Review: Das Lied von Eis und Feuer 10: Ein Tanz mit Drachen | George R. R. Martin (Buch)

Ja ja, das neue Jahr schickt sich an, ziemlich gut zu werden, denn heute präsentiere ich meine vorerst finale Buch-Kritik zu George R. R. Martins Fantasy-Epos. Nun könnte ich darüber lamentieren, dass ich eigentlich vorgehabt hatte, diesen Artikel bereits Ende letzten Jahres zu veröffentlichen, aber als Opener für 2017 in Sachen Literatur macht er auch keine schlechte Figur.

Das Lied von Eis und Feuer
Ein Tanz mit Drachen

A Dance with Dragons (Pages 500-960), USA 2011, 800 Seiten

Das Lied von Eis und Feuer 10: Ein Tanz mit Drachen von George R. R. Martin | © Penhaligon
© Penhaligon

Autor:
George R. R. Martin
Übersetzer:
Andreas Helweg

Verlag (D):
Penhaligon
ISBN:
978-3-7645-3102-7

Genre:
Fantasy | Drama | Abenteuer

 

Inhalt:

»Es wird Krieg geben, ob wir nun wollen oder nicht«, sagte Obara. »Ein Kindkönig sitzt auf dem Eisernen Thron. Lord Stannis hält die Mauer und sammelt Nordmänner unter seinem Banner. Die beiden Königinnen streiten sich um Tommen wie zwei Hündinnen um einen saftigen Knochen. Die Eisenmänner haben die Schildinseln eingenommen und plündern entlang des Manders bis tief hinein ins Herz der Weite. Rosengarten ist demnach ebenfalls beschäftigt. Unsere Feinde sind in Unordnung. Die Zeit ist reif.«

Daenerys versucht noch immer, ihre Stellung in Meereen zu festigen und stimmt schlussendlich der Vermählung mit Hizdahr zo Loraq zu, ebenso wie der Wiedereröffnung der Kampfarenen. In Westeros derweil muss sich Jon Schnee nicht nur weiterhin als neuer Lord Kommandant der Nachtwache behaupten, sondern gerät zunehmend in die Kritik, als er Val entsendet, um mit Tormund Riesentod zu verhandeln, da Jon plant, noch weitere Wildlinge auf die Südseite der Mauer zu holen um sie vor den Anderen zu retten. Während weiter südlich Jaime Lannister die Belagerung von Rabenbaum beendet, ist Cersei in Königsmund noch immer in der Großen Septe von Baelor inhaftiert und harrt ihrem Urteil. Unterdessen setzt Arya im Haus von Schwarz und Weiß ihre Ausbildung fort und Tyrion sitzt gemeinsam mit Hella und dem Exilanten Jorah Mormont im Golf der Trauer fest, doch werden sie alsbald durch einen tosenden Sturm vom Regen in die Traufe geraten…

Rezension:

Nun liegt er also hinter mir, der bis dato letzte oder sagen wir aktuellste Teil von George R. R. Martins sich über Dekaden ziehenden Epos Das Lied von Eis und Feuer und wie sich das für den jeweils zweiten Teil eines Buches gehört, sind hier schließlich erneut "nur" die letzten rund 500 Seiten des nach amerikanischer Zählweise fünften Bandes der Reihe enthalten, hat mich Ein Tanz mit Drachen noch ein Quäntchen mehr zu packen gewusst als sein direkter Vorgänger Der Sohn des Greifen. Beinahe – so möchte ich attestieren – befindet sich Martin also wieder auf der literarischen Höhe der fulminanten ersten Bände und wartet abermals mit einer Vielzahl frischer Ideen auf, wobei er dem Kern nach natürlich im Grunde nur die bereits begonnenen Geschichten fortführt. Nichtsdestotrotz gerät hier insbesondere bei den Handlungssträngen um Jon an der Mauer und Daenerys in Meereen spürbar einiges in Bewegung, während die eine wie die andere Geschichte zuvor teils arg vor sich hinzudümpeln schien. Nun aber nutzt Martin die geschaffenen Konflikte, einerseits bezogen auf den Argwohn der Nachtwache gegenüber den Wildlingen, die Jon vermehrt in die Länder südlich der Mauer zu schleusen beginnt, andererseits die Notwendigkeit für Daenerys, Kompromisse und Zugeständnisse zu machen, um sich der Treue ihres Volkes zu versichern, was zuvorderst bedeutet, Hizdahr zo Loraq schlussendlich zu ehelichen, obwohl das Mädchen in ihr sich weit lieber weiterhin mit Daario Naharis in den Laken wälzen wollen würde.

Hotah betrachtete sie eine nach der anderen. Obara, in rostigen Nägeln und gehärtetem Leder, mit engstehenden Augen voller Wut und rattenbraunem Haar. Nymeria, träge, elegant, mit olivenfarbiger Haut und dem langen, schwarzen Zopf, in den rotgoldener Draht geflochten war. Tyene, mit ihren blauen Augen und dem blonden Haar, eine Kindfrau mit weichen Händen und leisem Kichern.

