Review: Star Wars: Schülerin der dunklen Seite | Christie Golden (Buch)

Das Star Wars Universum

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Da wäre ich also schon wieder mit der nächsten Star Wars Review und was soll ich sagen, die Übersicht zu den (neuen) Kanon-Werken füllt sich beständig und es macht richtig Spaß, zu sehen, wie diese Auflistung wächst, gerade in Anbetracht dessen, dass es heute auch wieder um ein Buch geht, das ich für ungemein lohnens- wie lesenswert halte.

Star Wars
Schülerin der dunklen Seite

Star Wars: Dark Disciple, USA 2015, 416 Seiten

Star Wars: Schülerin der dunklen Seite von Christie Golden | © Blanvalet
© Blanvalet

Autorin:
Christie Golden
Übersetzer:
Andreas Kasprzak

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-734-16106-3

Genre:
Abenteuer | Science-Fiction | Action

 

Inhalt:

Eine weitere Explosion, stärker diesmal. Die Lichter erstarben flackernd und wurden beinahe sofort vom blutroten Schein der Notbeleuchtung ersetzt. Das dunkelgraue Metall der Wände schien sich unheilvoll um sich zusammenzuziehen. Etwas in Nya machte Klick, und bevor sie auch nur registrierte, was sie tat, war sie bereits auf die Beine gesprungen und rannte zu der rechteckigen Tür des Frachtraums hinüber.

Die Klonkriege toben seit Jahren und unter der Führung des gefürchteten Sith-Lord Count Dooku zeichnen die Separatisten für zahllose Gräueltaten und Gewaltakte verantwortlich. Die Jedi, einst in der gesamten Galaxis als Hüter des Friedens bekannt, sehen sich in dieser Situation vermehrt an ihre Grenzen getrieben und wissen dem unbarmherzigen Treiben von Count Dooku kaum noch etwas entgegenzusetzen, weshalb der Gedanke innerhalb des Jedi-Rates keimt, womöglich zu rabiateren Mitteln greifen zu müssen, um dem Sith Einhalt zu gebieten. Und so entschließt man sich, den Jedi-Meister Quinlan Vos zu entsenden, um ein Bündnis mit Asajj Ventress einzugehen, die als ehemalige Schülerin des Count ihm bereits zwei Mal nach dem Leben getrachtet hat, jedoch bislang gescheitert ist. Die Schwierigkeit bei der Mission allerdings besteht darin, dass Vos einerseits das Vertrauen von Asajj erlangen muss, sie andererseits über seine Herkunft und eigentlichen Ziele im Unklaren zu lassen hat, denn die Abtrünnige gilt als zweifelhafte Verbündete…

Rezension:

Kein Monat ist vergangen seit meiner letzten Star Wars-Lektüre und schon trudelte jüngst mit Schülerin der dunklen Seite der nächste und derzeit neueste Kanon-Roman ein, der – wie ich erst später, genauer gesagt beim Vorwort seitens Katie Lucas erfahren sollte – auf acht unverfilmten Drehbüchern zu The Clone Wars basiert, was anfänglich zugegebenermaßen meine Befürchtungen geschürt hat, mit dem Stoff eher wenig anfangen zu können, kenne ich bekanntlich die aus immerhin sechs Staffeln bestehende Animationsserie überhaupt nicht. Diese Befürchtungen allerdings erwiesen sich als durchweg unbegründet, denn während eine der Hauptfiguren des Romans, der Jedi-Meister Quinlan Vos in der Serie wohl eher nur am Rande Erwähnung fand, gelingt es Autorin Christie Golden vortrefflich, die Lebensstationen der ehemaligen Sith-Schülerin Asajj Ventress zu umreißen, um auch sie als Figur glaubhaft und erfahrbar zu machen. Mit dem ungewöhnlichen Team-Up aus noblem Jedi und ehemaligem Schützling von Count Dooku weiß der Plot auch vom ersten Moment an erstaunlich viel anzufangen und nutzt in der Interaktion der beiden ausgiebig die Möglichkeiten, die sich aus der konträren Weltsicht ergeben, wobei auch hier beide Seiten der Medaille durch fein nuancierte Grauschattierungen bestechen und es nicht eben einfach machen, eine klare Position zu beziehen oder eine uneingeschränkt taugliche Sympathiefigur ausmachen zu können.

