Review: Deadpool (Film)

Es reißt nicht ab und ich freue mich, auch mal wieder ein paar aktuellere Filme endlich nachholen zu können und dass ich diesen hier so lange vor mir hergeschoben habe, war zugegebenermaßen ja schon ein Frevel an sich. Aber jetzt!

Deadpool

Deadpool, USA 2016, 108 Min.

Deadpool | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Tim Miller
Autoren:
Rhett Reese
Paul Wernick

Main-Cast:
Ryan Reynolds (Wade / Deadpool)
Morena Baccarin (Vanessa)
in weiteren Rollen:
Ed Skrein (Ajax)
T.J. Miller (Weasel)
Gina Carano (Angel Dust)
Brianna Hildebrand (Negasonic Teenage Warhead)

Genre:
Action | Abenteuer | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Deadpool | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Wade Wilson führt als Elite-Söldner ein ungewöhnliches, aber auch forderndes Leben und als er sich schließlich noch in die Prostituierte Vanessa verknallt, scheint sein Glück perfekt, doch dann bekommt Wade unheilbaren Krebs diagnostiziert und wendet sich von Vanessa ab, will nicht vor ihren Augen langsam dahinsiechen. Mit der Angst vor dem Tod im Nacken, kommt das Angebot, sich einem Projekt, das ihn möglicherweise heilen könnte, zur Verfügung zu stellen gerade recht. Gesagt, getan, muss Wade allerdings bald feststellen, dass es sich mitnichten um eine medizinische Einrichtung im klassischen Sinne handelt, derweil sich der Verantwortliche der Einrichtung als regelrechter Psychopath entpuppt. Nach brutaler Folter gelingt Wade zwar die Flucht und auch der Krebs kann dank neu gewonnener Selbstheilungskräfte eingedämmt werden, doch ist sein Gesicht nach den Torturen entstellt. Ohne Vanessa unter die Augen treten zu können, erschafft Wade sein Alter Ego Deadpool und sinnt auf Rache…

Rezension:

Ich hatte im Vorfeld schon so einiges zu Deadpool gehört und war mir sicher, hier eine Superheldenverfilmung vorgesetzt zu bekommen, die doch sehr meinem Geschmack entsprechen dürfte, speziell was den bitterbösen Humor des Streifens angeht und zumal ich nicht wie viele andere per se etwas gegen Ryan Reynolds habe (hatte?) und ihn speziell für Filmrollen wie in The Voices sehr schätze, derweil er persönlich sicherlich nicht viel dazu konnte, dass Green Lantern ein absoluter Rohrkrepierer war (über den ich noch nicht einmal bloggen wollte). Und ja, speziell diese vorangegangene Superhelden-Chose wird natürlich genauso durch den Kakao gezogen wie alles andere, was noch dadurch begünstigt wird, dass der regenerierende Degenerierte sich ja unter anderem dadurch auszeichnet, gerne mal die Vierte Wand zu durchbrechen und zum Zuschauer zu sprechen, was tatsächlich im Film noch weitaus besser funktioniert als in den Comics.

Szenenbild aus Deadpool | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Apropos Comics hatte ich dank der Deadpool-Anthologie natürlich eine recht genaue Vorstellung davon, was mich erwarten würde und wurde diesbezüglich wirklich nicht enttäuscht, auch wenn ich mir beispielsweise von Negasonic Teenage Warhead ein wenig mehr erhofft hätte, doch wurde die bekanntermaßen ja eh vorrangig ihres coolen Namens wegen in den Film geschrieben (und ist hier auch gänzlich anders gestaltet und hat andere Kräfte als ihr Comic-Vorbild). Davon abgesehen geht Deadpool vom ersten Moment an in die Vollen und bereits das Intro gibt unzweifelhaft die Marschrichtung vor, wenn statt der Namen der Darsteller lediglich deren "Funktion" oder nennen wir es mal Alleinstellungsmerkmale in den Fokus gerückt, was beispielsweise aus Regisseur Tim Miller schlicht einen "überbezahlten Honk" macht. Und auch wenn die Pläne zur Verfilmung im Vorfeld von vielen wohl eher belächelt worden sind, muss ich doch sagen, dass es mehr als gelungen ist, den Geist der Vorlage auf die Leinwand zu transportieren und halte tatsächlich Ryan Reynolds nach Sichtung des Films schlichtweg für die Idealbesetzung des Merc With a Mouth.