Während sich Martin aber auf die Geschehnisse an der Mauer sowie in der Sklavenbucht konzentriert, könnte man meinen, es bliebe relativ still in der Mitte des Reiches von Westeros, zumal sich nun ja selbst Tyrion sowie Arya auf dem Kontinent Essos befinden und hier überrascht Ein Tanz mit Drachen kurzzeitig, denn trotz der geplanten Parallelität der Ereignisse widmet sich Martin schlussendlich aber auch Jaime und Cersei Lannister, obwohl deren Geschicke bereits im deutschen siebten und achten Band behandelt worden sind, weshalb ich anfänglich nicht damit gerechnet hatte, hier von ihnen zu hören, wobei da die Serie, insbesondere die sechste Staffel, nun bereits die Buchleser spoilert, einerseits was das Schicksal von Jon angeht, andererseits, was Cersei in diesem Band bevorsteht, wobei ich in beiden Fällen nicht weiter ins Detail gehen möchte, zumal jeder, der Serie und/oder Buch kennt, wissen dürfte, wovon ich spreche. Das tut der Spannung an sich aber keinen Abbruch und bekanntermaßen bewegen sich beide Geschichten auch vermehrt in unterschiedliche Richtungen, weshalb abzuwarten bleibt, in welche Richtung Martin seine Geschichte lenken wird, so er denn je dazu kommen sollte, die noch ausstehenden zwei Bände zu verfassen.

Was mich hingegen ein wenig gestört hat, waren die seit dem siebten Band zunehmend beliebter werdenden Kapitel um Randfiguren ohne (in der Kapitelüberschrift) genannten Namen, denn Martin weitet diese Vorgehensweise hier nun vermehrt auf eigentlich bekannte Figuren aus, die aber eben nicht typischerweise als Erzähler in Erscheinung treten, was anfänglich zuweilen Verwirrung stiftet, wenn man meint, es mit einer unbekannten Person zu tun zu haben, derweil es sich dann, wie man später aus dem Kontext erfährt, um beispielsweise Barristan Selmy oder Theon Graufreud handelt. Dessen ungeachtet sorgen aber natürlich auch diese Kapitel für reichlich Abwechslungsreichtum und auch wenn am Ende des Bandes das Schicksal vieler Figuren in der Schwebe ist und sich Martin einigen Gestalten nur am Rande widmet, zugleich natürlich aber auch wie gewohnt neue Figuren ins Feld schickt, sind das alles natürlich Dinge, die man bereits aus den vorangegangenen Bänden kennt und mit denen man leben können muss, wobei Martin hier mit überdurchschnittlich vielen Cliffhangern aufwartet, was damit zusammenhängen mag, dass seinerzeit einzelne Kapitel entfernt worden sind, um Teil des noch immer in der Mache befindlichen sechsten Bandes The Winds of Winter zu werden, mit dem man ja angeblich 2017 möglicherweise rechnen könnte, doch dachte man das in all den Jahren, die mittlerweile wieder seit der Veröffentlichung von Ein Tanz mit Drachen ins Land gezogen sind, schon des Öfteren.

Septon Cellador trank ein wenig Wein. Othell Yarwyck spießte eine Wurst mit seinem Dolch auf. Bowen Marsch saß mit rotem Gesicht da. Der Rabe schlug mit den Flügeln und sagte: »Korn, Korn, Tod.« Schließlich räusperte sich der Lord Verwalter. »Euer Lordschaft wissen es sicherlich am besten. Darf ich eine Frage wegen dieser Leichen in den Eiszellen stellen? Sie bereiten den Männern Unbehagen. Und warum müssen sie bewacht werden? Sicherlich ist das Verschwendung von zwei guten Männern, es sei denn, Ihr fürchtet …«
»… dass sie wiederauferstehen? Ich bete sogar dafür.«
Der Septon wurde blass. »Die Sieben mögen uns beschützen. « Wein troff als rote Linie von seinem Kinn. »Lord Kommandant, Wiedergänger sind Ungeheuer, unnatürliche Geschöpfe. Abscheulichkeiten in den Augen der Götter. Ihr … Ihr könnt Euch nicht ernsthaft mit der Absicht tragen, zu versuchen mit ihnen zu sprechen?«

Wie es sich aber auch immer verhalten mag, kommt dieser Band qualitativ schon recht nahe an die ersten Bände heran und ich habe die Geschichten um all die liebgewonnenen Figuren regelrecht verschlungen, auch wenn ich von vielen gerne mehr gehört hätte und andere Figuren wiederum gar nicht in Erscheinung getreten sind, weshalb ich das vorläufige Ende der Saga auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachte, denn anders als diejenigen, die den fünften, also hierzulande neunten und zehnten Band bereits bei dessen Veröffentlichung verschlungen haben, werde ich zumindest schon einmal ein gutes halbes Jahrzehnt weniger lang auf die Fortsetzung warten müssen und widme mich nun erst einmal wieder der HBO-Serie, von der ja auch noch immerhin vier Staffeln ihrer Sichtung und Besprechung an dieser Stelle harren.