Kenobi empfand einen unangenehmen Schauder, als Yoda diese letzten Worte aussprach. Er wusste, was das bedeutete. Nur wenige waren stärker in der Macht als Yoda, und auch wenn der kleine grünhäutige Jedi-Meister sich stets in Demut übte und betonte, dass sich die ewig wandelbare Zukunft nie mit völliger Gewissheit voraussagen ließ, gab es doch einige Dinge, die er einfach wusste. Dies schien eines davon zu sein.

Speziell beim Jedi-Rat selbst, der erwartungsgemäß natürlich so seine Auftritte in der Erzählung hat – inklusive beinahe obligatorischer Figuren wie Yoda, Mace Windu, Obi-Wan oder auch Anakin – macht sich diese sorgsam austarierte Moral ebenfalls bemerkbar, denn der Rat plant in seiner Ohnmacht und Ratlosigkeit nichts Geringeres, als ein Attentat an Count Dooku zu verüben, um seiner Kriegstreiberei Einhalt zu gebieten, was dann auch den Ausgangspunkt für die Erzählung liefert, die erstaunlich schnell an Fahrt gewinnt, was zu Teilen sicherlich auch dem Ursprungsgedanken eines Drehbuches geschuldet sein mag. Eher ärgerlich ist es da, dass man auch beim Aufbau des Romans in seiner Gänze dessen Ursprünge nicht von der Hand weisen kann und zumindest grob in der Lage sein sollte, die einzelnen Kapitel – also die ursprünglichen acht Drehbücher – zu erkennen und auch wenn sich Golden bemüht, das Treiben in Schülerin der dunklen Seite zu einem großen Ganzen zu verbinden, sind es doch oft einzelne, kürzere Episoden, die vergleichsweise wenig zur Handlung beitragen, die zwar nicht unbedingt die Spannungskurve senken, in letzter Konsequenz aber beinahe entbehrlich scheinen und teils doch sehr gehetzt abgehandelt werden.

Wer jetzt aber meint, die Lektüre von Schülerin der dunklen Seite wäre aus genannten Gründen zu vernachlässigen, dem kann ich nur vehement widersprechen, denn auch wenn sich das Geschehen zuweilen ein wenig episodisch liest, entspinnt sich doch, ausgehend von einem leichtfüßigen und charmanten Action-Abenteuer alsbald eine von Intrigen, Lügen, Verrat und Verlangen getriebene Storyline, die all das Gute zum Vorschein bringt, was die Faszination der Welt von Star Wars ausmacht und gespickt ist mit überraschenden, teils schockierenden Wendungen sowie noch dadurch gewinnt, dass man es zwar mit einem auktorialen, aber mitnichten allwissenden Erzähler zu tun hat, so dass die Fronten immer mehr verwischen und man sich als Leser mehr als einmal fragen darf, wer denn nun auf wessen Seite steht und wem es Vertrauen zu schenken gilt. Das entschädigt in dieser formidablen Form sogar dafür, dass man nun einmal immerhin darum weiß, dass das Attentat auf Dooku in keinem Fall von Erfolg gekrönt sein kann, denn auch wenn dessen Schicksal bereits bekannt ist, bangt man doch umso mehr um Quinlan Vos und Asajj Ventress, denn nicht allein der Tod vermag tiefe Narben zu hinterlassen, wie die Erzählung eindrücklich unter Beweis stellt.

Beliebtheit. Ruhm. Ein Jedi nicht nach diesen Dingen strebte, wie Yoda es ausdrücken würde. Und auch Vos strebte nicht danach. Doch es machte ihn glücklich, alte Freunde wiederzusehen, die schrecklich ernsten Padawane und die zappeligen Jünglinge zu treffen, und umso unwilliger war er, zu seiner nächsten Mission aufzubrechen. Viel zu oft wurde er an die schlimmsten Orte geschickt, wo er sich in der Gegenwart der unangenehmsten Charaktere wiederfand. Dass er mit solchen Missionen beauftragt wurde und dass er dabei so erfolgreich war, lag ironischerweise an seiner Fähigkeit, aus jeder Situation das Beste zu machen, ganz gleich, wo er sich aufhielt oder wer seinen Weg kreuzte.

Was zusätzlich zu gefallen weiß ist die Art des hier betriebenen Foreshadowing, denn die Versuchungen der dunklen Seite, die Fehleinschätzungen des Jedi-Rates, die Ohnmacht gegenüber der Unbarmherzigkeit der skrupellosen Sith sind alles Aspekte, die zu einem späteren Zeitpunkt des Kanons noch vermehrt zum Tragen kommen werden und Schülerin der dunklen Seite bedient sich in diesem Wissen all dieser Elemente, ohne sich vorwerfen lassen zu müssen, schnöde abzukupfern. Vor allem aber erfüllt in diesem Kontext jeder Gastauftritt, jede Szene mit Obi-Wan und Anakin ihren Zweck und ist weit mehr als lediglich Fan-Service, zumal ich sagen muss, dass die Figuren allesamt ausnehmend gut getroffen worden sind und insbesondere Count Dooku seinem Status als Sith-Lord endlich einmal richtiggehend gerecht wird und als überlebensgroßes und schier unbezwingbares Feindbild inszeniert wird, der aber nicht nur mit seinen Macht-Fähigkeiten, sondern auch seiner Wortgewandtheit und durchtriebenen Art zu überzeugen weiß. Und so zählt Christie Goldens Adaption der unverfilmten Drehbücher für mich zu den bisherigen Highlights des neuen Kanons, denn wäre da nicht die Sache mit der teils holprigen, zuweilen sprunghaften Erzählweise, man hätte es mit einem beinahe perfekten Star Wars-Roman zu tun, an dem es wirklich nichts auszusetzen gäbe. Last but not least hat Golden geschafft, was ich vor Jahren für undenkbar gehalten hätte, nämlich, in mir den Wunsch zu wecken, mich vielleicht doch einmal eingehender mit The Clone Wars auseinanderzusetzen, denn wenn sich dort ähnlich lohnenswerte erzählerische Perlen verbergen, habe ich die Serie völlig zu Unrecht bislang gemieden.

Fazit & Wertung:

Mit Schülerin der dunklen Seite legt Christie Golden einen ungemein bestechenden und lohnenswerten Kanon-Roman vor, der in beinahe sämtlichen Belangen überzeugt und eine wendungsreiche und ungemein packende Geschichte offeriert, der man allerdings leider manchmal anmerkt, dass es sich ursprünglich einmal um Drehbuch-Skripte gehandelt hat, wodurch die Erzählung manchmal etwas sprunghaft und abgehackt wirkt, doch davon abgesehen handelt es sich um eine uneingeschränkte Empfehlung für jeden Star Wars-Fan, ob man The Clone Wars nun kennt oder auch nicht.

9 von 10 Verlockungen der Dunklen Seite

Schülerin der dunklen Seite

  • Verlockungen der Dunklen Seite - 9/10
    9/10

Kurzfassung

Mit Schülerin der dunklen Seite legt Christie Golden einen ungemein bestechenden und lohnenswerten Kanon-Roman vor, der in beinahe sämtlichen Belangen überzeugt und eine wendungsreiche und ungemein packende Geschichte offeriert, der man allerdings leider manchmal anmerkt, dass es sich ursprünglich einmal um Drehbuch-Skripte gehandelt hat, wodurch die Erzählung manchmal etwas sprunghaft und abgehackt wirkt, doch davon abgesehen handelt es sich um eine uneingeschränkte Empfehlung für jeden Star Wars-Fan, ob man The Clone Wars nun kennt oder auch nicht.

9.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Star Wars: Schülerin der dunklen Seite ist am 21.11.16 im Blanvalet Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Hmm, Asajj Ventress war eine interessante Figur in den „Clone Wars“ – und wenn das Buch auf den Drehbüchern für einst geplante weitere Folgen basiert, macht das diese Art der Fortsetzung in der Tat interessant für mich. Wenn ich doch nur Zeit für all die mich theoretisch interessierenden Bücher (und Serien und Filme) hätte … *seufz*

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