Nicht ganz unschuldig an meiner Begeisterung mag sicherlich auch Morena Bacarrin (Homeland) in einer für sie wohl eher untypischen Rolle sein, doch auch hier hätten es die Filmemacher nicht besser treffen können, um aus Reynolds‘ und Baccarins Figur eines der wohl ungewöhnlichsten Liebespaare überhaupt zu machen, das sich zudem in einer ausgedehnten Rückblende auf kreativste Weise körperlich näherzukommen weiß. All das unterstützt natürlich den anzüglichen Charme und das anarchische Image des Anti-Helden schlechthin und speziell dank der Meta-Ebene, die sich allein aufgrund der durchbrochenen Vierten Wand und den offensiven Seitenhieben auf andere Franchises und filmische Comic-Vertreter ergibt, erlaubt sich Deadpool allerhand unerhörte Freiheiten, die mehr als nur ein wenig Kurzweil versprechen und sich exponentiell steigern, je mehr Geek-Wissen man vorzuweisen hat, um all die Anspielungen zu erkennen und zu verorten. Umso schöner, dass dabei die Geschichte nicht auf der Strecke bleibt, wobei es sich hierbei tatsächlich neben dem doch wieder sehr konturlosen, von Ed Skrein (The Model) immerhin charismatisch-sadistisch gespielten Bösewicht Ajax um den am wenigsten ausgeprägten Part des Films handelt, denn gefühlt die Hälfte der kaum zweistündigen Reise ist man naturgemäß mit der Origin des (Anti-)Helden beschäftigt und was sich hieran anschließt ist in Sachen Dramaturgie nun weder neu noch überraschend, aber das weiß Wade "Deadpool" Wilson mit seinen dummen Sprüchen locker zu übertünchen.

Szenenbild aus Deadpool | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Und ja, der Humor schießt sicherlich auch nur allzu gerne mal über das Ziel hinaus und ist zuweilen kindisch und pubertär sondergleichen, doch ist man auch hier wieder extrem nah an der Vorlage und auch wenn ich ebenso wenig über jede Zote habe lachen können, muss man den Drehbuchautoren Rhett Reese und Paul Wernick doch zugutehalten, dass sie der Vorlage treu geblieben sind. Und genauso kompromisslos ist dankenswerterweise der ganze Streifen geraten und wenn es zur Sache geht, dann richtig, was natürlich Blut und Gewalt noch und nöcher bedeutet, vor allem aber auch einen Nonkonformismus in Sachen politischer Korrektheit, wie man ihn heutzutage nur noch selten findet. Den einzigen Fehler den man begehen kann, wenn man plant, sich Deadpool zu Gemüte zu führen, wäre es wohl, auch nur irgendwas davon ernstzunehmen oder nur allzu schnell pikiert zu sein, denn ja, der Humor ist ungemein sexistisch, oft beleidigend, aber auch selbstironisch und – vielleicht Deadpools Form von Gleichbehandlung – schlichtweg gegen alles und jeden gerichtet, gerne auch sich selbst oder seinen Darsteller. Inszenatorisch ist das schon wirklich alles ziemlich peppig und abgedreht geraten, weshalb der Film ohne Zweifel eine Klasse für sich ist und schwer zu toppen sein wird, wenn 2018 der Nachfolger ins Kino kommen wird, doch andererseits ergeben sich hier natürlich ganz andere Möglichkeiten dadurch, dass Wades Vorgeschichte nun bereits erzählt ist, denn wie gesagt ist es einzig der doch ziemlich generische Plot des Films, der wiederum in ein nicht minder stereotypes Finale mündet, der das ansonsten vor schwarzem Witz und absurden Einfällen überbordende Werk in seinem dennoch enormen Unterhaltungswert ein wenig abwertet.

Fazit & Wertung:

Tim Millers Deadpool ist so herrlich respektlos, überdreht und zuweilen brutal geraten, wie man sich das von einer adäquaten Verfilmung um den regenerierenden Degenerierten nur wünschen konnte und auch wenn abgesehen von Ryan Reynolds‘ Figur des Wade "Deadpool" Wilson die weiteren Figuren und gerade der Bösewicht doch ziemlich blass bleiben und der nach Schema F gestrickte Plot nicht gerade vom Hocker reißt, macht die unangepasst-anarchische Chose doch schlichtweg gehörig Spaß.

8,5 von 10 tödlichen Schussverletzungen

Deadpool

  • Tödliche Schussverletzungen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Tim Millers Deadpool ist so herrlich respektlos, überdreht und zuweilen brutal geraten, wie man sich das von einer adäquaten Verfilmung um den regenerierenden Degenerierten nur wünschen konnte und auch wenn abgesehen von Ryan Reynolds‘ Figur des Wade "Deadpool" Wilson die weiteren Figuren und gerade der Bösewicht doch ziemlich blass bleiben und der nach Schema F gestrickte Plot nicht gerade vom Hocker reißt, macht die unangepasst-anarchische Chose doch schlichtweg gehörig Spaß.

8.5/10
Leser-Wertung 7.33/10 (3 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 4,5/5 Punkte
Der Kinogänger: 8/10 Punkte
moviescape.blog: 8/10 Punkte
Stuffed Shelves: 8/10 Punkte

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DVD:

Blu-ray:

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