Fazit & Wertung:

Mit der zweiten Hälfte des fünften Bandes, hierzulande als Ein Tanz mit Drachen betitelt, knüpft George R. R. Martin beinahe nahtlos an frühere Erfolge an und liefert eine gewohnt packende Story voller Intrigen und Verrat, deren einziger Wermutstropfen es ist, dass die Geschichte in Anbetracht der noch in den Sternen stehenden Veröffentlichung des Nachfolgers mit unerfreulich vielen Cliffhangern endet.

9,5 von 10 Schattenwölfen von Winterfell

Das Lied von Eis und Feuer 10: Ein Tanz mit Drachen

  • Schattenwölfe von Winterfell - 9.5/10
    9.5/10

Fazit & Wertung:

Mit der zweiten Hälfte des fünften Bandes, hierzulande als Ein Tanz mit Drachen betitelt, knüpft George R. R. Martin beinahe nahtlos an frühere Erfolge an und liefert eine gewohnt packende Story voller Intrigen und Verrat, deren einziger Wermutstropfen es ist, dass die Geschichte in Anbetracht der noch in den Sternen stehenden Veröffentlichung des Nachfolgers mit unerfreulich vielen Cliffhangern endet.

9.5/10
Leser-Wertung 7.5/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 9/10 Punkte

Das Lied von Eis und Feuer:

1. Die Herren von Winterfell
2. Das Erbe von Winterfell
3. Der Thron der sieben Königreiche
4. Die Saat des goldenen Löwen
5. Sturm der Schwerter
6. Die Königin der Drachen
7. Zeit der Krähen
8. Die dunkle Königin
9. Der Sohn des Greifen
10. Ein Tanz mit Drachen

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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Penhaligon. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Das Lied von Eis und Feuer 10: Ein Tanz mit Drachen ist am 23.07.12 bei Penhaligon erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!


  • Randall Flagg

    Ich habe mittlerweile Zweifel, ob wir je das Ende erfahren werden. Meiner Meinung nach hat Martin sich verzettelt und weiß nicht, wie er das Ganze auflösen soll.
    Zur TV Serie habe ich eine Art Hassliebe entwickelt. Dazu muss ich anmerken, dass ich die Bücher 6 oder 7 mal komplett gelesen habe, ich kenne mich also aus.
    Die ersten 2 Staffeln fand ich grandios. Schauspieler, Kostüme, alles top, Doch dann saß ich zunehmend vor dem TV und hab gesagt: „So war das aber nicht..“.
    In der Serie ist vieles anders, ganze Handlungsstränge und Personen kommen überhaupt nicht vor usw. Lange habe ich mich auch gesträubt, die aktuelle Staffel zu schauen, ich wollte dem neuen Buch nicht vorweg greifen und mir die „falsche Geschichte“ einprägen.
    Irgendwann habe ich sie dann aber doch geschaut und komme zu einem faszinierenden Schluss und damit schließt sich auch der Kreis, zu meinen einleitenden Worten:
    Die TV Geschichte kommt mir nun so vor, als wäre sie das was Martin immer wollte. Sie erzählt die Geschichte, so glaube ich, wie sie mal geplant war und das straff und konsequent, auch wenn sich, für mich, immer noch einiges falsch anfühlt.

    Ich versteh einfach nicht, was Martin geritten hat, mittendrin einen Cut zu machen und plötzlich ganz neue Figuren und Schauplätze einzuführen.
    Zudem fand ich die meisten davon, ehrlich gesagt, nicht besonders interessant. Zumal man die wirklich wichtigen Personen auch in die Hauptgeschichte hätte einbetten können, ohne daraus gleich komplette Romane zu machen.
    Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Winds of Winter immer noch nicht erschienen ist. Martin hat womöglich selbst keine Ahnung, wie er alles wieder zusammenfügen soll.
    Zudem habe ich die Befürchtung, dass er es auch körperlich nicht mehr schaffen wird, die Reihe zu beenden. Er ist nicht mehr der Jüngste und bei seinem Tempo dauert es wahrscheinlich nochmal 20 Jahre, bis wir das Ende erfahren.
    Geplant waren ja wohl mal 7 Bände, aber Martin hat ja schon verlauten lassen, dass es womöglich nicht reicht und es noch mehr benötigt.

    Irgendwie macht mich das ein bisschen sauer. Ich, der eigentlich überhaupt nichts für Fantasy übrig hat, verliebe mich unsterblich in ein Werk und das hat ausgerechnet den langsamsten Autor der Welt, dem auch noch scheinbar sein Werk über den Kopf gewachsen ist und der auch noch das Gefühl verbreitet, alles andere zu machen, bloß nicht an seinem Hauptwerk zu arbeiten.
    Man kann über Stephen King sagen was man will, aber die Turm Saga hat er durchgezogen und zu einem würdigen Abschluss gebracht.
    Bei Martin habe ich da so meine Zweifel, gelinde gesagt.

    Übrigens: Tolle Seite, werde jetzt öfter vorbeischauen. Bin durch eine Rezension drauf aufmerksam geworden.

  • Pingback: Montagsfrage: Buch-Highlights im ersten Halbjahr? | Medienjournal()

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