlich zeichnen könnte. Dabei versteht es sich von selbst, dass Lucifer und Gabriel nicht gerade gut miteinander zurechtkommen und Auseinandersetzungen scheinen geradezu vorprogrammiert, derweil auf der Erde ein Übel ganz anderer Art Unheil zu stiften beginnt…

Ausschnitt aus Lucifer 1 - Mein Wille geschehe | © Panini
© Panini

Rezension:

Wie bei vermutlich vielen anderen auch wurde meine Aufmerksamkeit zuvorderst durch die noch relativ junge und gleichnamige Serie Lucifer, die es derzeit bei Amazon Prime zu bewundern gibt, aufmerksam auf den Comic-Band Lucifer 1 – Mein Wille geschehe, der kürzlich im Panini Verlag erschienen ist und die ersten sechs Ausgaben der – ebenfalls gleichnamigen – US-Serie umfasst. Nichtsdestotrotz war mir schon im Vorfeld klar, dass es sich ursprünglich um eine von Fantasy-Mastermind Neil Gaiman ersonnene Figur handelt, die vor mehr als zwei Jahrzehnten in der Kultserie Sandman das Licht der Welt erblickt hat. Zu meiner Schande muss ich nun gestehen, mich bis dato noch nicht dem umfangreichen Sandman-Fundus gewidmet zu haben, doch ist dies einerseits für die nächsten Jahre fest eingeplant, während ich andererseits zumindest Auszüge und einzelne Fragmente des Epos kenne und daher zu behaupten können meine, dass diese Serie weitaus mehr dem Geist der Vorlage entspricht, als es die doch gewaltig abgewandelte TV-Serie je könnte.

Ausschnitt aus Lucifer 1 - Mein Wille geschehe | © Panini
© Panini

Nun zeichnet aber hier nicht Neil Gaiman, sondern stattdessen Holly Black für die Storyline verantwortlich, die zwar Gaiman nicht wirklich das Wasser reichen kann – wenn ich die Geschichte mit den mir bekannten Romanen von ihm vergleiche – , aber dennoch einen überzeugenden Plot abliefert, der durchaus wendungs- und überraschungsreich daherkommt und zuweilen von einem feinsinnigen und teils bissigen Humor durchzogen ist, der mir sehr zu imponieren wusste. Die eigentliche Geschichte nun dreht sich vorrangig um die Frage, wer Gott getötet hat, denn während anfänglich so ziemlich jeder den einstigen Höllenfürsten in Verdacht hat, weiß der diese Vorwürfe schnell zu entkräften und tut sich gar mit Erzengel Gabriel zusammen, um hinter das Geheimnis zu kommen, wer für den Tod von IHM verantwortlich zeichnet. Dabei verschlägt es die beiden nicht nur in Richtung Himmel und Hölle, sondern auch ins Reich der Träume, derweil sich ein Subplot auf der Erde anschickt, erst spät mit der Storyline um Lucifer zu verschmelzen und anfänglich durchaus Rätsel aufgibt.

Für die optische Gestaltung zeichnet dabei zunächst Lee Garbett verantwortlich, der einen durchaus soliden Job abliefert, bei dem es wenig zu bemängeln gibt, zumal er seinen Figuren gehörig Wiedererkennungswert spendiert und auch um "epischere" Panels nicht verlegen ist. Eigentliches Highlight aber ist zweifellos das sich an die fünfteilige Storyline anschließende One-Shot, das von der mir bis dato unbekannten Stephanie Hans bebildert worden ist und nicht nur optisch ungemein gelungen ist, auch wenn es ein wenig schade sein mag, dass diese Geschichte sich losgelöst vom Rest der Handlung bewegt und wohl erst in einem hoffentlich bald erscheinenden Folgeband zu Lucifer 1 – Mein Wille geschehe wieder aufgegriffen werden wird.

Ausschnitt aus Lucifer 1 - Mein Wille geschehe | © Panini
© Panini

Einzig ein wenig schade mag sein, dass man – gerade bei Unkenntnis des Sandman-Mythos doch recht unvermittelt in die Geschichte geworfen wird und eine Vielzahl Fragen bis zuletzt unbeantwortet bleiben, wobei ich eben auch nicht beurteilen kann, inwieweit die Kenntnis des Ursprungswerkes oder früherer Serien um den Höllenfürsten beim Verständnis hätten helfen können, doch Spaß macht der Band auch für Neu- und Quereinsteiger allemal, wie ich an mir selbst beobachten konnte, denn Lucifer 1 – Mein Wille geschehe weist genügend Alleinstellungsmerkmale und Qualitäten auf, um auch für sich genommen überzeugen zu können. Allein wer mit der TV-Serie im Hinterkopf ähnlich gelagerte Abenteuer erwartet dürfte enttäuscht werden, denn die Überschneidungen sind wirklich nur marginal, nicht nur was den Erzählton und den Aufbau der Geschichte, sondern auch den Humor und Esprit anbelangt, die sich im Grunde überhaupt nicht vergleichen, noch gegeneinander aufwiegen lassen, weil hier beide Produktionen einen gänzlich eigenen Weg verfolgen, wobei Blacks Interpretation sich wie gesagt weitaus näher an der ursprünglichen Idee der Figur orientiert.

Fazit & Wertung:

Die in Lucifer 1 – Mein Wille geschehe enthaltenen ersten sechs Hefte der amerikanischen Serie von Holly Black wissen durchweg zu überzeugen und liefern einen spannenden Auftakt nebst eines nicht minder packenden One-Shots, die hoffentlich mit den Folgebänden noch getoppt werden können. Der langen Geschichte der Figur geschuldet werden zwar nicht alle Details erklärt und Neueinsteiger werden eine Weile brauchen, sich in dieser Welt zurechtzufinden, doch lohnt sich der Ausflug allemal und ich bin schon sehr gespannt, wie es mit dem einstigen Herrn der Hölle weitergehen wird.

8,5 von 10 Verdächtigungen der Himmlischen Heerscharen

Lucifer 1 – Mein Wille geschehe

  • Verdächtigungen der Himmlischen Heerscharen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die in Lucifer 1 – Mein Wille geschehe enthaltenen ersten sechs Hefte der amerikanischen Serie von Holly Black wissen durchweg zu überzeugen und liefern einen spannenden Auftakt nebst eines nicht minder packenden One-Shots, die hoffentlich mit den Folgebänden noch getoppt werden können. Der langen Geschichte der Figur geschuldet werden zwar nicht alle Details erklärt und Neueinsteiger werden eine Weile brauchen, sich in dieser Welt zurechtzufinden, doch lohnt sich der Ausflug allemal und ich bin schon sehr gespannt, wie es mit dem einstigen Herrn der Hölle weitergehen wird.

8.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Lucifer 1 – Mein Wille geschehe ist am 18.10.2016 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

%d Bloggern gefällt das: